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Langzeitmorbidität beim adrenogenitalen Syndrom

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Zusammenfassung

Das adrenogenitale Syndrom (AGS) ist eine der häufigsten autosomal-rezessiv vererbten Erkrankungen. Charakterisiert ist es durch einen Kortisolmangel. Die häufigste Ursache ist eine Mutation im Gen CYP21A2, die zu einem 21-Hydroxylase-Mangel in der Nebennierenrinde führt. Durch den Kortisolmangel kommt es zu einer Erhöhung des adrenokortikotropen Hormons, die wiederum einen adrenalen Androgenexzess zur Folge hat. Die Mineralokortikoidsynthese kann ebenfalls beeinträchtigt sein. Die klinische Manifestation des AGS hängt von der Restaktivität der 21-Hydroxylase und dem daraus folgenden Ausmaß des Kortisolmangels und des adrenalen Androgenexzesses ab. Während das klassische AGS eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung ist, verläuft das nicht-klassische AGS mild bis asymptomatisch. Die Therapie des klassischen AGS besteht in der Substitution von Gluko- und Mineralokortikoiden. Trotz Optimierung der Therapie führt das klassische AGS nach wie vor zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität der Patient*innen. Die Symptome des Androgenexzesses reichen bei betroffenen Frauen von einer bereits intrauterinen Virilisierung des äußeren Genitales beim klassischen AGS bis zu leichten Symptomen der Hyperandrogenämie beim nicht-klassischen AGS. Ein gesteigerter Bedarf an Kortisol in Stresssituationen kann lebensbedrohliche Nebennierenkrisen auslösen. Die Patient*innen benötigen zur Substitution von Kortisol und zur Kontrolle des adrenalen Androgenexzesses in der Regel supraphysiologische Glukokortikoiddosen, weswegen therapieassoziierte Langzeitfolgen häufig sind. Die Belastung durch die Erkrankung kann zu einer eingeschränkten Lebensqualität und psychischen Gesundheit führen. Daher sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen in spezialisierten Zentren durchgeführt werden, um mögliche Komorbiditäten frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
Titel
Langzeitmorbidität beim adrenogenitalen Syndrom
Verfasst von
Lea Tschaidse
Friederike Quitter
Angela Hübner
Prof. Dr. Nicole Reisch
Publikationsdatum
03.01.2022
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Innere Medizin / Ausgabe 1/2022
Print ISSN: 2731-7080
Elektronische ISSN: 2731-7099
DOI
https://doi.org/10.1007/s00108-021-01223-6
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