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02.04.2024 | Rheumatoide Arthritis | Nachrichten

Neues Modell entwickelt

Rheumatoide Arthritis: Potenzielle Entscheidungshilfe zum Tapering von Biologika

verfasst von: Dr. med. Bianca Bach

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Ein multivariates Vorhersagemodell könnte nach externer Validierung Orientierung bieten, welchen Patienten mit Rheumatoider Arthritis das Ausschleichen von Biologika nahegelegt werden kann – und welchen eher nicht.

C-reaktives Protein (CRP), regulatorische T-Zellen (Tregs) und Entzündungszellen (inflammation-related cells, IRC) eignen sich offenbar als Biomarker, um bei Rheumatoide Arthritis (RA) in stabiler Remission das Rezidivrisiko vorherzusagen, falls biologische Disease Modifying Antirheumatic Drugs (bDMARD) ausgeschlichen werden.

Unter fortgesetzter Therapie sind es vor allem die Zahl druckschmerzhafter Gelenke, die Schmerzangabe auf der visuellen Analogskala (VAS) und die Gesamt-Powerdoppleraktivität in der Arthrosonographie, anhand derer die Wahrscheinlichkeit erneuter Schübe abzulesen ist.

Das hat eine prospektive Real-World-Studie aus England ergeben (ACR Open Rheumatol 2024; online 27. Februar).

„Unser Modell könnte der Entscheidung von Patienten zum Ausschleichen der Medikamente zugrunde gelegt werden und tatsächlich diejenigen identifizieren, die ein hohes Schubrisiko haben – was den Arzt in die Lage versetzt, vom Ausschleichen abzuraten, wenn das Risiko als hoch einzuschätzen ist“, schreibt das Team um Dr. Hanna Gul und Professor Paul Emery von der Universität Leeds.


T-Zellen zunehmend im Fokus

An der Studie nahmen 123 Patienten und Patientinnen mit RA in stabiler Remission teil. Dafür musste ihr 28-Gelenke-Disease-Activity-Score mit CRP (DAS 28-CRP) ohne Glucokortikoid-Therapie seit sechs Monaten unter 2,6 liegen. Die Ärztinnen und Ärzte boten ihnen nun an, die bDMARD-Therapie nach einem definierten Protokoll auszuschleichen oder fortzuführen.

Zu Studienbeginn wurden demografische und klinische Parameter (Patient Related Outcomes, PRO) erfasst, wie die Selbsteinschätzung der Krankheitsaktivität mittels VAS, Ultraschallbefunde und bestimmte T-Zell-Gruppen.

Letztere finden als RA-Biomarker zunehmend Beachtung. Schließlich ist die Dysregulation der T-Zellen entscheidend in der Pathogenese. „Bisher wurde keiner dieser potenziellen Biomarker in einem multivariaten Modell zur Vorhersage von Schüben nach dem Ausschleichen von bDMARDs verwendet“, berichten die Autoren und Autorinnen.

Von 63 Patienten, die sich für das Tapering entschieden, erlitten 37 Prozent binnen zwölf Monaten einen neuerlichen Schub. Unter fortgesetzter Therapie waren es 20 Prozent.

Signifikant mit Rezidiven in der Tapering-Gruppe assoziiert waren weniger Tregs, höhere CRP-Werte, eine Blutsenkungsbeschleunigung und mehr IRC. In der schrittweisen Modellierung kristallisierten sich Tregs, IRC und CRP als zu 81,7 Prozent akkurate Vorhersage-Parameter heraus.

In der Gruppe mit unverändert fortgesetzter Therapie sagten die Zahl druckschmerzhafter Gelenke, die Powerdoppleraktivität und die Schmerz-VAS mit 82,1-prozentiger Genauigkeit einen Schub voraus.
 

Tapering mehrheitlich kein Problem

Hätten die Forscher ihr in der Studie entwickeltes multidimensionales Vorhersagemodell von vornherein gehabt und auf die Gesamtkohorte angewendet, hätten aufgrund eines niedrigen Schubrisikos 80 Prozent aller Teilnehmer ihr bDMARD ausschleichen können. Zudem brachte die Wiederaufnahme der Behandlung bei Rezidiven nach Absetzen alle erneut in Remission.

Das Modell ist noch extern an größeren Kohorten zu validieren. Gleichwohl haben die Wissenschaftler schon konkrete Vorstellungen, wie die Therapieentscheidungen im Praxisalltag ablaufen könnten: „Ein erster Ansatz, um ein Ausschleichen in Betracht zu ziehen/anzubieten, könnte sein, Patienten in stabiler Remission mit einem normalen CRP-Wert einzubeziehen. Patienten in Remission, die immer noch empfindliche Gelenke haben, könnten dann von einer T-Zell-Subtypen-Bewertung profitieren, um jene mit aktiver Entzündung von Schmerzen aufgrund einer anderen Pathologie (zum Beispiel Arthrose oder Fibromyalgie/chronischer Schmerzzustand) abzugrenzen.“

Quelle: © Ärzte Zeitung

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