Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und C. Krüger

Influenza-Viren A, B und C

Influenza-Viren A, B und C
Englischer Begriff
influenza viruses A, B, and C
Beschreibung des Erregers
Familie: Orthomyxoviridae; besteht aus den Gattungen Influenza-Virus A, B und C (Spezies „Influenza-A-Virus“, „Influenza-B-Virus“ und „Influenza-C-Virus“) sowie Isavirus, Quaranjavirus und Thogotovirus. Influenza-A-Viren kommen beim Menschen (Serotypen H1N1, H2N2 und H3N2), bei anderen Säugern und in großer Vielfalt bei Vögeln vor. Die Übertragung zwischen verschiedenen Wirtsspezies ist möglich und ist bedeutend für das Entstehen neuer Virusvarianten. Influenza-B- und -C-Viren treten nur beim Menschen auf. Influenza-Viren zeichnen sich durch eine große genetische Variabilität aus, die auf einer hohen Mutationsfrequenz und einem leichten Genaustausch beruht. Die daraus hervorgehende Antigenvariabilität ist eine Ursache für die charakteristische Epidemiologie der Influenza.
Erkrankungen
Influenza-Viren sind die Erreger der Grippe (Influenza). Die Krankheit tritt epidemisch auf, wobei sich die einzelnen Epidemien in ihrem Schweregrad deutlich voneinander unterscheiden. Die Influenza-Viren und die durch sie ausgelösten Erkrankungen sind weltweit verbreitet. Allerdings kommen im Gegensatz zu den anderen Virustypen (insbesondere A) Influenza-C-Viren nur sehr selten als Erreger der Virusgrippe vor, sie rufen eher Bronchopneumonien hervor. Jährlich sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10–20 % der Weltbevölkerung betroffen.
Influenza-Viren dringen über die Schleimhaut der Atemwege, des Munds und der Augen in den Körper ein. Sie erreichen diese Eintrittsorte durch Tröpfchen-, Kontakt- oder Schmierinfektion, durch Kotpartikel erkrankter Wirte und Vektoren oder durch Viren auf Hautschuppen, Haaren, Gefieder und Staub. Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 1–5 Tagen auf, jedoch können die Viren bereits 2 Tage vor Auftreten der ersten Symptome auf andere Menschen übertragen werden. Da die Krankheitszeichen – Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Übelkeit – relativ unspezifisch sind, kann Influenza mit vielen anderen akuten Atemwegserkrankungen verwechselt werden. Charakteristisch ist allenfalls die schnelle Ausprägung des Vollbilds der Erkrankung. In der Regel dauern die Symptome 1–2 Wochen an. Es können aber auch Symptome wie Tracheitis, Bronchitis, Pneumonie und Komplikationen wie Myokarditis, Meningitis, Enzephalitis sowie bakterielle Superinfektionen auftreten. In ihrer schwersten Verlaufsform führt eine Influenza bei Vorerkrankten, Immungeschwächten oder Jugendlichen zu einer primären Lungenentzündung und zum Tod. Die saisonale Influenza gehört zu den Infektionskrankheiten mit der höchsten Sterblichkeit. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der jährlichen Influenza-Patienten in Deutschland auf 1–7 Millionen, mit bis zu 20.000 Todesfällen in Jahren schwerer Grippewellen (z. B. Winter 2012/2013). Weltweite Ausbrüche gab es im Jahr 1889 (Subtyp A/H2N2), 1918 (Spanische Grippe, Subtyp A/H1N1), 1957 (Asiatische Grippe, Subtyp A/H2N2), 1968 (Hongkong-Grippe, Subtyp A/H3N2) und 1977 (Russische Grippe, Subtyp A/H1N1).
Grundsätzlich ist eine Impfung gegen die Influenza beim Menschen möglich, und sie gilt als die wirksamste vorbeugende Maßnahme. Allerdings sind Influenza-A-Viren enorm wandlungsfähig, weshalb in der Regel eine jährliche Immunisierung mit einem aktuellen Impfstamm nötig ist. Zur Behandlung einer Infektion mit Influenza-Viren stehen spezifische, antivirale Medikamente zur Verfügung. Diese können bei rechtzeitiger Einnahme die Erkrankung abkürzen und lebensgefährliche Komplikationen bei gefährdeten Patientengruppen eindämmen. Virostatika sollten wegen der möglichen Resistenzentwicklung nur in Ausnahmefällen verabreicht werden. Neben der spezifischen Therapie einer Influenza werden die Beschwerden der Patienten meist nur symptomatisch behandelt.
Analytik
Kultur: Influenza-Viren werden in den ersten Tagen nach Krankheitsbeginn aus Nasen-, Rachen- und Bronchialsekret isoliert. Zur Anzucht dienen Hühnereier oder Hundenierenzellen (MDCK-Zellen). Die Identifizierung des Isolats erfolgt mittels Hämadsorptionshemmtest (HADH), direkter Immunfluoreszenz oder Enzyme-linked Immunosorbent Assay.
Direktnachweis: Darstellung der Antigene in infizierten Zellen aus Nasen- und Rachensekret durch direkte Immunfluoreszenz. Der Schnelltest liefert ein Resultat innerhalb von 30 Minuten. Influenza-Viren können auch mittels Reverse-Transkriptase-PCR (PCR (Polymerase-Kettenreaktion)) identifiziert werden.
Serologie: Serumantikörper werden mit Enzyme-linked Immunosorbent Assay, indirekter Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte), Komplementbindungsreaktion, Hämagglutinationshemmtest, Neutralisationstest oder Komplementfixierung bestimmt.
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Nasen-Rachen-Absaugsekret, Rachenspülwasser, Rachenabstriche und andere menschliche Proben (PCR). Die Proben sollten gekühlt transportiert und innerhalb von 6 Stunden (PCR) und 24 Stunden (Kultur, direkte Immunfluoreszenz) analysiert werden.
Serologie: Serum oder Plasma sind für den Nachweis der Antikörper bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Durch Anzüchtung und Typisierung isolierter Viren lässt sich überprüfen, welche Influenza-Viren (Influenza A oder B, Serotypen) zu der Erkrankung geführt haben. Da die meisten Menschen während ihres Lebens mehrmals mit Influenza-Viren infiziert werden, ist der Nachweis spezifischer Antikörper kein Beweis für das Vorliegen einer frischen Infektion. Eine retrospektive serologische Diagnose ist durch einen signifikanten (vierfachen) Titeranstieg innerhalb 1–3 Wochen möglich. Das Haupteinsatzgebiet für Antikörpermessungen sind Impftiterkontrollen im Rahmen klinischer Prüfungen.
Literatur
Murphy BR, Webster RG (1996) Orthomyxoviruxses. In: Bernard N. Fields, David Mahan Knipe, Peter M. Howley (Hrsg.) Fields virology, 3. Aufl. Philadelphia: Lippincott-Raven, S 1397–1445
Robert-Koch-Institut Berlin (2016) RKI-Ratgeber für Ärzte, 12.12.2016. Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. https://​www.​rki.​de/​DE/​Content/​Infekt/​EpidBull/​Merkblaetter/​Ratgeber_​Influenza_​saisonal.​html. Zugegriffen am 22.03.2017
Wilks D, Farrington M, Rubenstein D (Hrsg) (2003) The infectious disease manual, 2. Aufl. Weinheim: Wiley-Blackwell, S 344–245