Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Autoantikörper gegen Spindelapparat

Autoantikörper gegen Spindelapparat
Synonym(e)
Autoantikörper gegen MSA-1/MSA-2; nukleäres Mitoseapparat-(NuMA-)Protein; HsEg5; NuMA-Antikörper; Autoantikörper gegen das nukleäre Mitoseapparat-Protein
Englischer Begriff
anti-NuMA (nuclear mitotic apparatus) antibodies
Definition
MSA-1 steht synonym für die unzweckmäßige (in der Mitose gibt es keinen Zellkern) Bezeichnung NuMA. MSA-2 ist das Protein HsEg5 („human spindle kinesin-like protein“).
Molmasse
MSA-1 (NuMA): 210 kDa; MSA-2 (HsEg5): 116–130 kDa.
Funktion – Pathophysiologie
In der Interphase ist MSA-1 Bestandteil der Kernmatrix, während der Mitose findet man es an den Spindelpolen, in der Nähe der Zentriolen, es wirkt mit bei der Formation der Spindeln.
MSA-2 ist am Spindelfaseraufbau und an der Abwicklung der Mitose maßgeblich beteiligt.
Untersuchungsmaterial
Probenstabilität
Autoantikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.
Analytik
Im indirekten Immunfluoreszenztest (IIFT, Immunfluoreszenz, indirekte) (Ausgangsverdünnung 1:100) zeigen HEp-2-Zellen mit Antikörpern gegen MSA-1 in der Interphase eine feingranuläre bis retikuläre Fluoreszenz der Kernmatrix, unter Auslassung der Nukleoli, bei den mitotischen Zellen stellen sich in der Metaphase die Spindelfasern als 2 sich gegenüberliegende Fächer dar, mit dem Schwerpunkt der Anfärbung in Richtung der Zentriolen (im Bild: Substrat HEp-2-Zellen):
Es kann alternativ zur Immunfluoreszenz auch ein speziell für große Moleküle ausgelegter Western blot eingesetzt werden, der bei Vorliegen der Anti-NuMA eine Bande bei 210 kDa zeigt.
Im Vergleich dazu sind bei Antikörpern gegen HsEg5 („NuMA-2“, 116 kDa) allein die Spindelfasern der mitotischen Zellen, aber nicht die Zellkerne der Interphasezellen angefärbt.
Referenzbereich – Erwachsene
Negativ.
Referenzbereich – Kinder
Negativ.
Indikation
Die Untersuchung wird normalerweise nicht gezielt angefordert, die Antikörper werden oft nur durch Zufall entdeckt.
Diagnostische Wertigkeit
Antikörper gegen MSA-1 (NuMA-1) können unter anderem bei Sjögren-Syndrom und verschiedenen Formen von Arthritis vorkommen, gelegentlich auch bei Antiphospholipidsyndrom und bei SLE.
Antikörper gegen MSA-2 (HsEg5) kommen bei verschiedenen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises vor, unter anderem ebenfalls bei systematischem Lupus erythematodes.
Hohe Titer der Autoantikörper gegen Zentriolen/Zentrosomen weisen auf eine progressive Systemsklerose oder ein Raynaud-Syndrom hin.
Literatur
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