Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
G. Töpfer

Prozoneneffekt

Prozoneneffekt
Englischer Begriff
prozene phenomenon
Definition
Prozonen-Phänomen bezeichnet eine Abschwächung von Agglutination bzw. Präzipitation infolge eines Antikörper-Überschusses.
Beschreibung
Das Phänomen tritt bei einigen Seren auf, die nur dann zur Agglutination bzw. Präzipitation von Antigenen (s. Antigen) führen, wenn sie stark verdünnt werden. Häufig ist die Ursache nicht nur der Antikörper-Überschuss, der durch Umhüllung der Antigene eine Quervernetzung der Immunkomplexe verhindert, sondern einige Antikörper (blockierende oder inkomplette Antikörper) reagieren mit den korrespondierenden Antigenen so, dass eine Agglutination (Präzipitation) unterbleibt. Unter Veränderung der Reaktionsbedingungen (u. a. Absenkung der Ionenstärke oder Vergrößerung des Proteingehaltes) kann die Quervernetzung ausgelöst werden. Beim Spezialfall von Antigen-Antikörper-Präzipitationen oder -Agglutinationen mit quantitativer Bestimmung der Immunkomplexe (dabei hakenförmige Kalibrationskurve = Heidelberger Kurve) spricht man (im Kalibrationskurvenbereich außerhalb des aufsteigenden Teils) anstelle von Prozoneneffekt vom High-Dose-Hook-Effekt (mit gegenüber dem aufsteigenden Kurventeil geringerer Vernetzung der Immunkomplexe und im absteigenden Kurventeil außerdem teilweise löslichen Immunkomplexen).
Literatur
Bray D, Lay S (1997) Computer-based analysis of the binding steps in protein complex formation. Proc Natl Acad Sci USA 94:13493–13498, Biochemistry