Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Leucinarylamidase(n)

Leucinarylamidase(n)
Synonym(e)
Arylamidase; EC 3.4.11.1; LAP; „Leucinaminopeptidase“; Naphthylamidase
Englischer Begriff
leucine arylamidase; leucine aminopeptidase
Definition
LAP bilden eine Gruppe von weitverbreiteten Exopeptidasen, die die Abspaltung aminoterminaler Aminosäuren von Peptiden katalysieren und zur Diagnose hepatobiliärer Erkrankungen eingesetzt werden.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
LAP kommt in zahlreichen Organen und Geweben mit relativ hoher spezifischer Aktivität vor, wie Leber- und Gallengangsepitelzellen, Pankreas, Darmmukosa, Nierentubulus, Testes, Mamma und Stromazellen des Uterus. In der Leber ist LAP ähnlich wie die alkalische Phosphatase (Phosphatase, alkalische) verteilt mit hohen Aktivitäten im Gallengangsepithel und geringeren Aktivitäten in den Hepatozyten. LAP katalysieren den Protein- und Peptidabbau durch Abspaltung aminoterminaler Aminosäuren mit größter Aktivität, wenn Leuzin die N-terminale Aminosäure ist. LAP kommt mit mehreren, klinisch bedeutungslosen Isoenzymen im Serum vor.
Funktion – Pathophysiologie
Anstiege im Blut sind ein nahezu spezifisches Merkmal hepatobiliärer, vor allem obstruktiver (cholestatischer) Erkrankungen. Der Enzymaustritt erfolgt bevorzugt aus Gallengangsepithelzellen.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Heparin-Plasma.
Probenstabilität
Das Enzym ist mindestens 1 Woche bei Raumtemperatur und mehrere Monate bei −20 °C stabil.
Präanalytik
EDTA hemmt das Enzym. Leichte Hämolyse stört nicht.
Analytik
Die Aktivitätsbestimmung erfolgt auf der Grundlage einer optimierten Standardmethode nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie (Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie e.V. (DGKC)) gemäß folgender Reaktion
LAP hydrolysiert das synthetische, farblose Substrat L-Leuzin-4-Nitroanilid unter Freisetzung von 4-Nitroanilin, dessen gelbe Farbe bei 405 nm fortlaufend gemessen wird. Die Geschwindigkeit der Absorptionszunahme ist der Aktivität der LAP proportional.
Referenzbereich – Frauen
Messtemperatur 25 °C: 16–32 U/L (0,27–0,54 μkat/L).
Referenzbereich – Männer
Messtemperatur 25 °C: 20–35 U/L (0,34–0,60 μkat/L).
Indikation
  • Differenzialdiagnose hepatobiliärer Erkrankungen mit und ohne Cholestase
  • Abklärung erhöhter Aktivitäten der alkalischen Phosphatase aus hepatobiliärer oder ossärer Ursache
Interpretation
LAP gehört zu den Cholestase-anzeigenden Enzymen (Cholestase-anzeigende Enzyme). Im Gegensatz zur alkalischen Phosphatase steigt ihre Aktivität bei Knochenerkrankungen mit erhöhter Osteoblastenaktivität nicht an. Dieser diagnostische Vorteil aufgrund der höheren Organspezifität für die Leber kann zur Abklärung pathogenetisch unklarer Erhöhungen der alkalischen Phosphatase herangezogen werden.
Diagnostische Wertigkeit
Eine normale LAP bei erhöhter AP weist auf eine ossäre Ursache der Hyperphosphatasämie hin und schließt eine Cholestase aus. Extrahepatische Ursachen von LAP-Erhöhungen sind Schwangerschaft (drittes Trimester, am Ende der Schwangerschaft das 3- bis 5-Fache der Norm), Mammakarzinom, orale Kontrazeptiva. Das Enzym ist heute in der klinischen Hepatologie nur noch selten im Gebrauch.
Literatur
Weber H (1969) Die Bedeutung der Leucin-Aminopeptidase. Dtsch med Wschr 94:181–184CrossRefPubMed