Zum Inhalt
Der Nervenarzt

Apparative Verfahren in der Hirntoddiagnostik

Nutzung, Ergebnisse und Auswirkungen in Nordostdeutschland

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Gemäß der Richtlinie der Bundesärztekammer kann der Nachweis des irreversiblen Ausfalls der Hirnfunktion in Abhängigkeit von Patientenalter und Art der Hirnschädigung allein durch klinische Untersuchung erfolgen oder zusätzliche apparative Diagnostik (ZD) erfordern.

Methoden

Retrospektive Auswertung der Hirntoddiagnostik, die zwischen Januar 2001 und Dezember 2010 in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Einsatz von ZD gemäß der 3. Fortschreibung der Richtlinie erfolgte und der Deutschen Stiftung Organtransplantation gemeldet wurde.

Ergebnisse

Insgesamt 1401 Patienten (0–94 Jahre) erhielten 1636 apparative Untersuchungen. Erstes Zusatzverfahren war am häufigsten eine Elektroenzephalographie (EEG; 71,7 %). 93,6 % der ersten ZD ergaben positive, die Irreversibilität bestätigende Befunde. Negative Befunde der ZD waren seltener bei primär supratentorieller (2,9 %) als bei infratentorieller (13,7 %) oder sekundärer Hirnschädigung (8,1 %) sowie vor dem 3. Lebensjahr (18,5 %). Unabhängig vom Ergebnis der ZD wurde nie eine Rückbildung der klinischen Ausfallzeichen dokumentiert. Variabilität bestand hinsichtlich Zeitpunkt, Art und Wiederholung der ZD. Während ZD den diagnostischen Prozess meist deutlich verkürzte, kam es in jedem 10. Fall zu Verzögerungen gegenüber dem klinischen Irreversibilitätsnachweis.

Diskussion

ZD allein belegt nicht den Ausfall der Hirnfunktion, sondern dient dem Irreversibilitätsnachweis. Bei Patienten ab dem 3. Lebensjahr ohne primäre infratentorielle Läsion weisen klinische Verlaufsbeurteilung und apparative ZD die Irreversibilität mit gleicher Sicherheit nach. Eine einrichtungsübergreifende Standardisierung der Abläufe scheint wünschenswert.
Titel
Apparative Verfahren in der Hirntoddiagnostik
Nutzung, Ergebnisse und Auswirkungen in Nordostdeutschland
Verfasst von
PD Dr. O. Hoffmann
F. Masuhr
Publikationsdatum
01.02.2016
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 2/2016
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-015-0044-2
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Kompaktes Leitlinien-Wissen Neurologie (Link öffnet in neuem Fenster)

Mit medbee Pocketcards schnell und sicher entscheiden.
Leitlinien-Wissen kostenlos und immer griffbereit auf ihrem Desktop, Handy oder Tablet.

Neu im Fachgebiet Neurologie

Bluttest sagt Alzheimerbeginn vorher

  • 25.03.2026
  • Demenz
  • Nachrichten

Fällt ein Bluttest auf pTau im Alter von 60 Jahren positiv aus, blieben noch rund 21 Jahre bis zum Beginn einer Demenz. 70-Jährige haben noch 17 Jahre Zeit, 90-Jährige nur noch 5 Jahre. Darauf deuten Modellrechnungen basierend auf kontinuierlich erhobenen Blutuntersuchungen.

Warum suizidgefährdete Ärztinnen und Ärzte keine Hilfe suchen

Gedanken an eine Selbsttötung gehen Ärztinnen und Ärzten vergleichsweise häufig durch den Kopf. Hilfe wäre möglich, wird aber selten gesucht. Warum eigentlich?

Elektronische Heilberufsausweise: Kartenaustausch jetzt beauftragen

Ärzte und Psychotherapeuten mit einem neuen Heilberufsausweis der Generation 2.1 müssen diesen jetzt mitunter nochmals tauschen. Die KBV appelliert an die Betroffenen, der Aufforderung ihres Anbieters nachzukommen und umgehend eine Austauschkarte zu beantragen.

Fortschritt in der Schlaganfall-Sekundärprävention

Nach längerer Zeit gibt es wieder einen Fortschritt in der Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls. Mit dem Faktor XIa-Hemmer Asundexian gelang in der Phase-3-Studie OCEANIC-STROKE eine Risikoreduktion für Schlaganfallrezidive, ohne Anstieg von Blutungskomplikationen.

Update Neurologie

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Junge Frau in Krankenhaus-Kleidung/© gpointstudio / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)