Zum Inhalt
Der Nervenarzt

Irreversibilitätsnachweis der klinischen Ausfallssymptome des Gehirns

Elektroenzephalographie und evozierte Potenziale

Erschienen in:

Zusammenfassung

Grundsätzlich wird in der vierten Fortschreibung der Verfahrensregeln zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms die Bedeutung des Elektroenzephalogramms (EEG), der somatosensorisch evozierten Potenziale (SEP) und der frühen akustisch evozierten Potenziale (FAEP) zum Irreversibilitätsnachweis bestätigt. Dieser Beitrag stellt die Reliabilität und Validität der elektrophysiologischen Diagnostik dar, bespricht die Änderungen der vierten Fassung der Richtlinien und führt in die praktische Anwendung und deren Probleme und Fehlerquellen ein.
Das EEG ist die am besten etablierte Zusatzdiagnostik zur Feststellung der Irreversibilität des klinischen Hirntodsyndroms. Zu beachten ist, dass häufig erhaltene hirneigene Aktivität über viele Stunden nach Eintritt des Hirntodsyndroms bestehen bleiben kann, insbesondere bei Patienten mit primären Hirnstammläsionen. Die Ableitung und Auswertung des EEG erfordert eine hohe Expertise, um Artefakte sicher von hirneigener Aktivität zu unterscheiden. Die Registrierung eines EEG zum Nachweis der Irreversibilität des klinischen Hirntodsyndroms ist ausgesprochen zeitaufwendig.
Die FAEP sind nur in seriellen Untersuchungen oder in den seltenen Fällen einer erhaltenen Welle I oder erhaltenen Welle I und II belegend für die Irreversibilität eines Hirntodsyndroms. Sehr oft ist eine Untersuchung nicht zuverlässig möglich wegen bestehender Schallleitungsstörungen oder des Ausfalls aller Potenziale schon vor Eintritt des klinischen Hirntodsyndroms. Dies begründet, warum wir die AEP nur ausnahmsweise einsetzen.
Die N. medianus-SEP sind sehr zuverlässig ableitbar, technisch einfach und mit wenigen Fehlerquellen. Es ist keine serielle Untersuchung erforderlich und der Zeitaufwand für die Ableitung gering. Aus diesen Gründen bevorzugen wir die SEP vor dem EEG und den FAEP zur Feststellung der Irreversibilität des klinischen Hirntodsyndroms.
Titel
Irreversibilitätsnachweis der klinischen Ausfallssymptome des Gehirns
Elektroenzephalographie und evozierte Potenziale
Verfasst von
Prof. Dr. H. Buchner
A. Ferbert
Publikationsdatum
01.02.2016
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 2/2016
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-015-0049-x
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Kompaktes Leitlinien-Wissen Neurologie (Link öffnet in neuem Fenster)

Mit medbee Pocketcards schnell und sicher entscheiden.
Leitlinien-Wissen kostenlos und immer griffbereit auf ihrem Desktop, Handy oder Tablet.

Neu im Fachgebiet Neurologie

„Mit Genesungsbegleitern spricht man anders über Patienten“

Genesungsbegleitende bringen in psychiatrische Kliniken eine Perspektive mit ein, die im Alltag oft fehlt. Damit würden sie nicht nur die Teamkommunikation verändern, sondern Patientinnen und Patienten auch Hoffnung auf ein Leben jenseits ihrer Erkrankung geben, so Dr. Olaf Hardt vom Vivantes-Klinikum Neukölln in Berlin.

Hochwirksame MS-Therapie ab 52 Jahren ohne klaren Vorteil

Ein Therapiebeginn mit einer hochwirksamen MS-Arznei verspricht besonders guten Schutz vor neuen Schüben und der Krankheitsprogression. Mit knapp über 50 Jahren zeigten sich in einer Registeranalyse aber keine Vorteile mehr gegenüber einer moderat wirksamen Behandlung.

Auch bei Schallleitungsschwerhörigkeit steigt das Risiko für Demenz

Das Risiko einer Demenz scheint bei Schwerhörigkeit zu steigen, unabhängig davon, wo der Schaden liegt. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie zur Schalleitungsschwerhörigkeit hin.

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Medizinischen Rat von Chatbots auf der Basis sogenannter künstlicher Intelligenz haben laut Umfragen bereits knapp die Hälfte aller Erwachsenen schon einmal eingeholt. Welche Chancen und Risiken birgt das?

Update Neurologie

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Genesungsbegleitende bringen in psychiatrische Kliniken eine Perspektive mit ein./© pressmaster / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Ältere Frau mit Multipler Sklerose, die mit verschiedenen Hilfsmitteln, darunter auch technische Geräte, alltägliche Wartungsarbeiten verrichtet./© eyecrave / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Vater recherchiert am Smartphone/© Elnur / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)