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Über dieses Buch

Würdevoll und ohne Leiden zu sterben, ist der Wunsch vieler Menschen. Damit dies gelingt, ist es sinnvoll, sich rechtzeitig mit diesem Lebensabschnitt auseinanderzusetzen und zu informieren. Aber auch, wenn man bereits unheilbar krank oder als Angehöriger betroffen ist kann man Hilfe und ein tragfähiges Netzwerk finden. Der renommierte Palliativmediziner Thomas Sitte erklärt, was man tun kann, solange man gesund ist, woran man denken muss, wenn einen eine lebensbedrohliche Erkrankung trifft und was alle tun können, wenn „nichts mehr getan“ werden kann. In diesem Zusammenhang wird auf Themen eingegangen, wie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Patientenwille, Therapiereduktion und „Sterbehilfe“, die Behandlung von Beschwerden wie Schmerzen, Angst, Depressionen, inklusive alternativer Behandlungsverfahren, ambulante und stationäre Palliativeinrichtungen bzw. Hospizdienste sowie Rechtsprobleme am Lebensende. Alle Themen werden dabei anhand der Lebensläufe von vier Personen mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung dargestellt. Kontaktadressen, Checklisten und Fragebögen geben zusätzlich konkrete Hilfestellung. Ein praxisnahes Werk, das Schwerstkranken, Sterbenden und ihren Begleitern konkreten Rat und wertvolle Hilfe bietet. Von einem ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Palliativversorgung mit zahlreichen Tipps aus der langjährigen Berufspraxis.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Wie kann man dieses Buch lesen – ein Vorwort

Da dieses Buch weder ein typisches Sach- oder Lehrbuch ist, noch eine belletristische Beschreibung oder fiktive Geschichte, möchte ich vorab erklären, was ich als Autor damit bezwecke. Jeder Leser kann etwas aus diesem Buch für sich selber oder andere mitnehmen. Völlige Laien, durchaus aber auch Experten in der hospizlich-palliativen Begleitung. Wahre, aber unkenntlich gemachte Krankengeschichten von vier ganz unterschiedlichen Menschen auf ihrem ganz individuellen Weg zu sterben sind mit sachlich-korrekten, dabei leicht verständlichen Informationen verwoben worden, denn eine gelingende hospizlich-palliative Begleitung benötigt alle Ebenen des Verstandes wie auch das Gefühls. Das wichtigste Ziel ist es dabei, das eigene Denken auf der intellektuellen wie auch emotionalen Ebene gleichermaßen anzuregen.
Thomas Sitte

2. Zeit vor der Krankheit

„Palliativ“ bedeutet für die meisten Menschen: Es ist soweit. Das Leben geht zu Ende. Jetzt kommt der Griff in den „Giftschrank“, dort werden die starken Schmerzmittel, die „Suchtmittel“, die „Betäubungsmittel“ geholt. Damit werde ich betäubt. Bis es zu Ende geht. So geht es zwar schneller, aber es geht mir auch besser.
Warum das Gegenteil richtig ist, wird in diesem Kapitel erklärt. Wenn das Nachdenken über das eigene Lebensende beginnt, solange es mir gut geht, habe ich als Patient sehr viel davon. Über Wünsche am Lebensende und meine Werte, die mir wichtig sind, sollte ich frühzeitig und mit viel Zeit nachdenken.
Dazu gehört auch der für mich passende Arzt als Begleiter, eine gute Dokumentation der Krankheit und Therapie, eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung, die hilft, Dritten meinen Willen zu verdeutlichen, wenn ich es nicht mehr kann.
Thomas Sitte

3. Zeit des Bruches

Kurz gesagt, kann man das folgende Kapitel so zusammenfassen: „Zweigleisig kurativ und palliativ Denken nutzt mehr, als alles auf die Karte der Heilung zu setzen.“
Meist wollen wir über unser Lebensende nicht weiter nachdenken. Selbst wenn wir eine schlimme Diagnose bekommen, wollen wir nur wissen, wie wir wieder gesund werden können. Wenn Sie also die besseren Chancen haben wollen, denken Sie zweigleisig. Und denken Sie zu zweit, nehmen Sie sich immer eine Vertrauensperson zu wichtigen Gesprächen mit. Hilfen annehmen kann auf Anhieb schwerer sein als Belastungen selber durchzustehen. Aber alleine lässt Ihre Kraft schneller nach. Auf einige Dinge, auf die Sie selber als Patient oder als Betreuender achten müssen, um nicht unter der ungewohnten Last zusammenbrechen und auszubrennen, will ich Sie nun hinweisen.
Thomas Sitte

4. Zeit der Unsicherheit

Das Schwanken zwischen Hoffnung auf Heilung und Angst vor dem Tod
Krank, schwer krank, immer schwächer werden und schließlich am Ende sterben ist ein Prozess, der jeden Menschen durch viele Tiefen, aber auch immer wieder Höhen führt. Oft gehen die eigenen Gefühle und die der Partner durcheinander. Oft muss man sich mühevoll durch ein Tal kämpfen, damit es danach wieder – vielleicht auch mit noch größeren Mühen – bergauf gehen kann.
Dabei ist es gut, wenn man einen gewissen Kompass findet und nicht jedem Heilsversprechen hinterherläuft. Alles was ich versuche, alles was ich tue, hat einen Preis, den ich bezahlen muss. Sei es in Geld, in Zeit, in Anstrengungen oder auch in Verlusten. Die Abwägung, was sich dabei „lohnt“ und was nicht, kann nur ich selber treffen, nur ich weiß, was mir ein wichtiges Ziel ist. Oft gelingt die Entscheidung aber alleine nicht wirklich, es kann mir helfen, die durchzusprechen, abzugleichen, gemeinsam mit einem anderen Menschen zu überlegen: Was will ich eigentlich?
Bei dieser Entscheidung möchte ich mit diesem Kapitel etwas helfen.
Thomas Sitte

5. Zeit des Umdenkens

Wenn nichts mehr getan werden kann, ist noch viel zu tun. Wenn die Last wegfällt, keine mögliche Heilungschance zu verpassen, kann es viel leichter werden, auch belastende und schwere Symptome zu behandeln. Auch belastende Therapien können dann zum angemessenen Zeitpunkt reduziert oder beendet werden. Es kann so bei allen Beteiligten zu einer wunderbaren Entspannung kommen, wenn es zu einer gewissen Akzeptanz des unvermeidbaren Krankheitsverlaufes kommt. Das heißt nicht, dass der Patient aufgegeben wird. Im Gegenteil. Wenn wir gemeinsam überlegen, welche Behandlung zu welchem Zeitpunkt noch richtig ist und viel Wert darauf legen, dem Patienten möglichst wenig Risiken auszusetzen, kann den Tagen mehr Leben und oft auch dem Leben mehr Tage gegeben werden. Das Zauberwort heißt Symptomkontrolle.
Thomas Sitte

6. Zeit der letzten Monate und Wochen

Eine der wichtigsten Fragen für jeden Menschen ist es, wie viel Zeit habe ich noch? Darauf gibt es keine präzise Antwort. Trotzdem kann man eine Richtschnur bieten, wenn es gewünscht ist. Dazu ist es in den letzten Monaten und Wochen unerlässlich, einiges im Leben anders einzurichten als in den gesünderen und sorgenärmeren Tagen des Lebens. Es gibt, auch oder besser, gerade wenn der Tod nicht unmittelbar bevorsteht, eine Vielzahl möglicher Hilfen, damit es dem Kranken und seinen Angehörigen deutlich besser geht. Oft kennt man diese Hilfen nicht, deshalb möchte ich einige hier vorstellen. Oft traut man sich aus den verschiedensten Gründen nicht, bekannte Hilfen auch in Anspruch zu nehmen, deshalb möchte ich hier dazu Mut machen, nach Hilfen zu fragen und diese auch anzunehmen.
Thomas Sitte

7. Zeit der letzten Tage und Stunden

Wie es ist, wenn es dann wirklich ganz zu Ende geht, wenn man stirbt, das hat in unserer modernen Gesellschaft leider (!) nur noch eine Minderheit der Menschen erlebt. Dabei wäre es wichtig, denn Wissen und Erfahrung schützen vor unbegründeten Ängsten. Schnell kommt es sonst dazu, dass wir meinen, wir sollten Leiden lindern, Sterben verkürzen, erleichtern. Vor allen Dingen, wenn durch die zunehmende Schwäche und mutmaßliche Hilfsbedürftigkeit des Patienten in Todesnähe ihn nicht mehr gut verstehen können und bei uns Begleitern der Eindruck entsteht, man müsse doch jetzt endlich etwas tun, wo es doch vielleicht besser wäre, nur beizustehen und da zu sein. Sterben ist nicht nur leicht und schön. Dieses Kapitel und auch das nächste sollen dazu beitragen zu zeigen, was im Sterben selbst getan werden kann und wo vielleicht doch einfach nur abgewartet werden sollte.
Thomas Sitte

8. Zeit des Sterbens

Ganz zum Schluss brauchen wir nur noch selten Medikamente, medizinische Maßnahmen und eine besondere Fachkenntnis. Was dann nötig ist eher noch Menschenkenntnis, Lebenserfahrung, Zeit und Liebe. Dabei sollten wir auch vorher darüber nachdenken: Wenn am Ende des Sterbens der Tod kommt, müssen auch alle Organe ihren Dienst einstellen. Die Nieren, die Verdauung, die Atmung, der Herzschlag. Darauf muss unser Handeln ausgerichtet sein. Wenn wir versuchen jetzt noch weiter anzuregen und zu unterstützen, wird dies in der Regel mehr schaden als nutzen.
Thomas Sitte

9. Zeit mit dem Verstorbenen

Wenn VOR dem Tod viele Unsicherheiten bestehen, weil uns schlicht die Übung für solche Situationen fehlt, so gilt dies nach dem Sterben noch viel mehr. Was ist zu tun, wenn der Tod eingetreten ist? Da gibt es Gesetze, Richtlinien, Vorschriften zu beachten. Manchmal helfen diese Formalien, dass der Umgang mit dem Toten angemessen ist. Manchmal scheinen sie sinnlos zu sein. Schwester Monika, eine wunderbare Nonne, die eine unglaublich sinnvolle Arbeit in einem Hospiz in Jerusalem macht, hat einmal zu mir gesagt: „Wissen Sie, Herr Sitte. Gesetze muss man einhalten. Wenn sie sinnvoll sind.“
Thomas Sitte

10. Die erste Zeit alleine

Nach dem Sterben wird es für den, der es noch nicht erlebt hat, zu sehr überraschenden Gefühlen kommen. Ich hätte nie erwartet, wie es sich anfühlt, bevor ich am Grab meines Vaters gesagt bekommen habe: „Jetzt stehst Du in der ersten Reihe.“ Solange ein Sterbender noch lebt, gibt es für die Angehörigen völlig andere Dinge zu tun, als wenn der Tod dann wirklich eingetreten ist. Es ist gut, das vorher zu wissen. Einige Sachfragen gibt es zu klären, wie zum Beispiel, was mit übrig gebliebenen, oft sehr starken Medikamenten gemacht werden kann oder muss. Das meiste Andere aber sind Fragen des Gefühls, des inneren Erlebens, des Umgangs mit der oft völlig neuen Situation.
Thomas Sitte

11. Zeit des Erinnerns

Den eigenen Tod, den sterben wir, mit dem Tod der anderen müssen wir leben… Dieses Kapitel könnte in diesem Buch einen sehr großen Raum einnehmen, weil die Verarbeitung dessen, was wir erleben mussten, erleben durften, oftmals nicht sehr leicht ist. Es gibt zu diesem Thema aber bereits etliche gute Ratgeber, sodass ich mich kurz fassen will.
Thomas Sitte

12. Schlusswort

Mit diesem Buch habe ich versucht, Ihnen einen wirklichen Einblick zu geben in die Gefühle, Umstände und Fragen, die am Lebensende auftreten können – sowohl bei dem, der gehen muss, als auch bei denen, die ihn begleiten. Es gibt wunderbare Erfahrungen und auch furchtbare Erlebnisse. Dabei habe ich mich bemüht, nichts zu unter- oder übertreiben, sondern Ihnen durch wirklich realitätsnahe Beschreibungen ein besseres Gespür dafür zu geben, was Sie erwarten kann. Etliches, was ich hier erzähle, hat mich selber oftmals auch mehr belastet, als ich es mir eingestanden habe. Vielleicht mute ich Ihnen auch hier oder da mehr zu, als es gut gewesen wäre. Dann fragen Sie nach! Holen Sie sich persönlichen Rat und Hilfe.
Thomas Sitte

13. Epilog

„Bitte töten Sie mich.“
Es hilft manchmal sehr, wenn man quasi neben sich tritt und sich dann in die Rolle eines anderen versetzt. Die Diskussion um Hilfe zur Selbsttötung und Tötung auf Verlangen ist hochemotional. Deshalb beschreibe ich hier eine wahre Begebenheit aus der Sicht meines Patienten, der seinem Leben ein Ende setzen will. Das kann sehr anstrengend sein, aber die Erfahrungen, die man daraus zieht, können sich lohnen.
Thomas Sitte

Backmatter

In b.Flat Allgemeinmedizin pro enthaltene Bücher

In b.Flat Allgemeinmedizin 360° enthaltene Bücher

In b.Flat Patientenratgeber für Hausärzte enthaltene Bücher

In b.Flat Palliativmedizin für Hausärzte enthaltene Bücher

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

In b.Flat Palliativmedizin enthaltene Bücher

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