Perfusionstechniken bei thorakoabdominellen Aortenaneurysmen
- Open Access
- 24.04.2023
- Aortenaneurysma
- CME
Zusammenfassung
Lernziele
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kennen Sie die wesentlichen Operationsschritte für die Behandlung thorakoabdomineller Aortenaneurysmen (TAAA) in Zusammenhang mit deren Morphologie.
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verwenden Sie die maßgeblichen Strategien zum Erhalt der adäquaten Rückenmarkperfusion und damit zur Prävention einer postoperativen Paraplegie.
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können Sie die adäquate Technik der extrakorporalen Zirkulation bei TAAA-Operationen bestimmen.
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können Sie die viszerale Organperfusion und Organprotektion sicherstellen.
Prinzipien der chirurgischen Behandlung thorakoabdomineller Aortenaneurysmen
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Anlage einer distalen Aortenperfusion mittels extrakorporaler Zirkulation (Herz-Lungen-Maschine [HLM] oder Linksherzbypass [LHB]).
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Sequenzielle Aortenklemmung: Mit dieser Technik wird die Perfusion der Bauchaorta erhalten, während die Interkostalgefäße im thorakalen Bereich versorgt (Übernähung oder Vorbereitung zur Reimplantation) werden können.
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Selektive Perfusion relevanter Interkostalarterien mit geplanter Reimplantation; dies kann mittels Patchanastomose, Loop-Graft oder über einen Seitenarm der Rohrprothese anastomosiert werden.
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Die frühe Reetablierung eines pulsatilen Blutflusses ist von Bedeutung für die optimale Rückenmarkprotektion.
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Hospitalmortalität: 9,1 %,
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jegliche Rückenmarkschädigung: 13,9 %,
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permanente Paraplegie: 4,7 %,
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dialysepflichtiges Nierenversagen: 9,6 %,
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pulmonale Komplikationen mit Notwendigkeit der Tracheostomie: 12,3 %,
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linksseitige Stimmbandlähmung: 23,3 %,
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Wundinfektion: 4,8 %.
Techniken der extrakorporalen Zirkulation bei TAAA
Kardiopulmonaler Bypass mit Herz-Lungen-Maschine
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2‑zeitige chirurgische Behandlung mit einem ersten herzchirurgischen Eingriff über Sternotomiezugang und Aortenbogenersatz mit Anlage eines „(frozen) elephant trunc“: Hierbei wird ein Rohrprothesenstück oder ein Stentgraftanteil in die proximale Aorta descendens eingebracht. Der zweite Eingriff erfolgt dann offen chirurgisch oder endovaskulär, wobei am bereits liegenden Prothesenstück weiterverlängert wird.
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Bei Patienten mit erhöhtem Risiko (fortgeschrittenes Alter, Komorbiditäten, Gebrechlichkeit) kann ggf. primär endovaskulär behandelt werden.
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Die dritte Möglichkeit besteht im 1‑zeitigen offenen Vorgehen. Hierfür ist dann ein Vorgehen im hypothermen Kreislaufstillstand notwendig.
Linksherzbypass
Techniken der Viszeralperfusion bei TAAA
Fazit für die Praxis
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Eine besonders Sorgfältige Operationsplanung ist bei Typ II Aneurysmen gegeben da sie die höchste Morbidität und Mortalität aufweisen. Bei diesem Subtyp ist neben adäquatem Neuromonitoring auch eine Liquordrainage zur Verbesserung der Rückenmarksperfusion indiziert.
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Die Optimierung der Perfusion, sowohl intra- als auch postoperativ, stellt einen wesentlichen Faktor zur Reduktion der Morbidität und der Mortalität nach thorakoabdominellem Aortenersatz dar.