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06.10.2021 | Morbus Basedow | Nachrichten

Phase-2-Studie

Statine könnten Ansprechrate bei endokriner Orbitopathie erhöhen

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Eine schwere aktive endokrine Orbitopathie aufgrund eines M. Basedow spricht möglicherweise besser auf Kortikosteroide an, wenn parallel ein Statin eingenommen wird. Italienische Forscher konnten diesen Zusammenhang zunächst aber nur in einer Phase-2-Studie bestätigen, an der ausschließlich Patientinnen und Patienten mit einer Hypercholesterinämie beteiligt waren.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Intravenös verabreichte Kortikosteroide gelten – neben der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion – als Therapie der Wahl bei Patienten mit einer (mittel-)schweren aktiven endokrinen Orbitopathie im Rahmen eines Morbus Basedow. Der Effekt dieses Regimes ist allerdings begrenzt. Angaben zur Wirksamkeit schwanken zwischen 35% und 80%.

Ein Team der Universität Pisa hat sich darangemacht, den möglichen Zusatznutzen einer ergänzenden Statintherapie zu erforschen. Auf die Idee kamen Giulia Lanzolla und Kollegen, weil es Hinweise darauf gibt, dass der Aktivitäts-Score der Orbitopathie bei Basedow-Patienten mit deren Cholesterinwerten zusammenhängt.

Nur Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten

Die Forscher fokussierten sich in ihrer Phase-2-Studie zunächst nur auf Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten. Bei diesen zumindest schien sich die Hypothese zu bestätigen: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine mittelschwere bis schwere aktive Orbitopathie besser anspricht, wenn zusätzlich zu den i.v. verabreichten Glukokortikoiden Atorvastatin gegeben wird“, so Lanzolla und ihre Mitarbeiter.

Um das Kriterium „Therapieansprechen“ zu erfüllen, mussten mindestens zwei der folgenden Parameter erfüllt sein:

  • Rückgang des Exophthalmus um mindestens 2 mm, 
  • Reduktion der Orbitopathie um zwei oder mehr Punkte im klinischen Aktivitäts-Score,
  • Abnahme der Lidspaltenweite um mindestens 2 mm,
  • Verbesserung einer vorhandenen Diplopie (Doppeltsehen), 
  • Verbesserung der Sehschärfe um mindestens 0,2 Dezimalstellen.

Ansprechrate in der Statingruppe deutlich höher

In der Statingruppe hatten das nach einem halben Jahr 51% erreicht, in der Kontrollgruppe dagegen nur 28%. Nach Lanzolla und Kollegen hatte sich auch die spezifische Lebensqualität durch die Kombibehandlung gebessert, nämlich um signifikante 5,2 Punkte im GO-QoL-(Graves' Orbitopathy Quality of Life)-Fragebogen. Außerdem hatte keiner der mit dem Statin behandelten Patienten innerhalb von sechs Monaten ein Rezidiv erlitten, im Gegensatz zu sechs Patienten aus der Vergleichsgruppe.

Von den insgesamt 88 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatte genau die Hälfte das Statin erhalten, und zwar in einer Dosierung von 20 mg täglich über 24 Wochen, die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe. Beide Gruppen waren in den ersten zwölf Wochen einmal wöchentlich mit Methylprednisolon i.v. behandelt worden (in den ersten sechs Wochen je 500 mg, in den darauffolgenden sechs Wochen je 250 mg). Zusätzlich erhielten sie Medikamente zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion. fT4 und TSH konnten damit in beiden Gruppen über die gesamte Studiendauer im Normbereich gehalten werden.

Im Hinblick auf das LDL-Cholesterin hatte erwartungsgemäß nur die Gruppe mit dem Statin profitiert, der Wert lag hier nach der zwölfwöchigen Therapie um median 0,7 mmol/l niedriger (nach 24 Wochen immer noch um 0,5 mmol/l niedriger) als in der Gruppe ohne Statin. Dabei schien das Ansprechen der Orbitopathie in der Statingruppe unabhängig davon zu sein, inwieweit die LDL-Cholesterinwerte gesenkt wurden.

Wirkung eher nicht über die Cholesterinsenkung

„Der Effekt von Atorvastatin wird möglicherweise eher durch seine pleiotrope Wirkung verursacht als durch die Cholesterinsenkung selbst“, spekulieren Lanzolla et al. angesichts dieses Befunds. Statinen wird nachgesagt, dass sie die angeborene Immunität beeinflussen, aber auch direkte Wirkungen auf die zelluläre Abwehr werden vermutet. Eine Studie von 2020 habe zudem einen Einfluss auf die Aktivität orbitaler Fibroblasten nachgewiesen, berichten die italienischen Forscher.

Schwere Nebenwirkungen habe man in der vorliegenden Studie jedenfalls nicht beobachtet. Nach 28 Wochen hatte man die Teilnehmer noch einmal kontaktiert. Dabei gab ein Patient aus der Statingruppe an, wegen einer Muskelentzündung die Therapie abgebrochen zu haben. In der Kontrollgruppe hatte ein Patient sein Glukokortikoid abgesetzt, weil er trotz routinemäßiger Verschreibung von Omeprazol eine Gastritis entwickelt hatte.

Die Forscher haben bereits eine Phase-3-Studie zum Effekt der Statinbehandlung in Planung, an der auch Patienten mit normalen Cholesterinwerten beteiligt sein werden. Die Nachbeobachtungszeit soll dann deutlich länger sein.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welchen Einfluss hat eine ergänzende Statinbehandlung auf die Entwicklung einer aktiven endokrinen Orbitopathie?

Antwort: Bei Patienten mit Basedow-bedingter Orbitopathie und Hypercholesterinämie führte die Therapie mit Atorvastatin zu einer deutlich höheren Ansprechrate.

Bedeutung: Auf welchem Weg das Statin seine Wirkung ausübt und ob der Effekt sich bei Patienten ohne erhöhte Cholesterinwerte reproduzieren lässt, muss noch geklärt werden.

Einschränkung: Phase-2-Studie, Teilnehmer nicht verblindet, relativ kurze Nachbeobachtung.

Literatur

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