Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Thymidinkinase

Thymidinkinase
Synonym(e)
TK
Englischer Begriff
thymidine kinase
Definition
Die Serum-Thymidinkinase ist ein Enzym, das für die Phosphorylierung von Desoxythymidin zu Desoxythymidin-Monophosphat verantwortlich ist.
Struktur
Es sind 3 Isoenzyme der Thymidinkinase in menschlichen Zellen bekannt. Das Isoenzym I kommt in hoher Konzentration in proliferierenden Zellen und Tumorzellen vor, nicht jedoch in ruhenden Zellen.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Die Thymidinkinase spielt in der DNA-Synthese eine wichtige Rolle und ist deshalb in schnell proliferierenden Zellen in hohen Konzentrationen vorhanden. Im Serum werden erhöhte Konzentrationen insbesondere bei lymphatischen Erkrankungen wie Non-Hodgkin-Lymphomen einschließlich chronisch lymphatischer Leukämien und dem multiplen Myelom beobachtet.
Funktion – Pathophysiologie
Die wesentliche klinische Bedeutung der Thymidinkinase-Bestimmungen liegt in der Verlaufskontrolle während Therapie und der frühzeitigen Rezidiverkennung von malignen lymphatischen Erkrankungen. Hohe bzw. ansteigende Konzentrationen gehen zudem häufig mit einer ungünstigen Prognose einher.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Körperflüssigkeiten.
Analytik
Radioimmunoassay.
Konventionelle Einheit
U/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Empfohlener Referenzbereich im Serum: <10 U/L (methodenabhängig).
Indikation
Prognose, Therapiekontrolle und Nachsorge bei lymphoiden Neoplasien, insbesondere bei Non-Hodgkin-Lymphomen, Hodgkin-Lymphomen und beim Plasmozytom.
Interpretation
Die derzeit erhältlichen Assays für die Bestimmung der Thymidinkinase sind für die Anwendung im Serum ausgetestet.
Die Thymidinkinase ist ein allgemeiner Proliferationsmarker insbesondere bei Erkrankungen mit Einbeziehung des lymphatischen Systems. Erhöhte Werte findet man beim multiplen Myelom, beim Morbus Hodgkin, bei der chronisch lymphatischen Leukämie und bei anderen malignen Non-Hodgkin-Lymphomen. Außerdem werden erhöhte Konzentrationen bei einigen soliden Tumorerkrankungen und bei Beeinträchtigungen der Nierenfunktion beobachtet. Ein möglicher Einsatz von Thymidinkinase 1 zur Unterstützung der Diagnose und Prognoseabschätzung bei verschiedenen soliden Tumorarten wird diskutiert.
Diagnostische Wertigkeit
Literatur
Hallek M, Wanders L, Strohmeyer S et al (1992) Thymidine kinase: a tumor marker with prognostic value for on-Hodgkin's lymphoma and a broad range of potential clinical applications. Ann Hematol 65:1–5CrossRefPubMed
Stieber P, Heinemann V (2008) Sinnvoller Einsatz von Tumormarkern. J Lab Med 32:339–360
Zhou J, He E, Skog S (2013) The proliferation marker thymidine kinase 1 in clinical use. Mol Clin Oncol 1:18–28CrossRefPubMed