DGIM Innere Medizin
Autoren
Michael Manns, Natascha Cieplik und Sabine Schneidewind

Anatomie der Leber

Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan, das viele lebenswichtige Funktionen erfüllt. Hierzu zählt die Produktion von Proteinen, zu denen v. a. Albumin und Gerinnungsfaktoren zählen. Daneben stellt die Leber ein Speicherorgan für Vitamine, Eisen, Kupfer, Lipide und Glykogen dar. Von größter Wichtigkeit ist auch die Entgiftungsfunktion der Leber, die die Biotransformation und biliäre Exkretion von körpereigenen und körperfremden Substanzen ermöglicht. Dazu gehört auch der Harnstoffzyklus, der zur Elimination von Ammoniak beiträgt. Zusätzlich ist die Leber durch die Produktion von Hormonvorstufen (Angiotensinogen, 25-Hydroxycholecalciferol) und Hormonen (Erythropoetin und Thrombopoetin) am Hormonhaushalt beteiligt. Die Galleflüssigkeit dient neben der Exkretion von Stoffwechselendprodukten der Emulgation von Fetten im Darm.

Einleitung

Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan, das viele lebenswichtige Funktionen erfüllt. Hierzu zählt die Produktion von Proteinen, darunter vor allem Albumin und Gerinnungsfaktoren zählen. Daneben stellt die Leber ein Speicherorgan für Vitamine, Eisen, Kupfer, Lipide und Glykogen dar. Von größter Wichtigkeit ist auch die Entgiftungsfunktion der Leber, die die Biotransformation und biliäre Exkretion von körpereigenen und körperfremden Substanzen ermöglicht. Dazu gehört der Harnstoffzyklus, der zur Elimination von Ammoniak beiträgt. Zusätzlich ist die Leber durch die Produktion von Hormonvorstufen (Angiotensinogen, 25-Hydroxycholecalciferol) und Hormonen (Erythropoetin und Thrombopoetin) am Hormonhaushalt beteiligt (Heinrich et al. 2014). Die Gallenflüssigkeit dient neben der Exkretion von Stoffwechselendprodukten der Emulgation von Fetten im Darm (Lippert 2011; Schiebler 2005).

Lage und Aufbau

Die Leber liegt intraperitoneal im rechten Oberbauch und grenzt kranial an das Zwerchfell, kaudal an die Gallenblase, die rechte Kolonflexur, die rechte Niere und die rechte Nebenniere sowie medial an Ösophagus, Magen und Duodenum.
Die Leber als parenchymatöses Organ weist beim Erwachsenen ein durchschnittliches Gewicht von 1,5 kg auf und misst in der Medioklavikularlinie maximal 15 cm. Die rötlich-braune glatte Oberfläche ist von einer Tunica fibrosa (Glisson-Kapsel) umgeben, die die einzigen Schmerzfasern des Organes trägt.
Durch verschiedene anatomische Strukturen wird die Leber in einzelne Lappen und Segmente unterteilt (Abb. 1).
Die Leber wird unterteilt in 4 Lappen (rechter und linker Leberlappen, Lobus quadratus und Lobus caudatus) oder 8 Segmente, die durch den Verlauf von Pfortader und Lebervenen bestimmt werden. Hierbei wird der anatomische vom chirurgischen linken Leberlappen unterschieden, wobei der chirurgische linke Leberlappen nach lateral zwei Segmente mehr umfasst (Abb. 1) (Putz und Pabst 2006; Lippert 2011; Schiebler 2005).

Blutversorgung und mikroskopischer Aufbau

Die Leber erhält ihren Blutzustrom über zwei verschiedene Gefäße: Die A. hepatica aus dem Truncus coeliacus versorgt die Leber mit sauerstoffreichem Blut, während die V. portae nährstoffreiches, sauerstoffärmeres Blut aus dem Splanchnikusgebiet zuführt (Lippert 2011; Schiebler 2005).
Mikroskopisch wird die Leber in Läppchen geteilt, die durch den Verlauf der Endäste der A. hepatica, der V. portae und der kleinsten Gallengänge, die gemeinsam die sog. Periportalfeld bilden, bestimmt werden (Abb. 2 und 3). Jedes Leberläppchen weist eine sechseckige Form auf, wobei sich in jeder zweiten Ecke ein Periportalfeld befindet. Der Blutfluss läuft von jenen Periportalfeldern über die Sinusoide entlang der Hepatozyten in die jeweilige Zentralvene (Junqueira 2005). Da der Sauerstoffgehalt des Blutes zur Zentralvene hin abnimmt, manifestieren sich ischämische Läsionen zentrilobulär (Abb. 4).
In den kleinsten Lebergefäßen, den Sinusoiden, treffen beide Strombahnen (A. hepatica und V. portae) aufeinander. Dort gewährleisten eine erhöhte Membranpermeabilität und diverse Aufnahmemechanismen der Hepatozyten die Aufrechterhaltung der komplexen Stoffwechselleistung der Leber.
Die von den Hepatozyten produzierte Galle wird über Canaliculi zum Periportalfeld über dann über mehrere Zwischenstufen in die Ductus hepatici transportiert. Letztere fließen zum Ductus choledochus zusammen, in den auch der Ductus cysticus mündet (Junqueira 2005).

Anatomie der Gallenblase

Die Gallenblase liegt intraperitoneal dorsal der Leber zwischen dem rechten Leberlappen und dem Lobus caudatus und grenzt an Duodenum und rechte Kolonflexur. Das 8–12 cm lange Organ lässt sich anatomisch in Kollum, Korpus und Fundus unterteilen (Abb. 4). Die Gallenblase dient der Speicherung von Galle unter Nüchternbedingungen. Daher ist sie in diesem Zustand mit 40–50 ml gut gefüllt, während sie sich postprandial nahezu komplett entleert (Schiebler 2005).
Mikroskopisch besteht die Gallenblasenwand aus Mucosa, Lamina propria, Muscularis und Serosa, wobei im Unterschied zur Leber nicht nur die Serosa durch Schmerzfasern aus dem Plexus coeliacus und dem N. phrenicus innerviert ist. Dies erklärt, warum Patienten mit einer Cholezystitis stärkste Schmerzen im Oberbauch haben. Die Schmerzen können analog der Head-Zonen in der rechten Schulter empfunden werden.
Ihre Blutversorgung erhält die Gallenblase über die A. cystica aus dem Ramus dexter der A. hepatica propria. Venös drainiert sie in die V. portae.
Literatur
Junqueira L, Carneiro J (2005) Histologie, 6. Aufl. Springer, Heidelberg, S 274 ff
Lippert H (2011) Lehrbuch Anatomie, 8. Aufl. Urban & Fischer, München, S 312 ff
Heinrich P, Müller M und Graeve L (2014) Löffler/ Petrides Biochemie und Pathobiochemie, 9. Aufl. Springer, Heidelberg, S 770 ff
Schiebler T (2005) Anatomie, 9. Aufl. Springer, Heidelberg, S 533 f. und 586 ff
Putz R und Pabst R (2006) Sobotta Atlas der Anatomie des Menschen, 22. Aufl., Bd. 2 Urban & Fischer, München, S 142 ff
Tillmann BN (2010) Atlas der Anatomie des Menschen. Springer, Heidelberg