Endometriale Reifung
Im IVM-Zyklus ist eine Behandlung der Patientin mit Östrogenen und Progesteron erforderlich, da wegen der geringeren Stimulation und der fehlenden Ovulation keine ausreichende Proliferation des Endometriums im Vergleich zur konventionellen Stimulation zu erreichen ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass eine Östrogengabe vor der Follikelaspiration sich nachteilig auf die Maturation der Oozyten und die Entwicklung der Embryonen auswirken könnte (Russell et al. 1997), so dass die zusätzliche Östrogenunterstützung nur in den letzten 3 Tagen bis zum Embryotransfer erfolgen sollte. Dies war auch ein wesentlicher Grund für die Einführung einer kurzzeitigen FSH-Stimulation. Eine neuere Studie von Vitek et al. (2013) konnte jedoch zeigen, dass die Gabe von Östrogen die FSH-Stimulation ersetzen kann und zu gleichwertigen Ergebnissen führt.
Unklar ist auch, ob die Gabe von HCG 36 h vor der Follikelaspiration für die Implantation von Vorteil ist. Tendenziell scheint zwar die Maturationsrate der Oozyten nach einer HCG
-Gabe höher zu sein (Chian et al. 2000), Daten bezüglich einer verbesserten Implantationsrate liegen jedoch nicht vor. Somit bleibt unklar, ob HCG tatsächlich zu einer besseren Synchronisierung der embryonalen und endometrialen Entwicklung führt.
Andererseits kann auch diskutiert werden, ob die IVM im Vergleich zur IVF möglicherweise sogar für die endometriale Entwicklung von Vorteil ist. Nachteilige Effekte supraphysiologischer Östradiolspiegel auf das Endometrium sind bekannt. Zusammenfassend lässt sich hinsichtlich der Funktion des Endometriums bei der IVM-Therapie und den beschriebenen Stimulationstherapien noch keine klare Aussage treffen.
Behandlungsergebnisse der IVM im Vergleich zur IVF/ICSI
Um aufgrund der von Land zu Land unterschiedlichen Zahl der transferierten Embryonen überhaupt einen Vergleich ziehen zu können, muss ersatzweise für den Vergleich der Erfolgschancen die Zahl der PN-Stadien (Vorkernstadien) herangezogen werden, die nach Maturation und Fertilisation verblieben sind. Bei PCO-Patientinnen fanden Vitek et al. (
2013) durchschnittlich 16,7 Oozyten, daraus resultierten durchschnittlich 8,7 PN-Stadien mit einer Implantationsrate von 17,5 %. Vergleicht man diese Daten mit jenen von konventionellen IVF-Zyklen bei PCO-Patientinnen, so erbrachte die IVM ähnliche Ergebnisse wie die konventionelle IVF mit durchschnittlich 9,3 PN-Stadien und einer Implantationsrate von 17,1 %. Diese Verbesserung der Ergebnisse der IVM im Vergleich zu den Anfangsjahren dürfte an der zunehmenden Erfahrung sowohl der Punkteure wie auch der Verbesserung der Methoden im Labor liegen.
Vorteile und Nachteile der In-vitro-Maturation im Vergleich zum konventionellen IVF/
ICSI zeigt die Übersicht.
Der unbestreitbare Vorteil der IVM liegt in der Vermeidung eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS; Abschn.
2). Es konnte gezeigt werden, dass die IVM im Vergleich mit der Stimulation im Antagonistenprotokoll, die mit einem niedrigeren Risiko eines OHSS einhergeht, zu einer Reduktion des OHSS führt, ohne Unterschiede in den Erfolgsraten nach sich zu ziehen. So fand man gleiche Schwangerschafts-, Abort- und Geburtenraten in mehreren Studien, die die IVM mit der Stimulation im Antagonistenprotokoll verglichen (Shavit et al.
2014; Das et al.
2014; Ganor-Paz et al.
2016).
Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit, kurzfristig Oozyten, z. B. vor einer zytotoxischen Therapie, entnehmen zu können. Aufgrund dieser Technik ist die Konservierung von Oozyten als fertilitätserhaltende Maßnahme in Fällen, in denen der Start der Chemotherapie für eine konventionelle IVF-Behandlung nicht um 10–14 Tage hinausgeschoben werden kann, erst möglich geworden.
Als vorteilhaft werden auch die kürzeren Therapiezyklen und die niedrigeren Kosten pro Therapiezyklus durch den Wegfall oder die Reduzierung der Gonadotropindosis genannt.
Seitens der behandelnden Ärzte liegt der Nachteil der IVM in der technisch schwierigeren Punktion, die mindestens doppelt so viel Zeit wie eine normale
Follikelpunktion selbst bei geübten Ärzten in Anspruch nimmt. Für die Kostenkalkulation ist weiterhin der Einsatz eines hochauflösenden und somit teuren Ultraschallgeräts zu berücksichtigen.
Seitens der Biologen ist die IVM durch die 24-stündige Maturation deutlich zeitaufwendiger. Neben den damit verbundenen höheren Personalkosten müssen für die zusätzlich erforderlichen speziellen Kulturmedien etc. höhere Materialkosten berechnet werden.
Diese Erfordernisse relativieren den Vorteil der geringeren Medikamentenkosten.