Zum Inhalt

Regionale Inanspruchnahme des Versorgungssystems und Behandlungsprävalenz bei Essstörungen

Retrospektive Kohortenstudie mit weiblichen Versicherten im Alter zwischen 11 und 25 Jahren

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Essstörungen sind schwerwiegende Erkrankungen mit hoher psychischer und körperlicher Komorbidität. Zu Prävalenzen auf der Basis von Diagnosen sowie zur Inanspruchnahme der Behandlung von Essstörungen im ambulanten und im stationären Sektor gibt es in Deutschland bisher nur wenige Studien.

Material und Methode

Für den Zeitraum von 2010 bis 2014 wurden Sekundärdaten von 2 gesetzlichen Krankenkassen in Thüringen im Rahmen einer retrospektiven offenen Kohortenstudie (n = 66.117 im Jahr 2010, n = 60.687 im Jahr 2014) ausgewertet. Dabei wurden die Häufigkeit von Essstörungen auf Basis von ICD-10-Diagnosen (F50.x) nach einem Arztbesuch bzw. Klinikaufenthalt und die Inanspruchnahme der gesundheitlichen Versorgung von weiblichen Versicherten im Alter von 11 bis 25 Jahren erfasst.

Ergebnisse

Für alle Essstörungen zusammen genommen stiegen die Behandlungsprävalenzen signifikant im 5‑jährigen Beobachtungszeitraum von 0,86 % auf 1,09 %. Gleichzeitig sank das Durchschnittsalter der Patientinnen signifikant von 19,3 auf 17,6 Jahre. Eine ambulante Versorgung durch psychotherapeutische Fachdisziplinen wurde von 25,1 % der Betroffenen in Anspruch genommen. Es wurden 6,6 % der Patientinnen sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Eine ausschließlich stationäre Behandlung erfolgte bei 16 % der Betroffenen mit Essstörungen.

Schlussfolgerung

Essstörungen haben im Beobachtungszeitraum innerhalb dieser Studie signifikant zugenommen. Trotz vorhandener Essstörungsdiagnose nahm nur ein Viertel der Betroffenen eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in Anspruch. Ein frühzeitiger und lückenloser Übergang von der Diagnosestellung in die psychotherapeutische Fachbehandlung könnte eine wichtige Voraussetzung für den Behandlungserfolg und die Vermeidung einer Chronifizierung bei Essstörungen sein.
Titel
Regionale Inanspruchnahme des Versorgungssystems und Behandlungsprävalenz bei Essstörungen
Retrospektive Kohortenstudie mit weiblichen Versicherten im Alter zwischen 11 und 25 Jahren
Verfasst von
Julia Mühleck, M.Sc. Psychologie
Felicitas Richter
Luise Bell, M.Sc. Psychologie
Dr. phil. Katharina Wick
Prof. Dr. phil. Bernhard Strauß
PD Dr. phil. med. habil. Uwe Berger
Publikationsdatum
16.05.2018
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Psychotherapie / Ausgabe 4/2018
Print ISSN: 2731-7161
Elektronische ISSN: 2731-717X
DOI
https://doi.org/10.1007/s00278-018-0290-4
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Neu im Fachgebiet Psychiatrie

Burn-out unter Hausarztinnen und Hausärzten gefährdet die Primärversorgung

Sich ausgebrannt zu fühlen kann nicht nur der eigenen Gesundheit schaden. Vielmehr führt der Burn-out oft zum ärztlichen Exit und bringt damit auch die Stabilität der medizinischen Versorgung ins Wanken, wie eine Studie zeigt.

Clozapin schon nach dem ersten Therapieversagen?

Sprechen Menschen mit einer ersten psychotischen Episode auf eine Standardtherapie nicht an, könnte sich ein früher Wechsel auf Clozapin lohnen. Damit war die Ansprechrate in einer kontrollierten Studie rund doppelt so hoch wie beim Wechsel auf Olanzapin oder Amisulprid.

Steaks gegen Alzheimer

  • 02.04.2026
  • Demenz
  • Nachrichten

Da schmeckt das Rinderfilet gleich doppelt so gut: Fleisch beugt einer aktuellen Studie zufolge einer Demenz vor. Allerdings gilt das nur für ApoE4-Träger. Diese haben sich im Laufe der Evolution offenbar an einen hohen Fleischkonsum angepasst – und brauchen ihre Steak-Rationen.

Residuelle Tagesschläfrigkeit trotz guter Compliance

Dass Tagesschläfrigkeit (EDS) nicht zwingend ein Compliance‑Problem ist und selbst umfangreiche Therapieversuche an Grenzen stoßen können, zeigt der auf dem DGP‑Kongress vorgestellte Fall eines 50‑jährigen LKW‑Fahrers. Letztendlich gab der Mann seinen Beruf auf und benötigte weitere Therapien.

Bildnachweise
Erschöpfter Mann am Arbeitsplatz/© filadendron / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Erschöpfter Mann im LKW/© Africa Studio / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)