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Publiziert am: 04.10.2017
Bitte beachten Sie v.a. beim therapeutischen Vorgehen das Erscheinungsdatum des Beitrags.
Inhibin
Verfasst von: W. Hubl
Inhibin
Synonym(e)
Follikulostatin; X-Hormon
Englischer Begriff
inhibin
Definition
Inhibin ist ein Glykoprotein mit 2 Untereinheiten (Dimere), der α- und der β-Kette, und gehört zur TGF-β-Gruppe der Zytokine. Von der β-Kette existieren 2 Typen (A und B):
Inhibin A: β-A-Kette
Inhibin B: β-B-Kette
Inhibin A wird in den Granulosazellen der Frau sowie in der fetoplazentaren Einheit während der Schwangerschaft gebildet. Inhibin B wird sowohl in den Sertoli-Zellen des Mannes als auch in den Granulosazellen der Frau produziert. Es inhibiert und reguliert die FSH-Konzentration der Hypophyse.
Beschreibung
Inhibin wurde im Jahr 1931 durch McCullagh entdeckt. Es existieren 2 Inhibintypen, die vorwiegend in den Gonaden produziert werden: Inhibin A in den Granulosazellen der Frau und Inhibin B sowohl in den Granulosazellen als auch in den Sertoli-Zellen des Mannes.
Die Hauptfunktion von Inhibin besteht in der Hemmung der hypophysären Freisetzung von FSH. Zum Zeitpunkt der Geschlechtsdifferenzierung bewirkt Inhibin die Rückbildung der Müller-Gänge (Anti-Müller-Hormon).
Referenzbereich: 90–327 ng/L (nur bei Frauen relevant).
Inhibin-A-Bestimmungen stellen einen Indikator der Granulosazellfunktion des Ovars dar. Parallel zu der abfallenden Follikelzahl im Verlauf des Lebens werden absinkende Inibin-A-Konzentrationen gemessen.
Die Inhibin-A-Konzentrationen unterliegen dem Menstruationszyklus. Es werden ansteigende Werte zu Beginn des Zyklus mit einem Maximum zum Ovulationszeitpunkt beobachtet. Danach fallen die Inhibin-A-Werte 1–2 Tage nach der Ovulation ab und steigen erneut 3–6 Tage nach der Ovulation an, um schließlich bis zum Ende des Menstruationszyklus stetig abzufallen.
Inhibin A unterstützt die FSH-Suppression in der Lutealphase des Menstruationszyklus. Andererseits begrenzt Inhibin A die FSH-Stimulation am Ende bzw. zu Beginn eines neuen Menstruationszyklus, die durch abfallende Estradiol- und Progesteronkonzentrationen bewirkt wird.
In der Schwangerschaft wird Inhibin A in der Plazenta synthetisiert und ist in die Regulation der Embryogenese eingeschlossen. Bei fetalen Fehlentwicklungen, wie z. B. einem Down-Syndrom, werden im Serum der Mutter erhöhte Inhibin-A-Werte beobachtet. Aus diesem Grund wird die Inhibin-A-Bestimmung neben AFP, βHCG und Estriol als Quadruple-Test im Screening auf Down-Syndrom im 2. Trimester der Schwangerschaft eingesetzt. Allerdings wird die diagnostische Sensitivität durch Inhibin A nicht wesentlich erhöht, sodass die anderen 3 Parameter im so genannten Triple-Test am häufigsten angewandt werden.
Weitere Indikationen der Inhibin-A-Bestimmung: Ovarialtumoren (Tumormasse), Granulosazell-Adenokarzinome.
Prämenopausal: 10–220 ng/L (abhängig von Menstruationszyklus mit einem Maximum zur Ovulation)
Postmenopausal: <10 ng/L
Männer: 100–480 ng/L
Inhibin B wird sowohl in den Sertoli-Zellen des Mannes als auch in den Granulosazellen der Frau gebildet. Es gilt als Indikator einer gestörten Sertoli-Zellfunktion bzw. der Spermatogenese. Es unterliegt einer ausgeprägten Tagesrhythmik mit einem Maximum in den frühen Morgenstunden und einem Minimum am Nachmittag.
Die Inhibin-B-Konzentration im Serum des Mannes weist eine inverse Korrelation zum FSH auf. Es handelt sich dabei jedoch um keine unabhängigen Faktoren mit unterschiedlicher klinischer Relevanz, sodass die Bestimmung von Inhibin B neben FSH nicht immer zu zusätzlichen Informationen führt.
Die Inhibin-B-Bestimmung wird im Rahmen der Differenzialdiagnose der Azoospermie angewandt. Es korreliert signifikant mit der Samenzellzahl, sodass erniedrigte Inhibin-B-Konzentrationen auf eine Azoospermie als Folge einer gestörten Keimzellproduktion (Spermiogenese) hindeuten und normale Konzentrationen an eine Obstruktion der Samenwege denken lassen. Bei dieser Fragestellung scheint Inhibin B eine höhere diagnostische Relevanz als FSH zu besitzen.
Indikationen mit erniedrigten Inhibin-B-Werten: Kallman-Syndrom, Klinefelter-Syndrom, bilaterale Orchidektomie.
Literatur
Holterhus PM (2016) Störungen/Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung. Frauenheilkunde up2date 10:139–158
Holterhus PM, Hiort O (2014) 9. Störungen (Besonderheiten) der Geschlechtsentwicklung. 9.1 Disorders (Differences) of Sex Development. In: Lehnert H (Hrsg) Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, S 398–413
Maltaris T, Agorastos T, Beckmann M et al (2010) Ovarielle Reserve und Fertilitätserhalt. Gynäkol Endokrinol 8:180–185CrossRef