Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Medizin, orthomolekulare

Medizin, orthomolekulare
Englischer Begriff
orthomolecular medicine
Definition
Die wissenschaftlich umstrittene orthomolekulare Medizin propagiert die Versorgung des Körpers mit hohen Dosen von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren, essenziellen Fettsäuren und sogenannten Vitalstoffen (Nahrungsergänzungsmitteln) zur Krankheitsprävention (z. B. von malignen Tumoren).
Beschreibung
Der von dem amerikanischen Doppel-Nobelpreisträger (Chemie, Frieden) Linus Pauling geprägte Begriff der orthomolekularen Medizin/Psychiatrie geht davon aus, dass zur Erhaltung von Gesundheit und folglich zur Prävention von Krankheiten dem Körper hohe tägliche Dosen (bis zum 1000-Fachen des physiologischen Bedarfs) von Spurenelementen, Vitaminen, einigen Aminosäuren (z. B. Arginin, Glutamin, Tryptophan), Antioxidanzien und Radikalscavengern (z. B. Coenzym Q10) zugeführt werden müssen. Nur so sei ein im Körper vorhandener, krankheitsrelevanter Mangelzustand vermeidbar. Wissenschaftliches Fundament und Nutzen der hochdosierten Gabe o. g. Substanzen sind sehr umstritten sowie nicht evidenzbasiert und werden folglich kontrovers beurteilt. Die Bedeutung für die Labordiagnostik liegt in der Messung extrem hoher, weit außerhalb der Referenzbereiche für die entsprechenden Analyte liegender Konzentrationen.
Literatur
Niestroj I (2001) Praxis der orthomolekularen Medizin, 2. Aufl. Hippokrates, Stuttgart