Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
M. Bidlingmaier

GnRH-Test

GnRH-Test
Synonym (e)
Gonadotropin-Releasing-Hormon-Test
Englischer Begriff
GnRH stimulation test
Definition
Stimulationstest unter Verwendung des hypothalamischen Releasing-Hormons zur Überprüfung der Funktion der gonadotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens.
Durchführung
Legen einer Verweilkanüle, Offenhalten durch langsame Infusion von Kochsalzlösung. Basale Blutentnahmen zur Bestimmung der Gonadotropine Luteinisierendes Hormon (LH) und Follikelstimulierendes Hormon (FSH) unmittelbar vor Testbeginn (0 Minuten). Langsame intravenöse Gabe von 100 μg GnRH (60 μg/m2 Körperoberfläche bei Kindern). Weitere Blutentnahme zur Bestimmung der Gonadotropine nach 30 Minuten.
Es gibt alternative Protokolle mit mehr Blutentnahmen, da die Sekretionsmaxima von LH früher erreicht werden als von FSH. Auch wird in manchen Zentren bei negativem Testergebnis eine wiederholte Gabe von GnRH über 36 Stunden mit nachfolgender Bestimmung von LH und FSH durchgeführt. Dieser Langtest soll hinsichtlich Spezifität und Sensitivität dem Kurztest überlegen sein.
Struktur
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Molmasse
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Halbwertszeit
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Pathophysiologie
Physiologischerweise wird die Sekretion der Gonadotropine durch die Hypophyse durch die pulsatile GnRH-Stimulation aus dem Hypothalamus reguliert. Die Stimulierbarkeit der Achse reift über die Kindheit und ist bei GnRH-Rezeptordefekten oder bei Hypophyseninsuffizienz der gonadotropen Zellen aufgehoben oder abgeschwächt.
Untersuchungsmaterial
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Präanalytik
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Analytik
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Probenstabilität
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Konventionelle Einheit
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Internationale Einheit
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
Follikelstimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon.
Referenzbereich – Erwachsene
Referenzbereiche sind stark vom verwendeten Assay für LH bzw. FSH abhängig!
Männer: Es wird ein Anstieg des LH-Wertes gegenüber dem Basalwert um das 2- bis 4-Fache erwartet, FSH steigt normalerweise mindestens auf das 2-Fache des Basalwertes.
Frauen: Eine gonadotrope Insuffizienz gilt als ausgeschlossen, wenn LH- und FSH-Konzentrationen auf mehr als das 3-Fache der Basalwerte ansteigen. Es zeigt sich eine Zyklusabhängigkeit, der Anstieg ist in der Lutealphase 2- bis 4-fach, während der Ovulation 4- bis 10-fach und in der Follikelphase 3- bis 8-fach.
Referenzbereich – Kinder
Jungen (LH/FSH in IU/L):
Pubertätsstadium
LH basal
LH stimuliert
FSH basal
FSH stimuliert
1 (2–9 Jahre)
<0,30–2,50
1,30–3,80
<0,50–2,20
2,60–6,30
1 (>9 Jahre)
<0,30–1,70
2,20–21,2
<0,50–2,50
3,50–6,90
2
<0,30–1,70
3,30–18,9
<0,50–4,30
3,10–5,90
3
0,40–5,70
6,30–18,4
2,70–4,40
4,30–7,80
4
1,20–3,40
12,2–29,4
3,00–5,20
4,90–9,60
5
0,30–4,80
12,2–19,9
0,30–8,50
4,50–10,4
Mädchen (LH/FSH in IU/L):
Pubertätsstadium
LH 0 min
LH 30 min
FSH 0 min
FSH 30 min
1 (2–9 Jahre)
<0,30–0,50
1,60–5,30
<0,50–3,20
6,80–16,2
1 (>9 Jahre)
<0,30–2,00
1,60–11,3
<1,30–6,60
7,40–15,5
2
<0,30–1,20
3,30–17,4
<1,60–7,30
5,60–16,3
3
0,70–4,70
4,40–23,1
3,90–7,00
8,10–14,8
4
1,10–3,70
4,40–33,2
3,10–8,10
7,30–15,8
5
1,10–7,40
10,4–34,4
3,30–10,3
7,00–18,0
Indikation
  • Differenzialdiagnose des Hypogonadismus (hypothalamisch- und hypophysär-bedingte Formen)
  • Differenzierung zwischen konstitutioneller Entwicklungsverzögerung und hypogonadotropem Hypogonadismus
  • Überprüfung der Hypophysenfunktion bei Hypophysentumoren, nach Hirntraumen oder nach Operation
Bei basal bereits erhöhten Konzentrationen von LH und FSH ist der Test normalerweise nicht indiziert. Außerdem ist die Durchführung unter hormoneller Kontrazeption und bei Therapie mit Sexualhormonen oder GnRH-Analoga nicht sinnvoll.
Interpretation
S. Referenzbereich. Ein alters- und geschlechtsentsprechend normaler Anstieg von LH und FSH schließt eine gonadotrope Insuffizienz aus.
Bei prämenopausalen Frauen ist die Zyklusabhängigkeit zu beachten, bei Kindern und Jugendlichen die Altersabhängigkeit. Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse unterliegt einer Reifung, die Stimulierbarkeit der LH-Sekretion durch GnRH nimmt z. B. bei Knaben jenseits eines Knochenalters von 10–11 Jahren deutlich zu.
Diagnostische Wertigkeit
Der GnRH-Test ist einer der wichtigsten Tests in der Differenzialdiagnose des Hypogonadismus (Unterscheidung primärer, sekundärer und tertiärer Formen). In der Unterscheidung von konstitutioneller Entwicklungsverzögerung und hypogonadotropem Hypogonadismus hat der Kurztest Limitationen bezüglich Spezifität und Sensitivität. Eine mögliche Verbesserung der Trennschärfe durch den 36-Stunden-Test wurde berichtet. Aufgrund des logistischen Aufwands und der Invasivität wird er jedoch nur an wenigen Zentren durchgeführt. Außerdem liegen die meisten Daten zu Jungen vor, die Studienlage bei Mädchen ist hier schlechter. Auch werden teilweise synthetische Analoga mit stärkerer Wirkung und längerer Wirkdauer eingesetzt (z. B. Nafarelin, Triptorelin), wobei ggf. andere Referenzbereiche anzuwenden sind.
Literatur
Harrington J, Palmert MR (2012) Clinical review: distinguishing constitutional delay of growth and puberty from isolated hypogonadotropic hypogonadism: critical appraisal of available diagnostic tests. J Clin Endocrinol Metab 97(9):3056–3067CrossRefPubMed
Partsch CJ, Hümmelink R, Sippell WG (1990) Reference ranges of lutropin and follitropin in the luliberin test in prepubertal and pubertal children using a monoclonal immunoradiometric assay. J Clin Chem Clin Biochem 28(1):49–52PubMed