Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
O. Müller-Plathe

Oximetrie

Englischer Begriff
oximetry
Definition
Spektrophotometrisches Verfahren zur Messung von Hämoglobinderivaten und zur Berechnung der Sauerstoffsättigung.
Beschreibung
Untersuchungsmaterial: anaerob gewonnenes heparinisiertes Vollblut wie für die Blutgasanalyse. Gründliche Resuspendierung der Erythrozyten unmittelbar vor Analyse erforderlich.
Verfahren: Die Mehrwellenlängen-Oximetrie („multiwavelength oximetry“) basiert auf den unterschiedlichen Absorptionsspektren der Hämoglobin-Derivate (Abb. 1). Die Lichtabsorption einer durch Ultraschall hämolysierten Blutprobe wird in einer Messkammer von wenigen μm Schichtlänge bei mehreren Wellenlängen photometrisch gemessen. Durch Matrixkalkulation werden aus den gemessenen Extinktionen die Konzentration des Gesamt-Hb, die Sauerstoffsättigung und die Fraktionen von O2Hb, Deoxy-Hb, COHb (Kohlenmonoxidhämoglobin), MetHb (Methämoglobin) sowie ggf. HbF und Hämoglobin S automatisch berechnet. Bei einigen Geräten ist zusätzlich eine Messung des Bilirubins (Bilirubin) im Vollblut mit der gleichen Technologie möglich.
Größere Blutgasanalysatoren sind in der Regel mit Einrichtungen zur Oximetrie ausgestattet. Es gibt jedoch auch separate Oximeter, vom Mehrwellenlängen- bis zum einfachen Zweiwellenlängen-Oximeter, mit dem im Point-of-care-Einsatz lediglich die Sauerstoffsättigung überwacht werden kann.
Interferenzen: Zur Diagnostik verwendete Farbstoffe und Lipämie. Moderne Geräte geben Warnhinweise für Lipämie und Sulfhämoglobin. Bei Zweiwellenlängen-Oximetern ist zu beachten, dass durch Nichterkennung von COHb und MetHb die Ergebnisse massiv verfälscht werden können.