Zum Inhalt
Rechtsmedizin

Venöse Luftembolie bei vaginalen Verletzungen durch Geschlechtsverkehr

Kritische Analyse und Literaturübersicht zu Häufigkeit und Diagnosestellung

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

In der Revision eines Strafprozesses in Deutschland 2013 trug ein Privatgutachter die kontrovers diskutierte Auffassung vor, dass eine Frau durch eine Luftembolie infolge eines vaginalen Geschlechtsverkehrs mit ausschließlich peniler Penetration und Verletzung der Vaginalwand verstorben war. Dabei habe der Gutachter die Diagnose Jahre nach dem Tod der Frau durch histologische Untersuchungen der Lungen und der Vaginalverletzungen gestellt.

Ziel der Arbeit

Die Häufigkeit der Diagnose „Luftembolie infolge vaginaler Verletzungen durch intravaginalen Geschlechtsverkehr“ und die Modalität der Diagnosestellung wurden überprüft.

Material und Methode

Es erfolgte eine selektive Literaturrecherche. Weiterhin wurden Rundbriefe an alle rechtsmedizinischen Institute und an Direktoren bzw. Chefärzte von Frauenkliniken großer Städte in Deutschland versandt.

Ergebnisse

Im Schrifttum fanden sich 2 Kasuistiken, die bei kritischer Analyse nach dem Stand der Wissenschaft zum Publikationszeitpunkt Fehler bei der Diagnosestellung aufwiesen. Bei über 300.000 durchgeführten Obduktionen in der Zeit von 1990 bis 2016 wurde von 26 rechtsmedizinischen Instituten Deutschlands, die den Rundbrief beantwortet hatten, in keinem Fall die Diagnose „Luftembolie infolge vaginaler Verletzungen durch intravaginalen Geschlechtsverkehr“ gestellt. Alle 32 berufserfahrenen Frauenärzte, die auf den Rundbrief geantwortet hatten, hatten in ihrem Berufsleben weder überlebte noch letal verlaufende Fälle einer Luftembolie nach vaginalen Verletzungen durch Geschlechtsverkehr therapiert oder davon Kenntnis erlangt.

Schlussfolgerung

Für eine Todesursachendiagnose „Luftembolie nach vaginalen Verletzungen“ besteht nach epidemiologischen Erhebungen und kritischer Analyse der bisherigen sehr wenigen Literaturfälle keine Evidenz. Bei der Diagnose einer letalen venösen Luftembolie sind zwingend wissenschaftliche Standards zu beachten. Eine Diagnosestellung allein durch histologische Untersuchungen war und ist nach dem Stand der Wissenschaft nicht möglich.
Titel
Venöse Luftembolie bei vaginalen Verletzungen durch Geschlechtsverkehr
Kritische Analyse und Literaturübersicht zu Häufigkeit und Diagnosestellung
Verfasst von
PD Dr. med. habil. F. Zack
B. Zinka
M. W. Beckmann
S. Banaschak
H. Fischer
P. Gabriel
B. Gerber
S. D. Costa
P. Ledwon
T. Schwenzer
A. Büttner
Publikationsdatum
17.12.2018
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Rechtsmedizin / Ausgabe 1/2019
Print ISSN: 0937-9819
Elektronische ISSN: 1434-5196
DOI
https://doi.org/10.1007/s00194-018-0290-2
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Bildnachweise
CME App