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Zusammenhang zwischen Herzzeitvolumen, Herzfrequenz und Mikrozirkulation bei Patienten mit Multiorgandysfunktionssyndrom

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Zusammenfassung

Hintergrund

Das Multiorgandysfunktionssyndrom (MODS) gehört zu den Hauptursachen für das Versterben von Patienten auf Intensivstationen. Es finden sich Hinweise darauf, dass die Mikrozirkulation in der Sepsis und im koronaren Schock getrennt von der Hämodynamik reguliert wird. Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Herzfrequenz (HF), dem Herzzeitvolumen (HZV) und der Mikrozirkulation bei Patienten mit MODS.

Methodik

Hier handelt es sich um eine Teilauswertung der „MODIFY-Studie“ (Reducing Elevated Heart Rate in Patients With Multiple Organ Dysfunction Syndrome [MODS] by Ivabradine). Im Zeitraum 05/2010–09/2011 wurde bei 46 Patienten mit septischem und koronarem MODS die Mikrozirkulation mittels Sidestream-Dark-Field-Technik am Tag des Einschlusses und 96 h später gemessen. Die Patienten wurden randomisiert in eine Kontroll- und eine Ivabradin-Behandlungsgruppe.

Ergebnisse

Insgesamt zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Mikrozirkulation im Zeitverlauf:„small perfused vessels“, SPV, in %, an Tag 0, d0: 56,5 ± 34,2; d4: 73,2 ± 22,1 (p = 0,03); „perfused vessel density“, PVDsmall, 1/mm2, d0: 7,5 ± 5,0; d4: 9,8 ± 3,4 (p = 0,04); „proportion of perfused vessels“, PPVsmall, in %, d0: 51,6 ± 31,6; d4: 66,7 ± 21,8 (p = 0,04); „microcirculatory flow index“, MFI d0: 1,7 ± 1,0; d4: 2,2 ± 0,7 (p = 0,05). Die Gabe von Ivabradin zeigt keinen Einfluss. Bei den Patienten mit koronarem MODS zeigt sich eine relevante Korrelation zwischen Mikrozirkulationsparametern und dem HZV (SPV, in %: r = 0,98; p = 0,004). Bei den Patienten mit koronarem MODS zeigen sich bessere Mikrozirkulationswerte bei hohen Herzfrequenzen (> 100 bpm), bei den Patienten mit septischem MODS findet sich ein gegenläufiger Zusammenhang.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass bei kritisch kranken Patienten in Abhängigkeit von der Genese des MODS unterschiedliche Zusammenhänge zwischen HF bzw. HZV-Werten einerseits und den Parametern der Mikrozirkulation andererseits bestehen.
Titel
Zusammenhang zwischen Herzzeitvolumen, Herzfrequenz und Mikrozirkulation bei Patienten mit Multiorgandysfunktionssyndrom
Verfasst von
Wiebke Supthut
Sebastian Nuding
Andreas Wienke
Ursula Müller-Werdan
Karl Werdan
Henning Ebelt
Publikationsdatum
01.12.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin / Ausgabe 7/2024
Print ISSN: 2193-6218
Elektronische ISSN: 2193-6226
DOI
https://doi.org/10.1007/s00063-023-01086-9
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Bildnachweise
Teaserbild AOP CH/© AOP Health Group, Grafik eines Schalters, der gedreht wird. Overlay mit der Schrift "ICU" und einem Intensivpatienten/© AOP Health, Grafik von einem menschlichen Herzen mit Visualisierung des Herzschlags im Hintergrund/© AOP Health