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01.11.2010 | Originalarbeit | Ausgabe 4/2010

Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie 4/2010

Der Exzess einer Tugend

Querulanz zwischen Persönlichkeit, Strukturverformung und Wahn

Zeitschrift:
Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie > Ausgabe 4/2010
Autor:
Henning Saß
Wichtige Hinweise
Herrn Professor Werner Janzarik, meinem akademischen Lehrer, in Dankbarkeit zum 90. Geburtstag gewidmet.

Zusammenfassung

Fälle mit querulierendem Verhalten bis hin zum Querulantenwahn sind in der forensischen Praxis zwar nicht sehr häufig, bereiten aber wegen der Chronizität und Vehemenz massive Probleme. Psychopathologische, differenzialdiagnostische, phänomenologisch-anthropologische und strukturdynamische Aspekte werden an Beispielen diskutiert. Hervorgehoben werden Besonderheiten der Willenstätigkeit, des Verhältnisses von Einsicht und Steuerung sowie v. a. die Strukturverformung der Persönlichkeit im Gefolge langjähriger Fehlentwicklungen. Sie kann Einschränkungen der Einsichts- und Steuerungsleistungen sowie im dynamischen Bereich eine Begünstigung von aggressiven Reaktionsbereitschaften bewirken. Bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit wird, solange keine psychotische Desintegration des Denkens besteht, keine Aufhebung der Einsichtsfähigkeit vorliegen. Die Steuerungsfähigkeit ist in der Regel nicht wesentlich eingeschränkt. Bei schwerer ausgeprägter Persönlichkeitsstörung mit erheblicher Strukturverformung oder beim Übergang in wahnhafte Störungen kann es zu einer erheblichen Verminderung, nicht aber Aufhebung der Steuerungsfähigkeit kommen. Letzteres ist erst im Rahmen eindeutig psychotischer, über verstehbare Entwicklungen hinausgehender Erkrankungen anzunehmen. Wegen ungünstiger Prognose kann beim Hinzutreten von Gewaltandrohungen oder manifesten Gewalthandlungen die Unterbringung erforderlich sein. Auf die Bedeutung von Früherkennung und ggf. den Versuch von Mediation wird hingewiesen.

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