Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
M. Bidlingmaier

HCG-Test

HCG-Test
Synonym(e)
Leydig-Zell-Funktionstest
Englischer Begriff
human chorionic gonadotropin stimulation test
Definition
Stimulationstest zur Überprüfung der Testosteron-Synthese der Leydig-Zelle des Hodens unter Verwendung von synthetischem humanen Choriongonadotropin (hCG).
Durchführung
Es gibt unterschiedliche Protokolle zur Durchführung des Tests. Ein Protokoll evaluiert die Testosteronsekretion vor und 36 Stunden nach Injektion von 5000 U. Häufig erfolgt eine hCG-Gabe (1500 U i. m.) über 3 Tage, andere Arbeiten zeigen eine höhere Sensitivität des Tests bei einer längeren Gabe (z. B. 5 Injektionen über 19 Tage). Vor und 24 Stunden nach der letzten hCG-Gabe werden Blutproben zur Testosteronbestimmung entnommen. Teilweise wird auch eine Dosisadaptation bei Kindern nach Alter durchgeführt.
Struktur
Molmasse
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Halbwertszeit
Pathophysiologie
Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem luteinisierendem Hormon (LH; s. Luteinisierendes Hormon) stimuliert hCG die Testosteronsynthese und -sekretion der Leydig-Zellen des Mannes. Damit beweist ein ansteigendes Testosteron nach Injektion das Vorhandensein funktionellen Hodengewebes. Dies macht man sich in der Differenzialdiagnostik von Kryptorchismus und Anorchie zunutze. Das Ausmaß des Testosteronanstiegs korreliert zudem mit der Leydig-Zellfunktion, sodass Störungen an einem unzureichenden Anstieg erkannt werden können. Dies spielt insbesondere bei der diagnostischen Abklärung der verzögerten Pubertätsentwicklung eine Rolle.
Untersuchungsmaterial
Präanalytik
Analytik
Probenstabilität
Konventionelle Einheit
Internationale Einheit
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
Referenzbereich – Erwachsene
Die Testosteronkonzentrationen steigen normalerweise um das 1,5- bis 2-Fache an (Männer bis 60 Jahre).
Referenzbereich – Kinder
Die diagnostischen Entscheidungsgrenzen beim Testosteron hängen von Testprotokoll, der hCG-Dosis und auch vom Testosteronassay ab. Ein Testosteronanstieg auf >100 ng/dL (3,5 nmol/L) schließt meist eine Leydig-Zellinsuffizienz aus (präpubertäre Knaben). In einem ähnlichen Bereich (104 ng/dL, 3,6 nmol/L) an Tag 3 nach hCG lag nach einer Arbeit die Entscheidungsgrenze für die Abgrenzung einer verzögerten Pubertät vom hypogonadotropen Hypogonadismus (Sensitivität und Spezifität von 92 %).
Indikation
  • Kryptorchismus
  • Anorchie
  • Verzögerte Pubertätsentwicklung
Interpretation
S. Referenzbereiche und Pathophysiologie.
Diagnostische Wertigkeit
Besonders bei der differenzialdiagnostischen Abklärung des Kryptorchismus ist die Rolle des hCG-Tests belegt. In der Diagnostik der verzögerten Pubertätsentwicklung kommt der hCG-Test neben anderen Tests zum Einsatz, die Datenlage erlaubt jedoch derzeit nicht die Empfehlung eines Tests als Goldstandard.
Literatur
Abitbol L, Zborovski S, Palmert MR (2016) Evaluation of delayed puberty: what diagnostic tests should be performed in the seemingly otherwise well adolescent? Arch Dis Child 101(8):767–771CrossRefPubMed
Davenport M, Brain C, Vandenberg C, Zappala S, Duffy P, Ransley PG, Grant D (1995) The use of the hCG stimulation test in the endocrine evaluation of cryptorchidism. Br J Urol 76(6):790–794CrossRefPubMed