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Einfluss früher Gewalterfahrungen von Frauen auf die Mutter-Kind-Beziehung

Update zu Daten von Heidelberger und Berliner Mutter-Kind-Dyaden

  • 16.06.2023
  • Psychotherapie
  • Schwerpunkt: Diesseits von Gut und Böse – Übersichten
Erschienen in:

Zusammenfassung

Frühe Gewalterfahrungen können schwerwiegende und lang anhaltende Auswirkungen auf die direkt Betroffenen, aber auch auf die nächste Generation haben. Anhand vorliegender Daten unserer Untersuchungen von Heidelberger und Berliner Mutter-Kind-Dyaden konnten wir zeigen, dass frühe Gewalterfahrungen zu Veränderungen auf behavioraler, hormoneller und neuronaler Ebene, einschließlich Persönlichkeitseigenschaften und Bindungsstil der betroffenen Frauen, führen, mit negativen Folgen für die Beziehung zu ihrem Kind. Die Kinder dieser Mütter mit frühen Gewalterfahrungen haben ein erhöhtes Risiko, misshandelt zu werden, in ihrer Entwicklung verzögert zu sein sowie eine psychische Störung zu entwickeln. Zudem weisen sie eine erhöhte Cortisolkonzentration und eine geringere Inhibitionskontrolle auf. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Mutter frühe Gewalterfahrungen erlebt hat, selbst aber resilient ist, d. h. (bis zum Untersuchungszeitpunkt) keine psychische Störung entwickelt hat, oder ob sie zusätzlich zu den erlebten frühen Gewalterfahrungen auch eine psychische Störung entwickelt hat. Die Kinder von Müttern mit frühen Gewalterfahrungen und einer psychischen Störung scheinen in der Elternschaft besonders großem Stress ausgesetzt zu sein und weisen die schwersten Beeinträchtigungen und Risiken auf. Basierend auf den vorliegenden Ergebnissen werden Implikationen für die Praxis diskutiert und eine mögliche Intervention in Form eines Elterntrainings zur Stärkung der Mentalisierungsfähigkeit dargestellt.
Titel
Einfluss früher Gewalterfahrungen von Frauen auf die Mutter-Kind-Beziehung
Update zu Daten von Heidelberger und Berliner Mutter-Kind-Dyaden
Verfasst von
Dr. med. E. L. Mielke, M.Sc.
Dr. phil. C. Neukel
Dr. phil. K. Spieß
Prof. Dr. rer. nat. K. Bertsch
Prof. Dr. med. F. Bermpohl
Dr. rer. nat. D. Kluczniok
Prof. Dr. med. E. Möhler
Prof. Dr. phil. C. Reck
Prof. Dr. med. F. Resch
Prof. Dr. med. M. Kaess
Prof. Dr. med. R. Brunner
Prof. Dr. med. S. C. Herpertz
Publikationsdatum
16.06.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Psychotherapie / Ausgabe 5/2023
Print ISSN: 2731-7161
Elektronische ISSN: 2731-717X
DOI
https://doi.org/10.1007/s00278-023-00669-3
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