Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Trübung des Urins

Synonym(e)
Harntrübung
Englischer Begriff
urine turbidity
Definition
Sichtbare Trübung des frisch gelassenen Urins im Sammelbehälter unabhängig von der Entstehung vor, während oder nach der Miktion.
Beschreibung
Eine Trübung des Harns war schon in der antiken und mittelalterlichen Uroskopie (Harnschau) Gegenstand mehr oder weniger spekulativer Interpretationen. Unterschied der Uroskopiker die Trübung noch nach Wolken (nephele), Suspension (enaiorema) und Niederschlag (hypostasis), wurden im 18.–19. Jahrhundert die chemischen Eigenschaften und mit Erfindung des Mikroskops die kristallinen Formen der Trübung unterschieden und in Beziehung zu Erkrankungen des Patienten gebracht. Von diagnostischer Bedeutung blieben Trübungen, die auf definierte Erkrankungen hindeuteten und gemeinsam mit der Farbe der Trübung, teilweise namengebend für die Substanzen oder die Erkrankung wurden (Alkaptonurie, Zystinurie oder Phosphaturie). Weitgehend ersetzt durch die spezifischen Teststreifen und chemischen Untersuchungen ist die Deutung einer Harntrübung kompliziert geworden durch artefizielle Ursachen (z. B. Kontrastmittel, Medikamente oder Nahrungszusätze). Dennoch sollte die Deutung einer Trübung des Urins jedem Arzt geläufig sein:
  • Trübung des Harns im alkalischen pH-Bereich: Phosphate, Carbonate, Oxalate, Bakterien durch Verunreinigung, Schleim
  • Trübung im sauren pH-Bereich: Urate
  • Trübungen unabhängig vom pH des Urins: Schleim, Leukozyten, Epithelien, Erythrozyten (rot), Kontrastmittel, Fett (Chylurie), Medikamente (Harnsediment)