Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Intercellular Adhesion Molecule

Intercellular adhesion molecule
Synonym(e)
ICAM-1
Englischer Begriff
intercellular adhesion molecule 1
Definition
Das „intercellular adhesion molecule 1“ ist ein Adhäsionsmolekül (Adhäsionsmoleküle) der Immunglobulin-Superfamilie und bildet vor allem Zell-Zell-Kontakte mit Leukozyten.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Immunglobuline wie ICAM-1 vermitteln eine Kationen-unabhängige Adhäsion mit denselben oder anderen Mitgliedern der Immunglobulinfamilie; außerdem können sie als Rezeptor für Integrine und extrazelluläre Matrixproteine dienen. Die Expression von ICAM-1 kann durch eine Reihe inflammatorischer Zytokine stimuliert werden. Die Interaktion von ICAM-1 und verschiedenen Integrinen auf T-Lymphozyten führt zu einer optimalen Antigenerkennung und zur Vermittlung der Interaktion zwischen Effektorzelle und Zielzelle.
Funktion – Pathophysiologie
Aufgrund der effektiven Aktivierung von Lymphozyten und der zielgenauen Vermittlung von Immun- und Tumorzellen ist eine erhöhte ICAM-1-Expression in einigen Tumoren mit einer guten Prognose assoziiert, so z. B. beim kolorektalen Karzinom.
Allerdings können ICAM-1-exprimierende Tumorzellen in der Zirkulation auch Aggregate mit Leukozyten bilden, wodurch sie in der Blutbahn besser überleben und leichter im Zielgewebe andocken können. Außerdem stellt die ICAM-1-Abspaltung von der Tumorzelloberfläche auch einen wirksamen Mechanismus dar, der Immunüberwachung zu entkommen, indem lösliche ICAM-1-Moleküle die Bindungsstellen der Lymphozyten absättigen. Möglicherweise aus diesen Gründen wurde beim Melanom eine Assoziation einer hohen ICAM-1-Expression mit einer ungünstigen Prognose gefunden.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Plasma.
Analytik
Enzymimmunoassay (EIA), Enzym-linked Immunosorbentassay (ELISA).
Referenzbereich – Erwachsene
Median ca. 200 μg/L (methodenabhängig).
Indikation
Prognosemarker bei verschiedenen soliden Tumoren.
Interpretation
Generell wurden bei Patienten mit malignen Erkrankungen höhere Plasmaspiegel von ICAM-1 beobachtet als bei gesunden Personen und z. T. auch als bei Patienten mit benignen Erkrankungen. Innerhalb der soliden Tumoren korrelierte ICAM-1 häufig, aber nicht immer mit dem Tumorstadium bzw. der Tumorprogredienz. Allerdings ist der Einfluss von Nieren- und Leberschäden wie auch von Infektionen noch nicht systematisch beschrieben, weshalb eine generelle Empfehlung zum diagnostischen Einsatz derzeit nicht gegeben werden kann.
Bis auf eine Arbeit (Mulder et al. 1997) wurde bei verschiedenen soliden Tumorerkrankungen eine Assoziation einer hohen ICAM-1-Konzentration im Plasma mit einer ungünstigen Prognose gefunden: So beim Melanom, Magenkarzinom, Nierenzellkarzinom, Ovarialkarzinom, beim Lungenkarzinom und bei Lymphomen, jedoch nicht beim hepatozellulären Karzinom.
Diagnostische Wertigkeit
Potenzieller Prognosemarker.
Literatur
Johnson JP (1999) Cell adhesion molecules in the development and progression of malignant melanoma. Cancer Metastasis Rev 18:345–357CrossRefPubMed
Mulder WM, Stern PL, Stukart MJ et al (1997) Low intercellular adhesion molecule 1 and high 5T4 expression on tumor cells correlate with reduced disease-free survival in colorectal carcinoma patients. Clin Cancer Res 3:1923–1930PubMed
Opala T, Drews K, Rzymski P et al (2003) Evaluation of soluble intracellular adhesion molecule-1 (sICAM-1) in benign and malignant ovarian masses. Eur J Gynaecol Oncol 24:255–257PubMed