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HLA-DQ2/8

Verfasst von: W. Stöcker und J. Fraune
HLA-DQ2/8
Synonym(e)
Humane Leukozyten-Antigene DQ2 und DQ8
Englischer Begriff
Human leukocyte antigens DQ2 and DQ8; HLA-DQ2/DQ8
Definition
Mit Zöliakie (Gluten-sensitive Enteropathie) assoziierte HLA-DQ-Moleküle, wobei von DQ2 zwei relevante Isoformen existieren (DQ2.2 und DQ2.5); Heterodimere aus einer α- und einer β-Untereinheit, kodiert durch spezifische Allele der HLA-DQA1- und HLA-DQB1-Gene.
Pathophysiologie
Die für Zöliakie charakteristische Enteropathie wird durch eine Überreaktion des Immunsystems auf Gewebstransglutaminase-modifizierte Gliadinfragmente (Gliadin ist ein Bestandteil des Glutens) ausgelöst (s. a. Autoantikörper gegen Gewebstransglutaminase, Antikörper gegen Gliadin). Die HLA-DQ2- und -DQ8-Moleküle sind für die Antigenpräsentation der modifizierten (desamidierten) Gliadinfragmente auf dendritischen Zellen verantwortlich. T-Zellen werden durch das dargebotene Antigen aktiviert und stimulieren ihrerseits B-Zellen zur Produktion Zöliakie-spezifischer Antikörper.
Untersuchungsmaterial
Blut, das direkt nach der Probenentnahme mit EDTA versetzt und aus dem im Anschluss genomische DNA extrahiert wird; ggf. auch aus Abstrichmaterial isolierte genomische DNA.
Probenstabilität
EDTA-Blutproben sollten vor der DNA-Extraktion maximal 2 Wochen bei +2 bis +8 °C gelagert werden. Isolierte DNA-Proben sind bei tiefen Temperaturen unter −18 °C in der Regel mindestens 1 Jahr haltbar.
Präanalytik
DNA-Extraktion aus Blutprobe.
Analytik
Die Bestimmung der krankheitsassoziierten HLA-DQ2/8-Merkmale erfordert den Nachweis der kodierenden HLA-DQA1- und -DQB1-Allele mittels molekulargenetischer Verfahren. Besonders einfach gelingt die Bestimmung mit speziell auf den HLA-DQ2/8-Nachweis abgestimmten multiparametrischen Testsystemen, z. B. Mikroarrays. Mit diesen kann die Patienten-DNA in einem einzigen Ansatz auf alle mit der Zöliakie assoziierten HLA-DQA1- und HLA-DQB1-Allele getestet werden. Im ersten Analyseschritt werden aus der DNA-Probe mehrere Abschnitte der HLA-DQA1- und HLA-DQB1-Gene mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt, wobei die entstehenden DNA-Fragmente während der Synthese mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert werden. Im zweiten Schritt werden die PCR-Produkte mit einem Mikroarray analysiert, auf dem DNA-Sonden immobilisiert sind, die komplementär zu den unterschiedlichen HLA-DQA1- und -B1-Allelen sind. Die spezifische Bindung (Hybridisierung) der fluoreszierenden PCR-Produkte an die korrespondierenden Mikroarray-Spots kann mit einem Scanner detektiert und von dazugehöriger Software automatisch ausgewertet werden.
Indikation
Die Bestimmung der genetischen Marker dient insbesondere dem Ausschluss einer Zöliakie bei Patienten mit zweifelhaften Biopsie- oder Serologieergebnissen, zur Abklärung der genetischen Prädisposition von Verwandten ersten Grades von Zöliakie-Patienten sowie bei Patienten mit Dermatitis herpetiformis Duhring, Diabetes mellitus Typ I oder Morbus Down.
Interpretation
Nahezu 100 % der Zöliakie-Patienten sind positiv für HLA-DQ2 (ca. 95 %) und/oder HLA-DQ8 (ca. 10 %), jedoch auch etwa 50 % der gesunden Bevölkerung. Damit sind die genetischen Merkmale zwar wenig spezifisch, aber bei Abwesenheit kann eine Zöliakie nahezu ausgeschlossen werden (negativer Vorhersagewert über 98 %). Personen, die HLA-DQ2- und/oder -DQ8-positiv sind, haben grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, an Zöliakie zu erkranken.
Diagnostische Wertigkeit
Ausschluss einer Zöliakie sowie Risikoabschätzung.
Literatur
Megiorni F, Pizzuti A (2012) HLA-DQA1 and HLA-DQB1 in Celiac disease predisposition: practical implications of the HLA molecular typing. J Biomed Sci 19:88CrossRefPubMedPubMedCentral
Tollefsen S, Arentz-Hansen H, Fleckenstein B, Molberg O, Raki M, Kwok WW, Jung G, Lundin KE, Sollid LM (2006) HLA-DQ2 and -DQ8 signatures of gluten T cell epitopes in celiac disease. J Clin Invest 116:2226–2236CrossRefPubMedPubMedCentral