DGIM Innere Medizin
Autoren
Rudolf Pfab

Intoxikationen durch Gliederfüßer und Arthropoden (z. B. Spinnen)

Zu den Gliederfüßern, die dem Menschen durch Gifte ernsthaft schaden können, gehören Skorpione, Spinnentiere, Hundertfüßler und Insekten. In Europa sind schwere Vergiftungen selten und am ehesten auf Bisse der im Mittelmeerraum und Balkan heimischen Witwenspinnen zurückzuführen. Von den in Deutschland heimischen Spinnen kann lediglich die „Dornfingerspinne“ mittelschwere lokale und leichte systemische Vergiftungen verursachen. Europäische Skorpione sind relativ harmlos. Einzelne Arten exotischer Gliederfüßer, (Skorpione sowie Spinnen der Familien Phoneutra, Loxosceles, Agenilidae, Lathrodectus), hingegen können auch lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen.

Einleitung

Etwa 80 % aller aktuell lebenden Tierarten sind Arthropoden. Dazu zählen etwa 100.000 obligat giftige Spinnentierarten, alle Insekten, aber auch so exotisch erscheinende Klassen wie die Hundertfüßer. Die rezenten Arten sind vom Habitus eher klein. Damit haben die Giftapparate der Tiere meistens weder die Stärke noch die erforderliche Giftmenge, Menschen ernsthaft zu bedrohen. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen. Diese sind aber fast ausschließlich außerhalb Mitteleuropas beheimatet.

Spinnen

Allgemeines

Spinnen lähmen und verflüssigen ihre Beutetiere mit ihrem Gift, das sie über spezielle Kieferklauen (Cheliceren) in die Beutetiere injizieren. Das Gift dient zur Lähmung und zur Verflüssigung der Beutetiere. Es wirkt neurotoxisch und proteolytisch. Da die Beutetiere in der Regel nicht wesentlich größer sind als die Spinne selbst, sind bei den allermeisten Spinnenarten die Cheliceren zu klein und zu schwach und die Giftmenge zu gering, um dem Menschen zu schaden. Spinnen greifen Menschen nicht an. Spinnenbisse ereignen sich in der Regel nur, wenn die Spinne mit direktem Hautkontakt ohne Fluchtmöglichkeit gedrängt und gequetscht wird, z. B. wenn man sich auf sie legt oder auf sie tritt. Somit treten Spinnenbisse nie bei einer Person multipel auf und es ist unwahrscheinlich, dass mehrere Personen gleichzeitig von Spinnen gebissen werden. Gegenüber Spinnenbissen bestehen oft irrationale Ängste, Patienten stellen sich häufig mit Hautläsionen und anderen Beschwerden vor, die sie Spinnen zuschreiben. Damit sind Spinnenbisse unwahrscheinlich, wenn ein Betroffener über mehrere gleichzeitig aufgetretene Läsionen berichtet oder wenn mehrere Personen gleichzeitig betroffen sind. Von den vielen Spinnenfamilen gibt nur es vier, die ernsthafte medizinische Probleme verursachen können: Phoneutria („Bananenspinnen“) aus Südamerika, die australischen Trichternetzspinnen (Agelinidae), und die in nahezu allen wärmeren Habitaten vorkommenden Loxoscelidae und Latrodectus (Witwenspinnen). Lokale Hautirritationen können die Brennhaare der Vogelspinnen verursachen.
In Deutschland sind nur zwei Spinnarten heimisch, deren Cheliceren stark genug sind, die menschliche Haut zu durchdringen, der (Ammen)-Dornfinger, Cheiracanthium punctorium, und die äußerst seltene Wasserpinne, Argyroneta aquatica. Vom Biss dieser Spinne heißt es, er sei mit einem Wespenstich vergleichbar. Der Biss des Dornfingers, der meistens vorkommt, wenn versucht wird, den Kokon dieser Spinne zu öffnen, ist unmittelbar schmerzhaft. Es kann sich anschließend eine schmerzhafte Papel und aus dieser ein kleines, langsam heilendes Ulkus entwickeln. Die Lokalsymptomatik kann von Allgemeinsymptomatik wie Fieber, allgemeiner Malaise und Lymphadenopathie begleitet sein. Die Therapie ist symptomorientiert, ein Antivenin existiert nicht.

Symptomatik

Loxosceles-Spinnen stellen v. a. auf dem amerikanischen Erdteil ein relevantes medizinisches Problem dar, kommen aber ubiquitär in wärmeren Habitaten vor. In den Mittelmeerländern und ganz Frankreich ist L. rufescens heimisch. Der Biss wird in vielen Fällen nicht wahrgenommen. Nach einigen Stunden juckt und schmerzt eine sich auf der Bissstelle entwickelnde Papel. Diese kann sich spontan zurückbilden oder auch zu einem zunächst mit schwarzem Schorf bedeckten, sich später offen ausbreitenden, manchmal tiefen Ulkus entwickeln. Das Ulkus kann selten, v. a. im Hüftbereich bis 40 cm Durchmesser groß werden. Der Heilungsprozess ist in vielen Fällen langwierig und benötigt manchmal mehr als 2 Monate. Oft muss plastisch gedeckt werden. Es wurden viele, oft exotisch anmutende Therapien versucht. Hiervon erscheint bisher lediglich Dapson, trotz seiner erheblichen Nebenwirkungen, manchmal erfolgsversprechend. In seltenen Fällen, v. a. bei Bissen von südamerikanischen Loxosceles-Arten, kann der Loxosceles-Biss Hämolyse und einen endotoxinartigen Schock mit hoher Letalität verursachen. Diese Fälle erfordern eine symptomorientierte Intensivtherapie, und, wenn verfügbar, spezifische Therapie mit Antiserum: Soro antiarchnidico (Instituto Butantan, Sao Paulo, Brasilien). Aus Europa wurden nach Loxosceles-Bissen bisher nur schmerzhafte und langwierige Hautläsionen mit geringer Allgemeinsymptomatik berichtet.
Witwenspinnen, Latrodectus sp, sind ebenfalls in wärmeren Habitaten heimisch. In Europa, v. a. im Mittelmeerraum und Balkan, kommt die „schwarze Witwe“ L. tridecimguttatus vor. Der Biss wird unmittelbar schmerzhaft, einem Bienenstich vergleichbar, empfunden. Es entwickelt sich ein Erythem mit zentraler Ablassung, von der Bissregion ausgehend dann ein generalisierter Schmerz. Typischerweise schwitzt die Haut der Bissregion, Haare richten sich auf. Das Schwitzen kann profus und generalisiert werden. Weitere systemische Symptome sind Angst, Beklemmungsgefühl, Delir, Kopfschmerz, Hypertonie, Tremor, Muskelschwäche, Malaise, Fieber. Manchmal verursachen die Schmerzen ein hartes Abdomen, das mit einem akuten Abdomen verwechselt werden kann. Die Symptome steigern sich über 12 h und klingen nach 72 h ab, können aber auch eine Woche dauern. Spätsyndrome mit chronischem Schmerz wurden beschrieben.

Therapie

In leichten Fällen symptomatisch, in schweren Fällen: Antivenin. Es stehen folgende Antiseren zur Verfügung:
  • Polyvalentes Soro antiarchnidico aus Brasilien, Instituto Butantan, (enthält auch Antikörper gegen Loxosceles und Phoneutria sp sowie gegen Skorpione der Gattung Tityus)
  • Latrodectus mactans Antivenom (Fa. Merck, USA)
  • Victoria Australien Red backed Spider Antivenom gegen australische Latrodectus spp. (Fa. CSL)
Die verschiedenen Antivenine haben wahrscheinlich ausreichend Kreuzreaktivität, um auch gegen alle Latrodectus-Arten eingesetzt werden zu können. Das Antivenom sollte möglichst früh gegeben werden, es soll aber auch noch später in der Akutphase helfen.
Phoneutria spezies werden manchmal als „Bananenspinnen“ nach Europa eingeschleppt. Das Gift ist neuroexzitatorisch. Der Biss ist schmerzhaft und begleitet von lokalem Schwitzen und Erythem. Schmerz und Schwitzen breiten sich über die gebissene Extremität aus. In mittelschweren Fällen kommen Tachykardie, Hypertonie, Erbrechen, Sehstörungen hinzu und besonders bei Knaben Priapismus. Besonders Kinder sind gefährdet für schwere Manifestationen mit hypertensiver Entgleisung sowie Lungenödem. Therapie in leichten Fällen mit Analgetika, auch opioidhaltigen, Sedativa; in schweren Fällen: Polyvalentes Soro antiarchnidico aus Brasilien, Instituto Butantan.
Australische Trichternetzspinnen der Gattungen Atrax und Hydronyche können mit ihrem neuroxitatorischen Gift lebensbedrohliche Intoxikationen verursachen. Meistens ist jedoch die Symptomatik auf einen sehr schmerzhaften Biss beschränkt. In schwereren Fällen entwickelt sich die systemische Symptomatik nach 10 min bis Stunden: Hypertonie, Tachykardie oder Bradykardie, Schwitzen, Muskelfaszikulationen, typischerweise der Zunge, Hypersalivation, Piloerektion, Mydraisis oder Miosis. Lokale oder generalisierte Parästhesien, Malaise, Kopfschmerzen. Bei schwersten Fällen dann Hypotonie, Koma, Tod im Lungenödem. Therapie: zunächst den lymphogenen Weitertransport des Gifts verlangsamen durch kalten Umschlag (Eis) und Kompressionsverband („pressure immobilisation technique“), symptomatisch und spezifisch mit Antivenin: Funnel Web Spider Antivenom von CSL, Victoria, Australien.
Weitere Spinnen, v. a. aus warmen Habitaten, verursachen sicher auch lokale Hautnekrosen mit milder systemische Symptomatik. Sie sind aber in der Literatur nicht weiter charakterisiert. Leicht verlaufende Spinnenbisse sind z. B. auch von den Vogelspinnen, Mygalomorphae, bekannt. Diese werden gelegentlich als Haustiere gehalten. Hier kommt es aber öfter zu juckenden, dermalen Reizerscheinungen, die von den Brennhaaren der Tiere (auch von abgestreiften behaarten Häuten) verursacht werden. Der Verlauf ist, wenn keine Infektion hinzukommt, selbstlimitierend, die Therapie, wenn erforderlich, symptomatisch. Man kann versuchen, die in der obersten Hautschicht steckenden Brennhaare mit Klebestreifen zu entfernen, was aber nur selten vollständig gelingt.

Zecken

Zecken (Ixodida) sind in Eurasien als Vektoren von viralen (FSME) und bakteriellen (z. B. Borrellia burgdorferi) gefürchtet. In Australien, USA, Kanada Mexiko sowie in Afrika verursachen einige Zeckenarten durch ihr Gift 4–5 Tage nach dem Stich eine aufsteigende Motorneuronparalyse, manchmal auch eine isolierte Fazialisparese. Gegen die australischen Arten wird ein Antivenin hergestellt: CSL Paralysis Tick Antivenom.

Skorpione

Allgemeines

Skorpione (Scorpiones) sind räuberisch lebende Spinnentiere. Sie sind heimisch in wärmeren Habitaten. In Europa sind 9 Skorpionarten heimisch, in Deutschland keine, jedoch leben (relativ harmlose) Euscorpio-Arten bereits am südlichen Alpenrand. Von den weltweit über 1000 Skorpionarten verursachen etwa 20 potentiell letale Stiche. Skorpione haben einen Giftapparat mit Giftblase und Stachel am Schwanzende. Das Gift dient zur Verteidigung und zum Beutefang. Beutetiere werden mit den scherenartigen Pedipalpen festgehalten und mit dem Giftstachel getötet. Generell gilt: je größer die Schere eines Skorpions ist, desto weniger giftig ist er. Als Faustregel gilt: Überschreitet die Breite der Scheren die Länge des Schwanzes, ist keine bedrohliche Vergiftung zu erwarten. Typische Situationen, in denen Skorpione Menschen stechen, entstehen, wenn auf einen Skorpion getreten (z. B. Skorpion im Schuh) oder versucht wird, einen Skorpion zu fangen. Skorpiongift wirkt exzitatorisch neurotoxisch und bewirkt eine schlagartig vermehrte Ausschüttung verschiedener sympathischer und parasympathischer Neurotransmitter. Die Giftwirkung ist simultan in unterschiedlichem Ausmaß sensorisch (Schmerz), muskarinerg (Hypersekretion), nikotinerg (Tachykardie, Hypertonie), neuromotorisch (kraniale und periphere motorische Hyperaktivität) sympathisch (Hypertonie, Tachykardie).

Symptomatik

Der Stich eines Skorpions führt zu sofortigem Schmerz mit z. T. sehr heftiger Intensität, der alleine schon zu psychomotorischer Unruhe und Hypertonie führen kann. Bei systemischer Giftwirkung entwickeln sich die Zeichen der Neuroexzitation rasch: Tachykardie, Hypertonie – bei Erschöpfung der sympathomimetischen Speicher, gefolgt von Hypotonie und Bradykardie. Acetylcholin verursacht cholinerge Zeichen: Hypersekretion (Schweiß, Speichel, Bronchialdrüsen, Darm), Bradykardie, Muskelfaszikulieren und Relaxation von Corpus-cavernosum-Gefäßen mit konsekutivem Priapismus.
Unspezifische Symptome sind Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Muskelzittern, Faszikulieren und Muskelrigidität. Die Ausschüttung diverser Zytokine bewirkt Hyperthermie und Leukozytose.
Zentralnervöse Symptome sind Erregungszustände, Schmerzen, Krampfanfälle, Pupillenmotorikstörungen, extrapyramidale Dyskinesien. Nur einzelne Skorpionarten verursachen Gerinnungsstörungen und Hautnekrosen. Bei letalem Verlauf stirbt der Patient im Lungenödem. Besonders gefährdet sind Kinder und kardial vorerkrankte Betroffene.

Therapie

Die giftigsten Skorpionarten kommen aus Indien (Bothutus spp, und Nordafrica Leiurus quinquestriatus, Androctonus crassicauda). Die Therapie besteht in Schmerzbekämpfung (Ibuprofen, Opioide), Sedierung und, falls erforderlich, symptomorientierter Intensivtherapie. Es gibt eine Reihe meist regions- und gattungsspezifischer Antiseren. Die spezifische Therapie mit Antiseren setzt aber die Kenntnis der Spezies oder wenigstens der Herkunftsregion voraus. Asymptomatische oder oligosymptomatische Patienten können nach 2–6 h Beobachtung nach Hause entlassen werden. Stiche von in Europa heimischen Skorpionen verursachen praktisch nie bedrohliche systemische Symptome.

Hautflügler, Hymenoptera

Allgemeines

Von stechenden Hautflüglern gehen vielfältige Gefahren aus, v. a. als Vektoren übertragbarer Krankheiten, durch anaphylaktische Reaktionen auf deren Gifte oder durch Infektionen der Stiche. Eine bedrohliche systemisch-toxische Gefährdung im engeren Sinne stellen für den Menschen aber nur staatenbildende Bienen und Wespen dar, wenn von ihnen in Verteidigung ihres Baus mehr als 20–50 gleichzeitig stechen. Deren Gifte sind immunologisch zwar verschieden, in der direkt toxischen Wirkung sind sie sich aber ähnlich. Sie enthalten u. a. Phospholipasen, Hyaluronidasen, Katecholamine, Histamin und mastzelldegranulierende Faktoren.

Symptomatik und Therapie

Die Symptomatik einer schweren Intoxikation besteht in generalisiertem Ödem, Hypotonie durch Flüssigkeitsverschiebung ins Ödem, Kopfschmerz, Schwäche, Erbrechen und Lethargie. Die Symptomatik ist manchmal schwer von einer anaphylaktischen Reaktion zu unterscheiden. Im Zweifelsfall soll wie bei einer anaphylaktischen Reaktion mit Glukokortikoid, Antihistaminika, Epinephrin und Volumengabe behandelt werden. Weitere Symptome einer schweren Intoxikation können sein: disseminierte intravasale Gerinnungsstörung, Thrombopenie, Hämolyse, Rhabdomyolyse, Nierenversagen. Bei nicht allergisch gefährdeten Personen stellen erst 500 Stiche eine potenziell letale Gefährdung dar. Eine stationäre Überwachung kann aber schon ab 50 Stichen bzw. bei schwerer Symptomatik erforderlich werden. Die Therapie ist symptomorientiert. Die „Killerbienen“ unterscheiden sich von der gewöhnlichen Honigbiene nicht in ihrem Gift, sondern lediglich durch ihre Aggressivität. Bei Bienenstichen bleibt der Stachel oft mit der Giftblase in der menschlichen Haut stecken und muss vorsichtig wischend entfernt werden, um nicht noch weiteres Gift aus der Giftblase in die Haut zu injizieren. Wespen können im Gegensatz zu Bienen mehrfach stechen. Wespenstiche sind häufig schon beim Stich bakteriell infiziert.

Käfer

Allgemeines

Ölkäfer (Meloidae), auch Blasenkäfer oder Pflasterkäfer genannt, enthalten in ihrer Hämolymphe toxische Stoffe, u. a. Cantharidin, die sie zur Abwehr ausscheiden. Der bekannteste Vertreter dieser ca. 2500 Arten umfassenden Familie ist die „spanische Fliege“ Lytta vesicatoria. Aber auch in Deutschland kommen 19 Arten vor. Am bekanntesten ist hier der schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) (Weibchen: „schwarzer Maiwurm“). Hier besteht mindestens theoretisch das Risiko einer Vergiftung nach Verschlucken eines solchen Tieres.

Symptomatik

Cantharidin wirkt lokal reizend, deshalb wurde früher diese Käfer in Rheumapflastern verwendet. Bei Hautkontakt der Hämolymphe, z. B. beim Zerquetschen des Käfers auf bloßer Haut, entsteht ein lokales Erythem, manchmal auch Blasen. Beim Verschlucken auch einzelner Exemplare sind hämorrhagische Gastritis mit Hämatemesis die Folge. Systemische Zeichen bei großen Giftmengen oder besonders giftigen Käfern (Hyleus maculiventris) können systemische Vergiftungssymptome sein: Dysurie, Hämaturie, Kreatininerhöhung, Thrombopenie, erhebliche Leukozytose, Bewusstseinstrübung, Krampfanfall. Kinder sind schon nach Verzehr einzelner Exemplare gefährdet.

Therapie

Die Therapie erfolgt symptomatisch und antiphlogistisch. Unter symptomorientierter Therapie erholt sich der Patient in 6 Tagen bis 3 Wochen.

Ameisen

Ameisen (Formicidae) können schmerzhafte Bisse mit lokaler Entzündungsreaktion verursachen. Systemisch toxische Effekte sind nicht bekannt, außer natürlich allergische bei Sensibilisierung gegen Ameisensekrete. Pusteln entstehen bei Sekundärinfektion.

Schmetterlingsraupen

Symptomatik

Behaarte Schmetteringsraupen können durch Brennhaare an Haut und Schleimhaut lokale Entzündungsreaktionen hervorrufen. Bei Inhalation der Haare kann diese Reizung der Atemwegsschleimhäute durch Ödembildung zu Atemproblemen führen. In Europa können v. a. Raupen von Prozessionsspinnern (Thaumetopoeinae), die in manchen Regionen und saisonal massenhaft auftreten, ein ernsthaftes regionales Gesundheitsproblem darstellen. In Deutschland sind zwei Arten heimisch, der Eichen- und der Kiefernprozessionsspinner, Thaumetopoea processionea und T. pinivora. Deren Brennhaare sind hohl und enthalten das Protein Thaumatopoietin, das zusätzlich zur mechanischen Irritation der Haut durch die abgebrochenen Haare eine weitere Hautreizung und ggf. auch noch Allergisierung verursacht. Bei derart sensiblisierten Personen kann eine Inhalation von Haaren der Prozessionsspinnerraupen schwere allergische Reaktionen mit respiratorischer Insuffizienz hervorrufen. Auch bei nichtsensibilisierten Personen kann die Inhalation die Atemwege stark reizen und dort Ödeme verursachen. In von Massenbefall betroffenen Wäldern werden aus den Kokons nach Häutung der Raupen verbleibende, lose Haare vom Wind in die Umgebungsluft verteilt. Solche Wälder können dann zeitweise nur mit Atemschutzmasken betreten werden. Bei Hautkontakt mit diesen Raupen brechen die feinen Haare ab und bleiben in der obersten Hautschicht stecken. Juckende Papelchen, Urticaria, Bläschen, bei Superinfektion auch Pusteln sind die Folge.

Therapie

  • Bei Inhalation: Bronchospasmolytika, Inhalationsglukokortikoide.
  • Bei Hautkontamination: Versuch, die Haare ohne Reiben abzuwaschen, Versuch mit Klebestreifen die Haare aus der Haut zu ziehen, Lidocain-Gel, systemische Antihistaminika.
  • Bei konjunktivaler Exposition: Konjunktivitis, die analog behandelt wird. Die Haare anderer, in Deutschland beheimateter, behaarter Raupenarten, wie z. B. die Raupen des Goldafters, Euproctis chrysorrhoea, sind auch hautreizend. Ihnen fehlt aber die zusätzliche reizende und allergisierende Komponente des Thaumatopoietins.
In anderen Kontinenten z. B. Nord- und Südamerika leben weitere Schmetterlingsarten, deren Raupenhaare und Hämolymphe Gifte enthalten. Hierbei sind besonders die Raupe des südamerikanischen Seidenspinners Lonomia obliqua zu erwähnen. Dessen Hämoplymphe enthält Gifte, die schwerste Gerinnungsstörungen mit Verbrauchskoagulopathie verursachen. Todesfälle nach Zerquetschen solcher Raupen auf bloßer Haut sind dokumentiert. In Brasilien steht ein spezifisches Antivenin zur Verfügung.

Hundertfüßer

Allgemeines

Hundertfüßer, (Chilopoda), haben eine aus dem ersten Laufbeinpaar entstandene Giftklaue. Tropische Arten, v. a. Scolopendromorpha sp sind groß genug, um dem Menschen schaden zu können.

Symptomatik

Stiche von tropischen Hundertfüßern können schmerzhafte Schwellungen verursachen, aber auch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Hypotonie. Einzelne Todesfälle mit Herzversagen und Rhabdomyolyse sind mit solchen Stichen in Verbindung gebracht worden.

Therapie

Eine spezifische Therapie ist nicht bekannt.
Literatur
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