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01.01.2006 | Originalien | Ausgabe 1/2006

Psychotherapeut 1/2006

Langzeitwirkungen psychoanalytischer und verhaltenstherapeutischer Langzeitpsychotherapien

Eine vergleichende Studie aus der Praxis niedergelassener Psychotherapeuten

Zeitschrift:
Psychotherapeut > Ausgabe 1/2006
Autoren:
Josef Brockmann, Thomas Schlüter, Prof. Dr. Jochen Eckert

Zusammenfassung

In einem prospektiven Design wurden unter naturalistischen Bedingungen 31 Patienten mit Langzeitverhaltenstherapie und 31 Patienten mit psychoanalytischer Langzeitpsychotherapie untersucht. In die Studie wurden ausschließlich Patienten aufgenommen, die die Kriterien des „diagnostic and statistical manual of mental disorders III revised“ (DSM-III-R) für das Vorliegen einer depressiven oder einer Angststörung erfüllten. Obwohl die verhaltenstherapeutischen und psychoanalytisch behandelten Patienten diagnostisch vergleichbar sind, unterscheiden sie sich bezüglich einer Reihe von anderen Merkmalen, u. a. in der Schulbildung, im Zugangsmodus zur Psychotherapie (ärztliche Überweisung vs. Selbstanmelder), im Konsum psychotroper Medikamente und in der Symptombelastung. Die verhaltenstherapeutischen Behandlungen dauerten im Mittel 2,4 Jahre und 63 Stunden, die psychoanalytischen Behandlungen 3,6 Jahre und 209 Stunden. Symptomatik [symptom checklist- (SCL-)90-R] und interpersonale Probleme [inventory of interpersonal problems- (IIP-)D] wurden zu 5 Zeitpunkten erhoben: Bei Behandlungsaufnahme, nach einem Jahr, nach 2,5 Jahren, nach 3,5 Jahren und nach 7 Jahren. Die beiden Behandlungsformen waren sehr erfolgreich: Die Patienten zeigten deutliche Symptomveränderungen, die bis zum 7-Jahres-Zeitpunkt stabil blieben. In Bezug auf die interpersonale Problematik veränderten sich die psychoanalytisch behandelten Patienten nach 3, 5 Jahren weiter, während die verhaltenstherapeutischen behandelten Patienten keine weiteren Veränderungen bei sich beobachteten. Das für Kurzzeittherapien evaluierte Phasenmodell psychotherapeutischer Veränderung – Symptomveränderungen vor interpersonalen Veränderungen – ließ sich für die untersuchten psychoanalytischen Langzeittherapien deutlicher bestätigen als für die verhaltenstherapeutischen Langzeittherapien.

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