Enzyklopädie der Schlafmedizin
Autoren
Helga Peter

Unbeabsichtigtes Einschlafen

Unbeabsichtigtes Einschlafen kann bei exzessiver Tagesschläfrigkeit auftreten, wie sie insbesondere charakteristisch für unbehandelte Patienten mit Tagesschläfrigkeit infolge schlafmedizinischer Erkrankungen ist. Die Betroffenen bemerken zwar die typischen Anzeichen der Schläfrigkeit, der Schlafdruck ist jedoch so stark, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich dagegen zu wehren. Daher rührt auch die Bezeichnung „imperativer Schlafdrang“.

Synonyme

Ungewolltes Einschlafen

Englischer Begriff

unintended sleep

Definition

Unbeabsichtigtes Einschlafen kann bei exzessiver Tagesschläfrigkeit auftreten, wie sie insbesondere charakteristisch für unbehandelte Patienten mit „Tagesschläfrigkeit“ infolge schlafmedizinischer Erkrankungen ist. Die Betroffenen bemerken zwar die typischen Anzeichen der Schläfrigkeit, der Schlafdruck („Schlafregulation“) ist jedoch so stark, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich dagegen zu wehren. Daher rührt auch die Bezeichnung „imperativer Schlafdrang“.

Grundlagen

Plötzlich auftretender hoher Schlafdruck, wie er bei unbehandelten Patienten mit „Narkolepsie“ besonders ausgeprägt vorkommt, kann verhindern, dass die Betroffenen sich gegen Einschlafen wehren können. Kennzeichnend ist, dass der Schlaf auch in völlig unangemessenen Situationen eintritt oder sogar beim Ausüben von Tätigkeiten. Sie können daraus erhebliche Probleme im sozialen Umfeld, in der Partnerschaft und im Beruf erfahren, der Verlust des Arbeitsplatzes durch Entlassung und vorzeitige Berentung sind häufige Konsequenzen. Tritt Tiefschlaf oder REM-Schlaf mit Verlust der Körperkontrolle ein oder wird zusätzlich geschnarcht, lässt sich das Einschlafen in Sitzungen, im Theater oder im Freundeskreis nicht verbergen. Manchen Betroffenen gelingt es, Coping-Strategien zu entwickeln, bei vielen führt die Symptomatik zum sozialen Rückzug.
Es folgen Schilderungen von erlebten Situationen mit unbeabsichtigtem Einschlafen von Patienten mit Narkolepsie oder mit schwerer „Obstruktive Schlafapnoe“ vor Diagnosestellung und Behandlung:
  • beim Essen; mitsamt der Gabel im Mund
  • beim Schreiben; der Füller fiel aus der Hand
  • beim Erzählen; mitten im Satz
  • beim Essen; mit dem Brötchen im Mund
  • beim Fernsehen, sogar bei Übertragungen von Spielen des Lieblingsvereins
  • beim Rauchen; Zigarette fiel aus der Hand und verursachte Zimmerbrand
  • beim Haareaufwickeln als Friseur
  • beim Unterrichten
  • beim Melken
  • beim Kochen
  • beim Bügeln
  • beim Bus- und Bahnfahren; Haltestellen werden wiederholt verschlafen
  • beim gegnerischen Angriff im Zweiten Weltkrieg trotz eines Artillerietreffers auf die eigene Gefechtsstellung
  • beim Predigen; vor der Gemeinde fiel das Textbuch aus der Hand
  • am Steuer während der Fahrstunde
  • auf einer Parkbank; er wurde stark unterkühlt aufgefunden
  • auf der Dreschmaschine
  • im Unterricht als Schülerin
  • im Konfirmandenunterricht; das Gesangbuch fiel aus der Hand
  • im Konzert, selbst beim Fortissimo
  • in der Pause; Butterbrot oder Flasche fielen aus der Hand
  • in der Badewanne; dabei fast ertrunken
  • in der Sakristei; der Priester konnte den Gottesdienst erst fortsetzen, nachdem der Küster ihn geweckt hat
Siehe auch „Tagesschläfrigkeit und Unfälle bei Obstruktiver Schlafapnoe“; „Einschlafen am Steuer“; „Einschlafen am Arbeitsplatz“; „Automatisches Verhalten“; „Schlafattacke“.
Literatur
Mayer G (2006) Narkolepsie spezial – Taschenatlas. Thieme, Stuttgart