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14.03.2019 | Originalien | Ausgabe 2/2019

Rechtsmedizin 2/2019

Medikamentennachweise bei bayerischen Altenheimbewohnern – eine rechtsmedizinische Analyse

Erste Ergebnisse aus Screeninguntersuchungen an Urinproben

Zeitschrift:
Rechtsmedizin > Ausgabe 2/2019
Autoren:
J. Krüger, O. Groth, H. Fels, M. Graw, F. Musshoff, G. Roider, J. Schöpfer, Dr. med. S. Gleich
Wichtige Hinweise
J. Krüger und O. Groth teilen sich die Erstautorenschaft.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Fachpublikation in der Regel das generische Maskulinum als geschlechtsneutrale Form verwendet.

Zusammenfassung

Hintergrund

Polypharmazie im Alter und die damit einhergehenden Risiken für die Betroffenen sind ein bekanntes Phänomen; aktuell wird eine fachliche Diskussion über die Nutzung von Psychopharmaka als freiheitsentziehende Maßnahme (FEM) in stationären Pflegeeinrichtungen geführt. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe führt zur Beantwortung der in diesem Kontext wichtigen Fragen eine Studie durch.

Methode

Eingeschlossen wurden alle in Alten‑/Pflegeheimen verstorbenen Bewohner, bei denen kein Verdacht auf eine Medikamentenüberdosierung bestand und die in den Jahren 2013–2015 im Institut für Rechtsmedizin der Universität München obduziert wurden. Es wurden die bei den gerichtlichen Sektionen erhobenen makromorphologischen Befunde und die staatsanwaltschaftlichen Akten ausgewertet. Urinproben wurden mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie in Kombination mit hochauflösender Massenspektrometrie auf eine Vielzahl von Arznei- und Suchtstoffen untersucht. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte deskriptiv mit dem Statistikprogramm SPSS (IBM, Version 23).

Ergebnisse

Es wurden 98 obduzierte Altenheimbewohner in die Studie engeschlossen. Folgende Ergebnisse konnten aus den Screeninguntersuchungen der Proben von 95 in die Studie eingeschlossenen Altenheimbewohnern erhoben werden: Bei den nachgewiesenen Substanzklassen zählen Antipsychotika mit 47,4 %, Antidepressiva mit 30,5 %, Opioidanalgetika mit 28,4 % und Hypnotika/Sedativa mit 20,0 % zu den „top ten“ der identifizierten Substanzen. In vielen der untersuchten Fälle wurde eine gleichzeitige Gabe mehrerer zentral wirksamer Medikamente nachgewiesen. In einem Viertel der Fälle wurden sog. PRISCUS-Medikamente identifiziert.

Diskussion

In dieser Studie werden Daten zu Medikamentennachweisen bei verstorbenen Alten‑/Pflegeheimbewohnern vorgestellt. Die Anzahl identifizierter Substanzen entspricht im Wesentlichen der aus vorliegenden Verordnungsdaten der Krankenkassen. Hochbetagte Menschen erhalten nach den Ergebnissen dieser retrospektiven Studie ärztliche Verordnungen mit mehreren zentral wirksamen Substanzen; es besteht ein hohes Interaktions- und Nebenwirkungsrisiko. Die bei den Verstorbenen nachgewiesenen Medikamentenkombinationen scheinen in einigen Fällen nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften zu entsprechen; es gibt Hinweise auf die gleichzeitige Verordnung mehrerer Opioidanalgetika bzw. mehrerer Hypnotika. Die Verordnungsrate von PRISCUS-Medikamenten im Studienkollektiv war doppelt so hoch wie bei der im eigenen Haushalt lebenden gleichaltrigen deutschen Bevölkerung. Weitergehende Untersuchungen in Blut und Haaren sowie eine Auswertung der Medikationspläne stehen noch aus und werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

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