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30.08.2017 | Ernährung | Nachrichten

ESC 2017: PURE-Studie

Empfehlung zur fettarmen Ernährung offenbar hinfällig

Autor:
Veronika Schlimpert

Eine fettarme Ernährungsweise ist nach den Ergebnissen einer großen weltweiten Ernährungsstudie nicht mehr zu empfehlen. Wider Erwarten wurde das Sterberisiko durch eine hohe Zufuhr an gesättigten Fettsäuren sogar gesenkt. Drei bis vier Portionen Obst und Gemüse scheinen demnach ausreichend zu sein.

Die aktuellen Ernährungsempfehlungen müssen nach den neuesten Erkenntnissen aus der PURE-Studie offenbar über Bord geworfen werden. Den Gesamt-Fettanteil auf weniger als 30% der Energiezufuhr zu beschränken, wirkt demnach nicht lebensverlängernd. Auch die seit langem postulierte Empfehlung, möglichst wenig gesättigte Fettsäure zu konsumieren, kann offenbar ad acta gelegt werden; derzeit wird ein Anteil von weniger als 10% der Energiezufuhr empfohlen.

Prospektive Studie mit mehr als 100.000 Teilnehmern

Für die PURE-Studie wurden 135.335 Menschen aus 18 Ländern in sieben unterschiedlichen Regionen der Welt (Nord- und Südamerika, Europa, Mittlerer Oste, Südasien, China, Südostasien und Afrika) zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und über einen Zeitraum von 7,4 Jahren nachbeobachtet.

Hierbei stellte sich heraus, dass diejenigen, deren Ernährung zu einem hohen Fettanteil bestand, deutlich länger lebten als jene mit einer niedrigen Fettzufuhr (höchstes vs. niedrigstes Quintil). Die Gesamtmortalität lag signifikant um 23% niedriger. Selbst ein erhöhter Konsum von gesättigten Fettsäuren ging mit einer 14% geringeren Sterblichkeit einher, bei einfach gesättigten Fettsäuren war diese um 19% und bei mehrfach gesättigten Fettsäuren um 20% geringer.  

Eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten ging dagegen mit einem um 28% erhöhten Sterberisiko einher.

Aktuelle Ernährungsempfehlungen fragwürdig

Dr. Andrew Mente hält die aktuellen Ernährungsempfehlungen aufgrund dieser Ergebnisse für fragwürdig. „Wir sollten uns von der Fettrestriktion lösen“, kommentiert der der am McMaster University in Hamilton tätige Epidemiologe, der an der Studie mitgewirkt hat. Menschen mit einem hohen Kohlenhydratanteil in der Ernährung (>60%) sollten diesen auf ein gemäßigtes Maß reduzieren. Von einem hohen Fettanteil gehe dagegen keine Gefahr aus. Von fettreduzierten Lebensmitteln rät Mente ab.

Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte bieten Schutz

Ein weiterer Aspekt, der in der PURE-Studie untersucht wurde, war der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten und der Gesamt- sowie der kardiovaskulären Mortalität.

Bei drei bis vier Portionen pro Tag (ca. 375 g) war das Sterberisiko um 22% geringer als bei einer Konsummenge von weniger als einer Portion pro Tag. Eine noch höhere Zufuhr brachte keinen weiteren Zugewinn an Lebenszeit.

Drei bis vier Portionen offenbar ausreichend

Bisher raten die Leitlinien mindestens fünf Portionen Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte (≥ 400 g) zu sich zu nehmen. Eine solche Konsummenge konnte nur die Bevölkerung aus Nordamerika/ Europa, Südamerika und dem mittleren Osten einhalten. Nach diesen Ergebnissen könnten aber schon drei bis vier Portionen ausreichen, meint Mente. Gerade in weniger entwickelten Ländern sei eine solche Menge wahrscheinlich realistischer zu erreichen.  

Wie der Epidemiologe weiter ausführte, scheint nach diesen Daten rohes Gemüse gesundheitsförderlicher zu sein als gekochtes.

Erstaunlicherweise war der Einfluss einer ballaststoffreichen Ernährung auf die kardiovaskuläre Mortalität nur gering und statistisch nicht signifikant (Hazard Ratio: 0,89). Ein hoher Fett- und Kohlenhydratanteil wirkte sich ebenfalls weder vor- noch nachteilig aus.

Warum kein Einfluss auf kardiovaskuläre Sterblichkeit?

Wie ist lässt sich dann die Reduktion der Gesamtmortalität erklären? Nach Ansicht der Studienleiter Dr. Mahshid Dehghan von der McMaster University könnte eine Ernährungsweise auch die Prävalenz anderer Erkrankungen wie Krebs- und Atemwegserkrankungen beeinflusst haben. Ein Einfluss von Störfaktoren schließt die Epidemiologin weitestgehend aus. „Wir haben auf alle bekannten Störfaktoren adjustiert und hoffen daher, dass es keine Verzerrung  der Ergebnisse gegeben hat.“

Trotz der Größe ist auch diese Studie aufgrund ihres beobachtenden Designs nicht ohne Limitationen. Die Angaben zur Ernährung wurden nur zu Studienbeginn erfasst. Es gibt keine Angaben zur Zubereitungsweise der Nahrungsmittel, also ob frittiert oder gebraten usw. Und auch der Anteil der als besonders schädlich geltenden Transfette wurde nicht erfasst.

Literatur

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