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Epidemiologie von Gefäßerkrankungen und Versorgung von Gefäßpatienten

Verfasst von: Reinhart T. Grundmann und Sebastian Debus
Die Global Burden of Disease Study 2010 (Krishnamurthi et al. 2013) schätzte, dass im Jahr 2010 weltweit 11.569.538 ischämische Schlaganfälle beobachtet wurden, davon 63 % in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen. An hämorrhagischen Schlaganfällen wurden weltweit 5.324.997 Ereignisse gesehen, davon 80 % in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen. Ischämische Schlaganfälle, die unter anderem durch arteriosklerotische Läsionen der extrakraniellen Gefäße (wie die Karotisstenose) bedingt sind, machten demnach 68,5 % aller Schlaganfälle aus. Am ischämischen Schlaganfall starben 2.835.419 Personen (57 % in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens), am hämorrhagischen Schlaganfall 3.038.763 Personen (84 % in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens). Im Jahr 2010 reichte die altersstandardisierte Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls pro 100.000 Personenjahre von 51,88 in Qatar bis 433,97 in Litauen, die Inzidenz des hämorrhagischen Schlaganfalls von 14,55 in Qatar bis 159,81 in China. Die altersstandardisierten Sterblichkeitsraten pro 100.000 Personenjahre bewegten sich beim ischämischen Schlaganfall von 9,17 (Qatar) bis 137,70 (Russland), beim hämorrhagischen Schlaganfall von 9,64 (USA) bis 210,56 (Mongolei). Für Deutschland nannten die Autoren eine altersstandardisierte Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls pro 100.000 Personenjahre von 141,66 und eine Sterblichkeit von 21,11, die Vergleichszahlen für den hämorrhagischen Schlaganfall waren 49,55 und 11,53. In den letzten zwei Jahrzehnten ist in Ländern mit hohem Einkommen wie bei uns die Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls signifikant um 13 % zurückgegangen, die Sterblichkeit sogar um 37 %. Der Rückgang bei der Inzidenz hämorrhagischer Schlaganfälle machte 19 % und der ihrer Sterblichkeit 38 % aus. Der Rückgang der Schlaganfallinzidenz ist auf eine Modifikation der Risikofaktoren zurückzuführen, von denen die drei wichtigsten sind: Hoher Blutdruck, Tabakkonsum (einschließlich Passivrauchen) und Alkoholgenuss. Weitere beeinflussbare Risikofaktoren stellen hoher Kochsalzverbrauch, geringer Früchtekonsum und körperliche Inaktivität dar (Feigin et al. 2015).

Schlaganfall

Prävalenz und Inzidenz

Die Global Burden of Disease Study 2010 (Krishnamurthi et al. 2013) schätzte, dass im Jahr 2010 weltweit 11.569.538 ischämische Schlaganfälle beobachtet wurden, davon 63 % in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen. An hämorrhagischen Schlaganfällen wurden weltweit 5.324.997 Ereignisse gesehen, davon 80 % in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen. Ischämische Schlaganfälle, die unter anderem durch arteriosklerotische Läsionen der extrakraniellen Gefäße (wie die Karotisstenose) bedingt sind, machten demnach 68,5 % aller Schlaganfälle aus. Am ischämischen Schlaganfall starben 2.835.419 Personen (57 % in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens), am hämorrhagischen Schlaganfall 3.038.763 Personen (84 % in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens). Im Jahr 2010 reichte die altersstandardisierte Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls pro 100.000 Personenjahre von 51,88 in Qatar bis 433,97 in Litauen, die Inzidenz des hämorrhagischen Schlaganfalls von 14,55 in Qatar bis 159,81 in China. Die altersstandardisierten Sterblichkeitsraten pro 100.000 Personenjahre bewegten sich beim ischämischen Schlaganfall von 9,17 (Qatar) bis 137,70 (Russland), beim hämorrhagischen Schlaganfall von 9,64 (USA) bis 210,56 (Mongolei). Für Deutschland nannten die Autoren eine altersstandardisierte Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls pro 100.000 Personenjahre von 141,66 und eine Sterblichkeit von 21,11, die Vergleichszahlen für den hämorrhagischen Schlaganfall waren 49,55 und 11,53. In den letzten zwei Jahrzehnten ist in Ländern mit hohem Einkommen wie bei uns die Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls signifikant um 13 % zurückgegangen, die Sterblichkeit sogar um 37 %. Der Rückgang bei der Inzidenz hämorrhagischer Schlaganfälle machte 19 % und der ihrer Sterblichkeit 38 % aus. Der Rückgang der Schlaganfallinzidenz ist auf eine Modifikation der Risikofaktoren zurückzuführen, von denen die drei wichtigsten sind: Hoher Blutdruck, Tabakkonsum (einschließlich Passivrauchen) und Alkoholgenuss. Weitere beeinflussbare Risikofaktoren stellen hoher Kochsalzverbrauch, geringer Früchtekonsum und körperliche Inaktivität dar (Feigin et al. 2015).
Die American Heart Association (AHA) (Mozaffarian et al. 2015) machte zur Schlaganfall-Prävalenz und Inzidenz in den USA folgende Angaben:
  • Im Jahr 2012 hatten ca. 6,6 Mio. US-Amerikaner > 20 Jahre einen Schlaganfall erlitten, mit einer Schlaganfall-Prävalenz von 2,6 %. Nach einer anderen Statistik wiesen 2,7 % der Männer und 2,7 % der Frauen > 18 Jahre anamnestisch einen Schlaganfall auf.
  • Jedes Jahr erleiden in den USA ca. 795.000 Personen einen Schlaganfall (610.000 Erstattacken und 185.000 rezidivierende Schlaganfälle).
  • Bei den Schlaganfällen handelte es sich in 87 % der Fälle um ischämische Schlaganfälle, in 10 % um intrazerebrale Blutungen und in 3 % um Schlaganfälle bei Subarachnoidalblutung.
  • Das Lebenszeit-Risiko eines Schlaganfalls im Alter von 65 Jahren sank von der Periode 1950–1977 bis zu den Jahren 1990–2004 von 19,5 % auf 14,5 % bei Männern und 18,8 % auf 16,1 % bei Frauen.
  • Jedes Jahr erleiden ca. 55.000 mehr Frauen als Männer einen Schlaganfall.
  • Die Schlaganfallinzidenz ist im jüngeren und mittleren Lebensalter bei Frauen geringer als bei Männern. Im Alter gleichen sich die Inzidenzraten an, so dass in den höchsten Altersgruppen die Inzidenz bei Frauen gleich oder sogar höher als bei Männern ist.
Zur transienten Ischämischen Attacke (TIA) äußerte sich die AHA (Mozaffarian et al. 2015) wie folgt:
  • Die TIA- Prävalenz wird in den USA über alle Altersstufen auf 2,6 % geschätzt (ca. 5 Mio. Personen).
  • In einer regionalen Erhebung in den USA lag die TIA-Inzidenz in den Jahren 1985–1989 bei 0,68 pro 1000.
  • Etwa 15 % aller Schlaganfälle werden durch eine TIA angekündigt. Prädiktoren für einen Schlaganfall waren Alter > 60 Jahre, Diabetes mellitus, fokale Symptome von Schwäche oder Sprachbeeinträchtigung und Symptome, die länger als 10 min dauerten.
  • Personen mit TIA, die die initiale Hochrisikoperiode überlebt haben, haben ein Risiko von ungefähr 19 %, in einer 10-Jahresperiode einen Schlaganfall zu erleiden.
  • In einer regionalen Erhebung in den USA betrug die Sterblichkeit 1 Jahr nach TIA 12 %.
Zur Schlaganfall-Sterblichkeit nannte die AHA für die USA folgende Zahlen (Mozaffarian et al. 2015):
  • 1 von 20 Todesfällen in den USA sind auf einen Schlaganfall zurückzuführen.
  • Die altersadjustierte Sterberate an Schlaganfall als Todesursache war 37,9 auf 100.000.
  • 57 % der Todesfälle ereigneten sich außerhalb des Krankenhauses.
  • Aufgrund der höheren Zahl älterer Frauen versterben in den USA mehr Frauen als Männer am Schlaganfall (Frauen machten 60 % der Todesfälle nach Schlaganfall aus).
  • Die Schlaganfallsterblichkeit hat in der Periode 1981–2010 altersadjustiert in den USA bei Männern um 58,5 % und bei Frauen um 55,2 % abgenommen.

Schlaganfall-Subtypen

Bogiatzi et al. (2014) analysierten retrospektiv die Schlaganfallursachen in dem Krankengut einer Universitätsklinik. Sie nannten für 1164 Patienten mit ischämischem Schlaganfall/TIA der Jahre 2009–2012 die Häufigkeit folgender Subtypen:
  • Erkrankung der großen extrakraniellen Gefäße („Large artery disease“) 25 %,
  • kardioembolisch 53 %,
  • Erkrankung kleiner intrakranieller Gefäße („Small vessel disease“) 8 %,
  • andere oder nicht-bestimmte Ursachen 14 %.
Für einen operativen oder interventionellen Eingriff am bedeutsamsten sind die arteriosklerotischen Veränderungen der großen extrakraniellen Gefäße. Hier beobachteten die Autoren einen deutlichen Rückgang, die „large artery disease“ war in den Jahren 2002–2005 noch in 46 % der Fälle Ursache eines ischämischen Schlaganfalls gewesen, zuletzt aber nur noch in 25 % der Fälle. Diese Angaben von Bogiatzi et al. (2014) stimmen mit einer spanischen Untersuchung überein, dort wurden bei 1543 von 5426 ischämischen Schlaganfällen (28,4 %) arteriosklerotische Läsionen der großen extrakraniellen Gefäße als Ursache verantwortlich gemacht (Arias-Rivas et al. 2012). Andere gingen davon aus, dass speziell die extrakranielle Karotisstenose nur für 10 % der ischämischen Schlaganfälle ursächlich zeichnet (Jonas et al. 2014).
Eine seltene Ursache ischämischer Schlaganfälle mit günstiger Prognose stellen Dissektionen der Halsarterien dar, die vor allem bei jüngeren Patienten beobachtet werden. Béjot et al. (2014) nannten eine Inzidenz für Schlaganfälle dieser Ursache von 2,97/100.000 Patientenjahre (1,21/100.000 Patientenjahre für Schlaganfälle aufgrund von Dissektionen der A. carotis interna und 1,87/100.000 Patientenjahre für Schlaganfälle auf Basis von A. vertebralis-Dissektionen).
Etwa ein Viertel aller ischämischen Schlaganfälle ereignen sich in der vertebrobasilären Zirkulation (Bamford et al. 1991). Die extrakranielle Stenose der A. vertebralis soll in 9 % der Fälle direkte Ursache von ischämischen Schlaganfällen oder TIAs in der posterioren Zirkulation sein (Koch et al. 2014). Andere fanden eine geringere Prävalenz und machten eine Abgangsstenose der A. vertebralis nur für 5,2 % der Schlaganfällen in der posterioren Region verantwortlich (Gordon Perue et al. 2015).

Extrakranielle hirnversorgende Gefäße

Extrakranielle Karotisstenose, Epidemiologie

In der Cardiovascular Health Study (Longstreth et al. 1998) wurde bei 5441 Teilnehmern älter 65 Jahre (mittleres Alter 72,7 Jahre) eine Prävalenz hochgradiger Karotisstenosen > 70 % von 0,5 % beobachtet. Eine frühere Untersuchung dieser Gruppe hatte für Stenosen > 75 % für Frauen im Alter von 70–74 Jahren eine Prävalenz von 1 % und für Männer der gleichen Altersgruppe eine Prävalenz von 1,4 % genannt (O’Leary et al. 1992). Diese Daten gelten als die seriösesten Angaben zur Prävalenz von extrakraniellen Karotisstenosen (Jonas et al. 2014). Die Angaben zur Prävalenz schwanken in Abhängigkeit von der Definition einer Karotisstenose. In einer Untersuchung von Kiechl et al. (1994) an allerdings nur 909 Männern und Frauen im Alter von 40–79 Jahren wurde bei älteren (60–79 Jahre) Männern und Frauen eine Karotisstenose > 50 % in einer Häufigkeit von 10,5 % bzw. 5,5 % beschrieben. Eine wesentlich niedrigere Prävalenz nannte Ghilardi (1994) für die Lombardei. Er gab eine Prävalenz von Karotisstenosen aller Grade von 2,5 % bei Patienten im Alter von 45–75 Jahren an.
Insgesamt sind die Angaben zur Prävalenz moderater (≥50 %) und hochgradiger (≥70 %) Karotisstenosen in der Literatur sehr inhomogen. Eine sehr gründliche Metaanalyse der berichteten Daten haben de Weerd et al. (2009) vorgelegt. In dieser Untersuchung betrug die gepoolte Prävalenz moderater Stenosen 4,2 % (95 % Konfidenzintervall, CI, 3,1–5,7 %). Die gepoolte Prävalenz moderater Stenosen bei Personen < 70 Jahre war 4,8 % (95 % CI, 3,1–7,3 %) bei Männern und 2,2 % (95 % CI, 0,9–4,9 %) bei Frauen. Bei Personen ≥ 70 Jahre stieg die Prävalenz auf 12,5 % (95 % CI, 7,4–20,3 %) bei Männern und 6,9 % (95 % CI, 4,0–11,5 %) bei Frauen an. Für die Analyse der Prävalenz hochgradiger Stenosen war die Datenbasis limitiert. Die gepoolte Prävalenz hochgradiger Stenosen insgesamt war 1,7 % (95 % CI, 0,7–3,9 %).
Extrakranielle Karotisstenose bei Risikogruppen
In der Life Line Screening-Datenbasis (Razzouk et al. 2015) wurde in einer Population von 3.666.938 Teilnehmern, davon 35,8 % männlich, mit einem Alter von im Mittel 63,7 ± 10,6 Jahren eine moderate oder schwere Karotisstenose in 3,9 % der Fälle gesehen. Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) war ein Prädiktor für eine Karotisstenose, Personen mit pAVK wiesen eine Prävalenz von 18,8 % Karotisstenosen aller Schweregrade auf, verglichen mit 3,3 % bei den Personen ohne pAVK.
Der ischämische Schlaganfall gehört zu den am meisten gefürchteten Komplikationen in der Herzchirurgie. Extrakranielle Karotisstenosen werden als präoperative Risikofaktoren aufgeführt. Durand et al. (2004) fanden bei 1138 Patienten mit koronarer Bypasschirurgie, die einem Routine-Screening auf eine Karotisstenose unterzogen wurden, in 13,4 % eine signifikante Stenose ≥ 70 %. In dieser Studie entwickelten 3,2 % der Patienten postoperativ einen Schlaganfall. Allerdings hatten nur 19 % der Patienten mit Schlaganfall eine Karotisstenose ≥ 70 % ipsilateral zur Schlaganfallseite. Fusini et al. (2015) berichteten bei 323 Patienten mit endovaskulärer Aortenklappen-Implantation (Transcatheter aortic valve implantation,TAVI) in 33,6 % Karotisstenosen, von denen 23,6 % unilateral und 10 % bilateral waren. Tatsächlich scheint aber in großen Kollektiven die Prävalenz der Karotisstenose auch bei Risikogruppen geringer zu sein. De Weerd et al. (2014) berechneten auf Basis von vier Beobachtungsstudien mit 23.706 Teilnehmern, mittleres Alter 61 ± 12 Jahre, 46 % Männer, die Prävalenz mäßiger (≥50 %) und hochgradiger (≥70 %) Stenosen. 2 % der Teilnehmer wiesen eine mäßige und 0,5 % eine hochgradige Stenose auf. Die Prävalenz hochgradiger Stenosen betrug bei den Teilnehmern mit einer vaskulären Erkrankung in der Anamnese 0,3 %, bei Teilnehmern mit einer anamnestischen koronaren Herzerkrankung 1,9 % und bei den Teilnehmern mit einem Schlaganfall in der Anamnese 3,5 %. Ob darüber hinaus die Prävalenz von asymptomatischen Karotisstenosen tatsächlich einen Risikofaktor für einen postoperativen Schlaganfall darstellt, ist nicht bewiesen (Masabni et al. 2015). Im Gegenteil, in einer großen Studie an 2110 Patienten, die einer Duplexsonografie der A. carotis interna innerhalb 6 Monaten vor oder 1 Monat nach nicht-herzchirurgischen Eingriffen unterzogen wurden, starben 5,3 % innerhalb 30 Tagen nach dem Eingriff und 2,6 % erlitten postoperativ einen Schlaganfall. In dieser Studie war der Grad einer Karotisstenose nicht mit dem Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts assoziiert (Sonny et al. 2014).

Extrakranielle Stenose der A. vertebralis, Epidemiologie

Koch et al. (2014) gaben in einer dopplersonographischen Untersuchung die Prävalenz von rechtsseitigen Stenosen der A. vertebralis mit 52/1955 (2,7 %) und von Verschlüssen mit 74/1955 (3,9 %) an, linksseitige Stenosen wurden in 45/1973 (2,5 %) und Verschlüsse in 64/1973 (3,6 %) der Fälle gesehen. Entweder rechtsseitige oder linksseitige Verschlüsse/Stenosen wurden bei 8,2 % der Patienten und beidseitige Befunde bei 1,4 % der Patienten beobachtet. Es handelte sich allerdings nicht um eine populationsbezogene Untersuchung, vielmehr wiesen in diesem Krankengut 42 % der Patienten in der Anamnese einen Schlaganfall oder TIA auf und bei 27 % war eine Karotisstenose bekannt. Compter et al. (2011) untersuchten in der SMART-Studie (Second Manifestations of ARTerial disease) ausschließlich Patienten mit vaskulären Risikofaktoren oder klinisch manifester arteriosklerotischer Erkrankung. Sie sahen bei 3717 Patienten mit einem medianen Alter von 60 Jahren eine asymptomatische Vertebralisabgangsstenose > 50 % oder Verschluss bei 282 Patienten (7,6 %), bei 43 (1 %) wurden bilaterale Verschlüsse oder Stenosen verzeichnet.

Behandlungsfälle

Im Jahr 2010 wurden in den USA ca. 98.300 Karotisendarterektomien (CEA) und 35.500 Carotisstentings (CAS) durchgeführt. Der Anteil an Patienten, die innerhalb 2 Wochen nach Beginn eines Schlaganfalls der CEA zugeführt wurden, stieg von 13 % im Jahr 2007 auf 47 % im Jahr 2010 an (Mozaffarian et al. 2015). Eine Erhebung für die Medicare-versicherten Patienten (Alter > 65 Jahre) der USA – sie machen mehr als 70 % aller dort durchgeführten CEA-Patienten aus – wurde von Kumamaru et al. (2015) veröffentlicht. Nach ihrer Berechnung wurde in den Jahren 2001–2008 bei 454.717 Medicare-Patienten eine CEA von 8648 Chirurgen ausgeführt. Diesen standen 27.943 Patienten mit CAS in den Jahren 2005–2008 gegenüber. Dies ergab 12,7 CEA und 1,8 CAS auf 10.000 Medicare-Versicherte im Jahr 2008. Im gleichen Jahr führten 5571 Chirurgen eine CEA durch, mit einem medianen Fallvolumen von 21. Die Zahl der Ärzte, die eine CAS ausführten, stieg von 1133 im Jahr 2005 auf 1738 im Jahr 2008 an, mit einem medianen Fallvolumen von 8 im Jahr 2008. Insgesamt gesehen war die Rate an CEA in diesem Krankengut deutlich rückläufig, um ca. 30 % in den Jahren 2001–2008 und das Fallaufkommen pro Chirurg sank um ca. 20 % im Median.
Eine abnehmende Zahl an CEA in den USA ließ sich auch durch Analyse der Nationwide Inpatient Sample (NIS) Datenbasis belegen, die 20 % aller nicht-bundesstaatlichen Krankenhäuser in den USA erfasst (Kim et al. 2014). Danach ging die Rate an jährlichen Karotis-Revaskularisationen in den Jahren 2001–2010 insgesamt um 34 % zurück. Die Autoren berechneten für die USA die Inzidenz an CEA mit 710 pro 1 Mio. Erwachsene im Jahr 2001, verglichen mit 418 pro 1 Mio. Erwachsene im Jahr 2010. Gleichzeitig stieg die Inzidenz an CAS von 26 pro 1 Mio. Erwachsene auf 65 pro 1 Mio. Erwachsene an. Auf die gesamte USA-Bevölkerung projiziert bedeutete dies, dass 52.416 weniger CEA und 9621 mehr CAS im Jahr 2010 verglichen mit 2001 ausgeführt wurden. Gleichzeitig sank die Zahl der Krankenhäuser, in denen CEA erfolgten, um 9 %. Das mittlere Fallvolumen pro Hospital nahm von 109 Fällen im Jahr 2001 auf 72 Fälle im Jahr 2010 ab.
Eine weitere Analyse der NIS stammt von Brinjikji et al. (2015), sie bezieht sich auf die Jahre 2005–2011. In dieser Zeit wurden in der NIS 181.972 Karotis-Revaskularisationen registriert, 159.711 CEA (87,8 %) und 22.261 CAS (12.2 %). Auch diese Autoren bestätigten den abnehmenden Trend an CEA. Die jährliche Zahl an CEA sank in den Jahren 2005–2011 von 24.643 auf 21.355 ab, die der CAS stieg von 2511 auf 3284 an, die Zahl der Revaskularisationen insgesamt reduzierte sich damit von 27.154 auf 24.639. Die Autoren definierten nach der 90. Perzentile Hochvolumenkrankenhäuser, wobei diese ≥ 38 CAS bzw. ≥ 117 CEA pro Jahr ausführten. Mit dem Rückgang des Fallaufkommens war auch ein Rückgang in der Versorgung von Patienten in Hochvolumenkrankenhäusern assoziiert: bei der CEA von 35,7 % auf 30 %, bei CAS von 45,2 % auf 35,1 %. Ob sich das verringerte Fallaufkommen bei der bekannten inversen Beziehung zwischen Fallvolumen und ungünstigem Ergebnis negativ auf das Outcome auswirkt, konnten die Autoren aber nicht eindeutig belegen.
Rudarakanchana et al. (2012) haben die Häufigkeit der CEA im UK analysiert und sie mit anderen Ländern in Europa verglichen. Danach werden im UK jährlich lediglich 5000–6000 CEA durchgeführt. Die Autoren gaben die Rate an CEA mit 5,1 pro 100.000 Personen pro Jahr im UK an, verglichen mit 7,0/100.000 in Dänemark, 12,4/100.000 in Schweden und 31,7/100.000 in Deutschland. Der Prozentsatz an Eingriffen, der dabei bei asymptomatischer Karotisstenose erfolgte, war im UK 16 %, in Dänemark < 1 %, in Schweden 19 % und in Deutschland 53 %. Während diese Daten für eine Unterversorgung im UK sprechen, muss offen bleiben, ob in anderen Ländern wie Deutschland nicht eine Überversorgung besteht.
Behandlungsfälle in Deutschland
Zerebrovaskuläre Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser finden sich in Tab. 1. Tab. 2 gibt die Anzahl der durchgeführten operativen und endovaskulären Behandlungen an „Arterien Kopf, extrakraniell“ in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 wieder.
Tab. 1
Zerebrovaskuläre Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Verschluss und Stenose zerebraler und präzerebraler Arterien mit resultierendem Hirninfarkt
I63.-
242.847
Verschluss und Stenose präzerebraler Arterien ohne Hirninfarkt
I65.-
31.065
I65.0
995
I65.1
987
Verschluss und Stenose der A. carotis
I65.2
27.255
Verschluss und Stenose mehrerer und beidseitiger präzerebraler Arterien
I65.3
1652
Verschluss und Stenose sonstiger präzerebraler Arterien
I65.8
160
Tab. 2
Anzahl der durchgeführten operativen und endovaskulären Eingriffe an „Arterien Kopf, extrakraniell“ in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Endarteriektomie A. carotis communis mit Sinus caroticus
5-381.01
13.587
Endarteriektomie A. carotis interna extrakraniell
5-381.02
23.401
Endarteriektomie A. carotis externa
5-381.03
10.811
Perkutan-transluminale Gefäßintervention A. carotis interna extrakraniell
8-836.0 k
2427
Perkutan-transluminale Gefäßintervention A. carotis interna extrakraniell mit A. carotis communis
8-836.0 m
2611

Abdominelles Aortenaneurysma

Epidemiologie

Sampson et al. (2014a) haben auf Basis einer ausgiebigen Literaturrecherche die globale Prävalenz und Inzidenz von abdominellen Aortenaneurysmen (AAA) berechnet. Sie schätzten die globale Prävalenz eines AAA pro 100.000 Personen in der Altersgruppe 40–44 Jahre auf 7,88 und in der Altersgruppe 75–79 Jahre auf 2274,82 im Jahr 2010 ein. In den entwickelten Ländern war die Prävalenz höher als in den Entwicklungsländern. Die höchsten Prävalenzraten wurden über alle Altersgruppen in Australasien gesehen (310,27), gefolgt von den hohen Einkommensschichten in Nordamerika (256,1) und Westeuropa (244,54). Die niedrigste Prävalenz wurde in Nordafrika/Mittlerer Osten (123,5) und Zentralasien (113,43) beobachtet. Die altersspezifischen Inzidenzraten gaben die Autoren pro 100.000 Personen im Alter von 65–69 Jahren mit 147,64 in den entwickelten Ländern und 121,12 in den Entwicklungsländern an. Verglichen mit den Daten des Jahres 1990 haben in den letzten zwei Dekaden Inzidenz und Prävalenz des AAA weltweit abgenommen.
In Studien zur Evaluation von Screeningprogrammen betrug die Prävalenz eines AAA mit einem Durchmesser ≥ 3,0 cm 4,0–7,6 % bei über 65-jährigen Männern. Die meisten dieser durch Screening entdeckten Aneurysmen (70–82 %) waren klein, mit einem Durchmesser unter 4,0–4,5 cm. AAA mit einem Durchmesser von ≥ 5,5 cm wurden nur bei 0,4– 0,6 % der gescreenten Gruppen gesehen. Die Prävalenz des AAA war bei Frauen 6-mal niedriger als bei Männern (1,3 % vs. 7,6 %), wobei 75 % dieser AAA klein waren (3,0–3,9 cm) (Guirguis-Blake et al. 2014). Diese Daten sind wahrscheinlich nicht mehr aktuell, die Inzidenz des AAA ist im letzten Jahrzehnt zumindest in einigen Ländern Westeuropas rückläufig und soll mancherorts weniger als halb so hoch sein als nach den Studien zu erwarten war (Hager et al. 2013). So wurde in Screeningprogrammen von England und Schweden eine AAA-Prävalenz von lediglich 1,7–1,9 % berichtet (Anjum und Powell 2012). In einem Screeningprogramm der Region Uppsala wurde die Prävalenz eines AAA mit 1,5 % bei den 65-jährigen und 2,4 % bei den 70-jährigen Männern angegeben (Svensjö et al. 2014). Andere haben ebenfalls einen Rückgang in der Prävalenz des AAA beobachtet, der aber deutlich weniger ausgeprägt war. Für Dänemark schätzten Grøndal et al. (2015) in den Jahren 2008–2011 die Prävalenz des AAA bei > 65 jährigen Männern auf 3,3 % stark altersabhängig ein, bei den 65-jährigen Männern betrug sie 2,6 %. AAA > 5,4 cm wurden aber auch nur bei 0,3 % der gescreenten Männer in dieser Untersuchung entdeckt.
Eine sehr viel höhere AAA-Prävalenz wurde aus Neuseeland berichtet. Khashram et al. (2015) analysierten 4893 CT-Kolonographien bei 4644 Patienten mit gastrointestinalen Symptomen. Sie fanden eine AAA-Prävalenz (AAA > 3,0cm) bei Männern und Frauen im Alter von 55–64,9, 65,0–74,9, 75,0–84,9 und ≥ 85 Jahren von 1,3 %, 9,1 %, 16,8 % und 22 % (Männer) bzw. 0,4 %, 2,0 %, 3,9 % und 6,2 % (Frauen). Von den insgesamt beobachteten 223 Patienten mit einem AAA wiesen 23 (10,3 %) ein AAA ≥ 5,0 cm auf. In dieser Studie wurde das 5-Jahresüberleben der Patienten mit AAA auf 55,1 % kalkuliert, verglichen mit 77,4 % bei den Patienten ohne AAA. Von den 78 Todesfällen in der AAA-Gruppe waren allerdings nur 2 auf eine AAA-Ruptur zurückzuführen. Inwieweit Patienten mit CT-Kolonographie für die Allgemeinbevölkerung repräsentativ sind, ist offen.
Eine spezielle Risikogruppe für die Entwicklung eines AAA stellen Patienten mit koronarer Herzerkrankung dar. Hernesniemi et al. (2015) fanden in einer Metaanalyse der Literatur die Prävalenz eines AAA bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung ungefähr 2,4-mal höher als in der Vergleichspopulation, was dafür spricht, speziell bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung Screening-Untersuchungen hinsichtlich eines AAA durchzuführen. Umgekehrt sind bereits Patienten mit kleinem AAA (30–54 mm) kardiovaskulär stark gefährdet. Für Patienten mit einem mittleren Alter von 71,2 Jahren errechneten Bath et al. (2015) ein 5-Jahresrisiko, an einem kardiovaskulären Ereignis zu versterben, von ungefähr 15 %. Dieses Risiko stieg jedes weitere Jahr um 3 % an, verglichen mit 0,78 % in der Allgemeinbevölkerung. 11,2 % dieser kardiovaskulären Todesfälle waren auf eine Ruptur des AAA zurückzuführen. AAA-Patienten definieren demnach eine kardiovaskuläre Hochrisikogruppe, die Prävalenz der ischämischen Herzerkrankung wurde bei ihnen mit 44,9 %, die des vorangegangenen Herzinfarkts mit 26,8 % und die des Schlaganfalls mit 14,0 % kalkuliert (Bath et al. 2015).

Behandlungsfälle

Schermerhorn et al. (2012) analysierten die Medicare-Datenbank der Jahre 1995–2008 hinsichtlich der mit intaktem AAA (iAAA) und rupturiertem AAA (rAAA) behandelten Patienten. In dieser 14-Jahresperiode wurden in den USA 338.278 Medicare-Patienten wegen eines iAAA versorgt, wobei die Zahl jährlicher Eingriffe leicht zunahm, von 23.186 im Jahr 1995 auf 24.334 im Jahr 2008. In der gleichen Zeitspanne wurden 69.653 Patienten mit einem rAAA stationär aufgenommen, von denen 47.524 (68,2 %) operativ behandelt wurden. Umgerechnet ergab dies einen leichten Anstieg an iAAA-Versorgungen von 79,9 auf 85,0 pro 100.000 Medicare-Versicherte, wobei es in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen zu einem Abfall kam (von 81,8 auf 68,9), während die Versorgungen bei Patienten ≥ 80 Jahre deutlich zunahmen (von 57,7 auf 92,3 pro 100.000 Versicherte). Die Zahl der mit einem rAAA eingewiesenen Medicare-Patienten nahm hingegen sichtlich ab, von 6535 im Jahr 1995 auf 3298 im Jahr 2008. Die Zahl der endovaskulär versorgten Patienten (EVAR) stieg über den Beobachtungszeitraum kontinuierlich an, im Jahr 2008 wurden 77 % aller Eingriffe bei iAAA und 31 % bei rAAA endovaskulär vorgenommen. In einer weiteren Analyse wiesen Schermerhorn et al. (2015) darauf hin, dass die Medicare-Datenbank 83 % aller AAA-Versorgungen in den USA enthält. Danach wurden in den Jahren 2001–2008 128.598 Medicare-Patienten 67Jahre oder älter elektiv wegen eines AAA versorgt, 79.463 Patienten endovaskulär und 49.135 offen (OR).
Zum AAA existiert auch eine Analyse der NIS, die 20 % aller bezahlten Hospitalisationen in den USA (Versicherte und Nichtversicherte) umfasst (Ultee et al. 2015). Die Codierung ließ eine Unterscheidung zwischen infrarenalen, juxtarenalen und suprarenalen AAA nicht zu. In den Jahren 2001–2009 wurden dort 108.587 EVAR und 85.080 OR registriert, darunter 3011 EVAR und 12.811 OR bei einem rAAA. Alles zusammengefasst, stieg das jährliche Fallvolumen von 20.134 im Jahr 2001 auf 22.541 im Jahr 2009 an. Diese Arbeitsgruppe analysierte die behandelnden Ärzte. Mehrheitlich (55 %) wurden in den USA die offenen Eingriffe beim iAAA von Gefäßchirurgen durchgeführt, mit steigender Tendenz (52 % auf 65 % in den Jahren 2001–2009). Allgemeinchirurgen führten 24 % (abnehmend von 25 % auf 16 %) aller OR bei iAAA aus, Herzchirurgen 22 % (abnehmend von 24 % auf 19 %). Auch EVAR erfolgte mehrheitlich durch Gefäßchirurgen (in 67 % der Fälle, zunehmend von 60 % auf 67 %), gefolgt von Allgemeinchirurgen (16 % der EVAR, abnehmend on 19 % auf 17 %), Herzchirurgen (13 %, ansteigend von 10,5 % auf 11,3 %) und interventionellen Kardiologen und Radiologen (zusammengefasst 4 %, abnehmend von 10 % auf 6 %).
Behandlungsfälle in Deutschland
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Aortenaneurysma und -dissektion finden sich in Tab. 3. Die Häufigkeit offener Eingriffe an der Aorta abdominalis ist in Tab. 4 aufgeführt. Tab. 5 gibt über die Häufigkeit der Implantation von endovaskulären Stentprothesen in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 Auskunft.
Tab. 3
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Aortenaneurysma und -dissektion im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Dissektion der Aorta
I71.0
5553
Aneurysma der Aorta thoracica, rupturiert
I71.1
576
Aneurysma der Aorta thoracica ohne Angabe einer Ruptur
I71.2
5103
Aneurysma der Aorta abdominalis, rupturiert
I71.3
2209
Aneurysma der Aorta abdominalis ohne Angabe einer Ruptur
I71.4
13.700
Aortenaneurysma, thorakoabdominal, rupturiert
I71.5
236
Aortenaneurysma, thorakoabdominal ohne Angabe einer Ruptur
I71.6
1351
Aortenaneurysma nicht näher bezeichneter Lokalisation, rupturiert
I71.8
72
Aortenaneurysma nicht näher bezeichneter Lokalisation ohne Angabe einer Ruptur
I71.9
248
Tab. 4
Resektion und Ersatz (Interposition) an der infrarenalen Aorta abdominalis in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 [offene Eingriffe] (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Mit Rohrprothese
5-384.71
340
Mit Rohrprothese bei Aneurysma
5-384.72
1332
Mit Bifurkationsprothese biiliakal
5-384.73
410
Mit Bifurkationsprothese biiliakal bei Aneurysma
5-384.74
995
Mit Bifurkationsprothese bifemoral
5-384.75
1301
Mit Bifurkationsprothese bifemoral bei Aneurysma
5-384.76
346
Sonstige
5-384.7x
47
Total
 
4.771
Tab. 5
Endovaskuläre Implantation von Stent-Prothesen in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Aorta abdominalis
Aortomonoiliakale Prothese ohne Fenestrierung oder Seitenarm
5-38a.12
784
Bifurkationsprothese, aortobiiliakal ohne Fenestrierung oder Seitenarm
5-38a.14
7082
Rohrprothese, aortal ohne Fenestrierung oder Seitenarm
5-38a.1e
809
Rohrprothese, iliakal ohne Seitenarm
5-38a.40
1812
Rohrprothese, iliakal mit Seitenarm
5-38a.41
553
Aorta thoracica
Rohrprothese, ohne Fenestrierung oder Seitenarm
5-38a.70
1516
Aorta thoracoabdominalis
Rohrprothese, ohne Fenestrierung oder Seitenarm
5-38a.80
460
Rohrprothese, mit 4 Seitenarmen und mehr
5-38a.88
107

Aneurysmen der thorakalen Aorta und Aortendissektionen

Epidemiologie

Zur Epidemiologie von thorakalem Aortenaneurysma/Aortendissektion liegt eine populationsbezogene Untersuchung des schwedischen nationalen Gesundheitsregisters vor, wobei es sich um eine Krankenhausentlassungsstatistik handelt (Olsson et al. 2006). Erfasst wurden in den Jahren 1987–2002 insgesamt 14.229 Patienten mit einer thorakalen Aortenerkrankung. Von diesen erreichten 22 % das Krankenhaus nicht lebend, die Diagnose wurde durch Autopsie gestellt. Die Autoren gaben die Inzidenz an thorakalen Aortenaneurysmen (TAA) oder Dissektionen für das Jahr 2002 für Männer mit 16,3 pro 100.000, für Frauen mit 9,1/100.000 an. Für Patienten, die das Krankenhaus erreichten, nannten sie eine 30-Tageletalität von über allen 34 %. Eine weitere schwedische Untersuchung stellt die Malmö Diet and Cancer Study dar (Landenhed et al. 2015), eine populationsbezogene Untersuchung von 30.447 Männern (geboren 1923–1945) und Frauen (geboren 1923–1950). In einem Follow-up von bis zu 20 Jahren, median 16 Jahre, wurde in dieser Untersuchung eine Inzidenz an rAAA oder chirurgisch relevanten, das heißt behandelten AAA pro 100.000 Patientenjahre von 27 beobachtet. Die Inzidenz an rTAA oder chirurgisch behandelten TAA war wesentlich geringer, sie betrug 9, die der Aortendissektionen 15/100.000. Von den chirurgisch relevanten oder rupturierten TAA betrafen 80 % die aszendierende Aorta, die Aortendissektionen waren mehrheitlich Stanford-A-Dissektionen. Die akute Sterblichkeit, definiert als Tod vor Erreichen des Krankenhauses oder während der stationären Erstaufnahme, machte für die Aortendissektionen 39 %, für die rupturierten TAA 41 % und für die rAAA 34 % aus (Landenhed et al. 2015). Die Inzidenz an Aortendissektionen war mit einem Bluthochdruck assoziiert, die Inzidenz pro 100.000 Patientenjahre betrug bei Hypertonikern 21 verglichen mit 5 bei normotensiven Personen.
In der Malmö Diet and Cancer Study wurde eine Beziehung zwischen Diabetes und Aortendissektion nicht beobachtet, im Gegensatz zu einer Untersuchung der NIS der USA für die Jahre 2006 und 2007 (Prakash et al. 2012). Diese Autoren kalkulierten die Inzidenz an TAA und Aortendissektionen auf wenigstens 15 pro 100.000 Erwachsene in den USA, wobei eine signifikante inverse Beziehung zwischen Diabetes und thorakaler Aortenerkrankung bestand.
Für die Aortendissektion wurden auch niedrigere Inzidenzraten berichtet, wobei sich die Angaben ausschließlich auf stationär behandelte Patienten bezogen. Pacini et al. (2013) beobachteten in der Emilia Romagna für die Jahre 2000–2008 eine jährliche Inzidenz an Aortendissektionen von 4,7 pro 100.000 Einwohner, mit einer höheren Inzidenz bei Männern (6,7) vs. Frauen (2,9). Die Sterblichkeit über alles wurde mit 27,7 % angegeben. Die Autoren wiesen drauf hin, dass die wahre Inzidenz von Aortendissektionen nur schwer abzuschätzen sei, in Autopsiestudien sei eine Prävalenz von 0,2– 0,8 % beschrieben worden. Das Gleiche gilt für Angaben zur Prävalenz des TAA, die definitionsabhängig sind. So wurde in einer Kohorte von 4129 Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren, mittleres Alter 59,4 ± 7,8 Jahre, mittels CT-Untersuchung eine TAA-Prävalenz von 0,34 % nachgewiesen, wobei das TAA durch einen Aortendurchmesser ≥ 5 cm definiert war (Kälsch et al. 2013).
Für England und Wales werteten von Allmen et al. (2013) die Hospital Episodes Statistics der Jahre 1999–2010 aus. Sie fanden seit dem Jahr 1999 einen konstanten Rückgang der altersadjustierten Sterblichkeit wegen thorakaler Aortendissektion von 10,39 auf 7,47 und für TAA von 4,39 auf 3,18 Sterbefälle pro 100.000 Einwohner. Gleichzeitig stiegen die Krankenhausaufnahmen an, für das TAA von 4,4 auf 9,0 und für die Aortendissektion von 7,2 auf 8,8 pro 100.000 Einwohner. Zugenommen haben auch die chirurgischen Eingriffe, was auf die Einführung der endovaskulären Interventionen (TEVAR) zurückzuführen war. Die Zahl der Eingriffe wegen Aneurysmen der deszendierenden Aorta nahm von 0,7 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2005 auf 1,9 im Jahr 2010 zu, die der Eingriffe wegen Typ-B-Aortendissektion von 0,1 im Jahr 2000 auf 0,5 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2010.
Die einzige prospektive populationsbezogene Studie zur Frage der Inzidenz von akuten Aortendissektionen ist die Oxford Vascular Study, die über 10 Jahre (2002–2012) in einer Population von 92.728 Personen dieses Ereignis registrierte (Howard et al. 2013). In dieser Erhebung wurde eine jährliche Inzidenz an Aortendissektionen von 6 pro 100.000 Einwohner beobachtet, wobei 71,2 % der Dissektionen Stanford Typ A, 28,8 % Stanford Typ B waren. Von den Patienten mit Typ-A-Dissektion verstarben bereits 48,6 % vor Krankenhausaufnahme, was unterstreicht, dass mit Krankenhausentlassungsstatistiken die genaue Inzidenz an Aortendissektionen nicht zu erfassen ist.

Behandlungsfälle

Kilic et al. (2014) kalkulierten auf Basis der NIS die Krankenhausbehandlungen in den USA wegen intakten und rupturierten Aneurysmen der deszendierenden thorakalen Aorta für die Jahre 1998–2008. Erfasst wurden 20.568 Patienten. Sie sahen einen deutlichen Anstieg von Eingriffen wegen intakter Aneurysmen der deszendierenden Aorta, von 2,2 auf 10,6 pro 1 Mio. Einwohner. Gleiches galt für die Versorgung rupturierter TAA, hier kam es zu einer Zunahme von 0,8 auf 1,3 Eingriffe pro 1 Mio. Einwohner.
Für die Häufigkeit der Eingriffe wegen Aortendissektion Typ B liegen Berechnungen für die USA auf Basis der Medicare-Datenbank vor (Jones et al. 2014). Registriert wurden 11.159 Patienten der Jahre 2000–2010 mit Eingriffen wegen Aortendissektion Typ B. Die Daten zeigen, dass die Zahl der Eingriffe zwischen den Jahren 2000 und 2010 um 21 % zugenommen hat, von 2,5 auf 3,0 pro 100.000 Medicare-Versicherte. Mody et al. (2014) kalkulierten – ebenfalls auf Basis der Medicare-Datenbank – die Krankenhausaufnahmen für alle Fälle mit Aortendissektion Typ A und B, unabhängig davon, ob die Patienten einem chirurgischen Eingriff unterzogen oder konservativ behandelt wurden. In ihrer Darstellung blieb die Zahl der Behandlungsfälle wegen Aortendissektion in den USA über 11 Jahre stabil, mit 2507 Medicare-Patienten im Jahr 2000 und 2482 im Jahr 2011. Sie nannten über die gesamte Untersuchungsperiode eine Hospitalisierungsrate von 10 pro 100.000 Personenjahre wegen Aortendissektion.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Epidemiologie

Die Prävalenz der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) hat in der letzten Dekade global dramatisch zugenommen, wie Fowkes et al. (2013) auf Basis von 34 Studien errechneten. Danach waren im Jahr 2010 weltweit schätzungsweise 202 Mio. Menschen von dieser Erkrankung betroffen, von denen ca. 70 % in den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen lebten. In diesen Ländern erhöhte sich die Zahl der Patienten mit pAVK im letzten Jahrzehnt um 28,7 %, in Ländern mit hohem Einkommen aber auch noch um 13,1 %. Was die Risikofaktoren angeht, so hatte in Ländern mit hohem Einkommen das Rauchen den höchsten Einfluss auf die Entwicklung einer pAVK, die Hypercholesterinämie relativ gesehen den geringsten. Für Länder mit hohem Einkommen wie bei uns errechneten Fowkes et al. (2013) eine pAVK-Prävalenz von 10,08 % bei Frauen und 10,33 % bei Männern im Alter von 65–69 Jahren. Bei Personen im Alter von 80– 84 Jahren war die Prävalenz deutlich höher, 15,91 % bei den Frauen und 16,30 % bei den Männern. Diese Arbeitsgruppe berechnete des Weiteren den Grad der Behinderung und die Sterblichkeit infolge von pAVK weltweit mit Hilfe von „Disability-adjusted life years“ (DALYs) (Sampson et al. 2014b). Diese Behinderungs-adjustierten Lebensjahre setzen sich aus den Lebensjahren zusammen, die infolge vorzeitiger Todesfälle verloren gehen sowie den Lebensjahren, die mit nichttödlicher Krankheitsbehinderung verbracht werden. Im Jahr 2010 wurden die höchsten Raten an DALYs wegen pAVK in Australasien, Westeuropa und Nordamerika (hohes Einkommen) gesehen (40,46/47,88/und 40,41 auf eine Population von 100.000 Personen), die niedrigsten Raten in Südasien und in Afrika östlich und westlich unterhalb der Sahara (4,79–5,73 DALYs). Für Australasien, Nordamerika (hohes Einkommen) und Westeuropa wurden auch die höchsten Raten an verlorenen Lebensjahren aufgrund von pAVK kalkuliert (31,25/35,8/31,75 auf eine Population von 100.000). Die Zahl der verbrachten Lebensjahre mit Behinderung aufgrund von pAVK wurde für Westeuropa mit 16,13 auf eine Population von 100.000 für das Jahr 2010 beschrieben.
In einer dänischen Screeninguntersuchung (Grøndal et al. 2015) wurde bei 25.083 Männern im Alter von 65–74 Jahren in 10,9 % eine pAVK entdeckt, die durch einen Knöchel-Arm-Index (ABI) von weniger als 0,9 oder mehr als 1,4 definiert war. 33,2 % dieser Patienten klagten über eine schmerzbedingt eingeschränkte Gehstrecke (intermittierende Claudicatio). In der Life Line Screening-Datenbasis der USA (Razzouk et al. 2015) wurde in einer Population von 3.666.938 Teilnehmern, davon 35,8 % männlich, mit einem Alter von im Mittel 63,7 ± 10,6 Jahren, die pAVK ebenfalls durch einen ABI < 0,9 definiert. Die pAVK-Prävalenz wurde in dieser selektierten Kohorte mit nur 4,1 % beschrieben, 54 % der Patienten waren asymptomatisch. Nehler et al. (2014) analysierten eine Kohorte von Medicare-Patienten der Jahre 2003–2008. Sie sahen über alles eine jährliche Prävalenz an pAVK-Patienten von 10,69 %, ca. 11 % dieser Patienten wiesen eine kritische Extremitätenischämie (CLI) auf, deren Prävalenz in diesem Krankengut mit 1,33 % angegeben wurde. Die jährliche Inzidenz an pAVK betrug in ihrer Untersuchung im Mittel 2,35 %, die der CLI 0,35 %. Angaben zur Prävalenz der CLI machten auch Sigvant et al. (2007). Sie beobachteten in einer Studie von 5080 Teilnehmern (55 % Frauen, 45 % Männer), mittleres Alter 71 Jahre, eine pAVK-Prävalenz von insgesamt 18 % (definiert als ABI < 0,9). Die Prävalenz der pAVK war mit 19,2 % bei den Frauen höher als bei den Männern (dort 16,5 %). Die Mehrzahl dieser Patienten war asymptomatisch bei einem ABI < 0,9 (Prävalenz 11,1 %). Die Prävalenz der Claudicatio intermittens wurde mit 6,8 % aufgeführt, die der Patienten mit einem ABI < 0,7 und gleichzeitigem Ruheschmerz (CLI-Patienten) mit 0,4 %. In der Heinz Nixdorf RECALL-Studie (4735 Personen) schließlich (Kröger et al. 2006) wurde für Männer im Alter von 65–69 Jahren aufgrund des ABI <0,9 eine Prävalenz der pAVK von 8,8 % genannt, für Frauen der gleichen Altersgruppe von 8,3 %. Wurden hierzu die beschwerdefreien Patienten, die anamnestisch eine pAVK aufwiesen, addiert, ergab sich eine Prävalenz von 11,3 % bei den Männern und 8,8 % bei den Frauen bei der genannten Altersgruppe. Die Prävalenz der CLI war in dieser Studie gering, sie machte 0,1 % im Gesamtkollektiv und 0,2 % bei den Patienten mit pAVK aus.

Behandlungsfälle

Sachs et al. (2011) identifizierten für die Jahre 1999–2007 in der NIS (Stichprobe von ca. 20 % aller Hospitalisationen in den USA) 563.143 Patienten, die wegen Claudicatio oder CLI einem Eingriff unterzogen wurden. 218.655 Patienten (38,8 %) wurden endovaskulär (PTA ± Stent) versorgt, 280.021 erhielten einen peripheren Bypass (49,7 %), 36.307 Patienten (6,4 %) unterzogen sich einem aortofemoralen Bypass und 5,1 % einem Hybrideingriff. 264.231 Patienten wurden wegen Claudicatio intermittens und 298.911 wegen CLI behandelt. Goodney et al. (2009) analysierten auf Basis der Medicare-Datenbank die Verschiebungen, die sich durch die Einführung der endovaskulären Techniken bei Behandlung der pAVK ergeben haben, für die Jahre 1996–2006. In dieser Zeit nahm die Inzidenz der endovaskulären Behandlungen substanziell zu, von 138 auf 455 Prozeduren pro 100.000 Medicare-Versicherte, während die Bypasschirurgie um 42 % abnahm, von 219 auf 126 Eingriffe pro 100.000 Versicherte. Die Amputationsraten bei pAVK sanken populationsbezogen von 263 auf 188 pro 100.000. Goodney et al. (2015) haben auch den weiteren Trend bei Versorgung von pAVK-Patienten in den USA verfolgt. Danach ist mittlerweile im Jahr 2011 die Rate an therapeutischen endovaskulären Eingriffen bei pAVK auf 584 Interventionen pro 100.000 Medicare-Versicherte angestiegen, die chirurgischen Bypässe sanken auf 83 pro 100.000 Versicherte. Auch die Amputationsraten sind weiter gesunken (alle Angaben für das Jahr 2011): Amputationen insgesamt 119, Oberschenkelamputationen 47, Amputationen unterhalb Kniegelenk 50 und Minoramputationen (Zehen und Vorfuß) 21 pro 100.000.
Für die Versorgung in Deutschland machten Malyar et al. (2013) folgende Angaben: im Jahr 2005 wurden in Deutschland 400.928 Patienten wegen pAVK stationär aufgenommen, im Jahr 2009 waren es schon 483.961 Patienten. Der Anteil der hospitalisierten Patienten mit CLI nahm im pAVK-Krankengut deutlich zu, von 40,6 % auf 43,5 %. Für das Jahr 2009 führten die Autoren 94.669 endovaskuläre Eingriffe, 32.672 Thrombektomien/Embolektomien, 43.220 Endarterektomien, 37.928 Bypässe und 14.265 Patchplastiken sowie 16.724 Majoramputationen auf. Die Krankenhaussterblichkeit bezifferten sie für das Jahr 2009 mit 2,2 % bei Patienten mit Claudicatio intermittens, 5,3 % bei Patienten mit Ruheschmerz und 8,4 % bei Patienten mit pAVK Stadium IV nach Fontaine.
Behandlungsfälle in Deutschland
Angaben zur Häufigkeit von offenen supra- und infrainguinalen Endarteriektomien in deutschen Krankenhäusern wegen pAVK für das Jahr 2013 finden sich in Tab. 6. Gleiches gilt für periphere arterielle Bypässe unterschiedlicher Lokalisation. Die offenen chirurgischen Angioplastien und die Häufigkeit perkutaner transluminaler Gefäßinterventionen im Bereich von Beckenstrombahn, Ober- und Unterschenkel sind in Tab. 7 dargestellt.
Tab. 6
Häufigkeit von Endarteriektomien und peripheren Bypässen in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Endarteriektomie (inkl. Anbringen eines Patches)
Endarteriektomie : A. iliaca communis
5-381.53
1637
Endarteriektomie : A. iliaca externa
5-381.54
9211
Endarteriektomie : A. femoralis
5-381.70
28.252
Endarteriektomie : A. profunda femoris
5-381.71
12.525
Endarteriektomie : A. poplitea
5-381.72
2855
Bypässe
Femorofemoral
5-393.51
2811
Femoropopliteal, oberhalb des Kniegelenkes
5-393.53
9086
Femoropopliteal, unterhalb des Kniegelenkes
5-393.54
7495
Femorocrural
5-393.55
6913
Femoropedal
5-393.56
316
Femorofemoral, extraanatomisch
5-393.57
1326
Popliteocrural
5-393.61
1506
Popliteopedal
5-393.62
803
Tab. 7
Offen chirurgische Angioplastie (Ballon) und perkutan-transluminale Gefäßinterventionen an der unteren Extremität in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Offen chirurgische Angioplastie (Ballon)
Andere Gefäße abdominal und pelvin
5-38 f.9
3783
Offen chirurgische Angioplastie: Gefäße Oberschenkel
5-38f.b
5107
Offen chirurgische Angioplastie: Gefäße Unterschenkel
5-38f.c
2318
Perkutan-transluminale Gefäßinterventionen
PTA: Andere Gefäße abdominal und pelvin
8-836.09
28.489
PTA: Gefäße Oberschenkel
8-836.0b
67.048
PTA: Gefäße Unterschenkel
8-836.0c
38.792

Akute Extremitätenischämie

Epidemiologie

Korabathina et al. (2013) bezifferten auf Basis des National Hospital Discharge Survey die Zahl der Krankenhauseinweisungen in den USA wegen akuter arterieller Embolie oder Thrombose der unteren Extremität für die Dekade 1988–1997 mit insgesamt 1.092.811, für die Dekade 1998–2007 mit 670.704 Patienten. Es handelte sich um Patienten, die wegen akuter Extremitätenischämie (acute lim bischemia – ALI) oder akuter Exazerbation einer kritischen Extremitätenischämie eingewiesen wurden, Bypassthrombosen wurden ausgeschlossen. Altersstandardisiert nahm die Inzidenz der ALI damit deutlich ab, von 42,4 pro 100.000 Personen auf 23,3 pro 100.000. Tatsächlich könnte die Inzidenz der ALI noch niedriger sein, denn die Kodierung unterschied nicht zwischen Embolie und einer akuten Verschlimmerung einer CLI. Der Inter-Society Consensus for the Management of Peripheral Arterial Disease (TASC II) gibt auf Basis der wenigen vorhandenen epidemiologischen Daten eine Inzidenz der ALI von lediglich 140/Mio./Jahr an (Norgren et al. 2007). In der Medicare-Population der USA wurde hingegen eine Inzidenz von 26/100.000 Versicherte im Jahr 2009 gefunden, verglichen mit einer Inzidenz von 45,7 im Jahr 1998 (Baril et al. 2014). Für England berichteten von Allmen et al. (2015) für die Jahre 2000–2011 eine Zunahme an Krankenhausaufnahmen wegen ALI von 60,3 auf 94,3 pro 100.000 Einwohner. Nichtsdestoweniger sahen sie ebenfalls einen signifikanten Rückgang der Interventionen bei diesem Krankheitsbild, von 14,3 auf 12,4 pro 100.000 Einwohner.

Behandlungsfälle in Deutschland

Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu arterieller Embolie und Thrombose finden sich in Tab. 8. Offene und endovaskuläre Eingriffe bei Embolie und Thrombose sind in Tab. 9 aufgeführt.
Tab. 8
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu arterieller Embolie und Thrombose im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Embolie und Thrombose der Aorta abdominalis- Aortenbifurkations-Syndrom (Leriche-Syndrom)
I74.0
1418
Embolie und Thrombose sonstiger und nicht näher bezeichneter Abschnitte der Aorta
I74.1
150
Embolie und Thrombose der Arterien der oberen Extremitäten
I74.2
3125
Embolie und Thrombose der Arterien der unteren Extremitäten
I74.3
14.513
Embolie und Thrombose der Extremitätenarterien, nicht näher bezeichnet – periphere arterielle Embolie
I74.4
212
Embolie und Thrombose der A. iliaca
I74.5
1387
Embolie und Thrombose sonstiger Arterien
I74.8
204
Embolie und Thrombose nicht näher bezeichneter Arterie
I74.9
80
Tab. 9
Offene und endovaskuläre Eingriffe bei Embolie und Thrombose an der unteren Extremität in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Inzision, Embolektomie und Thrombektomie
A. femoralis
5-380.70
13.934
A. profunda femoris
5-380.71
4733
A. poplitea
5-380.72
6801
Gefäßprothese, Oberschenkel
5-380.73
4249
A. tibialis anterior
5-380.80
3478
A. tibialis posterior
5-380.83
3063
A. fibularis
5-380.84
2719
Gefäßprothese, Unterschenkel
5-380.87
1055
Perkutan-transluminale Gefäßinterventionen
Selektive Thrombolyse : Gefäße Oberschenkel
8-836.7b
5638
Selektive Thrombolyse : Gefäße Unterschenkel
8-836.7c
4641
Thrombektomie : Gefäße Oberschenkel
8-836.8b
1930
Thrombektomie : Gefäße Unterschenkel
8-836.8c
2548

Diabetischer Fuß

Epidemiologie

Das Risiko, über die Lebenszeit ein Fußulkus zu entwickeln, beträgt beim Diabetiker bis zu 25 %. Periphere Neuropathie und Gefäßerkrankung sind bei mehr als 10 % der Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus bei Diagnosestellung vorhanden. Es wird geschätzt, dass alle 30 sec eine untere Extremität irgendwo auf der Welt aufgrund von Diabetes verloren geht. Global betrachtet, ist Diabetes mit 25–90 % aller Amputationen assoziiert, mit Amputationsraten zwischen 43,9 (Eingeborene Amerikas) und 2,8/100.000 (Madrid, Spanien) (Boulton et al. 2005).
Hopkins et al. (2015) schätzten die Prävalenz von Patienten mit diabetischem Fußulkus im Jahr 2011 für Kanada auf 75,1 pro 100.000 Einwohner, wovon 63,1 % Männer und 36,9 % Frauen waren. In einer retrospektiven Kohortenstudie in den USA mit 8905 Typ-1- und 2-Diabetikern entwickelten innerhalb 3 Jahre 5,8 % der Patienten ein Fußulkus, was einer jährlichen Inzidenz von ca. 2 % pro Jahr entsprach. 80 dieser 514 Patienten (15,6 %) benötigten eine Amputation (Ramsey et al. 1999). Für die Medicare-Population der USA (Patienten ≥ 65 Jahre) wurde für das Jahr 2008 eine Inzidenz an diabetischen Fußulzera von 6,0 % angegeben, die Inzidenz an Amputationen soll 0,5 % betragen haben (Margolis et al. 2011). Allerdings ist mancherorts eine Abnahme der Amputationsraten beim Diabetiker zu beobachten. Für Queensland, Australien gaben Lazzarini et al. (2015) zwischen 2005 und 2010 einen Rückgang der Inzidenz an Krankenhausaufnahmen wegen diabetischem Fuß von 36,6 auf 20,9 pro 1000 Personenjahre mit Diabetes an, die Majoramputationsraten sanken von 2,18 auf 1,20, die Minorampuationsraten von 4,29 auf 2,68 pro 1000 Personenjahre mit Diabetes. In der Region Murcia, Spanien, wurden zuletzt (Jahr 2012) noch niedrigere Amputationsraten registriert, Majoramputationen 7,3, Minoramputationen 15,1 pro 10.000 Personen mit Diabetes (Martínez-Gómez et al. 2014). Winell et al. (2013) berechneten für Finnland im Jahr 2007 auf die gesamte Bevölkerung bezogen eine Inzidenz von 7,3 Major-Erstamputationen wegen Diabetes mellitus pro 100.000 Einwohner, verglichen mit 10,2 im Jahr 1997.
In einer deutschen Feldstudie mit 4778 Diabetikern (davon 7,7 % Typ-1-Diabetes) wurde bei 3,6 % der Typ-1-Diabetiker und 2,8 % der Typ-2-Diabetiker ein diabetisches Fußsyndrom diagnostiziert. Von den Patienten mit diabetischem Fuß wiesen 53 % eine Minor- oder Majoramputation auf (Sämann et al. 2008). In einer anderen Untersuchung wurde für den Raum Leverkusen eine standardisierte Amputationsrate von 428 pro 100.000 Diabetiker für das Jahr 2005 errechnet (Trautner et al. 2007).
Epidemiologische Daten zum diabetischen Fuß lieferte für England die sog. North-West Diabetes Foot Care Study (Abbott et al. 2002). In dieser Untersuchung von 9710 gescreenten diabetischen Patienten wurde eine Prävalenz des diabetischen Fußes von 1,7 % gesehen, wobei die mittlere Dauer der Fußgeschwüre 8 Wochen betrug. Die Prävalenz von anamnestischen Ulzera machte 3,1 % aus, die Prävalenz an Amputationen an der unteren Extremität (jegliche Höhe) betrug 1,3 %. Die Patienten wurden nachuntersucht, dabei wurde nach zwei Jahren eine jährliche Inzidenz von neuen Fußulzera von 2,2 % ermittelt.

Behandlungsfälle

In der NIS finden sich 2.497.363 Patienten, die in den Jahren 2001–2010 in den USA wegen diabetischem Fußulkus stationär behandelt wurden unter insgesamt 388,4 Mio. Patientenaufnahmen (Skrepnek et al. 2014). Bei 16,5 % der Patienten (n = 421.051) wurden Amputationen ausgeführt (Major 34,8 %, Minor 65,2 %), bei 8,5 % (n = 211.534) eine Revaskularisation vorgenommen (offen 43,5 %/endovaskulär 51,1 %/kombiniert 5,4 %). Im Vergleich zum Jahr 2001 nahmen im Jahr 2010 die Fallzahlen für das offene Vorgehen um 34,9 % ab, von 12.300 auf 8005, während die der endovaskulären Interventionen um 197,1 % anstiegen, von 5399 auf 16.038. Die Zahl der Minoramputationen hatte um 48,5 % zugenommen (von 21.545 auf 32.000), das Gleiche galt für die Majoramputationen (Anstieg um 7,7 %, von 13.067 auf 14.069).
Letztlich vermittelt die NIS aber auch nur einen Ausschnitt aller stationären Behandlungen in den USA. Dasselbe gilt für den National Hospital Discharge Survey (NHDS) und den National Health Interview Survey (NHIS), den Li et al. (2012) zur Frage der Amputationsraten bei diabetischem Fuß in den USA nutzten. Nach dieser Analyse haben die Amputationsraten, definiert durch die Zahl der Krankenhausaufnahmen, in den USA wegen diabetischem Fuß deutlich abgenommen, von 9,8 im Jahr 1988 auf 4,1 pro 1000 Personen mit Diabetes im Jahr 2008 – und das, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Diabetiker von 5,4 Mio. auf 17,1 Mio. anstieg. Die höchsten Amputationsraten wurden bei Patienten über 75 Jahre gesehen, aber auch hier kam es zu einem deutlichen Abfall, von 20,2 auf 6,2 pro 1000 Diabetiker. Männer zeigten im letzten Untersuchungsjahr (2008) eine deutlich höhere Amputationsrate als Frauen (6,0 vs. 1,9/1000 Diabetiker).
Angaben zu den Amputationsraten beim Diabetiker in England machten Vamos et al. (2010) anhand der Hospital Episode Statistics (HES). Danach wurden 45.424 Patienten in den Jahren 2004–2008 wegen einer nichttraumatischen Amputation an der unteren Extremität in England stationär aufgenommen, 51 % der Amputationen erfolgten bei Diabetikern (59,6 % der Minor- und 42,6 % der Majoramputationen). Insgesamt sank die Zahl der Amputationen um 9,1 %, von 27,5 pro 10.000 Patienten mit Diabetes im Jahr 2004 auf 25,0 im Jahr 2008. Die Zahl der Minoramputationen verringerte sich von 15,7 auf 14,9, die der Majoramputationen von 11,8 auf 10,2 pro 10.000 Patienten mit Diabetes.

Primäre Varikosis und chronische venöse Insuffizienz

Epidemiologie

Angaben zur Epidemiologie der chronischen venösen Insuffizienz zeigen eine erhebliche Varianz, abhängig von der Definition des Krankheitsbildes, wie eine Übersicht von Robertson et al. (2008) deutlich gemacht hat. Man darf aber schätzen, dass Varizen bei 25–32 % der Frauen zu beobachten sind, verglichen mit einer Prävalenz von 7– 40 % bei den Männern. Eine ebenso große Streubreite haben die Angaben zur chronischen venösen Insuffizienz, ihre Prävalenz wird mit < 1–17 % bei den Männern und < 1–40 % bei den Frauen beschrieben (Robertson et al. 2008). In der Bonner Venenstudie (3072 Probanden, Alter 18–79 Jahre) wurden folgende Befunde erhoben: bei insgesamt 23,2 % der Probanden wurde eine Varikose (bei 19,9 % der Männer und 25,8 % der Frauen) diagnostiziert. Teleangiektasien oder retikuläre Varizen lagen bei 87,5 % vor. Ein manifestes Lymphödem wurde bei ca.1,8 % der erwachsenen Durchschnittsbevölkerung gesehen. Ein postthrombotisches Syndrom bestand bei 1,1 % der Probanden (Rabe et al. 2003). Für England nannten Clark et al. (2010) in einer Stichprobe von allerdings nur 560 Probanden eine Prävalenz der Varikosis bei Männern im Alter von 70,4 Jahren von 56,4 % und bei den Frauen im Alter von 71,2 Jahren von 63,2 %. In dieser Untersuchung hatten Personen mit einer tiefen Venenthrombose in der Anamnese im Vergleich zu den übrigen ein dreifach höheres Risiko einer Varikosis.

Behandlungsfälle

Moore et al. (2013) berechneten für einige europäische Länder die Zahl der im Jahr 2010 durchgeführten Eingriffe wegen Varikosis. Danach schwanken die Indikationen erheblich. Die wenigsten Eingriffe wurden im UK durchgeführt, 685 pro 1 Mio. Einwohner, die meisten in Deutschland (2853 Eingriffe/1 Mio. Einwohner). Länder wie Italien und Frankreich nahmen eine Mittelstellung ein (ca. 1500 Eingriffe/1 Mio. Einwohner, in Schweden waren es ca. 900 Eingriffe pro 1 Mio. Einwohner).
Eine weitere britische Erhebung liegt von Sutton et al. (2012) vor. Sie fanden in der Hospital Episode Statistics (HES) für England von April 2006 bis April 2007 insgesamt 35.374 Patienten, bei denen ein Eingriff wegen Varikosis vorgenommen wurde. 74 % dieser Eingriffe wurden als Tageschirurgie abgerechnet, für die übrigen Patienten betrug der mittlere stationäre Aufenthalt einen Tag.
Behandlungsfälle in Deutschland
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Varizen der unteren Extremitäten finden sich in Tab. 10, Angaben zur operativen Behandlung in Tab. 11.
Tab. 10
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Varizen der unteren Extremität im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration
I83.0
6336
Varizen der unteren Extremitäten mit Entzündung
I83.1
12.715
Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration und Entzündung
I83.2
9553
Varizen der unteren Extremitäten ohne Ulzeration oder Entzündung
I83.9
66.993
Tab. 11
Unterbindung, Exzision und Stripping von Varizen in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Lokale Exzision
5-385.2
10.150
Transkutane Unterbindung der Vv. perforantes (als selbstständiger Eingriff)
5-385.4
14.230
Crossektomie und Stripping, V. saphena magna
5-385.70
49.300
Crossektomie und Stripping, V. saphena parva
5-385.72
9063
Crossektomie und Stripping, V. saphena magna et parva
5-385.74
2318
(Isolierte) Crossektomie, V. saphena magna
5-385.80
10.076
(Isolierte) Crossektomie, V. saphena parva
5-385.82
1832
Exhairese (als selbstständiger Eingriff), V. saphena magna
5-385.90
4615
Exhairese (als selbstständiger Eingriff), Seitenastvarize
5-385.96
26.499
Endovenöse Lasertherapie
5-385.a1
1347
5-385.b
1899

Venöse Thrombose und Lungenembolie

Epidemiologie

Die venöse Thrombose (tiefe Venenthrombose und Lungenembolie) ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste kardiovaskuläre Erkrankung, ihre Inzidenzrate wird auf 1–2 pro 1000 geschätzt (Naess et al. 2007). In der populationsbezogenen norwegischen Nord-Trøndelag-Studie sahen Naess et al. (2007) für ein Erstereignis an tiefer Venenthrombose eine Inzidenzrate von 0,94 pro 1000 Personenjahre, die Inzidenz der isolierten tiefen Venenthrombose betrug 0,61 und die der Lungenembolie mit oder ohne tiefe Venenthrombose 0,33 pro 1000 Personenjahre. In dieser Studie machte die 30-Tage-Sterblichkeit 6,4 % und die Sterblichkeit nach einem Jahr 21,6 % aus. Die Inzidenz der venösen Thrombose (tiefe Venenthrombose und Lungenembolie) ist stark altersabhängig, in der Nord-Trøndelag-Studie wurde sie für Personen im Alter von 50–54 Jahren mit 0,16, für die Altersgruppe 70–74 Jahre mit 1,57 pro 1000 Personenjahre kalkuliert. Das Risiko einer tiefen Venenthrombose ist deutlich erhöht bei Patienten mit Varikosis (Odds Ratio – OR 1,7), bei Patienten mit Beinulzera (OR 4,3) und bei Patienten mit permanentem Beinödem (OR 2,8) (Engbers et al. 2015). Den weitaus bedeutendsten Risikofaktor stellt aber die Immobilität dar (Engbers et al. 2014). Douds et al. (2014) berichteten für die Get With The Guidelines-Stroke (GWTG-3S) Studie bei 149.916 Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall eine Thromboseprophylaxe in 93 % der Fälle; bei 3 % der Patienten wurde eine venöse Thromboembolie beobachtet. Trotz postoperativer Thromboseprophylaxe stellt die postoperative Thromboembolie immer noch eine nicht zu unterschätzende Komplikation dar. In einer australischen Erhebung an 4.223.317 Patienten der Jahre 2002–2009 wurde nach elektiver Operation eine Inzidenz an venösen Thromboembolien von 2 pro 1000 Elektiveingriffen gefunden, mit einer Sterblichkeit von 8 % (Assareh et al. 2014). In einer orthopädischen Studie wurde die Rate an postoperativen symptomatischen Thromboembolien bei Patienten mit Frakturen der unteren Extremität unterhalb der Hüfte ohne Thromboseprophylaxe mit 6,8 % angegeben, verglichen mit 2,3 % bei Prophylaxe (Park et al. 2015). In der Viszeralchirurgie hängt das Risiko einer postoperativen venösen Thromboembolie entscheidend davon ab, ob es sich um Eingriffe wegen eines benignen Tumors oder wegen eines Malignoms handelt. Reinke et al. (2012) haben dies anhand von 208.545 Patienten der Datenbasis des NSQIP (National Quality Improvement Program) des American College of Surgeons für die Jahre 2005–2010 herausgearbeitet. So betrug z. B. die Inzidenz an Thromboembolien bei Patienten mit malignen Tumoren des Dickdarms 22,3/1000, bei benignen Tumoren 13,5/1000. Die Vergleichszahlen für maligne und benigne Tumoren der Nebenniere waren 43,5 und 6,2/1000, bei Tumoren des Ovars 27,6 bzw. 3,6/1000. Insgesamt gesehen ist aber nach viszeralchirurgischen Eingriffen das Risiko einer postoperativen tiefen Venenthrombose niedriger (Inzidenz 0,66 %) als nach gefäßchirurgischen (Inzidenz 0,99 %) oder nach herzchirurgischen Eingriffen (Inzidenz 2,0 %), wie Aziz et al. (2015) anhand von 2.669.772 Patienten der NSQIP-Datenbank feststellten.
Die Inzidenzraten in der norwegischen Erhebung (Naess et al. 2007) stimmen mit epidemiologischen Untersuchungen aus den USA überein. So wurde in der Olmsted County-Erhebung in einer 25-Jahresperiode alters- und geschlechtsadjustiert für die weiße US-Bevölkerung 1980 eine jährliche Inzidenzrate von 117 venösen Thromboembolien/100.000 gefunden. Die Rate an isolierten tiefen Venenthrombosen war 48 pro 100.000 und die Inzidenz von Lungenembolien mit oder ohne assoziierte tiefe Venenthrombose 69 pro 100.000 (Silverstein et al. 1998). In einer weiteren populationsbezogenen Studie wurde für Nordschweden die jährliche Inzidenz an Lungenembolien mit 78,6/100.000 und die der tiefen Venenthrombosen an der unteren Extremität ohne Lungenembolie mit 76,6/100.000 berechnet (Johansson et al. 2014).

Behandlungsfälle

Die Zahl der jährlichen stationären Behandlungsfälle wegen venöser Thrombose und Lungenembolie wird für die USA auf mehr als 500.000 geschätzt. Trotz Antikoagulationstherapie ist die Rezidivrate hoch, abhängig von der Komorbidität des Patienten beobachteten Lin et al. (2014) eine Rezidivrate (stationäre Wiederaufnahmen innerhalb eines Jahres) von 11,4–15,4 %.
Behandlungsfälle in Deutschland
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Lungenembolie und venöser Thrombose sind in Tab. 12 und 13 aufgeführt.
Tab. 12
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Lungenembolie im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Lungenembolie mit Angabe eines akuten Cor pulmonale
• Akutes Cor pulmonale o. n. A.
• Fulminante Lungenembolie
• Massive Lungenembolie
I26.0
16.537
Lungenembolie ohne Angabe eines akuten Cor pulmonale
• Lungenembolie o. n. A.
• Nicht-massive Lungenembolie
I26.9
38.732
Tab. 13
Diagnosedaten deutscher Krankenhäuser zu Phlebothrombose und Thrombophlebitis im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2015)
Hauptdiagnosen
ICD-Code
Anzahl (n)
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis oberflächlicher Gefäße der unteren Extremitäten
I80.0
3902
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis der V. femoralis
I80.1
5902
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis sonstiger tiefer Gefäße der unteren Extremitäten
I80.2
25.672
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis der unteren Extremitäten, nicht näher bezeichnet
I80.3
2518
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis sonstiger Lokalisationen
• Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis oberflächlicher Gefäße der oberen Extremitäten
• Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis tiefer Gefäße der oberen Extremitäten
I80.8
3588
Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis nicht näher bezeichneter Lokalisation
I80.9
243

Nierenersatztherapie und Gefäßzugang bei Hämodialyse

Epidemiologie

Im Jahr 2012 wurden dem Register der European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association (ERA-EDTA) 69.035 Patienten gemeldet, bei denen wegen terminalen Nierenversagens eine Nierenersatztherapie eingeleitet werden musste. Dies entsprach einer nicht adjustierten Inzidenz an Neuerkrankungen von 109,6 pro 1 Mio. Population (pmp). Die höchsten Inzidenzraten wurden für Portugal (219,9 pmp) und Griechenland (209,7), die niedrigsten für die Ukraine (27,6 pmp) und Russland (48,1 pmp) genannt. Das mittlere Alter der Patienten betrug über ganz Europa gerechnet 62 Jahre. (Anmerkung: Daten aus Deutschland standen dem Register nicht zur Verfügung). Was die Behandlungsmodalität anging, so ergab sich für Tag 91 folgendes Bild: Die Inzidenzrate der Hämodialyse war am höchsten in Portugal (184,7 pmp), Griechenland (171,0 pmp) und Israel (153,7 pmp). Die spanischen Provinzen Asturien (38,2 pmp) und Galizien (32,9 pmp) sowie Schweden (32,6 pmp) hatten die höchste Inzidenz an Peritonealdialyse, die Inzidenz der Nierentransplantation war an Tag 91 am höchsten in Norwegen (16,5 pmp), den Niederlanden (14,9 pmp) und Island (12,5 pmp).
Am 31. 12. 2012 waren bei der ERA-EDTA 451.270 Patienten registriert, die wegen terminalen Nierenversagens eine Nierenersatztherapie erhielten (Prävalenz nichtadjustiert über alle 716,7 pmp) (Pippias et al. 2015). Auch hier ergaben sich zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede. Nichtadjustiert war die Prävalenz der Nierenersatztherapie am höchsten in Portugal (1670,2 pmp) sowie im französisch- und niederländisch-sprechenden Belgien (1251,3 bzw. 1206,2 pmp). Am niedrigsten war sie wiederum in der Ukraine (146,7 pmp) und Russland (213,9 pmp). Die Analyse der Behandlungsmodalitäten ergab für Portugal (997,6 pmp), Griechenland (844,4 pmp) und Israel (691,0 pmp) die höchste Hämodialyseprävalenz. Die Prävalenz der Peritonealdialyse war am höchsten in Spanien (Galizien 97,6 pmp, Asturien 96,8 pmp). Die höchste Prävalenz an Patienten mit funktionierendem Nierentransplantat wurde in den spanischen Regionen Baskenland (670,8 pmp) und Katalonien (659,1 pmp) sowie in Norwegen beobachtet (639,2 pmp).
Im Jahr 2012 erfasste die ERA-EDTA 15.673 Nierentransplantationen, was einer Transplantationsrate von 28,3 pmp entsprach. 12.252 Nierentransplantate waren Leichennierentransplantate (22,1 pmp, 78 %) und 3322 Nierentransplantate stammten von Lebendspendern (6,0 pmp, 21 %). Auch hier zeigten sich zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede, die höchsten Transplantationsraten wurden in den spanischen Provinzen Katalonien (74,0 pmp) und Kantabrien (60,9 pmp) sowie in Nord-Irland beobachtet (64,2 pmp).
Großbritannien hat einen eigenen Registerbericht publiziert (The Renal Association 2014). Danach begannen 7006 erwachsene Patienten im Jahr 2013 mit einer Nierenersatztherapie, was einer Inzidenzrate von 109 pmp entsprach. Als erste Behandlungsmodalität wurde bei 72 % der Patienten die Hämodialyse vorgenommen, bei 19,4 % die Peritonealdialyse und 8,6 % erhielten präemptiv ein Nierentransplantat. Zum 31. 12. 2013 benötigten 56.940 Patienten eine Nierensatztherapie (Prävalenzrate 888 pmp). Die Prävalenz der Hämodialysepatienten machte 369 pmp aus, die der Peritonealdialyse 57 pmp, die der Nierentransplantation 462 pmp.
Für die USA gibt das United States Renal Data System (USRDS) (Saran et al. 2015) Auskunft über die Epidemiologie von Patienten mit terminalem Nierenversagen. Nach diesem Bericht betrug im Jahr 2012 die Zahl der Neuerkrankungen in den USA 114.813 (adjustierte Inzidenzrate 353 pmp). Von diesen Patienten begannen 98.954 mit der Hämodialyse, 9175 mit der Peritonealdialyse und 2803 Patienten erhielten eine präemptive Nierentransplantation. Am 31. Dezember 2012 machte die Zahl der Patienten mit terminalem Nierenversagen in den USA insgesamt 636.905 Patienten aus, was einer Prävalenz von 1943 pmp entsprach. 449.342 Patienten waren an Hämo- oder Peritonealdialyse gebunden, 186.303 Patienten lebten mit einem Nierentransplantat.

Behandlungsfälle – Gefäßzugang bei Hämodialyse

Im Jahr 2005 wurden in der USRDS- Datenbasis 56.495 Patienten erfasst, bei denen eine Hämodialyse initiiert wurde (Leake et al. 2015). Trotz der „fistula first“- Initiative begannen 41.582 (74 %) Patienten mit einem tunnelierten Dialysekatheter, 6368 (11 %) mit einer AV-Fistel und 2644 (5 %) mit einem Prothesenshunt. Von den Patienten mit tunneliertem Katheter waren innerhalb eines Jahres 10.966 (26,4 %) verstorben und 16.461(39,6 %) erhielten nie einen anderen permanenten Zugang. Malas et al. (2015) benutzten ebenfalls die USRDS-Datenbasis, um den Erstzugang bei Hämodialyse zu analysieren, auf Basis von 510.000 Patienten der Jahre 2006–2010. 82,6 % der Patienten begannen die Hämodialyse mit einem Hämodialysekatheter, 14,0 % mit einer AV-Fistel und 3,4 % mit einem Prothesenshunt. Die Anlage einer AV-Fistel nahm über die Jahre nur gering zu, von 12,2 % im Jahr 2006 auf 15 % im Jahr 2010.
Die ERA-EDTA hat Daten von 13.044 Patienten der Jahre 2005–2009 ausgewertet, bei denen der vaskuläre Erstzugang zur Hämodialyse dokumentiert war (Noordzij et al. 2014). Auch in diesem Register begannen die Mehrzahl der Patienten mit der Hämodialyse unter Anwendung eines zentralen Venenkatheters (ZVK). Diese Tendenz war über die Jahre zunehmend, der Gebrauch von ZVK stieg von 2005 auf 2009 von 58 auf 68 % an. Parallel nahm der Anteil der AV-Fisteln als Erstzugang auf 32 % ab, Prothesenshunts machten 0,5 % der Erstzugänge aus.
Der ERA-EDTA standen des Weiteren Daten von 75.715 Patienten zur Prävalenz des Gefäßzugangs zur Hämodialyse zur Verfügung. Danach gebrauchten im weiteren Verlauf nach Hämodialysebeginn 57 % der Patienten im Jahr 2009 eine AV-Fistel, 7 % einen Prothesenshunt und 35 % einen ZVK (Noordzij et al. 2014).
Roca-Tey et al. (2015) fanden im katalanischen Register 9956 Patienten, die in den Jahren 2000–2011 mit der Hämodialyse begannen. 47,9 % der Patienten fingen die Hämodialyse mit einer AV-Fistel (nativer Shunt) an, 1,2 % mit einem Prothesenshunt, 15,9 % mit einem tunnelierten Katheter und 35 % mit einem nicht-tunnelierten Katheter. Über die Jahre blieb der Prozentsatz an Patienten mit AV-Fisteln und Kathetern relativ konstant, jeweils 50 %. In diesem Krankengut wechselten während einem Jahres-Follow-up 67,2 % der Patienten mit nicht-tunneliertem Katheter und 59,6 % mit tunneliertem Katheter zu einer AV-Fistel.
Dem Register des UK (2014) wurden für das Jahr 2013 die Daten von 3663 Patienten zum vaskulären Erstzugang bei Hämodialyse gemeldet. In dieser Erhebung begannen 40,7 % der Patienten die Behandlung mit einer AV-Fistel, 37,2 % mit einem tunnelierten Katheter, 21,3 % mit einem nicht-tunnelierten Katheter und 0,9 % mit einem Prothesenshunt.
Behandlungsfälle in Deutschland
Tab. 14 gibt die in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 vorgenommenen Eingriffe zum Anlegen einer AV-Fistel wieder.
Tab. 14
Anlegen eines arteriovenösen Shunts in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt 2014)
Prozedur
OPS-Code
Anzahl (n)
Innere AV-Fistel (Cimino-Fistel) ohne Vorverlagerung der Vena basilica
5-392.10
12.788
Innere AV-Fistel (Cimino-Fistel) mit Vorverlagerung der Vena basilica
5-392.11
1187
Innere AV-Fistel mit alloplastischem Material
5-392.3
4096
Literatur
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