Zum Inhalt
Der Nervenarzt

„Non-heart-beating donors“ sind nicht geeignet

Erschienen in:

Zusammenfassung

Weltweit gilt der Tod des Spenders als Voraussetzung für eine Organtransplantation („dead donor rule“). Dabei ist es medizinischer und juristischer Konsens, das 1968 vom Ad-hoc-Komitee der Harvard Medical School vorgeschlagene Hirntodkonzept als sicheres Todeszeichen anzuerkennen. Einzelnen Fällen, bei denen angeblich die Hirntoddiagnose falsch gewesen sein soll, lagen Unkorrektheiten beim diagnostischen Ablauf zugrunde. Eine gemeinsame Stellungnahme der neuromedizinischen Fachgesellschaften vom März 2014 stellt klar, dass 1. bei Einhaltung aller gültigen Kriterien und Qualitätsleitlinien die Hirntoddiagnose eine der sichersten Diagnosen in der Medizin ist und 2.  das zunehmend diskutierte und in einigen europäischen Staaten praktizierte Konzept des „non-heart-beating donors“ (NHBD; Organspende nach willkürlich definierter Dauer eines Herz- und Kreislaufstillstands) weiterhin strikt abzulehnen sei, da es ein höheres Risiko von Fehldiagnosen in sich berge. Wissenschaftlich ist unklar, wann nach einem Herzstillstand die Irreversibilität eintritt und wann die Gesamtfunktion des Gehirns irreversibel erloschen ist, auch wenn sich die klinischen Ausfallssymptome des Gehirns nach 10 min immer nachweisen lassen. Hinzu kommt die Unsicherheit, ab welchem Zeitpunkt die Dauer des Herz-Kreislauf-Stillstands zu messen ist, wenn nicht von Beginn an ein echokardiographisches Monitoring durchgeführt wurde. Zudem bestehen erhebliche ethische Bedenken gegen dieses Konzept wegen der möglichen Auswirkungen auf die ärztlichen Bemühungen, einen Patienten mit Herzstillstand zu reanimieren. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat daher wiederholt seit 1995 das NHBD-Konzept für die Organtransplantation abgelehnt.
Titel
„Non-heart-beating donors“ sind nicht geeignet
Verfasst von
W. Heide
Publikationsdatum
01.02.2016
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 2/2016
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-015-0048-y
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Kompaktes Leitlinien-Wissen Neurologie (Link öffnet in neuem Fenster)

Mit medbee Pocketcards schnell und sicher entscheiden.
Leitlinien-Wissen kostenlos und immer griffbereit auf ihrem Desktop, Handy oder Tablet.

Neu im Fachgebiet Neurologie

Verzögert eine hochdosierte Influenza-Vakzine eine Demenz?

  • 10.04.2026
  • Demenz
  • Nachrichten

Eine hochdosierte Influenza-Vakzine geht mit einer verzögerten Demenzdiagnose einher. Darauf deutet eine Auswertung von US-Gesundheitsdaten hin. Besonders auffällig sind die Effekte in den ersten Monaten nach der Impfung.

Intensive Drucksenkung zeigt U-förmigen Nutzen nach Hirnblutung

Intensive Senkung eines erhöhten Blutdrucks kann nach einer intrazerebralen Blutung die funktionelle Erholung verbessern – mutmaßlich über eine Reduktion der Hämatomausdehnung. Offenbar hängt das aber vom Ausgangsvolumen ab, wie eine Analyse ergeben hat.

Steaks gegen Alzheimer

  • 02.04.2026
  • Demenz
  • Nachrichten

Da schmeckt das Rinderfilet gleich doppelt so gut: Fleisch beugt einer aktuellen Studie zufolge einer Demenz vor. Allerdings gilt das nur für ApoE4-Träger. Diese haben sich im Laufe der Evolution offenbar an einen hohen Fleischkonsum angepasst – und brauchen ihre Steak-Rationen.

Residuelle Tagesschläfrigkeit trotz guter Compliance

Dass Tagesschläfrigkeit (EDS) nicht zwingend ein Compliance‑Problem ist und selbst umfangreiche Therapieversuche an Grenzen stoßen können, zeigt der auf dem DGP‑Kongress vorgestellte Fall eines 50‑jährigen LKW‑Fahrers. Letztendlich gab der Mann seinen Beruf auf und benötigte weitere Therapien.

Update Neurologie

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Hirn-MRT zeigt bilaterale subdurale Blutung (blaue Pfeile)/© Salvatore Perrone et al doi.org/10.1007/s00277-023-05392-2 unter CC-BY 4.0, Erschöpfter Mann im LKW/© Africa Studio / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)