Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt

Kälteautoantikörper

Kälteautoantikörper
Synonym(e)
Kälteagglutinin; komplette Kälteautoantikörper
Englischer Begriff
cold autoantibodies
Definition
Kältereaktive Antikörper, die meist der IgM-Klasse angehören, gegen erythrozyteneigene Glykostrukturen gerichtet sind und ein Reaktionsoptimum bei 4 °C aufweisen.
Beschreibung
Kälteautoantikörper sind häufig gegen Zuckerstrukturen auf der Erythrozytenoberfläche gerichtet, wobei diese meistens als I- oder i-Struktur identifiziert werden können (Ii-Blutgruppensystem). I- und i-Antigene sind Zuckerstrukturen, die ubiquitär auf Erythrozyten vorkommen und Vorstufen der A- und B-Blutgruppenantigene sind. Kälteautoantikörper können sich auch gegen Glykophorinzuckerketten richten, die dann als Anti-Pr bezeichnet werden. Klinisch bedeutsam sind die als Donath-Landsteiner-Antikörper bezeichneten biphasischen Kältehämolysine, die bei juvenilen Patienten nach Virusinfektionen auftreten können und gegen das Antigen P gerichtet sind.
Die genaue Antigenspezifität vieler Kälteautoantikörper ist mittlerweile bekannt, jedoch wird deren Differenzierung in der immunhämatologischen Praxis angesichts fehlender klinischer Konsequenzen in der Regel nicht durchgeführt. Kälteautoantikörper, die als Anti-I zusammengefasst werden, können z. B. gegen die erythrozytären Antigene IF, ID, J, ICH, IB, ich, IT, IP1, ITP1, IP, IBH, IAB gerichtet sein, während die Antigene Pr1h, Pr1d, Pr2, Pr3h, Pr3d, Pra, PrM oder PrN Zielstrukturen für Kälteautoantikörper vom Typ Anti-Pr darstellen können.
Bei Temperaturen von 37 °C und im indirekten Coombs-Test führen die Kälteautoantikörper in der Regel nicht zu einer Agglutination, jedoch können hochtitrige Kälteautoantikörper oder Kälteantikörper mit einer erweiterten Wärmeamplitude zu unterschiedlichen Agglutinationsreaktionen auch im Antihumanglobulintest (Coombs-Test) führen, die entweder die Präsenz eines Alloantikörpers vortäuschen oder auch einen vorhandenen Alloantikörper maskieren können. In diesen Fällen empfiehlt sich nach einer Wärmeelution eine Kälteautoabsorption des Patientenserums, um den vorhandenen Kälteautoantikörper selektiv aus dem Probenmaterial zu eliminieren. Hierzu wird eine Absorption des im Patientenserum vorhandenen Kälteautoantikörpers an die patienteneigenen Erythrozyten bei 4 °C durchgeführt und die mit Kälteautoantikörper beladenen Erythrozyten durch Zentrifugation und Waschen entfernt. Der Antihumanglobulintest wird anschließend mit dem so behandelten Serum wiederholt, um eventuell präsente Alloantikörper zu detektieren.
Kälteautoantikörper sind bei niedrigen Antikörpertitern in der Regel klinisch unbedeutend, können jedoch manchmal zu schweren Hämolysen, insbesondere nach Kälteexposition führen. Eine Assoziation des Vorhandenseins von Kälteautoantikörpern mit Infektionen ist beschrieben worden, wobei ein molekulares Mimikry von antigenen Strukturen auf den Pathogenen mit körpereigenen Strukturen auf den Erythrozyten als ursächlich für die Bildung der Kälteautoantikörper diskutiert wird. So sind Kälteautoantikörper der Spezifität Anti-I mit Mycoplasma pneumoniae assoziiert, während Anti-i-Antikörper häufiger nach Epstein-Barr-Virus-Infektionen und Anti-Pr-Antikörper nach Infektionen mit Varizellen und Rubella-Virus auftreten können. Klinisch bedeutsam ist das Auftreten von Donath-Landsteiner-Antikörpern, die biphasische Kältehämolysine sind und meistens gegen das P-Antigen gerichtet sind und bei Kindern nach Virusinfektionen auftreten können.
Literatur
Mueller-Eckhardt C, Kiefel V (Hrsg) (2004) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 3. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New York