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Ruhigstellung der Halswirbelsäule in der Präklinik

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Zusammenfassung

Einleitung

Um die Immobilisation möglicher Wirbelsäulenverletzungen im Rahmen der prähospitalen Versorgung wird seit Jahren eine kontroverse Diskussion geführt. Insbesondere die Ruhigstellung der Halswirbelsäule (HWS) mit sogenannten rigiden HWS-Orthesen („C-collars“) steht im Zentrum der Kontroverse. Das vorliegende narrative Review fasst die Kernaussagen des Kapitels „Wirbelsäule“ der aktualisierten S3-Leitlinie (S3-LL) „Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ zusammen und kommentiert sie aus unfallchirurgischer Sicht.

Material und Methoden

Die Recherche zur S3-LL nach der Ottawa-Methode identifizierte keine neue Evidenz auf S3-Niveau. Die Kernempfehlungen wurden daher unverändert zur Vorversion bestätigt. Basis der Kommentierung ist eine nichtstrukturierte Literaturrecherche mit Fokus auf Indikationsstellung, Verfahrenswahl und mögliche Folgen.

Ergebnisse

Das Risiko von HWS-Verletzungen nimmt mit steigender Verletzungsschwere zu, weshalb die Immobilisation der Wirbelsäule bei Polytrauma/Schwerverletzten indiziert ist. „C-collars“ haben in der S3-LL unverändert einen Stellenwert, auch wenn zum Verfahren im Allgemeinen keine Kernempfehlungen ausgesprochen werden. Eine eventuelle Restbeweglichkeit im „C-collar“ kann durch Lagerung auf der Vakuummatratze zusätzlich reduziert werden. Die selektive Wirbelsäulenimmobilisation auf Basis der individuellen Risikoabschätzung wird erwähnt, scheint allerdings auf das Patientenkollektiv der S3-LL kaum anwendbar. Kritische Erwähnung findet die Anwendung des „C-collar“ bei Schädel-Hirn-Trauma und gleichzeitigem Verdacht auf eine HWS-Verletzung. Wegen möglicher intrakranieller Druckspitzen werden hier alternative Verfahren zur HWS-Immobilisation vorgeschlagen.

Schlussfolgerung

Bei schwer verletzten Patienten besteht aufgrund des erhöhten Verletzungsrisikos insbesondere im Bereich der HWS eine klare Indikation zur HWS-Immobilisation mit der Zielsetzung, weitere Schäden – auch bedingt durch nichtfachgerechte Immobilisationsmaßnahmen oder Unterlassungen – zu vermeiden. Nicht die Indikation, sondern das zu bevorzugende Verfahren bleibt im Fokus der kontroversen Diskussion, die mit Mitteln der evidenzbasierten Medizin derzeit nicht abschließend zu führen ist.
Titel
Ruhigstellung der Halswirbelsäule in der Präklinik
Verfasst von
Dr. Heiko Trentzsch
Publikationsdatum
05.05.2023
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