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22.10.2020 | COVID-19 | Nachrichten

COVID-19-Splitter

Down-Syndrom als Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe

Autoren:
Anne Bäurle, Marco Mrusek, Denis Nößler, Wolfgang Geissel

Bisher werden Menschen mit Down-Syndrom von der US-Behörde CDC nicht als vulnerable Risikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe gelistet. Dabei ist ihr Mortalitätsrisiko bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 um ein Vielfaches erhöht.

Update vom 22. Oktober

Menschen mit Down-Syndrom haben ein zehnfach höheres Risiko, an COVID-19 zu sterben, als Menschen ohne Down-Syndrom. Auch das Risiko schwerer Verläufe mit Hospitalisierung bei einer SARS-CoV-2-Infektion ist deutlich höher, und zwar viermal so hoch. Das berichten Forscher, die Angaben der „QResearch“ Datenbank zu 8,3 Millionen Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich untersucht haben, darunter 4053 Menschen mit Trisomie 21. Verwunderlich sind die Ergebnisse nicht, leiden doch viele Menschen mit Down-Syndrom an angeborenen Herzfehlern oder einem eingeschränkten Immunsystem. Es sei daher wichtig, auf diese besonders vulnerable Gruppe zu achten, betonen die Forscher. Bisher sei das Down-Syndrom allerdings weder in Großbritannien noch von der US-Behörde CDC als Risikofaktor für schwere oder tödliche COVID-19-Verläufe gelistet (Ann Intern Med 2020; online 21. Oktober).

Update vom 21. Oktober

Einen weiteren „Türöffner“ für SARS-CoV-2 haben Forscher unter deutsch-finnischer Leitung entdeckt. Offenbar erleichtert das Protein Neuropilin-1 die Bindung des viralen Spike-Proteins an den ACE2-Rezeptor der Wirtszelle. In Zellkultur-Versuchen konnte durch die spezifische Blockierung von Neuropilin-1 durch Antikörper eine Infektion mit SARS-CoV-2 unterdrückt werden. „Wenn man sich ACE2 als Eintrittstür in die Zelle vorstellt, dann könnte Neuropilin-1 ein Faktor sein, der das Virus zur Tür lenkt. ACE2 wird in den meisten Zellen in sehr geringen Mengen exprimiert. Daher ist es für das Virus nicht leicht, Türen zum Eindringen zu finden. Andere Faktoren wie Neuropilin-1 scheinen notwendig zu sein, um dem Virus zu helfen“, wird Studienleiter und Letztautor Professor Mikael Simons vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in einer Mitteilung des Zentrums anlässlich der Publikation zitiert. Als weiteres Indiz für ihre Theorie werten die Wissenschaftler die Tatsache, dass sie in Gewebeproben gestorbener COVID-19-Patienten SARS-CoV-2 in Körperzellen nachweisen konnten, die Neuropilin-1 auf ihrer Oberfläche exprimierten (Science 2020; online 20. Oktober).

Update vom 20. Oktober

Mundspülungen und orale Antiseptika könnten die Viruslast von humanen Coronaviren im Rachenraum verringern und nach einer Infektion eine Weiterverbreitung der Viren verhindern, berichten Forscher des Penn State College of Medicine. In ihrer Studie mit humanen Zellkulturen untersuchten sie zwar nicht spezifisch SARS-CoV-2, sondern stellvertretend für alle humanen Coronaviren das Virus „HCoV-229e“. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass ihre Erkenntnisse auch auf SARS-CoV-2 übertragbar sind. Im Ergebnis reduzierten die meisten der neun untersuchten Mundspülungen, die jeweils unterschiedliche Inhaltsstoffe in verschiedenen Konzentrationen enthielten, die Viruslast um wenigstens 90 Prozent, wenn eine Minute oder länger der Mund gespült wurde, schreiben Dr. Craig Meyers und seine Kollegen (J Med Virol 2020; online 17. Oktober).

Update vom 19. Oktober

Der Zytokin-Sturm, der bei einigen Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf auftritt, unterscheidet sich deutlich von Zytokin-Stürmen bei anderen Erkrankungen, etwa bei Sepsis, dem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Das berichten Wissenschaftler vom General Hospital in Boston. Sie haben in einer Metaanalyse unter anderem festgestellt, dass die Konzentration von Interleukin-6 (IL-6) bei den genannten Erkrankungen deutlich höher liegt als bei COVID-19: Bei Patienten mit Zytokin-Freisetzungssyndrom lag die IL-6-Konzentration im Schnitt 100-mal höher als bei COVID-19-Patienten, bei Sepsis-Patienten 27-mal so hoch und bei ARDS-Patienten 12-mal so hoch. Im Gegensatz dazu lagen die Konzentrationen von D-Dimer, C-reaktivem Protein und Ferritin bei COVID-19-Patienten häufig höher als bei Patienten mit Sepsis, ARDS oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Die Ergebnisse belegten ein bisher beispielloses „inflammatorisches Profil“ von COVID-19, schreiben die Forscher um Dr. Daniel Leisman (Lancet Resp Med 2020; online 16. September).

Update vom 16. Oktober

Zahlreiche Arzneien verpassen den Beweis der Mortalitätssenkung. In einer großen multizentrischen Auswertung der von der WHO geförderten SOLIDARITY-Studie konnten Lopinavir/Ritonavir, Remdesivir, Hydroxychloroquin (HCQ) und β1a-Interferon (IFN-β) keinen Effekt auf die Mortalität bei COVID-19-Patienten zeigen. In der noch nicht begutachteten Auswertung von 11.266 erwachsenen Patienten an 405 Spitälern in 30 Ländern konnten alle Wirkstoffe keinen signifikanten Effekt zeigen. Die Patienten erhielten randomisiert einen dieser Wirkstoffe oder nur Best Supportive Care. Die 28-Tages-Sterblichkeit lag gesamt bei 12 Prozent, bzw. bei 39 Prozent unter jenen Patienten, die zu Beginn der Therapie schon beatmet werden mussten. Die Ratenverhältnisse für die Mortalität lagen für Remdesivir bei 0,95 (0,81–1,11, p=050), für HCQ bei 1,19 (0,89–1,59, p=0,23), für Lopinavir/Ritonavir bei 1,00 (0,79–1,25) und für IFN-β bei 1,16 (0,96–1,39; p=0,11). Der Remdesivir-Hersteller Gilead verwies am Freitag darauf, dass die „sich abzeichnenden Daten nicht mit robusteren Datensätzen aus mehreren randomisierten, kontrollierten Studien übereinzustimmen“ scheinen. Früher Daten hatten in der Tat einen signifikanten Vorteil bei der Zeit bis zur Genesung gezeigt (im Mittel minus fünf Tage versus Standardtherapie). (medRxiv 2020.10.15.20209817).

Einen „Atlas“ der molekularen Mechanismen, mit denen die Coronaviren MERS, SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 ihre Wirtszelle manipulieren, hat ein Team von mehr als 200 Wissenschaftlern aus 6 Ländern erstellt. Sie hoffen, damit Ansatzpunkte für neue Medikamente gegen COVID-19 zu finden. Zwei mögliche Medikamente haben sie dabei schon im Visier: Sie fanden zwei bereits zugelassene Wirkstoffe, die in Zellkulturen Wirkung gegen alle drei Coronaviren zeigen: Psychopharmaka mit Wirkung gegen den Sigma-Liganden und den Entzündungshemmer Indomethacin. Durch Analyse vorhandener Patientendaten fanden die Wissenschaftler zudem erste Hinweise darauf, dass bei COVID-19-Patienten, die diese Medikamente erhalten hatten, die Erkrankung leichter verlief (Science, online 15. Oktober).

Eine Impfung, die auf inaktivierten SARS-CoV-2-Viren basiert („BBIBP-CorV“), ist vorläufigen Phase-I/II-Ergebnissen zufolge sicher und immunogen. Der Impfstoffkandidat wurde in der chinesischen Studie zweimalig verabreicht (entweder als 4 μg- oder als 8 μg-Dosis) bei über 600 Probanden im Alter von 18 bis 80 Jahren. Antikörper seien nach Impfung von allen Studienteilnehmern gebildet worden. Allerdings habe es bei den über 60-Jährigen deutlich länger gedauert, bis Antikörper detektiert werden konnten, und zwar im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 18-60-Jährigen konnten bereits nach 28 Tagen Antikörper nachgewiesen werden. Zudem wurden in der Altersgruppe der über 60-Jährigen, also der hauptsächlichen Risikogruppe für schwere Verläufe von COVID-19, deutlich weniger Antikörper gebildet. Ob die Menge der Antikörper insgesamt ausreicht, um einen ausreichenden Schutz zu induzieren, wurde in der Studie noch nicht getestet – das muss nun eine weitere Untersuchung zeigen (Lancet Inf Dis 2020; online 15. Oktober).

Update vom 15. Oktober

Forscher haben eine Übersterblichkeit durch COVID-19 in 21 industrialisierten Ländern errechnet. Danach sind dort vermutlich 206.000 Menschen mehr gestorben, als es wahrscheinlich Tote ohne die SARS-CoV-2-Pandemie gegeben hätte, so die britischen Forscher. In ihrer Untersuchung berücksichtigten die Forscher Länder mit mehr als vier Millionen Einwohner im Jahr 2020 und die wöchentlich Daten zur Mortalität aus jeglichen Gründen bereitstellen – aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht. Als Untersuchungszeitraum wählten sie 2015 bis Ende Mai 2020. Deutschland wurde nicht berücksichtigt. Die Exzessmortalität seit Februar 2020 errechneten die Wissenschaftler anhand des Vergleichs mit den gemittelten Sterbefällen in den Vorjahreszeiträumen. Diese verteilt sich offenbar in etwa gleich auf beide Geschlechter. England, Wales und Spanien hatten anscheinend die größte Übersterblichkeit mit zusätzlich 100 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Das wäre in etwa ein Anstieg um relativ 37 Prozent. In Spanien betrüge der Anstieg der Todesfälle demnach relativ 38 Prozent. Den niedrigsten relativen Anstieg gab es der Untersuchung zufolge bei den Männern in Österreich (14,3 Tote mehr pro 100.000 Einwohner), der Schweiz (21,9) und Portugal (27,4 bei den Männern, 28,7 bei den Frauen) (Nat Med 2020; online 14. Oktober).

Update vom 14. Oktober

Genesene sind wohl nicht immer immun gegen eine Reinfektion. Forscher der University of Nevada berichten über den nach eigenen Angaben ersten Fall einer symptomatischen Reinfektion in den USA und bestätigen damit frühere Berichte aus anderen Ländern. Es handelt sich um einen 25-Jährigen aus Nevada, der Mitte April dieses Jahres und dann erneut Anfang Juni positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dazwischen lagen zwei negative Tests, die im Mai vorgenommen wurden. Über den Patienten schreiben die Forscher, dass er keine immunologischen Auffälligkeiten habe und nicht mit HIV infiziert sei. Die beiden Varianten von SARS-CoV-2 hätten „signifikante genetische Unterschiede“, außerdem sei die zweite Infektion schwerer als die erste verlaufen. Nach der zweiten Infektion benötigte der Patient zusätzlichen Sauerstoff in der Klinik und hatte außerdem Myalgie, Husten und Kurzatmigkeit. Die Forscher schließen nicht aus, dass es sich womöglich um eine einzige fortlaufende Infektion mit einer extrem schnellen In-vivo-Mutation des Virus handeln könnte. Eine derart hohe Mutationsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2 sei aber bisher nicht berichtet worden. Die beschriebene Reinfektion habe Auswirkungen auf die Entwicklung einer SARS-CoV-2-Vakzine, die womöglich nicht zu einer 100-prozentigen Schutzwirkung für alle Individuen führen könne. In Anbetracht der neuen Erkenntnisse sollten Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion weiterhin von allen Personen befolgt werden, unabhängig davon, ob diese bereits eine Infektion durchgemacht haben oder nicht, schreiben die Wissenschaftler weiter (Lancet Infect Dis 2020; online 12. Oktober).

Einen Smartphone-basierten Test auf SARS-CoV-2, der Ergebnisse zu einer Infektion innerhalb von fünf Minuten liefern soll und sich der CRISPR-Technik bedient, haben Forscher der University of California vorgestellt und auf dem Preprint-Server MedRxIv veröffentlicht. An dem Projekt beteiligt ist Professor Jennifer Doudna, die vergangene Woche mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Der Test setzt statt auf Amplifizierung der viralen RNA wie bei einem PCR-Test auf die Restriktionsenzyme CRISPR-Cas13a. Die Enzyme spüren vordefinierte Gensequenzen auf, in diesem Fall RNA von SARS-CoV-2 in Nasenabstrichen. Der Test drückt Informationen zur festgestellten Viruslast über Fluoreszenz-Signale aus, die mit einem Smartphone mit Kamera aufgefangen und ausgelesen werden können (medRxiv 2020; online 30. September).

Update vom 13. Oktober

Offenbar geringes Infektionsrisiko für Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter: Von 101 Neugeborenen von Müttern mit bestätigter oder vermuteter perinataler SARS-CoV-2-Infektion hatten zwei ein positives Testergebnis auf das Virus, keines hatte klinische Anzeichen von COVID-19, hat eine retrospektive Kohortenanalyse einer Geburtsklinik aus New York City ergeben. Es gebe keine Anzeichen einer vertikalen Transmission des Virus bei den untersuchten Kindern, obwohl die meisten Neugeborenen den Raum mit den Müttern teilten und von ihnen gestillt wurden. 55 der Neugeborenen wurden noch weitere zwei Wochen lang beobachtet und blieben gesund. Eine zügige räumliche Trennung von Müttern und Neugeborenen während der COVID-19-Erkrankung sei in Anbetracht der Studienergebnisse nicht zwingend erforderlich, schlussfolgern die Wissenschaftler (JAMA Pediatr 2020; online 12. Oktober).

Update vom 12. Oktober

SARS-CoV-2 außerhalb des Körpers wohl doch länger infektiös als gedacht: Bis zu 28 Tage waren infektiöse Viren in einer australischen Studie bei 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur auf Glas, Edelstahl und Papier noch nachweisbar. Auf Baumwolle war das Virus noch nach 14 Tagen nachweisbar. Nicht berücksichtigt wurde der Einfluss des UV-Lichts: Die Studie wurde im Dunkeln ausgeführt, da direkte Sonnenlichteinstrahlung das Coronavirus bekanntermaßen schnell inaktiviert. Eine weitere Laborbedingung: Eine gleichbleibende Feuchtigkeit von 50 Prozent relativer Feuchte wurde für alle untersuchten Temperaturen aufrechterhalten. Der errechnete D-Wert, also die Zeit, bis eine 90-prozentige Titerreduktion erreicht ist, betrug bei 20 Grad Celsius zwischen 5,5 Tagen für Baumwolle und 9,1 Tagen für Papier. Erhöhten die Forscher die Umgebungstemperatur, war das Virus deutlich kürzer nachweisbar: Infektiöse Viren waren bei 30 Grad noch nach sieben Tagen auf Edelstahl, Plastik und Glas nachweisbar, auf Baumwolle noch nach drei Tagen. Bei 40 Grad waren nach 24 Stunden keine infektiösen Viren mehr auf Baumwolle und nach 48 Stunden auf keiner anderen Oberfläche mehr nachweisbar (Virol J 2020; online 7. Oktober).

Update vom 9. Oktober

21 Prozent der jungen hospitalisierten COVID-19-Patienten in den USA mussten intensiv versorgt werden, zehn Prozent der 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten sogar mechanisch beatmet. Die Todesrate lag in einer Studie mit 3222 hospitalisierten jungen COVID-19-Patienten, die in 419 US-Kliniken behandelt worden waren, bei 2,7 Prozent. Die Mortalitätsrate liege damit zwar unter der Todesrate von älteren COVID-19-Patienten, aber doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Patienten, die beispielsweise wegen eines Herzinfarkts in eine Klinik eingeliefert werden, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Jonathan Cunningham vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Junge Patienten, die mehr als einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf trugen (etwa Übergewicht, Diabetes oder Hypertonie) hatten sogar das gleiche Risiko für komplizierte Verläufe wie etwa ein 64-Jähriger ohne Risikofaktoren. Auch wenn in der Studie viele der hosplitalisierten 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten Komorbiditäten hatten, sei ihr Risiko doch substanziell, so Cunningham und Kollegen. Jüngere sollten das Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung daher nicht auf die leichte Schulter nehmen (JAMA Intern Med 2020; online 9. September).

IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 sind nach einer Infektion auch im Speichel nachweisbar, und zwar noch mehr als drei Monate nach der Erkrankung. Das haben Forscher der University of Toronto festgestellt. Gleichzeitig fanden sie auch im Blut von 402 Rekonvaleszenten mehr als drei Monate nach Symptombeginn IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2. Im Gegensatz zu IgG nahmen allerdings die IgA- und IgM-Antikörper relativ schnell wieder ab. Nach 16 bis 30 Tagen sei ein deutlicher Abfall zu beobachten gewesen, sowohl im Blut als auch im Speichel, so die Wissenschaftler. Die Studie belege aber, dass bei der Mehrheit der Patienten mit COVID-19 eine lang anhaltende Immunität durch IgG-Antikörper sowohl im Blut als auch im Speichel induziert werde, schreibt das Team um Baweleta Isho. Ein weiteres Fazit: Auch Speichelproben könnten sich für Tests auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 eignen (Science Immunol 2020; online 8. Oktober).

Update vom 8. Oktober

Bei Schwangeren treten COVID-19-Symptome zum Teil über mehr als zwei Monate auf und damit deutlich länger als bei anderen COVID-19-Patienten. In einer Studie mit 594 Frauen mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis hatten 50 Prozent der Frauen nach drei Wochen weiterhin COVID-19-Symptome (am häufigsten Husten, Halsschmerzen, Fieber und Myalgien), 25 Prozent der Schwangeren sogar noch nach acht Wochen. Im Mittel befanden sich die Frauen in der 24. Schwangerschaftswoche. Die Symptome ähnelten grundsätzlich den typischen COVID-19-Patienten. Einige Symptome treten allerdings generell bei Schwangeren recht häufig auf und überlappen daher mit den COVID-19-Symptomen (Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit), schreiben die Gynäkologen um Dr. Yalda Afshar von der University of California in San Francisco in einer Mitteilung der Universität (Mitteilung zur Studie in Obstetrics & Gynecology 2020; online 7. Oktober).

Raumluftreiniger könnten eine technische Lösung sein, um etwa in Wartezimmern die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole stark zu verringern. So lautet das Fazit einer Studie von Forschern der Universität der Bundeswehr in München. Das Team untersuchte die Filterleistung eines Raumluftreinigers mit einer Kombination aus Filtern der Klasse H13/H14, die gewährleistet, dass selbst Aerosole mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden, wie die Universität berichtet. In ihrer Untersuchung testeten die Wissenschaftler das „Viromed Klinik Akut V 500“ Entkeimungsgerät. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80m2 in sechs Minuten halbiert wird. Im Dauerbetrieb sei die gemessene Verweilzeit des ausgeatmeten Aerosols im Raum so kurz, dass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich sei. Selbst in einem 22m langen Flur mit über 40m2 konnte bei maximalem Volumenstrom eine Halbierung der Aerosolkonzentration innerhalb von rund fünf Minuten realisiert werden. Die Forscher um Professor Christian Kähler betonen aber auch, dass es trotz der Raumfilter wichtig ist, auf einen ausreichenden Abstand zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen, um das direkte Infektionsrisiko zu verringern (Studie der Universität der Bundeswehr München, online 2. Oktober).

Update vom 7. Oktober

Eine vorherige Infektion mit endemischen Coronaviren könnte einen COVID-19-Verlauf abmildern. Vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen vorherige Coronavirus-Infektionen wohl aber nicht. Das berichten Forscher vom Boston Medical Center und der Boston University School of Medicine. Zur Familie der Coronaviren gehören ja auch vier endemische Coronaviren, die Erkältungssymptome auslösen: Die humanen Coronaviren OC43, HKU1, NL63 und 229E. Das Team hatte sich aus einer Datenbank Angaben von 15.928 Patienten angeschaut, bei denen in Vor-Corona-Zeiten (genauer Anfang Mai 2015 bis Anfang März 2020) ein Test auf eine Infektion mit OC43, HKU1, NL63 oder 229E durchgeführt wurde. Bei 875 war das Testergebnis positiv ausgefallen, bei 15.053 negativ. Wie die Forscher schreiben, unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich demografischer Unterschiede nur marginal, in Bezug auf Komorbiditäten habe es keine signifikanten Unterschiede gegeben. In der Corona-Pandemie lagen von 1812 dieser Patienten (11,4 Prozent) auch ein positiver SARS-CoV-2-Test vor, und zwar anteilig in beiden Gruppen bei etwa gleich vielen Personen. Nun zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede beim Krankheitsverlauf von COVID-19: So starben in der Gruppe der bereits zuvor mit Coronaviren infizierten COVID-19-Patienten bei Hospitalisierung 4,8 Prozent. Bei den COVID-19-Patienten, die sich zuvor nicht mit Coronaviren infiziert hatten, starben 17,7 Prozent (J Clin Investigation 2020; online 30. September).

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Ein Schlaganfall kann das Erstsymptom bei jüngeren COVID-19-Patienten sein, hat eine Metaanalyse ergeben – selbst wenn diese keine Vorerkrankungen haben oder andere Risikofaktoren aufweisen. Ein Team um Dr. Sebastian Fridman von der Western Universität in Ontario wertete für die Analyse Daten aus zehn Studien zur Schlaganfallhäufigkeit bei COVID-19-Patienten und 35 bisher unveröffentlichte Fälle aus verschiedenen Ländern aus. Die Forscher analysierten klinische Merkmale und Mortalitätsraten im Krankenhaus und teilten die Probanden dafür in drei Altersgruppen: unter 50, 50 bis 70 und über 70 Jahre. Der Anteil der COVID-19-Patienten, die einen Schlaganfall hatten (1,8 Prozent) und im Krankenhaus daran starben (34 Prozent), sei außerordentlich hoch gewesen, so die Forscher. Viele Patienten der jüngsten Gruppe, die einen Schlaganfall hatten, wiesen keine Risikofaktoren oder Komorbiditäten auf (43 Prozent). Bei fast der Hälfte der jungen Patienten (48 Prozent) schien der Schlaganfall ohne vorausgehende COVID-19-Symptome aufgetreten zu sein (Neurology 2020; online 15. September). (sj)

Eine hohe Infektionsrate bei Menschen aus armen Bevölkerungsschichten in Gemeinschaftsunterkünften zeigt eine französische Studie, von der die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF, Ärzte ohne Grenzen) berichtet. Ergebnisse von Antikörpertests in Paris und dem Umland der französischen Hauptstadt zeigten, dass an 14 Orten, an denen Ärzte ohne Grenzen in der aktuellen Pandemie Hilfe leistet, die Inzidenzrate sehr hoch liegt, und zwar besonders in Notunterkünften (Antikörper-Positivenrate zwischen 23 und 62 Prozent) und Arbeiterwohnheimen (zwischen 82 und 94 Prozent). Erstmals weise damit MSF zufolge eine epidemiologische Studie in Europa einen engen Zusammenhang zwischen prekären Lebensbedingungen und einer erhöhten SARS-CoV-2-Infektionsrate nach. Insgesamt wurden 818 Personen auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet, bei 426 – also mehr als der Hälfte – wurden Antikörper nachgewiesen (Epicentre, MSF, online 6. Oktober).

Update vom 6. Oktober

Neurologische Beeinträchtigungen treten bei hospitalisierten COVID-19-Patienten sehr häufig auf. In einer Studie, die an zehn Kliniken in Chicago mit 509 Patienten durchgeführt wurde, berichteten bereits bei Einlieferung 63 Prozent der Patienten von neurologischen Manifestationen: Myalgien, Kopfschmerzen, Enzephalopathie (31,8 Prozent) und Verwirrtheit. Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen mussten dabei im Durchschnitt drei Tage länger in der Klinik bleiben und waren im Schnitt jünger als Patienten ohne solche Beeinträchtigungen. Patienten mit Enzephalopathie mussten sogar im Durchschnitt dreimal so lang wie Patienten ohne neurologische Beeinträchtigungen in der Klinik bleiben. Bei Patienten mit Enzephalopathie war zudem das 30-Tages-Mortalitätsrisiko deutlich höher, und zwar 21,7 vs. 3,2 Prozent. Das Fazit der Forscher um Dr. Eric M. Liotta lautet daher: Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen sollten besonders engmaschig überwacht werden (Ann Clin Translat Neurol, online 5. Oktober).

Bei Krebspatienten sollte mindestens ein Monat nach positivem SARS-CoV-2-Nachweis bis zur Op vergehen. Bei kürzerer Wartezeit bestehe sonst ein deutlich erhöhtes Risiko einer Lungenkomplikation, berichten britische Forscher. An der Multicenter-Studie nahmen 78 Kliniken aus 16 Nationen teil, allen voran Italien, Großbritannien und Spanien. 122 Krebs-Patienten mit ehemals positivem Abstrich wurden einer Op unterzogen: Gut 22 Prozent innerhalb von zwei Wochen nach Vorliegen des Testergebnisses, knapp die Hälfte zwischen zwei und vier Wochen danach und 29 Prozent nach mehr als vier Wochen. Insgesamt war bei ihnen das Risiko für Lungenkomplikationen nach Op im Vergleich mit 448 Patienten, die negativ getestet worden waren, signifikant höher, nämlich 10,7 versus 3,6 Prozent. Allerdings zeigte sich auch: Sowohl die Lungenkomplikationsrate als auch die Mortalität, beides innerhalb von 30 Tagen, waren unter den ehemals Infizierten am höchsten, wenn bis zur Op nur ein bis zwei Wochen abgewartet wurden (18,5 beziehungsweise 7,7 Prozent). Bei einer Wartezeit von zwei bis vier Wochen sanken die Raten auf 11,7 beziehungsweise 3,4 Prozent. Von den 35 Patienten, die noch länger gewartet hatten, war niemand an der Lunge erkrankt und auch niemand gestorben (Br J Surg 2020; online 25. September).


Update vom 5. Oktober

Masken erhöhen selbst bei COPD-Patienten wohl nicht das Risiko, zu viel CO2 einzuatmen. Das legt eine kleine US-Studie nahe. Immer wieder gibt es Meldungen, denen zufolge ausgeatmetes CO2 sich unter einem Mund-Nasen-Schutz sammele, wieder eingeatmet werde und die Sauerstoffsättigung beeinträchtige. Um dies zu widerlegen, haben Forscher die Sauerstoffsättigung und den CO2-Gehalt (gemessen als endtidaler CO2-Wert) vor und während des Tragens einer Op-Maske bei 15 gesunden Personen und 15 schwerkranken COPD-Patienten analysiert. Um Alltagssituationen zu simulieren, sollten die Studienteilnehmer mit Maske 30 Minuten sitzen und sechs Minuten in ihrem üblichen Tempo laufen. Während des Sitzens wurde weder bei den Gesunden noch bei den COPD-Patienten ein Unterschied bei Sauerstoffsättigung und CO2-Gehalt gemessen. Unter Belastung zeigte sich nur bei den COPD-Patienten eine geringe Abnahme der Sauerstoffsättigung; diese sei aber aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung zu erwarten gewesen, wie die Forscher schreiben. Die CO2-Konzentration habe allerdings selbst unter Belastung nicht zugenommen, es sei also nicht zu einem vermehrten Einatmen von CO2 gekommen (Ann A Thorac Soc 2020, online 2. Oktober).

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Anteil an Patienten mit komplizierten Appendizitiden zugenommen, berichten Chirurgen vom Baystate Medical Center (BMC) in Springfield, Massachusetts. Das Team um Dr. Georgios Orthopoulos hat sich die Daten von Kindern und Erwachsenen angeschaut, die mit der Diagnose „akute Appendizitis“ in das BMC eingewiesen worden waren. Sie vergleichen dabei die sechs Wochen vor dem 15. März (an diesem Tag gab es landesweit den Aufruf, elektive chirurgische Eingriffe nach Möglichkeit zu verschieben), mit den sechs Wochen nach dem 15. März. Ergebnis: Nach dem Stichtag hatte es signifikant mehr Patienten mit bereits perforierender oder gangränöser Blinddarmentzündung gegeben; der Anstieg in diesen Gruppen betrug 21 beziehungsweise 29 Prozent. Die Fälle, die mit einer unkomplizierten Appendizitis in die Klinik gekommen waren, hatten dagegen nach dem 15. März um etwa 46 Prozent und damit deutlich abgenommen. Als Erklärung führen die Autoren mehrere mögliche Gründe an: zum einen die Angst vor Ansteckung, zum anderen den Aufruf, „unnötige“ Vorstellungen in den Klinik-Notaufnahmen zu vermeiden, um die Kapazitäten nicht zu überlasten. Die Autoren fordern, die Ängste der Patienten stärker in den Blick zu nehmen (Am J Surg 2020; online 28. September).

Die Micro-RNA „miR-200c“ könnte ein Ansatzpunkt sein, um Kardiomyozyten vor SARS-CoV-2 zu schützen. Denn die miRNA konnte die ACE2-Aktivität in Zellversuchen mit Herzmuskelzellen von Ratten und menschlichen Kardiomyozyten deutlich herunterregulieren, wie Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) berichten. ACE2 ist ja das Haupteinfallstor für SARS-CoV-2. Weil sich ACE2 auch auf Kardiomyozyten befindet, können die Viren auch das Herz befallen und dort massive Entzündungen auslösen. Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse der Zellkultur-Versuche nun in lebenden Organismen überprüft werden. Sollte die Studie auch im Mausmodell erfolgreich verlaufen, könnte der Einsatz von miR-200c künftig eine wichtige Strategie im Kampf gegen Coronaviren sein – selbst dann, wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, berichtet die MHH (J Mol Cell Cardiol 2020; online 3. September).

Update vom 2. Oktober

Eine Flut publizierter Forschungsarbeiten mit schlechtem Standard zur Corona-Pandemie kritisiert Professor Katrina A. Bramstedt von der „Luxembourg Agency for Research Integrity“. Der auf Forscher ausgeübte Druck, Forschungsdaten schnell zu veröffentlichen, steigere das Risiko für Irrtümer, aber auch für vorsätzliches Fehlverhalten, so die Medizinethikerin. Nach ihren Angaben waren bis 7. Mai bereits 1221 Studien zu dem Thema im internationalen Register „ClinicalTrials.gov“ gelistet, ebenso habe es bis dahin fast 4000 Paper ohne Review-Prozess auf Preprint-Servern gegeben. Bis Ende Juli waren 33 Beiträge zurückgezogen worden (19 Artikel, 14 Preprints). Die Gründe dafür reichten von Datenfälschung, methodischen Fehlern, bedenklichen Daten-Interpretationen bis hin zu Belangen der Privatsphäre von Autoren oder Teilnehmern. Zwei Preprints sowie zwei Forschungsbeiträge in „Lancet“ und „New England Journal of Medicine“ wurden zurückgezogen, weil sich die darin vorgestellten Daten nicht überprüfen ließen. Grobe Fehler und Falschinformationen können Patienten schädigen, betont Bramstedt. Sie empfiehlt, den Einreichungsprozess wissenschaftlicher Arbeiten zu straffen und Autoren verpflichtend in ethischen Belangen der Forschung zu schulen (Journal of Medical Ethics 2020; online 1. Oktober).

Das Risiko für Thromboembolien ist bei Corona deutlich höher als bei anderen Erkrankungen, bestätigen Forscher der Medical University Wien. Sie haben in einer Metaanalyse 66 Studien mit Daten von 28.173 Patienten ausgewertet. Stationär behandelte COVID-19-Patienten hatten demnach ein Risiko von 14 Prozent für eine tiefe Venenthrombose (TVT), das Risiko reichte von 8 Prozent auf normalen Stationen bis 23 Prozent auf Intensivstationen, und zwar trotz rigoroser Prophylaxe in den meisten Studien. Wurden stationäre COVID-19-Patienten systematisch mit Ultraschall gescreent, war sogar jeder zweite von einer TVT betroffen. Patienten auf Intensivstationen hatten zudem ein 10- bis 18-prozentiges Risiko für eine Lungenembolie. Patienten, die im Verlauf von COVID-19 eine TVT oder eine Lungenembolie entwickelten, hatten bei der Klinikaufnahme deutlich erhöhte D-Dimer-Werte gehabt (Research and Practice in Thrombosis an Haemostasis 2020; online 25. September).

Update vom 1. Oktober

Bei gebrechlichen alten Menschen könnte ein Delir ein wichtiger früher Hinweis auf COVID-19 sein, berichten Forscher des King’s College in London. Sie haben Daten von zwei Kohorten mit Corona-positiven Patienten im Alter ab 65 Jahren ausgewertet.  322 Betroffene waren zwischen März und Anfang Mai in der Klinik behandelt worden (stationäre Kohorte). Weitere 535 Patienten wurden über die „Covid Symptom Study App“ ausgewählt (ambulante Kohorte). Ergebnis: Gebrechlichkeit („frailty“) war bei Patienten verbunden mit einer deutlich erhöhten Rate an Delir (verwirrt, orientierungslos, schläfrig). Bei jedem fünften gebrechlichem Klinikpatienten mit COVID-19 war das Delir das einzige Symptom. Und bei jedem dritten gebrechlichen ambulanten Corona-Patienten mit Delir fehlten die typischen Symptome Husten und Fieber. Ärzte sollten wachsam sein, wenn sich der Geisteszustand eines gebrechlichen alten Menschen akut verändert, so die Forscher. Es könnte ein Zeichen von COVID-19 sein (Age and Aging 2020; online 28. September).

HIV-Infizierte haben ein hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe, berichten Ärzte der University of Missouri-Columbia in den USA. In einer multizentrischen Studie mit 286 HIV-Patienten war binnen 30 Tagen nach COVID-19-Diagnose bei 57 Prozent eine stationäre Therapie und bei 16 Prozent eine intensivmedizinische Therapie erforderlich. 9 Prozent der Betroffenen überlebten die Krankheit nicht. Patienten mit antiviraler Therapie und guter Viruskontrolle hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung kein erhöhtes COVID-19-Risiko, dieses war aber bei Patienten mit schlechter Viruskontrolle und Immunschwäche besonders stark erhöht. „Weil manche HIV-Arzneien auch gegen SARS-CoV-2 getestet werden, wähnen sich einige HIV-Patienten auch gegen Corona geschützt“, so die Forscher in einer Mitteilung zu der Studie. Dies sei keineswegs der Fall. Als besonders vulnerable Risikogruppe sollten sie vielmehr prioritär für mögliche Impfprogramme ausgewählt werden (Clin Infect Dis. 2020; online 9. September).

Asymptomatische Corona-Infizierte haben eine ähnlich hohe Viruslast wie leicht symptomatische, bestätigen koreanische Forscher. Sie haben Daten von 183 Infizierten von einem lokalen Ausbruch analysiert. Von diesen waren 39 asymptomatisch geblieben, 144 hatten leichte Symptome bekommen. Ein weiterer Test 12-13 Tage nach Erstdiagnose war bei 21 asymptomatischen und 92 symptomatischen Patienten erneut positiv. Anschließend wurde die Viruslast mit dem Ct-Wert bestimmt. Der Wert entspricht der Zahl der notwendigen PCR-Zyklen („threshold cycle“) bis zur positiven Virusdetektion. Ein niedriger Ct-Wert bedeutet eine hohe Viruskonzentration im Abstrich. Ct-Werte <27 gelten dabei als hohe, von 27-32 als moderate und >32 als niedrige Viruslast. Ergebnis: Bei den erneut Corona-positiven Patienten ergaben sich im Schnitt Ct-Werte zwischen 31 und 33; Unterschiede zwischen symptomatischen und asymptomatischen Infizierten gab es nicht (Thorax 2020; online 22. September). 

Update vom 30. September

Prävention mit Hydroxychloroquin ist wirkungslos, und zwar auch bei hohem Corona-Infektionsrisiko, berichten Forscher von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie haben medizinisches Personal mit regelmäßigem Kontakt zu COVID-19-Patienten in einer randomisierten kontrollierten Studie prophylaktisch mit dem Malariamittel oder Placebo behandelt. Teilnehmer waren 132 Ärzte, Pflege- und Assistenzmitarbeiter, die täglich über acht Wochen 600 mg Hydroxychloroquin oder Placebo einnahmen. Ergebnis: Die Infektionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In der Verumgruppe infizierten sich vier von 64 Probanden (6,3 Prozent) in der Placebogruppe vier von 61 (6,6 Prozent). Unter Hydroxychloroquin gab es zwar keine schweren, aber im Vergleich deutlich mehr leichte unerwünschte Wirkungen. Die acht infizierten Teilnehmer hatten entweder keine oder nur leichte Symptome. Keiner musste stationär behandelt werden (JAMA Intern Med 2020, online 30. September).

Experimenteller Impfstoff offenbar auch bei Älteren wirksam: Der Impfstoff mRNA-1273 (von Moderna) hat sich in einer Phase-1-Studie mit 40 älteren Erwachsenen (56-70 Jahre) als wirksam und sicher gezeigt, berichten Forscher von der Emory University School of Medicine in Atlanta. Alle Probanden wurden zweimal im Abstand von vier Wochen geimpft, und zwar entweder mit 25 oder 100 μg des Wirkstoffs. Sowohl neutralisierende Antikörper als auch eine T-Zell-Antwort wurden dabei induziert, wobei die höhere Dosis bessere Resultate brachte. Es gab keine sicherheitsrelevanten Ereignisse. Die induzierten Antikörpertiter waren bei den älteren Probanden der Studie ähnlich hoch, wie in einer entsprechenden Studie mit dem Impfstoff bei 18- bis 55-Jährigen. Im Median wurden zudem mehr neutralisierende Antikörper induziert, als sich im Plasma von Rekonvaleszenten fanden (NEJM 2020; online 29. September).

Update vom 29. September

Teenager erkranken häufiger als Kinder, bestätigen die US-Centers for Disease Control (CDC). CDC-Forscher haben anhand der 277.285 von März bis September bestätigten Fälle bei Kindern und Jugendlichen in den USA die Inzidenzen in diesen Altersgruppen errechnet. In dieser Zeit waren die meisten Schulen des Landes geschlossen. Nach der Analyse erkrankten Jugendliche fast doppelt so häufig an COVID-19 wie Kinder: Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen gab es 37,4 Fälle pro 100,000, bei den Fünf- bis Elfjährigen 19 pro 100.000. Von den Kindern und Jugendlichen, die stationär behandelt werden mussten, hatten 16 Prozent mindestens eine Grunderkrankung, bei Betroffenen mit Therapie auf der Intensivstation waren es 27 Prozent und bei den Sterbefällen 28 Prozent. 51 Todesfälle wurden registriert (<0,1 Prozent), wobei Kinder und Jugendliche mit lateinamerikanischem oder afrikanischem Migrationshintergrund besonders betroffen waren (MMWR 2020, online 28. September).

COVID-19-Patienten mit Herzstillstand haben eine schlechte Prognose, berichten Forscher vom William Beaumont Hospital in Royal Oak im US-Staat Michigan. Von den 1309 zwischen Mitte März und Anfang April stationär beim Krankenversicherer Beaumont Health behandelten Corona-Patienten hatten 60 (4,6 Prozent) in der Klinik einen Herzstillstand. Die Analyse von 54 der Betroffenen ergab: 52 waren nicht defibrillierbar wegen pulsloser elektrischer Aktivität (82 Prozent) oder Asystolie (15 Prozent). Bei 29 wurde eine Rückkehr des spontanen Kreislaufs (ROSC) erreicht. Trotz Wiederbelebung ergab sich eine Mortalität von 100 Prozent. Zum Vergleich: Vor Corona war die Wiederbelebung nach Herzstillstand in der Klinik bei insgesamt 25 Prozent der Betroffenen erfolgreich gewesen sowie bei elf Prozent der Patienten nicht-defibrillierbaren Rhythmen. Die Forscher geben zu bedenken, dass die meisten der COVID-19 Patienten mit Herzstillstand mechanisch beatmet oder auch mit Nierenersatztherapie oder notfallmäßig mit Vasopressoren behandelt worden waren (JAMA Intern Med 2020; online 28. September).

Update vom 28. September

Bei Schwangeren mit COVID-19 fehlen häufig Fieber oder Myalgie, berichtet ein internationales Team mit Forschern des „WHO Collaborating Centre for Global Women’s Health“. Zudem ist im Vergleich zu betroffenen Nicht-Schwangeren das Risiko für schwere Verläufe erhöht. Die Forscher haben weltweit 77 Studien dazu ausgewertet. Daten von 11.432 stationär behandelten Frauen mit COVID-19 (schwanger oder kürzlich schwanger) standen zur Verfügung. Im Vergleich zu betroffenen Nicht-Schwangeren im reproduktiven Alter hatten sie nur halb so häufig Fieber und Myalgien. Allerdings hatten Schwangere/kürzlich Schwangere ein 62 Prozent höheres Risiko für eine Verlegung auf die Intensivstation und ein 88 Prozent höheres Risiko für eine mechanische Beatmung. 73 der Schwangeren mit COVID-19 sind gestorben (0,1 Prozent). Risikofaktoren für schwere Verläufe waren Komorbiditäten, höheres Alter und hoher BMI. Etwa 6 Prozent der erkrankten Schwangeren hatten eine spontane Frühgeburt, jedes vierte Frühchen musste intensivmedizinisch betreut werden (BMJ 2020; 370: m3320).

Die Blockade der Spike-Proteine von SARS-CoV-2 mit löslichem ACE2 könnte eine wirksame Strategie gegen COVID-19 sein, berichten Forscher des Unternehmens Apeiron Biologics aus Österreich. In einem Fallbericht stellen sie Therapie-Ergebnisse einer mechanisch beatmeten COVID-19-Patientin mit dem experimentellen humanen rekombinanten löslichen ACE2 (hrsACE2) vor. Der Frau waren neun Tage nach Symptombeginn über sieben Tage zweimal täglich das experimentelle Medikament APN01 infundiert worden. In Folge nahm die Konzentration relevanter Entzündungsmediatoren ab. Auch Marker der Virämie und virale Titer in trachealen Proben und nasopharyngealen Abstrichen verringerten sich. Die Immunabwehr und die Bildung neutralisierender Antikörper gegen SARS-CoV-2 wurden nicht behindert (Lancet Respir Med 2020; online 24. September).

Die Evidenz zu Rekonvaleszenten-Plasma reicht noch nicht für eine Zulassung der Therapie bei COVID-19, betont das „COVID-19-Treatment Guidelines Panel“ der National Institutes of Health (NIH) in den USA. Die Behandlung ist zwar im Rahmen einer Notfalltherapie als „möglicherweise wirksam“ von der US-Arzneibehörde FDA autorisiert. Evidenz zur Effektivität stamme jedoch bisher nur aus retrospektiven Analysen, so das Panel. Auch behindere das Notfallprogramm die Rekrutierung von Patienten für randomisierte kontrollierte Studien. Rekonvaleszenten-Plasma war kürzlich von US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Arzneibehörde FDA, Dr. Stephen M. Hahn, fälschlich als hochwirksam bezeichnet worden. Jeder dritte Todesfall durch COVID-19 hätte durch eine solche Plasmatherapie verhindert werden können, hatten beide behauptet. Belege aus Studien dazu wurden bisher aber nicht vorgelegt (Ann Intern Med 2020; online 25. September).

Update vom 25. September

Hochwirksame Antikörper gegen SARS-CoV-2 könnten zur Entwicklung einer passiven Impfung beitragen. Insgesamt analysierte ein Team um Dr. Jakob Kreye vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankung zusammen mit Kollegen der Charité Berlin fast 600 verschiedene Antikörper von COVID-19-Rekonvaleszenten. Drei stellten sich als besonders vielversprechend heraus. Untersuchungen an Hamstern – diese sind ähnlich wie Menschen anfällig für eine Infektion durch SARS-CoV-2 – belegten die hohe Wirksamkeit der ausgewählten Antikörper: Wurden diese nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe präventiv, dann erkrankten die Tiere nicht. Anhand der Antikörper haben die Forscher nun begonnen, eine passive Immunisierung zu entwickeln (Cell 2020; online 23. September).

Männer mit COVID-19, haben ein 62 Prozent höheres Mortalitätsrisiko als erkrankte Frauen, und zwar in allen Altersgruppen. Unterschiede im Bezug auf Komorbiditäten, BMI oder Alter können das höhere Risiko dabei nicht völlig erklären, wie Wissenschaftler um Dr. Frank Hanses vom Uniklinikum Regensburg bei der ESCMID Conference on Coronavirus Disease berichteten. Vielmehr hatten die Männer in der Studie signifikant höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern (IL-6, CRP, PCT, Ferritin) im Blut. Die höhere Mortalität könnte somit auf eine grundsätzlich stärkere Inflammation bei Männern im Vergleich zu Frauen zurückzuführen sein. Die Forscher haben Daten von 3129 COVID-19-Patienten untersucht, die am Uniklinikum Regensburg zwischen März und Juli behandelt worden waren (Mitteilung der ESCMID, online 23. September).

Fünf verschiedene Antikörpertests haben Forscher bezüglich Spezifität und Sensitivität miteinander verglichen: Den SARS-CoV-2 IgG assay von Abbott, den Liaison® SARS-CoV-2 S1/S2 IgG assay vom italienischen Unternehmen DiaSorin, den Elecsys® Anti-SARS-CoV-2 assay von Roche Diagnostics, den SARS-CoV-2 Total assay von Siemens Healthineers und einen 384-well ELISA immunoassay, der an der Universität Oxford entwickelt wurde. Am besten schnitten die Tests von Siemens (Sensitivität 98,1 Prozent und Spezifität 99,9 Prozent) und der Universität Oxford (Sensitivität 99,1 Prozent und Spezifität 99,0 Prozent) ab. Überprüft wurde die Spezifität und Sensitivität der Antikörpertests anhand von 976 Prä-Corona-Blutproben und 536 Blutproben von PCR-bestätigen SARS-CoV-2-Positiven (diese wurden mindestens 20 Tage nach positivem PCR-Test entnommen). Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Mit Blutproben von SARS-CoV-2-Positiven, die frühestens 30 Tage nach positivem PCR-Ergebnis entnommen worden waren, lieferten die Tests genauere Ergebnisse (Lancet Inf Dis, online 23. September).

Alopecia areata als Spätfolge von COVID-19? Einem Bericht der „New York Times“ zufolge melden US-Dermatologen eine hohe Zahl von Patienten, die von plötzlichem Haarausfall berichten. Nicht alle waren zuvor an COVID-19 erkrankt, der Haarausfall könnte also auch eine Folge des durch die Pandemie bei vielen Menschen entstandenen Stresses sein. Allerdings berichteten im Vergleich doch relativ viele COVID-19-Patienten von Haarausfall und sogar Alopecia areata: In einer Erhebung zu den Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung, von der die NYT berichtet, gaben 423 von 1567 Patienten ein solches Symptom an. Experten vermuten, dass dahinter der bei einigen COVID-19-Patienten auftretende Zytokinsturm stecken könnte. Bei diesem würden immunmodulierende Moleküle freigesetzt, die eine Alopecia areata begünstigen könnten (Bericht der NYT, online 24. September).

Update vom 24. September

40 Prozent der SARS-CoV-2-infizierten Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind asymptomatisch. Das erhöht das Risiko für unbemerkte Transmissionen, hat eine Metaanalyse von 97 Studien mit insgesamt 230.000 Mitarbeitern des Gesundheitswesens (unter anderem Krankenschwestern und Ärzte) in 24 Ländern ergeben. Die Metaanalyse wurde beim diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ESCMID) vorgestellt. Ein signifikanter Teil der Gesundheitsbediensteten sei in Kontakt mit SARS-CoV-2 gekommen, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft zur Studie. Das bringe ein Risiko für deren Patienten mit sich und unterstreiche die Notwendigkeit, alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen auf SARS-CoV-2 zu testen und nicht nur diejenigen mit Symptomen.

Hospitalisierte COVID-19-Patienten haben oft erhöhte Werte des löslichen Urokinase-Plasminogen-Aktivator-Rezeptors (suPAR) – ein pathogenes Protein und frühes Warnzeichen von Nierenschäden, berichten Forscher der Universität Michigan. Erhöhte Werte des Proteins seien von anderen Virus-Erkrankungen bekannt. Haben Patienten solche erhöhten suPAR-Werte, sei es umso wichtiger, auf potenzielle Nierenschäden zu achten. Für die Studie haben die Wissenschaftler bei 352 hospitalisierten COVID-19-Patienten die suPAR-Spiegel bei Klinikaufnahme gemessen. Ein Viertel dieser Patienten entwickelte akute Nierenschäden während des Klinikaufenthaltes, der mediane gemessene suPAR-Wert dieser Patienten sei um mehr als 60 Prozent höher gewesen (>6,86 ng/ml) als bei den übrigen COVID-19-Patienten (<4,60 ng/ml). Die Patienten mit den höchsten suPAR-Werten waren 20-mal häufiger Dialyse-pflichtig als Patienten mit niedrigeren suPAR-Werten (J Am Soc Nephrol 2020; online 22. September).


Update vom 23. September

Sechs bis acht Wochen nach ihrer Geburt geht es Kindern von SARS-CoV-2-positiven Müttern meist gut. Das berichten Forscher aus San Francisco. In der Studie PRIORITY hat das Team Daten von 263 Kindern ausgewertet. Die Mütter von 179 Kindern waren positiv getestet worden, zumeist im dritten Trimenon, zum Teil erst nach der Geburt. Ein positiver SARS-CoV-2-Status der Mutter war in der Studie im Vergleich mit negativen Müttern nicht mit einem zu geringem Geburtsgewicht, Atemproblemen, Apnoe oder Atemwegsinfektionen bei den Kindern assoziiert. Zuvor hatten Studien auf erhöhte Risiken für Frühgeburten bei SARS-CoV-2-positiven Schwangeren gedeutet. Auch eine mögliche Übertragung von SARS-CoV-2 von auf das Kind haben die Wissenschaftler untersucht – bei 2 der 179 Kinder (1,1 Prozent) war dies der Fall. Beide Kinder waren Frühgeburten, bei einem Kind wurden unter anderem eine milde Lymphozytose und eine Anämie festgestellt, die bekanntlich bei Frühgeburten generell auftreten können, so die Forscher. Keines der Kinder musste im Follow-up der Studie erneut hospitalisiert werden (Clin Inf Dis; online 18. September ahead of print).

In Kliniken ist die Umgebung von COVID-19-Patienten oft mit SARS-CoV-2-RNA kontaminiert, und zwar vor allem die Badezimmer und Toiletten der Patienten. Diese müssten daher besonders gut desinfiziert werden, erläutern Forscher der University Hosptial Centre Nantes bei der ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID). So sei die RNA-Konzentration im Toilettenbereich zehnmal höher gewesen als im Patientenzimmer selbst. Auch in der direkten Umgebung des Patienten war die Luft häufig (27,5 Prozent aller Proben, 68 von 247) mit SARS-CoV-2-RNA kontaminiert, im Abstand von einem Meter zum Patienten dann aber deutlich seltener (1,5 Prozent aller Proben, 1 von 67). Die RNA-Partikel selbst scheinen allerdings nicht besonders infektiös zu sein – im Labor habe es kaum Anzeichen dafür gegeben, dass die Partikel Zellen infizieren und sich in ihnen vermehren können. Die Forscher haben in ihrer Metaanalyse 17 Publikationen analysiert (Mitteilung der ESCID; online 22. September).


Update vom 22. September

Anhaltende Fatigue als Folge von COVID-19 könnte weit verbreitet sein. Einer kleinen Studie zufolge ist anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung eine recht häufige Folge einer durchgemachten COVID-19-Erkrankung. Frauen seien dabei häufiger betroffen als Männer, berichten Forscher um Dr. Liam Townsend vom Trinity College in Dublin. Von 128 Studienteilnehmern fühlten sich demnach etwas mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) nach der Genesung noch für Wochen angeschlagen. Ein Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung war nicht erkennbar, wie das Team im Vorfeld der virtuell stattfindenden ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID) mitteilte. Die Teilnehmer, darunter Patienten, die stationär behandelt, beatmet oder intensiv versorgt werden mussten, waren im Mittel zehn Wochen nach der Genesung in die Analyse einbezogen worden. 67 Prozent aller Teilnehmer mit Ermüdungssyndrom waren weiblich. Häufiger betroffen waren zudem Menschen, bei denen früher Angstzustände oder Depressionen diagnostiziert worden waren: Von 61 Teilnehmern ohne andauernde Abgeschlagenheit hatte nur eine Person bereits eine solche psychische Störung. Von 67 Personen mit anhaltender Fatigue litten dagegen neun Teilnehmer bereits vor der COVID-19-Erkrankung an Angstzuständen oder Depressionen. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 50 Jahre alt. Zusammenhänge etwa mit Entzündungswerten im Blut schlossen die Experten aus. Sie plädieren nun dafür, das Phänomen genauer zu untersuchen. Ihre Ergebnisse wollen die Wissenschaftler beim ECCVID präsentieren, der vom 23. bis 25. September stattfindet (Abstract online 18. September, per Download). 

Die genetische Diversität von SARS-CoV-2 ist offenbar so gering, dass die Wirksamkeit künftiger Impfstoffe dadurch vermutlich nicht negativ beeinflusst wird. Das berichten Forscher des National Cancer Institute in Frederick, die beinahe 28.000 SARS-CoV-2-Gensequenzen aus 84 Ländern analysiert haben. Die genetische Vielfalt der Gensequenzen, vor allem die des Spike-Proteins und der Oberflächen-Glykoproteine, war relativ gering. Die genetischen Unterschiede basierten dabei hauptsächlich auf dem Mechanismus des „Genetic Drift“ und nicht auf dem des „Genetic Shift“. Letzterer ist besonders von Influenzaviren bekannt und als Pandemietreiber gefürchtet (PNAS, online 21. September).

Update vom 21. September

Neues zu Tocilizumab und COVID-19: Patienten mit COVID-19-assoziierter Pneumonie profitierten in der Phase III-Studie EMPACTA von einer Therapie mit Tocilizumab plus Standard-Therapie, teilt der Hersteller Roche mit. Bei diesen Patienten entwickelte sich der Verlauf der Erkrankung offenbar bei einer solchen Therapie zu 44 Prozent seltener bis zu einem Stadium, in dem eine mechanische Beatmung notwendig wurde oder der Patient starb. Mit Tocilizumab plus Standard-Therapie waren 12,2 Prozent der Patienten am 28. Tag in diesem Stadium, mit Standard-Therapie 19,3 Prozent, heißt es in der Mitteilung. Damit habe die Studie ihren primären Endpunkt erreicht, die Studiendaten sind allerdings noch nicht publiziert worden. Bei den sekundären Endpunkten (Zeit bis zur Klinikentlassung, Zeit bis zur Besserung des klinischen Status, Unterschied in der Mortalitätsrate) habe es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen gegeben. Zuvor hatte Tocilizumab in der Phase III-Studie COVACTA den primären Endpunkt nicht erreicht, der klinische Status der Verum-Patienten hatte sich nicht signifikant von Placebo unterschieden (wir berichteten in den COVID-19-Splitterm im Update vom 29. Juli).

Praktische Erkenntnisse zur Versorgung von Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf aus den vergangenen Monaten haben niederländische Mediziner in einem Editorial zusammengefasst. Die Ärzte erinnern unter anderem daran, dass Patienten mit schwerem Verlauf lungenschonend mechanisch beatmet werden sollten. So sollten zum Beispiel das Hubvolumen (vier bis acht cm3 pro Kg korrigiertem Körpergewicht) und der Plateau-Druck (30cm H2O oder weniger) niedrig gehalten werden. Sedativa und Analgetika sollten zurückhaltend nach Bedarf des Patienten eingesetzt werden. Neuromuskuläre Blocker können benutzt werden, ihr Einsatz sollte aber kurz bleiben, fassen die Autoren um Dr. Lieuwe Bos zusammen. Weiter sollte eine Bauchlagerung unbedingt für Patienten erwogen werden, deren Sauerstoffsättigung im Blut sehr niedrig ist. Kontraindikationen hierfür sind zum Beispiel Schwangerschaft oder Bauchverletzungen. Mittlerweile unterstützten Studiendaten auch eine Bauchlagerung über eine längere Zeit hinaus. Persistieren die Schwierigkeiten im Gasaustausch beim Patienten, sollte eine Beatmung per veno-venöser ECMO erwogen werden (JAMA Intern Med 2020; online 18. September).

Update vom 18. September

Auch bei Ärzten und Pflegepersonal gehen die Antikörpertiter gegen das Coronavirus schnell zurück, berichten Experten von den US-Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta. Die Forscher haben in einer Studie am Vanderbilt University Medical Center 249 medizinisch Beschäftigte mehrfach mit einem ELISA auf Antikörper getestet. Bei den ersten Tests Anfang April waren 19 der Mitarbeiter seropositiv. Nach 60 Tagen waren 11 davon wieder seronegativ. Die Rate der Seropositiven ging somit insgesamt von initial 7,6 Prozent auf 3,2 Prozent zurück. Die meisten initial positiv Getesteten waren asymptomatisch: Konkret waren das sechs der acht Teilnehmer, die seropositiv blieben, sowie fünf der elf Teilnehmer, die seronegativ wurden. Wegen des erhöhten Infektionsrisikos sind schwindende Antikörpertiter gegen SARS-CoV-2 bei medizinischem Personal ein besonders wichtiger Befund, so die Forscher. Auch unterschätze man offenbar mit Seroprävalenzstudien das Infektionsgeschehen in Bevölkerungsgruppen (JAMA. 2020; online 17. September).

US-Forscher arbeiten an einem Schnelltest auf Basis von CRISPR. Damit sollen sich Patienten mit Covid-19 präzise erkennen lassen, und zwar binnen einer Stunde mit ähnlicher Sicherheit wie mit der Standard-PCR-Diagnostik. Sowohl Tests am Patientenbett als auch zu Hause sollen damit möglich werden. Das Team unter anderem vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichtet jetzt über Fortschritte. Für den Test „STOPCovid“ wurden sogenannte winzige magnetische Perlen entwickelt, die Virus-RNA aus der in Suspension gelösten Abstrichprobe anziehen. Hierdurch erspare man sich teure und aufwendige Reinigungsschritte, so die Forscher in einer Mitteilung des MIT. In einer Studie mit 402 Patientenproben (202 positiv, 200 negativ) wurden mit „STOPCovid“ 93 Prozent der positiven Proben richtig erkannt. Weitere Untersuchungen sollen jetzt klären, ob der Test auch für Proben aus Nasenabstrichen und Speichel geeignet ist (NEJM 2020; online 16. September).


Update vom 17. September

Brillen könnten einen gewissen Schutz vor COVID-19 bieten, vermuten Ärzte vom Suizhou Zengdu Hospital in China. Unter ihren Corona-Patienten waren nämlich deutlich weniger Brillenträger als in der Normalbevölkerung. So trugen von den 276 COVID-19-Patienten, die von Ende Januar bis Mitte März in der Klinik behandelt worden waren, 5,8 Prozent regelmäßig eine Brille (über 8 Stunden täglich). Nach Daten aus einer anderen Studie sind aber in der chinesischen Provinz Hubei 31,5 Prozent der Bevölkerung Brillenträger (JAMA Ophthalmol. 2020; online 16. September). Die Assoziation ist allerdings kein Beleg dafür, dass Brillen, „Goggles“ oder Visiere Viren vom Eindringen in den Körper wirksam abhalten, heißt es in einem Kommentar zur Studie. Erst wenn weitere Untersuchungen den möglichen Schutz solcher physikalischen Barrieren bestätigen würden, wäre eine breite Empfehlung gerechtfertigt.

Je höher die Viruslast bei COVID-19, desto höher ist das Sterberisiko, berichten Forscher des Weill Cornell Medical Center im US-Staat New York. In einer Analyse von 100 Betroffenen mit Krebs sowie 2914 Betroffenen ohne Krebs stieg die Mortalität mit dem Ausmaß der Viruslast in Nasenabstrichen bei Klinikeinweisung. Die Viruslast wurde dabei mit dem Ct-Wert beschrieben. Der Wert entspricht der Zahl der notwendigen PCR-Zyklen („threshold cycle“) bis zur positiven Virusdetektion. Ein niedriger Ct-Wert bedeutet also eine hohe Viruskonzentration im Abstrich. CT-Werte <27 gelten dabei als hohe, von 27-32 als moderate und >32 als niedrige Viruslast. Bei den Nicht-Krebspatienten war eine hohe Viruslast mit einer Krankenhaussterberate von 39 Prozent assoziiert, bei moderater waren es 24 und bei niedriger 15 Prozent. Bei den Krebskranken war die Sterberate meist höher: 45 Prozent bei hoher, 28 bei moderater und 12 Prozent bei niedriger Viruskonzentration. Mit solchen Werten ließen sich von vorneherein Hochrisikopatienten erkennen, so die Forscher (Cancer Cell 2020; online 15 September, Journal Pre-proof).

Update vom 15. September

Rekonvaleszenten-Plasma reduziert offenbar das Sterberisiko und die Notwendigkeit für mechanische Beatmung bei schweren COVID-19-Verläufen, ergab eine US-Fall-Kontrollstudie. Dazu waren retrospektiv Daten von 39 mit Plasma behandelten Betroffenen im Mount Sinai Hospital in New York City ausgewertet worden. Die Patienten hatten zwischen dem 24. März und 8. April das Plasma bekommen, zwei Drittel der im Schnitt 55 Jahre alten Patenten waren Männer. Außer Adipositas hatten sie keine risikosteigernden Grunderkrankungen. Ihre Krankheitsverläufe wurden mit Verläufen von „gematchten“ ähnlich kranken Kontrollpatienten ohne Plasmatherapie verglichen. Von den behandelten Patienten waren am Tag der Plasma-Transfusion 87 Prozent nicht-invasiv mit Sauerstoff behandelt worden, zehn Prozent wurden mechanisch beatmet. An Tag 14 nach Transfusion brauchten 18 Prozent der Behandlungsgruppe mehr Sauerstoff als zu Studienbeginn, in der Kontrollgruppe waren es 28 Prozent. Zum Studienende am 1. Mai waren 13 Prozent der Patienten in der Behandlungsgruppe und 24 Prozent in der Kontrollgruppe gestorben (Nat Med 2020; online 15. September).

Obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS) könnte ein unabhängiger Risikofaktor für schwere bis tödliche COVID-19-Verläufe sein, vermuten Ärzte von der University of Warwick im UK. Sie haben für einen Review-Artikel 18 Studien zu OSAS und COVID-19 analysiert und Hinweise darauf gefunden, dass viele Corona-Patienten mit OSAS auf Intensivstationen behandelt werden müssen. In einer der Studien hatten zum Beispiel Diabetiker mit OSAS im Vergleich zu Diabetikern ohne OSAS ein 2,8-fach erhöhtes Sterberisiko am siebten Tag nach Klinikeinweisung. Die Ärzte weisen darauf hin, dass viele OSAS-Patienten auch an Adipositas, Hypertonie oder Diabetes leiden. Dies Komorbiditäten erhöhen ebenfalls das Risiko für schwere COVID-19. Die Infektion erhöhe wahrscheinlich oxidativen Stress und Inflammation und habe Effekte auf den Bradykinin-Signalweg, was sich alles auch auf OSAS auswirkt. Wegen der hohen Dunkelziffer von OSAS sei es aber unmöglich den Einfluss des Schlafapnoesyndroms auf COVID-19 genauer zu beziffern (Sleep Med Rev 2020; online 8. September).

Immunsuppression bei Haut- oder Rheuma-Erkrankungen steigert Risiken für COVID-19 nicht, berichten US-Dermatologen vom Henry Ford Health System (HFHS) in Detroit. Die Ärzte haben retrospektiv Daten von 213 Patienten mit solchen Erkrankungen wie Psoriasis oder Rheumatoider Arthritis (RA) unter immunsuppressiver Medikation (DMARD) analysiert, berichtet das HFHS in einer Mitteilung. Alle waren zwischen Februar und Mitte April wegen COVID-19-Verdachts getestet worden, bei 36 Prozent war das Ergebnis positiv. Die meisten davon hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit stationärer Therapie und mechanischer Beatmung. Es gab keinen Hinweis, dass ein einzelnes Immunsuppressivum das Risiko für eine Infektion oder für einen schweren COVID-19-Verlauf erhöhte. Bei Therapie mit TNFα-Hemmer war dieses Risiko sogar reduziert. Patienten sollten ihre verordneten Immunsuppressiva während der Pandemie weiter nehmen, so die Ärzte. (J Am Acad Dermatol 2020; online 28. Juli).

Update vom 14. September

Die Zahl von (asymptomatischen) SARS-CoV-2-Infektionen im UK steigt wieder exponentiell, berichten Forscher des Imperial College in London. Seit Mai haben sie 594.000 Abstriche in repräsentativen Bevölkerungsgruppen analysiert, und zwar aus vier Zeitabschnitten. Die ersten beiden Runden deuteten dabei auf einen Rückgang der Infektionen. Seit den Runden drei (24.7.-11.8.) und vier (22.8.-7.9.) gibt es wieder Hinweise auf einen Zuwachs. Vor allem in Runde vier wurde ein exponentieller Anstieg der Infektionen gesehen (Verdopplung alle 7,7 Tage, R-Wert von 1,7). Ingesamt 72 Prozent der Betroffenen hatten sowohl beim Abstrich als auch in der Woche davor keine Symptome. Die Forscher mahnen Gegenmaßnahmen in dieser frühen Phase des starken Wiederanwachsens an. Die Analyse der Studiendaten ist bisher vorläufig. Die Studie wurde noch nicht von Experten begutachtet. Die Daten sind auf der Website der Hochschule publiziert (www.imperial.ac.uk).

Protektive Immunität gegen SARS-CoV-2 könnte nur von kurzer Dauer sein, vermuten Forscher des University Medical Centers in Amsterdam, und zwar nach durchgemachter Infektion oder nach Impfung. Sie haben Daten zur Antikörper-Prävalenz von vier mit dem Pandemievirus verwandten Erkältungs-Coronaviren ausgewertet, und zwar in 513 Serumproben von zehn gesunden Erwachsenen aus den vergangenen 35 Jahren. Jede Zunahme der Antikörper gegen eines der Viren nach initialer Infektion wurde als Reinfektion gewertet. Insgesamt ergaben sich drei bis 17 Coronavirus-Infektionen pro Proband, die Zeit von Infektion bis zur Reinfektion betrug dabei sechs bis 105 Monate. Reinfektionen wurden häufig zwölf Monate nach der initialen Infektion beobachtet. Am seltensten waren Infektionen zwischen Juni und September. Reinfektionsraten waren bei allen vier untersuchten Virustypen ähnlich, was für eine mögliche Übertragbarkeit der Resultate auf SARS-CoV-2 sprechen würde, so die Forscher (Nature Medicine 2020; online 14. September).

Update vom 11. September

Sind Pflegeheim-Mitarbeiter in den USA in Gewerkschaften organisiert, sterben deutlich weniger Bewohner an COVID-19, verglichen mit Einrichtungen ohne Gewerkschaftsvertretung, berichten Public-Health-Experten. Der Sachverhalt ist von großer Bedeutung: Mehr als 40 Prozent der COVID-19-Toten in den USA sind bisher in Pflegeheimen gestorben. In der aktuellen Analyse wurden 355 Pflegeheime im US-Staat New York unter die Lupe genommen. In den 246 Pflegeheimen mit Gewerkschaftsvertretung starben dabei während der Pandemie bis Ende Mai im Schnitt 3,72 Prozent der Bewohner an COVID-19 in den 109 Einrichtungen ohne Vertretung 5,53 Prozent. Bereinigt nach Störfaktoren ergab sich ein Unterschied von relativen 30 Prozent. Der mögliche Grund: Gewerkschaftsmitglieder hatten einen besseren Zugang zu Schutzausrüstung: Der Zugang zu N95-Masken war bei ihnen um relative 14 Prozent besser, der Zugang zu Faceshields um relative sieben Prozent. (Health Aff 2020; online 10. September).

Ein Prozent aller stationären COVID-19-Patienten entwickelt einen Pneumothorax, bestätigen Ärzte aus Cambridge. „Bei der Behandlung von COVID-19-Erkrankten lohnt es sich, die Möglichkeit einer punktierten Lunge in Betracht zu ziehen. Auch bei Patienten, die nicht typischerweise als Risikopatienten dafür angesehen werden“, erinnert Studienleiter Professor Stefan Marciniak vom Cambridge Institute of Medical Research in einer Mitteilung der Universität Cambridge zur Studie. Denn: „Viele dieser Fälle von Pneumothorax haben wir durch Zufall entdeckt.“ Die Forscher aus Cambridge hatten Daten von 6574 stationär aufgenommenen COVID-19-Erkrankten an 16 Kliniken im Vereinigten Königreich ausgewertet und 60 Fälle eines Pneumothorax identifiziert (Eur Respir J 2020; online 9. September).

Update vom 10. September

Das Risiko nosokomialer Infektionen mit SARS-CoV-2 ist offenbar gering und mit strengen Hygieneregeln wohl gut zu kontrollieren. Das hat eine Studie von Ärzten der Harvard Medical School in Boston bestätigt. Für die Kohortenstudie hatten sich die Forscher Daten von 9149 Patienten angesehen, die über einen Zeitraum von 12 Wochen im „Brigham and Women’s Hospital“ in Boston stationär aufgenommen worden waren. Dabei waren 697 dieser Patienten mit SARS-CoV-2 infiziert, von denen bei zwölf erst am dritten Tag des Klinikaufenthaltes oder später eine Infektion nachgewiesen werden konnte. Von diesen Infektionen wurde eine als „im Krankenhaus erworben“ klassifiziert, der Patient hatte sich durch den Besuch eines präsymptomatischen Ehepartners infiziert, bevor die Besuchsregeln verschärft wurden. Von den 8370 Patienten, die nicht aufgrund von COVID-19 aufgenommen worden waren, wurde bei elf Personen innerhalb von 14 Tagen nach Klinikentlassung eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Von diesen elf Personen wurde eine Infektion als „wahrscheinlich im Krankenhaus erworben“ ohne bekannte Exposition klassifiziert (JAMA Netw Open 2020; online 9. September).

Einen Risiko-Score für Patienten mit COVID-19 haben Forscher aus dem Vereinigten Königreich entwickelt. Mit diesem lassen sich Patienten bei Klinikvorstellung in eine von vier Risikogruppen einteilen, deren Mortalitätsrisiko vorhersagen und Therapieratschläge ableiten. Für die prospektive Beobachtungskohortenstudie hatten die Forscher Daten von knapp 50.000 Patienten zwischen Februar und Juni 2020 ausgewertet. Der primäre Studienendpunkt war die Krankenhaussterblichkeit. Für die Gruppeneinteilung und die Vorhersage des Mortalitätsrisikos zieht der „4C Mortality Score“ unter anderem Alter, Geschlecht, Zahl der vorbestehenden Komorbiditäten, Atemfrequenz bei Aufnahme sowie die Ergebnisse zweier Bluttests in Betracht. Dabei beträgt das Mortalitätsrisiko in der niedrigsten Gruppe den Forschern zufolge ein Prozent, das in der höchsten 62 Prozent. Für die erste Gruppe sei eine Behandlung zu Hause möglich, die vierte Gruppe profitiere von einer aggressiven Therapie mit antiviralen Medikamenten und einer frühen Aufnahme auf der Intensivstation, schreiben die Autoren (BMJ 2020; online 9. September).

Update vom 9. September

Eine COVID-19 führt bei Kindern offenbar nicht zu mehr Krankenhauseinweisungen als eine Grippe. Das berichten Ärzte aus Washington D.C. In deren retrospektiver Kohortenstudie gab es bei 315 Kindern mit COVID-19 und 1402 Kindern mit einer Grippe durch eine Influenza-A oder -B-Infektion keine statistisch signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Hospitalisierungsrate (17 Prozent mit COVID-19, 21 Prozent mit Influenza). Auch die Rate der Kinder, die auf der Intensivstation betreut werden mussten, unterschied sich ebenso wenig signifikant (sechs beziehungsweise sieben Prozent) wie die Rate der Kinder, die mechanisch beatmet werden mussten oder nicht (drei beziehungsweise zwei Prozent). Einen Unterschied zwischen beiden Erkrankungen gab es freilich beim klinischen Bild: Kinder mit einer COVID-19 hatten zum Diagnosezeitpunkt häufiger Fieber, Diarrhö oder Erbrechen, sowie Schmerzen in Kopf, Körper oder Brust als Kinder mit einer Grippe (JAMA Netw Open 2020; online 8. September).


Update vom 8. September

COVID-19 kann offenbar Insulinmangel-Diabetes verursachen, vermuten Forscher vom Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Sie berichten von einem 19-Jährigen mit neuentwickeltem schweren Diabetes in dem Klinikum. Bei dem Patienten habe jedoch die für die Manifestation von Typ-1-Diabetes typische Autoimmunreaktion mit Entwicklung spezifischer Autoantikörper gefehlt. „Es zeigte sich, dass er ein paar Wochen vorher offenbar eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht hatte“, so das UKSH in einer Mitteilung. Die Forscher gehen davon aus, dass SARS-CoV-2 hier selbst die Betazellen im Pankreas angegriffen hat. Das passe auch dazu, dass auf den Betazellen der entscheidende ACE2-Rezeptor sitzt. An diesen bindet das SARS-CoV-2-Virus bekanntlich spezifisch. Der Rezeptor dient dem Virus auch bei anderen Körperzellen als Eintrittspforte (Nat Metab 2020; online 2. September).

Wie häufig ist der Zytokin-Sturm bei COVID-19? Der ist für schwere Verläufe offenbar nicht immer charakteristisch. Ob Erkrankte mit schwerem Verlauf von einer spezifischen Anti-Zytokin-Therapie profitierten, konnte in einer kleinen niederländischen Studie nicht bestimmt werden. Die Forscher haben das Vorkommen von TNF-, IL-6 und IL-8 bei 46 konsekutiven Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf und bei Patienten mit anderen Erkrankungen gemessen. Die Zytokin-Spiegel waren signifikant niedriger bei COVID-19-Patienten als bei Patienten mit akuten Lungenerkrankungen und septischem Schock. Die Spiegel entsprachen eher Patienten auf der Intensivstation mit Trauma oder Herzstillstand (JAMA 2020; online 3. September).

Update vom 7. September

SARS-CoV-2 befällt offenbar die Zellkörper von Nervenzellen der Hirnrinde, nicht aber neuronale Stammzellen, wie es beim Zika-Virus der Fall ist. Das haben Wissenschaftler der Universität Düsseldorf herausgefunden. Außerdem beeinflusst das Virus Vorkommen und Struktur des TAU-Proteins, das ja für die Stabilisierung von Nervenzellen verantwortlich ist (EMBO J 2020; online 2. September).

Seltene Spätfolge von SARS-CoV-2 bei Kindern kann eine gefährliche extreme systemische Inflammation sein, berichten US-Forscher vom „Children’s Hospital“ in Houston. Sie haben 39 Fallberichte und -serien sowie Fallkontroll- und Beobachtungsstudien mit weltweit 662 Kindern mit dem „multisystemische inflammatorische Syndrom nach COVID-19“ (MIS-C) ausgewertet. Typisch dafür sind Fieber, starke abdominale Schmerzen (bis zu Appendizitis-Verdacht), Durchfall und Erbrechen. Entzündungsmarker sowie koagulative und kardiale Marker sind deutlich abnormal. Insgesamt jedes vierte Kind wurde mechanisch beatmet oder mit ECMO versorgt, 71 Prozent mussten auf die Intensivstation. 54 Prozent der Kinder hatten ein abnormales Echokardiogramm, bei insgesamt 45 Prozent wurde eine eingeschränkte Ejektionsfraktion registriert. Die meisten Kinder sprachen auf intravenöses Immunglobulin G (IVIG) und Kortikosteroide sowie Immunmodulatoren an. Mögliche Spätfolgen sind unbekannt (eClin Med 2020; online 4. September).

Lungenschäden nach COVID-19 bessern sich bei vielen Patienten mit der Zeit, berichten österreichische Forscher beim Kongress der European Respiratory Society. Die Wissenschaftler aus Innsbruck hatten 86 konsekutive COVID-19-Patienten sechs und zwölf Wochen nach Klinikentlassung untersucht. Die Lungenfunktion besserte sich zwischen Woche sechs und zwölf: So hatten zum Beispiel in der sechsten Woche 23 Prozent der Patienten beim FEV1-Test einen Wert von unter 80 Prozent im Vergleich mit einem Normalwert. In der zwölften Woche waren es 21 Prozent. Lungenschäden im CT in Folge der Entzündung oder von Flüssigkeit in der Lunge gab es in der sechsten Woche bei 88 Prozent und in der zwölften Woche bei 56 Prozent der Patienten. Die praktische Konsequenz: Wichtig seien strukturierte Follow-up-Termine mit den Patienten, um die Rehabilitation zu unterstützen, betont Dr. Sabina Sahanic aus dem Innsbrucker Forscherteam (ERS 2020; Abstract #4143).

Update vom 4. September

Wegen Angst und Depressionen infolge der Corona-Pandemie verzögern viele Menschen in den USA ihre medizinische Versorgung. Das ergab eine Umfrage unter 73.000 Erwachsenen aus dem vergangenen Juni. Insgesamt waren psychische Belastungen weit verbreitet: 65 Prozent der Befragten gaben an, nervös, ängstlich oder genervt zu sein, 56 Prozent berichteten von dauerhaftem Grübeln, 53 Prozent waren antriebs- und freudlos und 52 Prozent fühlten sich depressiv und hoffnungslos. 41 Prozent der Teilnehmer gaben zudem an, in den vorausgegangenen vier Wochen Arzttermine herausgeschoben oder auch Therapien verzögert zu haben, dabei betrafen 30 Prozent Symptome oder Erkrankungen, die nichts mit dem Coronavirus zu tun hatten. „Patienten müssen besser über Risiken und Nutzen der medizinischen Versorgung während der Pandemie aufgeklärt werden“, betonen die Studienautoren. Gefordert wird auch ein besserer Zugang zu Telemedizin (J General Intern Med 2020; online 1. September).

Kinder können simultan Virus- und Antikörperträger sein: Damit unterscheidet sich die SARS-CoV-2-Infektion von anderen viralen Infektionen, berichten Forscher vom Children’s National Hospital in Washington. Die Forscher haben retrospektiv Daten aus ihrer Klinik von 6369 SARS-CoV-2-positiv getesteten Kindern und Jugendlichen analysiert, dabei lag bei 215 auch ein Antikörpertest vor. Von den zwischen Mitte März und Mitte Juni getesteten Kindern waren 33 während ihrer Erkrankung sowohl Antikörper- als auch Virus-positiv. Bei neun davon wurden zunächst Antikörper und erst später die Viren nachgewiesen. Insgesamt galt: Je jünger die Kinder waren, desto länger dauerte die Zeit bis zur Virusfreiheit. Bei 6- bis 15-jährigen verstrichen im Median 32 Tage ab dem positiven Test, bei 16- bis 22-Jährigen 18 Tage. 6- bis 15-jährige Mädchen brauchten zudem deutlich länger, bis sie virusfrei waren, als die Jungen (Median 44 vs 25,5 Tage). Fazit: Symptomfreiheit oder Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind kein Zeichen dafür, dass Kinder nicht mehr infektiös sind, so die Studienautoren (J Ped 2020; online 3. September).

Update vom 3. September

Hydrokortison wirkt offenbar ähnlich günstig wie Dexamethason bei schwerer COVID-19-Pneumonie, berichtet die REMAP-CAP-Studiengruppe. Zu der Gruppe gehören Ärzte von über 250 Intensivstationen weltweit. Die Forscher hatten zwischen März und Juni 384 Betroffene mit respiratorischer oder kardiovaskulärer Organunterstützung entweder nur mit Standardtherapie oder zusätzlich mit Hydrokortison i.v. behandelt. Nach Publikation der günstigen Daten zu Dexamethason in der britischen RECOVERY-Studie (die Sterberate wurde um ein Drittel gesenkt) wurde die Hydrokortison-Studie abgebrochen. Die Ergebnisse zu Hydrokortison sind daher statistisch nicht signifikant. Aber: Im Vergleich mit der Kontrollgruppe „verbesserte Hydrokortison i.v. die Überlebensrate und minderte die Schwere des Organversagens mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit“, berichtet Professor Mathias Pletz vom Uniklinikum Jena in einer Mitteilung seiner Klinik. „Die Ergebnisse stimmen mit den Daten der RECOVERY-Studie überein“, betont der Infektiologe und Leiter der Studie für Deutschland. Und: „Das Ergebnis ist auch hinsichtlich der sich weltweit abzeichnenden Verknappung von Dexamethason eine wichtige Botschaft.“ (JAMA 2020; online 2. September).

Depressions-Symptome nehmen in der US-Bevölkerung stark zu, berichten Forscher unter anderen von der Boston University School of Public Health. Sie haben Daten der „COVID-19 and Life Stressors Impact on Mental Health and Well-being“-Studie vom April ausgewertet. Eine repräsentative Gruppe von 1441 Erwachsenen war darin zu ihrer psychischen Verfassung befragt worden. Die Ergebnisse wurden dann mit Umfrage-Resultaten vor der Pandemie verglichen, und zwar von 5065 Teilnehmern des 2017-2018 durchgeführten „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES). Depressions-Symptome wurden dabei anhand der 20-Punkte-Skala „Health Questionnaire-9“ erhoben. Ab 10 Punkte geht man von mindestens einer moderaten Depression aus. Ergebnis: Die Prävalenz von Depressions-Symptomen in der Bevölkerung stieg von 8,5 Prozent vor zwei Jahren auf 27,8 Prozent und hat sich damit während der Pandemie mehr als verdreifacht. Depressionen gingen dabei besonders mit Stressfaktoren wie Jobverlust, Tod eines nahestehenden Menschen oder finanziellen Problemen einher. Und: Wer weniger als 5000 US-Dollar Ersparnisse hatte, hatte ein 50 Prozent höheres Risiko für Depressionen als Menschen mit mehr Geld auf der hohen Kante (JAMA Netw Open. 2020;3: e2019686).

Update vom 2. September

Husten und Niesen schwächt Schutz durch N95-Masken und Visiere, berichten Ingenieure von der Florida Atlantic University in den USA. Der bessere Komfort durch Ausatmungsventil (N95-Maske) oder freies Atmen (Visier) werde durch reduzierte Sicherheit erkauft. Die Forscher haben den Ausstoß der winzigen Tröpfchen beim simulierten Husten und Niesen einer Testperson sichtbar gemacht, und zwar mit synthetischem Nebel (Aqua dest. plus Glycerin) sowie einem sogenannten Laserlichtschnitt („laser light sheet“). Ausbreitungswege der Aerosole ließen sich so dokumentieren. Ergebnis: Visiere blockieren zwar den Ausstoß nach vorn. Die freigesetzten Aerosole wandern aber rund um das Visier und breiteten sich relativ weit aus. Bei den Masken passierte eine große Zahl der Aerosole ungefiltert das Ventil. Die Forscher sprechen sich daher für herkömmliche Mund-Nasen-Schutzmasken mit qualitativ hochwertigen Stoffen oder Chirurgenmasken aus (Physics of Fluids 2020; 32:091701).

Antikörper-Titer gegen das Coronavirus gehen binnen vier Wochen nicht zurück, hat eine Studie in Island ergeben. An dem umfangreichen Testprogramm nahmen etwa 30.000 Personen auf der Insel teil. Gruppen dieser Patienten und Probanden wurden sowohl mit PCR als auch mit mehreren hochsensitiven Antikörpertests zum Teil wiederholt untersucht. So waren von 1107 Rekonvaleszenten nach COVID-19 insgesamt 91,1 Prozent seropositiv. Die Titer stiegen binnen zwei Monaten nach Diagnose weiter an und verharrten dann auf einem Plateau bis zum Ende der viermonatigen Untersuchung, so die Forscher. Die Studie ergab zudem, dass etwa 44 Prozent der Infizierten in Island erst nachträglich durch einen Antikörpertest erkannt worden sind. Davon waren 14 Prozent in Quarantäne gewesen und 30 Prozent überhaupt nicht als infektionsgefährdet oder infiziert aufgefallen. Nach den Daten haben sich bisher etwa 0,9 Prozent der Isländer mit SARS-CoV-2 angesteckt und von den Infizierten sind 0,3 Prozent gestorben (NEJM 2020; online 1. September).

Dexamethason hilft etwas bei akutem Lungenversagen (ARDS), berichten brasilianische Ärzte. In einer offenen randomisierten Studie wurden 299 COVID-19-Patienten mit moderater bis schwerer ARDS auf 41 Intensivstationen des Landes entweder nur mit Standardtherapie oder mit zusätzlich täglich 5 oder 10 mg Dexamethason i.v. behandelt. Die Arznei wurde über fünf Tage oder bis zur Entlassung aus der Klinik gegeben. Der primäre Endpunkt war die Zahl der Tage, an denen binnen vier Wochen keine mechanische Beatmung nötig war. In den Verumgruppen waren es 6,6 und in der Kontrollgruppe 4 Tage. Die Sterberate der Verumpatienten war in dieser Zeit nicht reduziert. Die Schwere der Erkrankung war in der Verumgruppe etwas geringer. (6,1 vs 7,5 Punkte in der SOFA-Skala, „Sequential Organ Failure Assessment“). In der Verumgruppe gab es zudem weniger Patienten mit Sekundärinfektion (33 versus 43) und anderen schweren Ereignissen (5 versus 9) (JAMA 2020; online 2. September).

Update vom 1. September

Studiendaten sprechen nicht für Asthma als Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe, berichten Forscher des Anschutz Medical Campus an der University of Colorado. In einer Analyse von 15 Studien war die Asthma-Prävalenz mit 6,8 Prozent unter stationär behandelten COVID-19-Patienten ähnlich groß wie die Prävalenz von Asthma in der Bevölkerung. Zum Vergleich: Unter stationär behandelten Influenza-Patienten seien Asthmatiker nach Studiendaten mit einem Anteil von über 20 Prozent hingegen deutlich überrepräsentiert, so die Forscher. COVID-19-Patienten mit Asthma mussten im Vergleich zu Patienten ohne Asthma auch nicht überproportional häufig mechanisch beatmet werden. Das ergab eine weitere Analyse unter 436 COVID-19-Patienten des University of Colorado Hospitals (Annals of the American Thoracic Society 2020; online 31. August)

Den Prototypen eines Corona-Schnelltests, der am „Point of Care“ durchgeführt werden könnte, haben Forscher der University of Illinois vorgestellt. Die Ergebnisse des RT-LAMP-Tests in einem tragbaren Gerät liegen binnen 30 Minuten vor. Kernstück ist eine per 3D-Printer erstellte „Mikrofluidik-Patrone“ mit zwei Injektions-Eingabe-Slots. In den einen Slot wird die Patienten-Probe mit Nasensekret und in der anderen die Reagenzflüssigkeit eingegeben. Die Patrone wird in das Gerät eingeführt. Diese enthält einen Inkubator zum Erhitzen auf die Reaktionstemperatur von 65°C und eine Smartphone-Schnittstelle zum Auslesen der Ergebnisse. Der Vergleich mit herkömmlichen Tests habe zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Mit einem solchen Gerät könne man bei öffentlichen Veranstaltungen, in Konzerthallen bei großen Treffen und Ähnlichem testen und auch Selbsttests zu Hause wären möglich, so das Entwicklerteam in einer Mitteilung der Universität (PNAS 2020; online 31. August).

In den USA infizieren sich immer mehr Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus. Der Anteil Minderjähriger an der Zahl der Gesamtinfektionen ist zwischen Ende Mai und Mitte August von fünf auf neun Prozent gestiegen, berichtet die American Academy of Pediatrics (AAP). Zahlen aus den einzelnen Bundesstaaten hat die AAP auf ihrer Website veröffentlicht. „Die Krankheit verläuft bei Kindern weniger schwer, aber auch nicht komplett benigne“, zitiert die „New York Times“ (NYT) Dr. Sean O’Leary von der AAP-Arbeitsgruppe Infektionskrankheiten. Der Pädiater betont: „In Hospitälern an der Frontlinie der Pandemie gibt es viele Kinder, die sehr krank sind“. Die anstehenden Schulöffnungen seien in Gegenden mit hohen Infektionsraten bedenklich, in vielen Regionen aber potenziell sicher. Die „NYT“ bringt Beispiele, wo in Gemeinden mit niedrigen Infektionsraten die Ausbreitung des Virus gestoppt werden konnte. So habe man in vier Sommer Camps in Maine (in diesem Staat gibt es nur wenige Infektionen) mit sorgfältigem Testen und Quarantäne die Virus-Ausbreitung stoppen können.

Handy-Ortungsdaten liefern aktuelle Informationen über die Pandemie, und zwar auf Landkreis-Ebene, berichten US-Forscher der University of Pennsylvania School of Medicine. Sie haben anonymisierte Daten zur Handy-Ortung aus 2740 US-Counties von Ende Januar bis Mitte Mai analysiert und mit dem Verlauf der regionalen COVID-19-Erkrankungszahlen verglichen. Ergebnis: Je höher das Infektionsgeschehen war, desto mehr verlagerte sich die Handyaktivität von Arbeitsstätten, Einkaufsvierteln, Supermärkten und Nahverkehrsstationen in Wohngebiete. Und: Je stärker dieser Trend ausgeprägt war, desto schneller ging im Anschluss das Wachstum der Erkrankungszahlen zurück (JAMA Intern Med 2020; online 31. August).

Update vom 31. August

Corona-Infektionen bei Kindern werden meist übersehen oder verlaufen symptomlos, berichten koreanische Forscher und betonen: Trotzdem können die Kinder über Wochen SARS-CoV-2 ausscheiden. Die Pädiater von der Seoul National University haben in einer Studie 91 infizierte Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre untersucht. Diese waren bei der Kontaktverfolgung von Infektionsketten entdeckt worden. 22 Prozent der Heranwachsenden hatten überhaupt keine Symptome. Von den symptomatischen Kindern und Jugendlichen waren nur 8,5 Prozent im Vorfeld diagnostiziert worden, bei 66 Prozent waren leichte Symptome übersehen worden und 25 Prozent entwickelten erst im Anschluss Symptome. Die Virusausscheidung dauerte im Median etwa 17 Tage bei symptomatischen und 14 Tage bei asymptomatischen Kindern (JAMA Pediatr 2020; online 28. August).

Ein Test-Kit für Speichelproben auf SARS-CoV-2 hat sich in einer kanadischen Studie bewährt. Damit könnten Menschen in einem Test-Center ohne Hilfe von Fachpersonal die Proben einfach selbst abnehmen. Das Test-Kit (OMNIgene ORA) haben die Forscher der University of Ottawa in einer Studie mit Rachenabstrichen und herkömmlichen Tests verglichen. Insgesamt wurden 1939 gepaarte Abstrich- und Speichelproben analysiert. Spuren von SARS-CoV-2 wurden dabei in 70 Proben gefunden, davon 80 Prozent in Abstrichen und knapp 69 Prozent in Speichel. Trotz der etwas geringeren Erkennungsrate in Speichelproben könne das Test-Kit genutzt werden, meinen die Forscher, etwa bei vulnerablen oder schwierigen Patienten oder auch in abgelegenen Regionen. (Ann Intern Med 2020, online 28. August).

Zellen mit ACE2-Rezeptoren kommen praktisch überall im Körper vor und können potenziell von SARS-CoV-2 befallen werden, berichten US-Forscher vom University Health Sciences Center in New Orleans. Sie haben die Expression ACE2-Rezeptoren in 85 Gewebetypen des menschlichen Körpers analysiert inklusive 21 verschiedenen Hirnregionen. Eine ausgeprägte Expression von ACE2-Rezeptoren fand sich in Zellen von respiratorischen, digestiven, renal-exkretorischen und reproduktiven Organen sowie in vielen Hirnarealen. Dazu gehörten die Amygdala, der zerebrale Kortex und der Hirnstamm und dort vor allem in der Pons und der Medulla oblongata (Cellular and Molecular Neurobiology 2020; online 25. August).


Update vom 28. August

Zwischenergebnisse der Phase III-Studie zum Impfstoff-Kandidaten mRNA-1273: Der Wirkstoff hat bei älteren Erwachsenen eine vergleichbare Immunantwort hervorgerufen wie bei jüngeren Erwachsenen. Das teilt der Hersteller Moderna mit. Die Phase I-Ergebnisse mit jüngeren Erwachsenen im Alter von 18 bis 55 Jahre sind bereits publiziert (NEJM 2020; online 14. Juli), wir berichteten im Corona-Splitter am 15. Juli. Nun habe die Dosis von 100 μg, die derzeit in der Phase III-Studie getestet wird, bei Erwachsenen im Alter von 56 bis 70 und mehr Jahren ähnliche Ergebnisse erzielt. Wie das Unternehmen mitteilt, haben die Werte der Antikörpertiter an Tag 57 bei den 18- bis 55-Jährigen bei 267, bei den 56- bis 70-Jährigen bei 324 und bei den Über-71-Jährigen bei 242 gelegen. Zum Vergleich: Bei Konvaleszenten, deren Daten veröffentlicht wurden, habe der Titer bei 109 gelegen. Auch neutralisierende Antikörpertiter und T-Zell-Reaktionen seien bei Jüngeren und Älteren vergleichbar gewesen. Die Dosis von 100 μg sei bei älteren Erwachsenen im Allgemeinen sicher und gut verträglich gewesen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Höheres Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs durch Adipositas: Zahlen dazu haben jetzt Forscher aus Washington auf Basis einer Metaanalyse von 75 Studien vorgelegt. Demnach beträgt für Adipöse das Odds Ratio einer COVID-19-Erkrankung 1,46, für eine Hospitalisierung 2,13, für die Aufnahme in der Intensivstation 1,74 und für Tod in Folge der Erkrankung 1,48 im Vergleich mit nicht-adipösen Menschen (Obes Rev 2020; online 26. August).

Kinder und Jugendliche haben üblicherweise weniger schwere Verläufe von COVID-19. Todesfälle als Folge der Erkrankung sind in dieser Altersgruppe extrem selten. Jedoch sind Kinder mit afrikanischem Migrationshintergrund schwerer von COVID-19 betroffen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Das sind die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie von Forschern aus dem Vereinigten Königreich (UK). Für die Studie wurden Daten von 651 Kindern und Jugendlichen ausgewertet, die zwischen Januar und Juli 2020 an 260 Krankenhäusern im UK behandelt wurden. Im Ergebnis hatten 42 Prozent der erkrankten Kinder mindestens eine Komorbidität, 18 Prozent mussten auf einer Intensivstation behandelt werden, ein Prozent starb im Krankenhaus. Bei diesen sechs Todesfällen gab es ausgeprägte Komorbiditäten. Das Odds Ratio für Kinder mit afrikanischem Migrationshintergrund, an COVID-19 zu erkranken, lag bei 2,82 im Vergleich mit Kindern ohne Migrationshintergrund (BMJ 2020; online 27. August).

Warum haben Männer ein höheres Risiko für schwere COVID-19-Symptome und für einen schweren Verlauf als Frauen? Die Antwort könnte einfach „Östrogen“ lauten. Wissenschaftler aus North Carolina vermuten, dass die Zahl der ACE2-Rezeptoren im Herz durch Östrogen bei Frauen gesenkt wird und dadurch schwerere Verläufe bei Frauen seltener sind (Curr Hypertens Rep 2020; online 27. August).

Update vom 27. August

Hydroxychloroquin ja oder nein? Eine italienische Beobachtungsstudie trägt zur Diskussion bei: Nach einer retrospektiven Analyse der Daten von 3451 hospitalisierten COVID-19-Patienten in 33 Krankenhäusern war die Therapie mit der Arznei im Vergleich zu einer Therapie ohne die Arznei mit einem um 30 Prozent geringeren Sterberisiko assoziiert. Die Sterberate auf 1000 Patienten-Tage betrug mit Hydroxychloroquin 8,9 und ohne 15,7. Der Zusammenhang zwischen der Medikation und der niedrigeren Todesrate sei besonders deutlich gewesen bei Patienten mit erhöhten C-reaktivem Protein bei Krankenhausaufnahme, schreiben die italienischen Wissenschaftler (Eur J Intern Med 2020; online 25. August).

Forscher raten bei Corona-Verdacht vom Küssen ab. Eine Verbreitung von SARS-CoV-2 durchs Küssen wird nämlich nicht durch extrazelluläre Vesikel gehemmt. Diese Speichelkomponente macht zwar eine Übertragung von Flaviviren (Zika, Dengue, West-Nil) nahezu unmöglich. Auf SARS-CoV-2 haben die Vesikel jedoch anscheinend keinen Einfluss, haben Wissenschaftler aus Ulm und aus Schweden herausgefunden (J Extracell Vesicles 2020; online 24. August).

Rinder sind offenbar nur geringfügig empfänglich für SARS-CoV-2. In ihnen kann sich das Virus nur wenig replizieren, eine Transmission findet nicht statt. Bei der Verbreitung des Virus spielen sie also wohl keine relevante Rolle, heißt es in einer Studie von Forschern aus Greifswald, die auf dem Preprint-Server BioRxIv veröffentlicht wurde. Bei Schweinen, Hühnern und Meerschweinchen habe es überhaupt keine Virusreplikation gegeben, bei Rindern hingegen bei zwei von sechs Tieren, dort jedoch nur geringfügig. Die Tiere entwickelten Antikörper, Kontakttiere wurden nicht infiziert. Die Forscher schränken ein, dass nicht auszuschließen sei, dass das SARS-CoV-2-Virus noch mutiere (2020; online 25. August).

Update vom 26. August

In der Zeit des Corona-Lockdowns zwischen März und Mai 2020 hat es offenbar keine gehäuften Diabetesfälle bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland gegeben. Das hatten Experten zuvor in Betracht gezogen, da Stress und Viruserkrankungen Risikofaktoren für Typ-1-Diabetes sind, teilt die Deutsche Diabetes Gesellschaft mit. Für die Studie hatte ein deutsches Forscherteam die Inzidenz von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen an 216 deutschen Kinder-Diabetes-Zentren untersucht. Ergebnis: Zwischen März und Mai 2020 gab es 531 neue solche Fälle, im gleichen Zeitraum 2019 waren es 503. Die Differenz sei nicht signifikant, schreiben die Wissenschaftler. Eine kürzlich publizierte Studie hat allerdings ergeben, dass es fast bei jedem zweiten Kind und Jugendlichen mit einem neu manifestierten Typ-1-Diabetes mellitus während des Lockdowns zu einer Ketoazidose gekommen ist. Grund könnten aufgeschobene Arztbesuche sein (Diabetes Care 2020; online 21. August).

Parkinson-Patienten haben häufig Komorbiditäten, die sie besonders anfällig für einen schweren COVID-19-Verlauf machen. Das ist das Ergebnis einer Studie deutscher Wissenschaftler, für die sie die Daten aller 45.000 im Jahr 2018 in Deutschland stationär behandelten Patienten mit Parkinson ausgewertet haben. Ergebnis: Überdurchschnittlich häufig litten diese Patienten auch an Hypertonie, Diabetes, Hepatitis, COPD und chronischen Nierenerkrankungen – also Erkrankungen, die auch als Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe bekannt sind. Als Konsequenz empfehlen die Forscher hohe präventionshygienische Standards für Patienten mit Parkinson (Neurol Res 2020; online 11. August).

Mehr US-Amerikaner suchen seit Pandemie-Beginn im Internet nach Hilfe, wie mit einer akuten Panik- oder Angstattacke umzugehen ist. Die Menge der Suchanfragen stelle einen neuen Höchstwert dar, heißt es in einem Research Letter von Forschern der University of California. Entsprechende Suchanfragen seien besonders ab Mitte März 2020 häufiger vorgekommen, als sich Nachrichten über Todesfälle in Europa und China häuften. Insgesamt seien die Anfragen im März und April elf Prozent erhöht gewesen verglichen mit dem Durchschnittswert der Jahre 2004 bis 2020. Am 28. März habe es 52 Prozent mehr solcher Anfragen gegeben – der Höchstwert im analysierten Zeitraum. Das entspreche 375.000 zusätzlichen Anfragen (JAMA Int Med 2020; online 24. August).

Update vom 25. August

Das Tragen von Gesichtsmasken kann dazu beitragen, dass sich die Träger weniger an Maßnahmen der sozialen Distanz halten. So waren Maskenträger im Durchschnitt damit einverstanden, näher an Mitmenschen zu stehen oder zu sitzen als der Sicherheitsabstand es vorsieht, und auch zu Maskenträgern verringerte sich die durchschnittlich als akzeptabel empfundene Distanz von Nicht-Maskenträgern. Für die Studie zeigten britische Wissenschaftler der Warwick Business School 800 Probanden Fotos von Menschen mit und ohne Maske und hielten fest, welcher Abstand zu diesen als akzeptabel angegeben wurde. Im Ergebnis hielten die Probanden zu Personen ohne Mund-Nasen-Schutz im Durchschnitt einen Abstand von mehr als zwei Metern, zu Personen mit Mund-Nasen-Schutz einen Abstand von 1,8 Metern (preprint, J Exp Psychol Appl 2020; online 12. August).

Die Überwachung des Abwassers könnte möglicherweise dazu beitragen, lokale Infektionsherde zügig zu identifizieren. Ein Team aus Frankfurter und Aachener Wissenschaftlern hat die „Virenfracht“ von neun Kläranlagen untersucht und sei in der Lage, aufgrund der Menge der festgestellten Viren Rückschlüsse über die Zahl der Infizierten anzustellen, teilt die Universität Frankfurt am Main mit. Die Sensitivität sei ausreichend, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Grenzwert von 50 Inzidenzen pro 100.000 Einwohnern überschritten werde. Die im Abwasser nachgewiesenen Viren-Fragmente seien nicht-infektiös gewesen, heißt es in der Mitteilung (Sci Total Environ 2020; online 18. August).


Update vom 24. August

Eine Fünf-Tages-Gabe von Remdesivir bessert den klinischen Status von hospitalisierten COVID-19-Patienten signifikant. Das hat erneut eine randomisierte Phase III-Studie mit 584 Patienten mit moderater COVID-19-Erkrankung bestätigt. Die Zehn-Tages-Verabreichung brachte dagegen keinen Unterschied im Vergleich mit der Standardtherapie. Der Therapieerfolg wurde am 11. Tag anhand einer 7-Punkte-Skala überprüft. Remdesivir hat als Veklury (Gilead Sciences) bereits seit Anfang Juli eine EU-Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen (im Alter von 12 Jahren oder älter) mit COVID-19 und Pneumonie, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen (JAMA 2020; online 21. August).

Eine Therapie mit RAAS-Hemmern bei Hypertonie-Patienten scheint wohl nicht mit einem schwereren Verlauf von COVID-19 zusammenzuhängen. Das legt eine britische Meta-Analyse mit knapp 29.000 Patienten nahe. Bei den Patienten mit dieser Medikation gebe es keinen Hinweis darauf, dass dadurch der Schweregrad der Erkrankung oder die Mortalität steige – es sehe sogar so aus, als hätten die RAAS-Hemmer eine protektive Wirkung auf Hypertonie-Patienten, weil das Risiko für einen schweren Verlauf und für Tod signifikant reduziert sei (Odds Ratio 0,66), wird Studienautor Dr. Vassilios Vassiliou in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Dies hatten bereits mehrere Experten vermutet. Hypertonie-Patienten sollten deshalb ihre RAAS-Hemmer-Therapie auch bei COVID-19-Erkrankung unbedingt fortsetzen, schreiben die Forscher (Curr Atheroscler Rep 2020; online 24. August).

Singen scheint nicht riskanter im Bezug auf eine SARS-CoV-2-Infektion zu sein als Sprechen. Stattdessen kommt es auf die Lautstärke der Person an. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Bristol, die beim Preprint-Server ChemRxiv eingereicht wurde. Für die Studie untersuchten die Forscher, welche Menge an Tröpfchen und Aerosolen beim Atmen und beim Singen ausgestoßen werden. Als Probanden dienten 25 professionelle Sänger, darunter Musicalsänger, Opernsänger und Rocksänger. Erst ab einer Lautstärke von 90 bis 100 Dezibel gab es einen 1,5- bis 3,4-fachen Unterschied in der ausgestoßenen Aerosol-Menge (ChemRxiv; online 20. August).

Empfänger von Spenderherzen erkranken nicht häufiger an COVID-19. Wenn es aber dazu kommt, dann häufig mit schwerem Verlauf, hoher Mortalität und kardiovaskulären Komplikationen, legt eine Umfrage unter allen deutschen Herztransplantationszentren nahe. Die Forscher berichten von 21 Patienten mit Herztransplantation, die an COVID-19 erkrankten. Von diesen hatten acht (38 Prozent) einen schweren Verlauf, der eine Beatmung erforderte. Von diesen acht Patienten starben sieben (88 Prozent). Die Mehrheit der Patienten war immunsupprimiert: 71 Prozent erhielten Calcineurininhibitoren, 86 Prozent Mycophenolatmofetil und 71 Prozent Steroide. Die Forscher halten es für möglich, dass die Transplantationspatienten eine besondere Sorgfalt in der Infektionsprävention und bei der Hygiene an den Tag gelegt haben könnten und so womöglich seltener in Kontakt mit SARS-CoV-2 gekommen sind (Clin Res Cardiol 2020; online 11. August).

Update vom 21. August

SARS-CoV-2 breitet sich in trockenen Räumen wohl stärker aus. Physiker haben zehn Studien, die zwischen 2007 und 2020 den Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf das Überleben, die Ausbreitung und Infektion mit Influenza- und verschiedenen Coronaviren (SARS-CoV-1, MERS und SARS-CoV-2) untersucht haben, ausgewertet. Ergebnis: Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Aerosole weniger Wasser auf, sind leichter und verbleiben damit länger in der Luft. Außerdem können sie eine längere Strecke zurücklegen. Bei dieser Luftfeuchtigkeit ist damit die Wahrscheinlichkeit, dass Virus-enthaltende Aerosole von Nicht-Infizierten in der Umgebung eingeatmet werden, höher als bei feuchter Luft. Die Forscher vom Institut für Troposphärenforschung in Leipzig empfehlen daher, neben den bisher üblichen Maßnahmen wie Abstand halten auch die Raumluft zu kontrollieren. Eine relative Feuchte von 40 bis 60 Prozent könne die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und die Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren (Aerosol and Air Quality Research 2020; online 28. Juli).

Ein experimenteller monoklonaler Antikörper zur Prävention von COVID-19 wird in Pflegeeinrichtungen in den USA getestet. Das berichtet die „New York Times“. Der vom Unternehmen Lilly entwickelte Antikörper wurde demnach aus dem Serum eines Rekonvaleszenten kloniert und soll an insgesamt 2400 Bewohnern und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen im ganzen Land gegen Placebo getestet werden. Das Unternehmen hofft, dass mindestens 500 Einrichtungen teilnehmen – bisher sind es 125. Der Antikörper soll zum Einsatz kommen, wenn in einer Pflegeeinrichtung ein Bewohner positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern und die besonders vulnerable Gruppe der Älteren schnell zu schützen. Dem Bericht zufolge könnte der Antikörper nach Infusion mindestens einen Monat im Körper des Impflings stabil sein, möglicherweise sogar drei Monate. Die Kosten könnten bei mehreren tausend Dollar liegen, mutmaßt die „New York Times“ (NYT; online 20. August).

Update vom 20. August

Zwei von drei Intensivpatienten in Deutschland mussten künstlich beatmet werden. Jeder dritte beatmete Intensivpatient starb, bei den nicht beatmeten Intensivpatienten mit einer COVID-19-Infektion war es etwa jeder vierte. Das hat eine Studie mit den Daten von allen 1904 COVID-19-Patienten ergeben, die seit Beginn der Pandemie in den 86 Krankenhäusern der Helios Gruppe aufgenommen wurden. Die Ergebnisse decken sich mit Daten einer kürzlich publizierten Studie mit mehr als 10.000 Patienten aus insgesamt 920 Kliniken in Deutschland. Auch hier wurde bei Patienten, die beatmet werden mussten, eine Überlebenschance von weniger als 50 Prozent festgestellt (in den Helios-Kliniken lag sie bei rund 33 Prozent). Von den hospitalisierten Patienten, die nicht beatmet werden mussten, starben 16 Prozent (in den Helios-Kliniken etwa 25 Prozent) (Clin Microbiol Inf 2020; online 18. August).

Sind Kinder „silent spreaders“? Abermals wirft eine Studie diese Frage auf. Dr. Lael Yonker und Kollegen vom Massachusetts General Hospital in Boston haben nämlich festgestellt, dass Kinder und Jugendliche, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, eine besonders hohe Viruskonzentration im Rachenraum aufweisen, die sogar signifikant über den Virustitern bei schwerkranken erwachsenen COVID-19-Patienten liegt – und zwar in allen Altersklassen zwischen 0 und 22 Jahren. Symptome, die meist mild und unspezifisch ausfielen, entwickelte nur jedes zweite der 49 untersuchten Kinder mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis. Die Studienautoren bezeichnen Kinder daher als „silent spreaders“. „Sollten Schulen wieder vollständig und ohne die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen öffnen, werden Kinder wahrscheinlich eine sehr viel größere Rolle im Pandemiegeschehen spielen“, warnen Yonker und Kollegen. Ob die sekundäre Attackrate durch infizierte Kinder – etwa bei Haushalts- oder Schulkontakten – tatsächlich höher ist, konnten die Forscher aber nicht untersuchen (J Ped 2020; online 20. August).

Antikörper deuten offenbar auf einen Schutz vor SARS-CoV-2-Infektion hin. Vorläufige Belege dafür stammen von einem Fischtrawler, berichtet ein US-Team um Amin Addetia von der University of Washington. Das Schiff war im Mai von Seattle (US-Staat Washington) aus in See gestochen. Vor Ablegen hatte man alle 122 Besatzungsmitglieder auf Zeichen einer Corona-Infektion getestet, und zwar mit PCR-Tests (alle negativ!) und Antikörpertests. Bereits nach 18 Tagen kehrte das Schiff wegen eines schweren Krankheitsfalls zurück. Von 120 der Seeleute wurden anschließend 104 positiv auf das Coronavirus getestet. Resultate der Erreger-Feintypisierung legen nahe, dass der Ausbruch auf einen einzigen Infizierten zurückgeht. Unter den wenigen Nicht-Infizierten befanden sich die einzigen drei Besatzungsmitglieder mit positivem Antikörpertest vor Abreise. Dass diese zufällig geschützt waren, haben die Forscher mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen (p=0,002). Die Studie – obwohl klein und nur vorläufig publiziert – gibt Hinweise auf eine wichtige Frage zur Pandemie: Sind Menschen nach erfolgreich überstandenen SARS-CoV-2-Infektion vor weiteren Ansteckungen geschützt? Auch die Impfstoff-Entwicklung würde durch den Beleg, dass Antikörper als immunologisches Korrelat für Schutz dienen können, erheblich erleichtert, so die Forscher (medRxiv preprint 2020; online 14. August).

Der bisweilen bei COVID-19 auftretende Zytokinsturm könnte Ursache dafür sein, das manche Patienten keine lang anhaltende Immunität ausbilden. Dr. Naoki Kaneko und Kollegen von der Harvard Medical School und vom Massachusetts Institute of Technology haben in einer Studie die Milz und Lymphknoten von 19 gestorbenen COVID-19 Patienten untersucht, bei denen zuvor eine hohe Konzentration von Zytokinen im Blut nachgewiesen worden war. Sie konnten in den Lymphknoten der Patienten keinerlei Keimzentren nachweisen – diese sind ein essenzieller Bestandteil der Immunantwort. So sind sie verantwortlich dafür, dass sich beispielsweise B-Gedächtniszellen ausbilden, die für eine langfristige Immunantwort wichtig sind (Cell 2020; online 19. August).

Update vom 19. August

Das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ist besonders dynamisch: „Wie ein Ballon an einer Schnur scheinen sich die Spike-Proteine auf der Oberfläche des Virus zu bewegen und so den Rezeptor für das Andocken an der Zielzelle suchen zu können“ – so beschreiben es Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts und des European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Mithilfe moderner Elektronenmikroskopie haben sie SARS-CoV-2-Partikel untersucht, die aus dem Überstand infizierter Zellen gewonnen wurden. Dabei stellte sich heraus, dass das Spike-Protein auf einer Art „Stiel“ auf der Oberfläche des neuen Coronavirus sitzt. Dieser Stiel besteht aus vier unterschiedlichen Domänen. Diese bezeichneten Dr. Beata Turoňová und ihre Kollegen als „Hüft-“, „Knie“-, „Knöchel“- und „Fuß“-Domäne. Letztere ist in die Membran des Virus eingebettet. Ein weiteres, für die Impfstoffentwicklung erfreuliches Ergebnis der Wissenschaftler: Der obere Teil des Spikes weist unter natürlichen Bedingungen eine Struktur auf, die von rekombinanten Proteinen, die für die Impfstoffentwicklung genutzt werden, gut wiedergegeben wird (Science 2020; online 18. August).

Mit dem bei COVID-19 häufig auftretenden Geruchs- und Geschmacksverlust beschäftigen sich zwei aktuelle Studien. Ein Team der University of East Anglia hat festgestellt, dass sich der Geruchs- und Geschmacksverlust bei COVID-19 von dem bei einer Influenza-Erkrankung deutlich unterscheidet. Typisch für COVID-19 ist nämlich, dass die Patienten frei atmen können und nicht unter Rhinitis leiden. Außerdem sei ihr Geruchs- und Geschmacksverlust „tiefgreifender“ als bei einer Influenza, schreiben Professor Carl Philpott und Kollegen. So könnten COVID-19-Patienten süßen und bitteren Geschmack absolut nicht voneinander unterscheiden, und die Riechstörung/Anosmie trete im Gegensatz zu einer Grippe sehr abrupt auf. Die Symptome könnten sich daher für die Differentialdiagnose eignen. Für ihre Studie hatte das Team 30 Personen befragt: 10 waren an COVID-19 erkrankt, 10 an einer Influenza, und 10 Teilnehmer waren völlig gesund. In der zweiten Studie untersuchten Wissenschaftler um Dr. Mengfei Chen von der Johns Hopkins Universität, warum der Verlust von Geruch und Geschmack so „tiefgreifend“ ist. Sie kommen zu dem Schluss, dass ACE2 – das Zielprotein des Virus – nur im olfaktorischen Nasenepithel in besonders hoher Zahl exprimiert wird: Die ACE2-Konzentration war im olfaktorischen Nasenepithel 200-mal so hoch wie in den anderen Bereichen des Nasenepithels und 700-mal so hoch wie in der Trachea. Das olfaktorische Nasenepithel könnte daher die molekulare Eintrittspforte für SARS-CoV-2 sein und damit auch Ansatzpunkt für antivirale Therapien, die nasal appliziert werden, resümieren die Forscher (Rhinology 2020; online 19. August und Eur Resp J 2020; online 18. August).

Ob es zu Übertragungen von SARS-CoV-2 im Flugzeug kommt, haben sich Virologen des Universitätsklinikum Frankfurt gefragt. Um das zu klären, haben sie Reisende einer Passagiermaschine befragt und getestet. Das betreffende Flugzeug flog am 9. März mit 102 Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf Flügen noch keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz einer Übertragung – etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Die Flugzeit betrug 4 Stunden und 40 Minuten. Einige der Passagiere gehörten einer Reisegruppe an, die sieben Tage vor dem Abflug Kontakt zu einem Mann hatte, bei dem später COVID-19 diagnostiziert wurde. Vor dem Flug hatte keiner der 102 Passagiere eine COVID-19-Diagnose erhalten, unmittelbar nach dem Flug, bei Testung am Flughafen, waren sieben der 24 Personen mit Kontakt zu dem COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-positiv – also zum Zeitpunkt des Fluges bereits infiziert gewesen. Bei zwei Passagieren, die nicht zu der Reisegruppe gehörten, wurde zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion festgestellt. In diesen beiden Fällen erscheint aufgrund der zeitlichen Abfolge eine Übertragung im Flugzeug sehr wahrscheinlich, schreiben Dr. Sebastian Hoehl und seine Kollegen. „Die Anzahl der Übertragungen ist niedriger, als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten. Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können – aber eben nicht vollständig verhindern. Mit Blick auf diese Ergebnisse erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug – wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – sehr sinnvoll“, wird Studienautorin Professor Sandra Ciesek in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert (JAMA Netw Open; online 18. August).

Update vom 18. August

Gleich mehrere Studien belegen einen längerfristigen Immunschutz nach einer milden oder asymptomatischen SARS-CoV-2-Infektion durch T-Zellen – auch wenn keine Antikörper gebildet werden. Dies war in der Vergangenheit immer wieder vermutet worden. Nun haben etwa Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm selbst bei nur mild oder asymptomatisch Erkrankten eine robuste T-Zell-Antwort nachgewiesen, die auch die Bildung von Gedächtnis-T-Zellen induziert und damit wohl über einen längeren Zeitraum hinweg vor einer weiteren Infektion schützt, schreiben Dr. Takuya Sekine und ihre Kollegen (Cell 2020; in press).

COVID-19-Patienten, bei denen SARS-CoV-2 auch in den Nieren nachzuweisen ist, haben ein höheres Risiko für Nierenversagen und für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf. Für ein Team um Dr. Fabian Braun, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, ist das ein Hinweis darauf, bei einer COVID-19-Erkrankung früh auf Organbeteiligungen zu achten, im Fall der Niere durch Urintests. Auch sollten therapeutische Interventionen in Betracht gezogen werden. Die Autoren bestätigen damit ihre Befunde aus dem Mai. In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler die Obduktionen von 63 überwiegend älteren Patienten mit COVID-19 und Vorerkrankungen ausgewertet. Unter den Patienten mit einem akuten Nierenversagen wiesen sie bei 72 Prozent SARS-CoV-2 in den Nieren nach. Im Gegensatz dazu fanden sie bei Patienten ohne akutem Nierenversagen nur in 43 Prozent der Fälle den Erreger in den Nieren. Zudem isolierten die Forscher aus der Niere eines Patienten SARS-CoV-2. In in-vitro-Versuchen konnte das Virus Zellen infizieren und sich in ihnen vermehren – ein Hinweis darauf, dass auch die Nieren ein direktes Ziel von SARS-CoV-2 sind (Lancet 2020; online 17. August).

Bestimmte Ethnien sind in den USA deutlich stärker von COVID-19 betroffen. So liegt der Anteil an Afroamerikanern an der Bevölkerung im Bundesstaat Ohio nur bei 13 Prozent – ihr Anteil an den dort hospitalisierten COVID-19-Patienten dagegen bei ganzen 32 Prozent. Auch für Menschen hispanoamerikanischer und spanischer Herkunft zeigt sich ein solcher Trend: In Virgina liegt ihr Anteil an der dortigen Bevölkerung bei 9,6 Prozent, ihr Anteil bei den hospitalisierten COVID-19-Patienten allerdings bei 36,2 Prozent. Menschen einer Ethnie scheinen dagegen deutlich seltener von COVID-19 betroffen zu sein: In sechs von zehn Bundesstaaten, die diesbezüglich Angaben machen konnten, lag der Anteil an chinesisch-stämmigen COVID-19-Patienten deutlich unter deren Anteil an der Bevölkerung. Sozioökonomische Faktoren spielen vermutlich eine große Rolle, schreiben die Forscher um Dr. Pinar Karaca-Mandic. Allerdings müssten die Gründe, warum nicht-weiße Menschen so viel stärker von COVID-19 betroffen seien, dringend geklärt werden, um diese vulnerablen Gruppen zu schützen. Für die Studie analysierte das Team von der University of Minnesota in Minneapolis Daten aus 12 Bundesstaaten aus dem „COVID-19 Hospitalization Tracking Project“. Innerhalb von zwei Monaten waren in den 12 Staaten fast 49.000 COVID-19-Patienten hospitalisiert worden (JAMA Intern Med 2020; online 17. August).

Update vom 17. August

Im ehemaligen Corona-Hotspot Kupferzell haben sich 3,9-mal so viele Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert wie bisher angenommen. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts hervor (RKI). Insgesamt wurden bei 7,7 Prozent der erwachsenen Studienteilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen, akute Infektionen wurden nicht festgestellt. 16,8 Prozent der Seropositiven waren dabei asymptomatisch. Interessant ist auch die Tatsache, dass bei 28,2 Prozent der Teilnehmer mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis keine Antikörper detektiert werden konnten. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine längerfristige Immunität besteht – aktuelle Studien deuten auf einen gewissen Immunschutz durch T-Zellen hin. Da mehr als 2200 von den etwa 6000 Einwohnern des Ortes – und damit mehr als ein Drittel – an der Befragung teilgenommen haben, gilt die Erhebung als repräsentativ (Mitteilung des RKI, online 14. Juli).

Vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren haben Forscher in Aerosolen nachgewiesen. Für ihre Studie untersuchte ein Team um Dr. John Lednicky von der University of Florida die Luft im Zimmer hospitalisierter COVID-19-Patienten, und zwar im Abstand von 2 bis 4,8 Metern. In den Proben wiesen die Wissenschaftler SARS-CoV-2-Viren nach – und auch, dass die Viren von den Patienten selbst stammten: Das jeweilige RNA-Erbgut war identisch mit demjenigen, das in den Abstrichen der Patienten detektiert worden war. Als sie die Aerosol-Proben in eine Zellkultur einbrachten, konnten die im Aerosol enthaltenen SARS-CoV-2-Viren die Zellen infizieren und sich in ihnen vermehren. Für Lednicky und Kollegen der Nachweis, dass SARS-CoV-2 auch über Aerosole übertragen wird (medRxiv 2020.08.03.20167395).

Einen möglichen Nutzen von Statinen bei schweren COVID-19-Verläufen haben Wissenschaftler in einer Metaanalyse von vier Studien mit insgesamt über 8000 Patienten gefunden. Den Ergebnissen zufolge geht eine Therapie mit den Cholesterinsenkern mit einem um 30 Prozent geringerem Risiko für schwere oder tödliche Erkrankungsverläufe einher. Aufgrund ihrer diversen pleiotropen Effekte wurden Statine schon länger als potenzielle Therapiestrategie bei COVID-19-Patienten diskutiert. So wird den Medikamenten unter anderem eine antiinflammatorische, gefäßprotektive und plaquestabilisierende Wirkung zugesprochen – Effekte also, die bei COVID-19 theoretisch nützlich wären, da die Patienten häufig eine generalisierte Entzündungsreaktion entwickeln (Am J Cardiol 2020; online 12. August).

Eine Immunsuppression führt wohl nicht per se zu einer schlechteren Immunantwort gegen SARS-CoV-2. Denn einer Studie deutscher Virologen zufolge sind etwa Patienten nach einer Organtransplantation sehr wohl in der Lage, trotz Immunsuppression eine ausreichende Immunantwort zu erzielen. Neben hohen Antikörper-Titern waren in einer von Professor Nina Babel und Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum durchgeführten Fallstudie auch eine starke T-Zell-Antwort nachweisbar. Ein im Immundiagnostiklabor der Universität entwickelter Test zum Nachweis dieser Immunantwort könne nun dabei helfen, die Immunsuppression während einer COVID-19-Erkrankung individuell anzupassen, schreiben die Wissenschaftler (Am J Transplant 2020; online 10. August).

Update vom 14. August

Etwa sechs Prozent der Engländer haben wohl Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Das ist das Ergebnis der epidemiologischen Studie REACT vom Imperial College London, für die sich über 100.000 Engländer bis Ende Juni zu Hause mit einem Blut-Schnelltest selbst auf Antikörper getestet haben. Die Studie werde auf dem Preprint-Server MedRxIv eingereicht, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Bei den sechs Prozent der Engländer (entspricht etwa 3,4 Millionen Bürgern) sei es wahrscheinlich, dass diese eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hätten. Besonders viele positive Testergebnisse gab es in London (13 Prozent), am wenigsten im Südwesten des britischen Landesteils (drei Prozent). Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren seien mehr als doppelt so oft positiv getestet worden (acht Prozent) wie Menschen im Rentenalter zwischen 65 und 74 Jahren (drei Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen seien Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Angehörige ethnischer Minderheiten. Bei Mitarbeitern in Pflegeheimen mit Patientenkontakt liege die Rate bei 16 Prozent. Menschen mit schwarzer Hautfarbe wiesen sogar zu 17 Prozent Antikörper auf. (Mit Material der dpa)

Hohes Ansteckungsrisiko bei Haushaltskontakten von SARS-CoV-2-Infizierten: Forscher der Universität von Guangdong in China haben zwischen Januar und März 3410 enge Kontakte von 391 Indexpatienten mit COVID-19 prospektiv untersucht. 127 Kontaktpersonen haben sich dabei insgesamt angesteckt (3,7 Prozent). Unter den Haushaltskontakten waren es 10,3 Prozent, bei Kontakten im Gesundheitswesen 1,0 Prozent und bei Kontakten in öffentlichen Verkehrsmitteln 0,1 Prozent. Je schwerer ein Indexpatient erkrankt war, desto größer war das Infektionsrisiko für Kontakte. Bestimmte Symptome von Indexpatienten, wie Auswurf, bargen zudem eine erhöhte Ansteckungsgefahr bei Begegnung mit anderen Personen (Ann Intern Med 2020; 13. August).

Update vom 13. August

Kinder machen nur einen Bruchteil der COVID-19-Fälle aus. Das legt eine Untersuchung aus dem Vereinigten Königreich (UK) nahe. Die Forscher stellen sogar die Rolle der Kinder bei der Transmissionsgeschehen von SARS-CoV-2 in Frage. Für ihre Studie hatten die Forscher 540.305 Corona-Fälle aus dem UK, die zwischen 16. Januar und 3. Mai erfasst worden waren, ausgewertet. Davon waren 35.200 Kinder unter 16 Jahren. Im Ergebnis waren nur etwa ein Prozent aller COVID-19-Fälle im UK Kinder (n=1408, vier Prozent aller getesteten Kinder). Unter den getesteten Kindern mit Atemwegserkrankung hatten 2,8 Prozent ein positives Testergebnis. Vier Kinder starben an COVID-19 (BMJ 2020; online 12. August).

Rekonvaleszenten-Plasma ist offenbar sicher und wirksam bei schwerer COVID-19, berichten Ärzte um Eric Salazar vom „Houston Methodist Hospital“ im US-Staat Texas. Sie stellen die vorläufige Analyse einer noch andauernden prospektiven „propensity score-matched“ Studie vor. Darin wurde der Therapieerfolg bei 136 Patienten mit Transfusion eines solchen Plasmas verglichen mit 251 ähnlich schwer Erkrankten ohne Transfusion („match“ nach Alter, Geschlecht, BMI, Grunderkrankungen, mechanische Beatmung ...). Das verwendete Rekonvaleszenten-Plasma hatte hohe Titer der „IgG anti-spike-receptor binding domain“ (RBD). Die Sterberate binnen 28 Tagen ließ sich deutlich senken (RR 3,5; 95% CI 0,87–14,08; p=0,08), vor allem wenn Patienten binnen 72 Stunden nach Klinikaufnahme damit behandelt wurden (Am J Pathol 2020, online 10. August).

Übergewicht erhöht das Risiko, an COVID-19 zu sterben. Das bestätigt eine Studie kalifornischer Forscher und stützt damit die Annahme, dass Übergewicht ein unabhängiger Risikofaktor für COVID-19 ist. Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Analyse von 6916 Patienten des US-Versicherers „Kaiser Permanente“. Ergebnis: Im Vergleich mit einem BMI von 18,5 hatten Infizierte mit einem BMI von 40 bis 44 ein 2,7-fach und Infizierte mit BMI über 45 ein 4,2-fach erhöhtes Sterberisiko (Ann Int Med 2020; online 12. August).

Mit antikörper-ähnlichen künstlichen Nanokörpern ließe sich das Spikeprotein des SARS-CoV-2 blockieren und damit ein Andocken an ACE-Rezeptoren von Atemwegszellen des Menschen verhindern. Einer Infektion ließe sich so vorbeugen, berichtet ein Team um Peter Walter von der University of San Francisco. Solche Proteine kommen natürlicherweise bei Lamas und Kamelen vor. Das Team hat Milliarden verschiedener Nanokörper künstlich hergestellt und mehrere mit spike-blockierenden Eigenschaften bei SARS-CoV-2 identifiziert. Der besonders stabile Nanokörper Nb6 konnte dabei die Interaktion des Spikeproteines mit ACE-Rezeptoren unterbinden, berichten die Forscher auf dem Preprint-Server bioRxiv. Das Team hofft, solche als „AeroNabs“ bezeichneten Nanokörper zur Infektionsprophylaxe weiterentwickeln zu können. Einmal täglich via Nasenspray oder Inhalation angewendet, ließe sich damit möglicherweise Infektionen mit dem Coronavirus vorbeugen (bioRxiv 2020.08.08.238469).


Update vom 12. August

Das Risiko, wegen einer SARS-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, steigt anscheinend mit zunehmendem Body-Mass-Index und dem Taille-Hüft-Verhältnis an. Das berichten Londoner Forscher. Für die Untersuchung hatten sie Daten von 640 britischen hospitalisierten COVID-19-Patienten ausgewertet. Im Ergebnis habe das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt bei COVID-19 für Übergewichtige 1,18, für Adipöse 1,40 und für schwer Adipöse 1,90 betragen im Vergleich zum Normalgewicht (PNAS 2020; online 11. August).

Der ACE2-Rezeptor kommt nur sehr wenig in Lungenepithelzellen vor, bestätigen kanadische Forscher und vermuten, dass es wohl noch einen weiteren Rezeptor in diesem Gewebe geben muss, über den das Virus diese Zellen befällt (Eur Resp J 2020; online 16. Juli).

Je schwerer der Verlauf von COVID-19 ausfällt, desto höher sind anscheinend die vorhandenen Titer der Komplementkomponente C5a bei den Patienten. Das Protein ist ein Spaltprodukt innerhalb der Komplementkaskade des Immunsystems. Außerdem gelang es, mit monoklonalen Antikörpern gegen das Protein C5aR1 ein Lungenversagen bei Mäusen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, zu verhindern, berichten Forscher aus Marseille (Nature 2020; online 29. Juli). Es gibt bereits Therapieansätze mit C5a-Inhibitoren, zum Beispiel den Antikörper IFX-1 des Jenaer Start-ups InflaRx, der derzeit untersucht wird. Außerdem gibt es den seit Jahren verfügbaren Antikörper Eculizumab, einen C5-Inhibitor. Für ihn gibt es auch bereits erste Daten aus kleinen Fallserien bei COVID-19: Eine Fallserie mit drei Patienten, von denen einer eine Remission und zwei eine Teilremission erreichten (Clin Immunol 2020; online 6. August) sowie eine Fallserie mit vier Patienten, die einen Rückgang der Entzündungsmarker erreichten (Eur Rev Med Pharmacol Sci 2020; 24(7):4040-4047).

Die mRNA-Vakzine BNT162b1 der Firma Biontech (wir berichteten im Update vom 1. Juli) hat in einer Phase I/II-Studie eine robuste Immunantwort hervorgerufen. Die Titer erreichten das 1,9- bis 4,6-fache der Seren einer Reihe von genesenen COVID-19-Patienten zum Zeitpunkt von mindestens 14 Tagen nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2. Eine zweite Inokulation mit 100 μg sei aufgrund von Nebenwirkungen nicht verimpft worden und weil eine bedeutend gesteigerte Immunogenität verglichen mit der ersten 30 μg-Dosis nicht vorhanden gewesen sei (Nature 2020; online 12. August).

Update vom 11. August

Eine Fallserie von drei COVID-19-Patienten, die wohl ohne vorherige neurologische Auffälligkeiten im Verlauf eine Myasthenia gravis entwickelt haben, haben italienische Forscher vorgestellt. Es handelt sich bei den Patienten um zwei Männer im Alter von 64 und 68 Jahren und eine Frau im Alter von 71 Jahren. Alle drei hatten unter anderem mehrere Tage lang hohes Fieber, Diplopie und positive Tests auf AChR-Antikörper. Die Symptome traten bei den drei Patienten innerhalb von fünf bis sieben Tagen nach Fieberbeginn auf, schreiben die Forscher. Ihre Vermutung: Möglicherweise haben die SARS-CoV-2-Antikörper zu einer Kreuzreaktion mit den AChR-Untereinheiten geführt oder die Infektion mit SARS-CoV-2 hat die Immun-Selbsttoleranz verändert (Ann Int Med 2020; online 10. August).

Enganliegende N95-Schutzmasken bieten wohl den effektivsten Schutz für Mitmenschen vor Tröpfchen und Aerosolen. Fleece-Schlauchschals, wie sie von manchen Radfahrern getragen werden, scheinen hingegen die Verteilung von Aerosolen sogar zu begünstigen, da sie größere Tröpfchen offenbar in kleinere teilen und diese länger in der Luft verbleiben. Das ist das Ergebnis eines vergleichsweise einfachen Versuchsaufbaus eines US-Forscherteams: Die Wissenschaftler haben mehrere Gesichtsmaskenarten mit einem Laser und einer Smartphone-Kamera darauf getestet, wie effektiv sie Tröpfchen und Aerosole, die beim Sprechen entstehen, aufhalten (Sci Adv 2020; online 7. August).

Länder mit hoher BCG-Impfrate haben relativ gesehen weniger SARS-CoV-2-Fälle. Schon seit geraumer Zeit gibt es die Überlegung, ob eine BCG-Impfung auch vor SARS-CoV-2 schützen könnte. Nun legt eine Untersuchung von Forschern der Universität Michigan einen solchen Zusammenhang erneut nahe. Die Wissenschaftler verglichen die Rate neuer SARS-CoV-2-Infektionen sowie daraus resultierender Todesfälle in verschiedenen Ländern in Abhängigkeit davon, ob dort die BCG-Impfung vorgeschrieben ist. Das Ergebnis lasse vermuten, dass die BCG-Impfung das Risiko reduziere, sich mit verschiedenen Erregern, unter anderem SARS-CoV-2, zu infizieren, schreiben die Forscher. Kausalitäten lassen sich daraus freilich nicht ableiten. In Deutschland wird die Impfung mittels Bacillus Calmette-Guérin gegen die Tb seit 1998 nicht mehr von der STIKO empfohlen (Sci Adv 2020; online 5. August).

SARS-CoV-2 schädigt wohl nicht direkt die Geschmackszellen. Stattdessen könnte es so sein, dass die Beeinflussungen indirekt durch Vorgänge während der COVID-19-Erkrankung auftreten. Das berichten Forscher von der Universität von Georgia. Sie haben das Vorkommen des ACE2-Rezeptors in Zungen-Epithelzellen von Mäusen untersucht. Dabei ergab sich, dass der Rezeptor eher in Nichtgeschmackszellen als in Geschmackszellen vorkommt. Eine SARS-CoV-2-Infektion und Zellschädigungen finden deshalb den Autoren zufolge eher bei den Nichtgeschmackszellen statt (ACS Pharmacol Transl Sci 2020; online 23. Juli).

2311 fehlerhafte oder falsche Berichte in 25 Sprachen aus 87 Ländern zum Thema SARS-CoV-2 hat eine Forschergruppe zwischen 31. Dezember 2019 und 5. April 2020 auf mehreren Nachrichtenkanälen identifiziert. Untersucht wurden Meldungen via Agenturen, Facebook, Twitter und Online-Zeitungen. Am häufigsten beschäftigten sich diese mit der Übertragung und Mortalität (24 Prozent), Eindämmungsmaßnahmen (21 Prozent), Behandlung (19 Prozent) und der Herkunft des Virus (15 Prozent) (Am J Trop Med Hyg 2020; online 10. August).

Update vom 10. August

Ohne Mund-Nasen-Schutz verteilen sich Aerosole nach einem Niesen an einem Büroarbeitsplatz bis zu acht Meter weit. Das berichten Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen. Im Vergleich dazu verhindere eine Baumwollmaske die Ausbreitung über anderthalb Meter hinaus, reduziere die Ausbreitungsgeschwindigkeit und führe dazu, dass die Partikel schneller absinken, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule. Bei FFP-Masken entweiche durch den hohen Druck beim Niesen ein Teil der Partikel nach oben, Faceshields lenkten Aersole vor allem nach unten und seitlich ab. Ungünstig sei es, einen Tischventilator zu benutzen: Ohne den Schutz durch eine Maske und bei geschlossenem Fenster würden sich die Aerosolwolke in wenigen Sekunden im ganzen Raum verbreiten, schreiben die Wissenschaftler.

Auf die Freisetzung viraler RNA hat es womöglich gar keinen Einfluss, ob ein Infizierter symptomatisch oder asymptomatisch ist. Das berichten koreanische Forscher. Für eine Studie haben sie Abstriche von 303 Patienten (davon 89 anhaltend beschwerdefrei) untersucht und geschaut, ob sich die Menge der viralen RNA in Rachenabstrichen und Sputumproben unterscheiden. Da die Viruslast beider Patientengruppen ähnlich war, muss die Isolation Erkrankter unabhängig von Krankheitszeichen erfolgen, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen (JAMA Intern Med 2020; online 6. August)

Fünf „Frühmarker“ der humoralen Immunantwort zur Prognose von COVID-19-Patienten haben US-Ärzte aufgelistet. Damit lasse sich vorhersagen, ob ein Patient an den Folgen von COVID-19 sterben werde oder nicht. Patienten, die COVID-19 nicht überlebten, hätten vor allem Antikörper gegen das virale Nukleokapsid-Protein (N) gebildet; Patienten, die überlebten, dagegen Antikörper gegen das virale Spike-Protein (S). Für ihre Untersuchungen analysierten die Ärzte das Vorkommen der Immunglobuline M und A1 als Reaktion auf das S-Protein und auf verwandte Komplementablagerungen sowie das Vorkommen der Immunglobuline M und A2 als Reaktion auf das N-Protein, heißt es in einer Mitteilung zur Studie (Immunity 2020; online 30. Juli).


Update vom 7. August

Bei schweren COVID-19-Verläufen kommt es offenbar, anders als bislang allgemein angenommen, nicht allein zu einer starken Immunreaktion – vielmehr könnte die Immunantwort in einer Dauerschleife aus Aktivierung und Hemmung gefangen sein. Indizien dafür hat ein deutsches Forscherteam mehrerer Institute entdeckt. Für die Studie untersuchten die Forscher Leukozyten in Blutproben von 53 Patienten mit mildem oder schwerem COVID-19-Verlauf und von Gesunden oder Patienten mit anderen viralen Atemwegsinfekten. Im Ergebnis waren Neutrophile und Monozyten bei schweren COVID-19-Verläufen zwar zum Teil aktiviert, aber auch oft unreif und in ihrer Funktion gestört, sodass sie hemmend auf die Immunreaktion wirkten. So komme es zu einer unzureichenden Immunantwort gegen das Virus bei gleichzeitiger starker Entzündung im Lungengewebe, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen zur Veröffentlichung der Studie (Cell 2020; online 5. August).

Der Wirkstoff Apilimod hat in Zellkulturen eine Infektion mit Viruschimären aus dem Vesikuläres-Stomatitis-Virus (VSV), das die Fusionsproteine entweder des Ebolavirus oder des Coronavirus SARS-CoV-2 erhalten hatte, zu 50 Prozent gehemmt. Apilimod inhibiert das Enzym PIKfyve, die endosomale Lipidkinase, das in der Zelle die Verteilung neu synthetisierter Moleküle übernimmt. Unter dem Einfluss von Apilimod können die infizierten Wirtszellen die Endosomen nicht mehr synthetisieren, wodurch die replizierten Viruskopien nicht verteilt werden können, haben Forscher aus Harvard um Dr. Yuan Lin-Kang herausgefunden (PNAS 2020; online 6. August).


Update vom 6. August

Auch mit wiederholten serologischen Tests lassen sich nicht zuverlässig bei allen vormals SARS-CoV-2-Infizierten Antikörper nachweisen. Das ist das Ergebnis einer kleinen Untersuchung griechischer Wissenschaftler. Sie hatten 26 Patienten mit nachgewiesener Infektion wiederholt und mit mehreren Assays auf SARS-CoV-2-Antikörper (IgG und IgM) untersucht. Ergebnis: Zwei der 26 Patienten (7,7 Prozent) waren in jedem Test seronegativ trotz vorherigem positiven PCR-Nachweis und anschließend milder COVID-19-Erkrankung. Dies könnte den Autoren zufolge dafür sprechen, dass insbesondere bei asymptomatischen oder milden Verläufen es nicht immer zu einer hinreichenden Serokonversion kommt (J Infect Dis 2020; online 29. Juli).

Während der Pandemie ist offenbar die Krebsinzidenz gesunken. So hat sich die durchschnittliche Zahl der Neudiagnosen pro Woche bei Patienten mit einer von sechs Krebsentitäten (Brust-, Kolorektal-, Lungen-, Pankreas-, Magen- und Ösophaguskrebs) in einer US-Studie um 46 Prozent verringert. Forscher aus New Jersey um Dr. Harvey Kaufman hatten untersucht, in welchem Ausmaß Patienten Arztbesuche aufgrund der COVID-19-Pandemie vermeiden. Vor der Pandemie waren pro Woche durchschnittlich 4310 Patienten mit neu diagnostiziertem Karzinom erfasst worden, seit Pandemiebeginn ist dieser wöchentliche Durchschnittswert auf 2310 Patienten gesunken (JAMA Netw Open 2020; online 4. August).

Update vom 5. August

Blutgefäße in der Lunge verstopfen bei COVID-19, weil neutrophile Granulozyten besonders stark aktiviert werden, sich zusammenballen und dort Netze bilden. Diese Immunthrombose geschieht aufgrund von immunologisch bedingten Vorgängen als Folge der viralen Schädigung des Lungenepithels, haben Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden. Die neutrophilen Granulozyten, die bei dieser Immunthrombose involviert sind, besitzen eine geringe Dichte und sind sonst an Autoimmunprozessen beteiligt. Die Folge ist eine pulmonale Insuffizienz (EBioMedicine 2020; online 31. Juli).

Nur etwa 60 Prozent der Patienten, die sich von einer SARS-CoV-2-Infektion wieder erholen, haben danach schützende Antikörper gegen das Virus. So war es jedenfalls in einer kleinen Studie aus Österreich. Die Forscher untersuchten Daten von 25 Probanden. Dabei hemmten die Antikörper von sechs Probanden die Bindung des Virus an den ACE2-Rezeptor um mehr als 50 Prozent, bis zu 50 Prozent bei neun Probanden und gar nicht bei fünf Probanden. Bei ebenfalls fünf Probanden entdeckten die Forscher, dass das Virus besser als vorher an den ACE2-Rezeptor der Zelle andocken konnte. Die Re-Infektion der Zelle wurde bei diesen Probanden also durch deren körpereigene Antikörper für das Virus vereinfacht – sie fungierten quasi als „Doppel-Agenten“ (Allergy 2020; online 30. Juli).


Update vom 4. August

Schulen und Kitas könnten im Vereinigten Königreich (UK) wieder geöffnet werden, ohne dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Dafür müssten das Nachverfolgen von Infektionsketten, genügend Tests auf das Virus sowie Strategien zur Infektionsvermeidung beherzigt werden. Das schlussfolgern britischen Modellierer, die die Folgen einer Schul- und Kita-Öffnung in UK im September anhand von Rechenmodellen simuliert haben. Würden diese Maßnahmen nicht ausreichend umgesetzt, gehen die Forscher von einer doppelt so großen (2- bis 2,3-mal größeren) zweiten Welle in Großbritannien aus, die im Dezember 2020 ihren Höhepunkt erreichen wird (Lancet Child Adolesc Health 2020; online 3. August).

Asthmatiker mit SARS-CoV-2-Infektion hatten kein erhöhtes Risiko, aufgrund der Infektion eine Asthma-Exazerbation zu entwickeln, wie Autoren einer französischen Studie berichten. Dafür untersuchten sie 768 hospitalisierte COVID-19-Patienten. Von diesen waren 37 (4,8 Prozent) Asthmatiker – ein Wert, der den Forschern zufolge im Wesentlichen dem Anteil der Asthmatiker unter der französischen Allgemeinbevölkerung entspricht. Bei keinem dieser Patienten sei ein schwerer Asthmaanfall aufgetreten, der eine spezifische Behandlung im Krankenhaus erfordert hätte. Dies zeige, dass COVID-19 im Vergleich zu anderen respiratorischen Virusinfektionen den Zustand von Asthmatikern weniger verschlimmere, schreiben die Forscher (Eur Respir J 2020; online 30. Juli).

Ungefähr 1.482.000 Italiener (2,5 Prozent) könnten bisher in Kontakt mit SARS-CoV-2 gekommen sein. Das ist das Ergebnis der italienischen Seroprävalenzstudie des Gesundheitsministeriums und des Roten Kreuzes. 64.660 Tests auf das Virus seien in Italien bisher vorgenommen worden. Die regionalen Unterschiede in der Prävalenz seien stark, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums zur Veröffentlichung der Studie. Die Lombardei war demnach die Region mit den meisten seropositiven Personen (7,5 Prozent), alle südlichen Regionen hatten hingegen weniger als ein Prozent Seropositive. Medizinisches Personal sei unabhängig von der Region am stärksten betroffen. Intrafamiliäre Übertragungen seien sehr häufig vorgekommen. Das Ministerium weist darauf hin, dass sich eine Infektion zwischen Familienmitgliedern mit Vorsichtsmaßnahmen verhindern lasse. 60 Prozent der Italiener hätten mittlerweile mindestens ein erkranktes Familienmitglied. Es gebe außerdem viele asymptomatische Infizierte unter den getesteten Personen (27,3 Prozent), heißt es in der Mitteilung weiter.

Update vom 3. August

Mitarbeiter im Gesundheitswesen in den USA und im Vereinigten Königreich haben ein 3,4-fach erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, wenn sie direkt am Patienten arbeiten. Das hat eine Auswertung einer digitalen Umfrage unter 100.000 Nutzern einer Corona-App ergeben. Bei den App-Nutzern – medizinisches Personal mit direktem Patientenkontakt – betrug die COVID-19-Prävalenz 2747 pro 100.000 Personen. Bei Nutzern aus der Allgemeinbevölkerung waren es 242 pro 100.000 Personen. Dabei berücksichtigten die Forscher um Dr. Long Nguyen von der Harvard Medical School auch Unterschiede in der Test-Häufigkeit zwischen medizinischem Personal und der Allgemeinbevölkerung (Lancet Public Health 2020; online 31. Juli).

Jeder 300. Zug-Reisende infiziert sich im Durchschnitt mit SARS-CoV-2, wenn er innerhalb eines Abstands von fünf Reihen längs oder drei Reihen quer zu einer infizierten Person sitzt. Das entspricht einem Infektionsrisiko von 0,32 Prozent, haben britische Wissenschaftler herausgefunden, die Infektionsdaten von chinesischen Reisenden in Hochgeschwindigkeitszügen ausgewertet haben. Reisende, die direkt neben einem Infizierten saßen, zogen sich in 3,5 Prozent der Fälle eine Infektion zu. In derselben Sitzreihe betrug dieses Risiko noch 1,5 Prozent. Pro Reisestunde erhöhte sich dieser Wert um 0,15 Prozent, für die Reisenden direkt neben dem Infizierten um 1,3 Prozent pro Stunde (Clin Infect Dis 2020; online 29. Juli).

Einen septischen Schock hatten 61 Prozent aller intensivpflichtigen COVID-19-Patienten an der Uniklinik Freiburg. Die Autoren einer auf dem Preprintserver MedRxiv veröffentlichten Auswertung sehen darin eine von vier dominanten Komplikationen. Sie hatten die Daten von 213 COVID-19-Patienten analysiert, die zwischen Ende Februar und Anfang Mai an der Uniklinik behandelt wurden. Davon waren 70 Patienten intensivmedizinisch versorgt worden, 33 von ihnen starben. Als weitere häufige Komplikationen bei diesen Intensivpatienten haben sie akutes Nierenversagen (37 Prozent) sowie thromboembolische und hämorrhagische Ereignisse ermittelt. Zu Lungenembolien kam es bei 16 Patienten (23 Prozent), zu ischämischen Insulten bei neun Patienten (13 Prozent). Größere Blutungsereignisse wie intrazerebrale Blutungen oder Lungenblutung gab es bei 16 bzw. 11 Prozent der Intensivpatienten (medRxiv 2020.07.22.20160127).

Update vom 2. August

Eine Untersuchung zu einem Coronavirus-Ausbruch in einem US-Sommercamp verdeutlicht der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge, dass sich Kinder jeden Alters mit SARS-CoV-2 infizieren können bei fehlenden Schutzmaßnahmen. Die Untersuchung befasst sich mit einem Coronavirus-Ausbruch, der sich Ende Juni innerhalb weniger Tage in einem Feriencamp für Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche im südlichen Bundesstaat Georgia zugetragen hatte. Von den rund 600 dort anwesenden Personen gab es von 344 das Ergebnis eines Corona-Tests. Von ihnen hatten sich 260 mit dem Coronavirus infiziert, also fast die Hälfte. Darunter waren 51 Kinder im Alter bis zehn Jahren, 180 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren, 27 Jugendliche zwischen 18 und 21 Jahren und 2 Erwachsene. Wegen der fehlenden Testergebnisse sei anzunehmen, dass es noch mehr Infektionen gegeben habe, hieß es in dem Bericht. Die rund 250 Angestellten und Freiwilligen in dem Camp mussten Masken tragen, die etwa 350 Gäste im Alter von 6 bis 18 Jahren mussten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen und teilten sich Schlafräume. Die höchsten Infektionszahlen traten dabei bei Zimmerbelegung mit 16-26 Teilnehmern auf. Während des mehrtägigen Aufenthalts gab es zudem Aktivitäten auch in geschlossenen Räumen, wobei viel gesungen worden sei, heißt es weiter in dem CDC-Bericht. Von den 136 Personen, für die es Informationen zu Symptomen gab, gaben 36 (26 %) an, keine Beschwerden gehabt zu haben. Die übrigen berichteten von Fieber, Kopf- und Halsschmerzen.

Die Corona-Antikörperstudie des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) mit über 2000 Teilnehmern, die von Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Erlangen durchgeführt wurde, hat ergeben, dass Patienten, die entzündungshemmende Medikamente (Zytokininhibitoren) gegen chronische Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis (RA), entzündliche Darmerkrankungen (CED), Morbus Bechterew oder Schuppenflechte einnehmen, kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 haben. Im Gegenteil: Die Forscher postulieren sogar einen möglicherweise protektiven Effekt. Nach den in „Nature Communications (Nat Commun 11, 3774 (2020) jüngst publizierten Daten war im Vergleich zu Patienten ohne entzündungshemmende Therapie und zu Gesunden einer Vergleichsgruppe – bei ähnlichen sozialen Kontakten – in der Therapiegruppe die Prävalenz von anti-SARS-CoV-2-Antikörpern (IgG) geringer. Die Erlanger Corona-Studie entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Forschern des DZI sowie Forschern vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF-Projekt MASCARA) und die Schreiber-Stiftung unterstützt.

Update vom 31. Juli

In einem neuen „Living Systematic Review“ empfehlen Autoren Glukokortikoide zur Therapie bei COVID-19. In den 23 für die Übersichtsarbeit ausgewerteten randomisiert-kontrollierten Studien fand die internationale Autorengruppe für diese Steroide die stärkste Evidenz („mäßige Sicherheit“). Die Gabe von Glukokortikoiden ist den Autoren zufolge die einzige Intervention mit Evidenz für eine Mortalitätssenkung gegenüber der Standardtherapie. Für Remdesivir fanden die Autoren eine „mittlere Sicherheit“ zur Verkürzung der Symptomdauer (-2,6 Tage gegenüber Standardtherapie). Für Hydroxychloroquin und Lopinavir/Ritonavir fanden die Autoren nur eine „niedrige Sicherheit“ (BMJ 2020; 370: m2980).

Schulschließungen könnten in den USA eine noch größere Ausbreitung der Corona-Pandemie verhindert haben. Das jedenfalls wollen Ärzte aus Ohio ermittelt haben anhand einer Modellanalyse der Fallzahlenentwicklung von Anfang März bis Anfang Mai im Bezug zu den Interventionen von 50 US-Bundesstaaten anhand einer Zeitreihe. Danach sollen die Schulschließungen mit einem signifikanten „Rückgang“ bei der Inzidenz von -62 Prozent pro Woche und bei der Mortalität mit -58 Prozent je Woche assoziiert sein. Der Effekt der Schulschließungen soll den Forschern zufolge am deutlichsten in den Bundesstaaten mit einer geringen kumulativen Inzidenz und frühen Maßnahmen ausgefallen sein: -72 Prozent je Woche versus -49 Prozent je Woche in Staaten mit hoher kumulativer Inzidenz. Allerdings waren die Fallzahlen im Beobachtungszeitraum nach offiziellen Angaben in den USA deutlich angestiegen. Das wird auch in der Arbeit deutlich, wo für alle nach Quartilen der kumulativen Inzidenz beobachteten Staaten die Zahl der Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner in der Zeit nach den Schulschließungen deutlich höher war als in der Zeit davor. Den „Rückgang“ bei der Inzidenz beziehen die Autoren deshalb auf die wöchentliche Veränderungsrate. Dennoch bleibt auch in dieser Studienarbeit völlig offen, wie hoch der Effekt der Schulschließungen wirklich ist. Denn die Autoren räumen selbst ein, dass „viele Staaten zeitgleich mit oder kurz nach der Schließung von Schulen zusätzliche nicht-pharmazeutische Interventionen eingeführt haben, sodass es unmöglich ist, potenzielle Auswirkungen der Schulschließung vollständig zu isolieren“. Auch den Einfluss von Interventionen wie etwa verbesserter Händehygiene konnten die Wissenschaftler nicht kalkulieren (JAMA 2020; online 29. Juli).

Eine höhere Prävalenz und Mortalität von COVID-19 lässt sich nicht allein durch enge familiäre Kontakte mit mehreren Generationen erklären. Für Länder wie Italien mit einem höheren Vorkommen von Mehrgenerationenhaushalten war das in früheren Studien als Grund vermutet worden. Stattdessen sind diese Umstände eher auf schwächere Gesundheitssysteme vor Ort zurückzuführen, schreiben Wissenschaftler aus Wien (PNAS 2020; online 22. Juli).

Bei COVID-19-Patienten mit akuten neurologischen Symptomen sollte auch an große Gefäßverschlüsse gedacht werden. Für sie ist das Risiko 2,4-mal so hoch, haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Sie haben Daten von 329 Patienten ausgewertet, bei denen ein Schlaganfall vermutet wurde. 31,7 Prozent der COVID-19-Patienten hatte einen Schlaganfall mit großem Gefäßverschluss, bei den nichtinfizierten Patienten waren es 15,3 Prozent (Am J Roentgenol 2020; online 5. Juni).


Update vom 30. Juli

Reaktive T-Helferzellen bei über jedem dritten Gesunden haben Forscher der Berliner Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik (MPIMG) gefunden. Sie haben Proben peripheren Bluts von 68 gesunden Probanden untersucht, die den Autoren zufolge nachweislich noch nie mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Bei 24 der Probanden (35 Prozent) wiesen die CD4+-T-Zellen eine Reaktion auf das Spike-Protein des SARS-2-Coronavirus auf. Wie die Forscher herausfanden, reagierten die Helferzellen der gesunden Probanden vor allem auf den C-Terminus des Spike-Proteins, während bei COVID-19-Patienten die T-Zellen auf das gesamte Oberflächenprotein reagierten. Der C-Terminus von SARS-CoV-2 scheint identisch zu den endemischen humanen Coronaviren 229E und OC43 zu sein, weswegen die Forscher eine Kreuzreaktivität vermuten. Ob sich daraus auch eine Kreuzprotektivität ergibt, konnte die Forschergruppe aber nicht ermitteln (Nature 2020; online 29. Juli).

Eine einzelne Dosis der Adenovirus-basierten Vakzine Ad26.COV2.S hat Rhesusmakaken in einer kleinen Studie teilweise oder ganz vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen können. 52 erwachsene Tiere erhielten je eine Dosis mit dem Impfstoff. Die Forscher verwendeten sieben verschiedene Varianten der Vakzine, in denen die Adenoviren das Erbgut mal für das ganze Spike-Protein enthielten, mal für Teile davon und mal mit verschiedenen Mutationen. Bei den 32 der mit Verum geimpften Affen zeigte sich nach zwei bis vier Wochen eine Immunantwort. Am stärksten fiel sie bei den Tieren aus, bei denen die Adenoviren das gesamte Spike-Protein mit drei zusätzlichen Mutationen kodierte (S.PP). Diese so geimpften Tiere waren in der sechsten Woche danach gegen eine SARS-CoV-2-Infektion geschützt. Die Forscher konnten bei ihnen nach der Inokulation mit den Viren keine replizierten Viren in der bronchoalveolären Lavage nachweisen (Nature 2020; online 30. Juli).

Schon Teile der Rezeptorbindedomäne (RBD) des Spike-Proteins könnten als Impfstoff eine hinreichende Antikörperantwort auslösen, wie eine chinesische Forschergruppe zeigt. Sie haben Mäuse, Kaninchen und Makaken mit RBD-Teilen geimpft und konnten nach einer Einzeldosis bereits nach sieben bis 14 Tagen funktionale Antikörper messen. Makakenaffen schützte die Impfung außerdem vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Nature 2020; online 29. Juli).

Jede 16. entbindende Frau in Philadelphia hat SARS-CoV-2-Antikörper. In einer Untersuchung von 1293 Frauen in Kliniken in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania fanden Forscher bei 80 von ihnen IgG- und/oder IgM-Antikörper gegen das Virus. Alle Frauen waren schwanger und kurz vor der Entbindung. Die serologische Prävalenz (6,2 Prozent gesamt) war jedoch je nach Ethnie unterschiedlich hoch: 9,7 Prozent bei Menschen schwarzafrikanischer Abstammung und 10,4 Prozent bei Hispanic- und Latino-Amerikanern versus 2,0 beziehungsweise 0,9 Prozent bei weißen beziehungsweise Frauen asiatischer Abstammung. Bei immerhin 64 Prozent der werdenden Mütter mit Serokonversion (47 von 72 Frauen) konnten die Forscher zudem per Nasopharyngealabstrich einen positiven PCR-Nachweis auf SARS-CoV-2 führen (Science Immunology 2020; 5(49): eabd5709).

Kopfschmerzen als Symptom einer SARS-CoV-2-Infektion sind „bemerkenswert heterogen“. So wurden die unterschiedlichen Schmerzen in einer Befragung spanischer Forscher beschrieben. Am häufigsten waren die Schmerzen hemi- oder holokraniell (46 beziehungsweise 42 Prozent), etwas seltener okzipital lokalisiert (18 Prozent). Der Schmerzcharakter wurde meistens (zu 80 Prozent) als drückend beschrieben. Pulsierende Schmerzen waren insgesamt selten (sieben Prozent), bei einer Migräneanamnese etwas häufiger (20 Prozent). Körperliche Aktivität beziehungsweise Kopfbewegungen führten bei etwa der Hälfte der Patienten zu einer Verstärkung der Schmerzen. Bei einem beträchtlichen Teil der Erkrankten waren die Kopfschmerzen außerdem mit Phono- oder Photophobie verbunden (41 beziehungsweise 29 Prozent). Unter Übelkeit litten weniger als 20 Prozent (Headache 2020; online 15. Juli).

Auch bei SARS-CoV-2-infizierten Frauen erhöht sich das Thrombose-Risiko, wenn sie schwanger sind, Östrogen-haltige Verhütungsmittel oder eine Hormonersatztherapie nutzen. Das hat eine Studie erneut bestätigt. Bei Komplikationen kann es nötig werden, dass diese Frauen entweder eine Therapie mit Antikoagulanzien erhalten oder die Medikation absetzen. Hintergrund ist, dass Östrogen während der Schwangerschaft bekanntlich die Bildung von Blutgerinnseln fördert, eine bekannte Komplikation bei COVID-19 (Endocrinology 2020; online 29. Juli).

Regionale Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Neuinfektionen sind deutlich effektiver und mit geringeren Einschränkungen verbunden als national verordnete Maßnahmen, solange die Zahl der überregionalen Infektionen gering ist. Das hat eine Simulation eines Forscherteams vom Max-Planck-Institut in Göttingen ergeben, die auf dem Preprint-Server MedRxiv zugänglich ist. Dafür sollten die Schwellenwerte jedoch gesenkt werden, ab denen lokale Einschränkungen angeordnet werden. Die Autoren schlagen einen Schwellenwert von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen vor, aktuell liegt dieser Wert bei 50 Neuinfektionen (MedRxiv 2020; online 24. Juli).

Ein virales Enzym, das für die Replikation und Ausbreitung von SARS-CoV-2 wichtig ist, haben Forscher aus Frankfurt identifiziert. Das Virus lässt das Enzym mit Namen papain-like protease (PLpro) von der Wirtszelle synthetisieren und unterdrückt damit die unspezifische Immunantwort des Körpers. Hemmt man das Enzym pharmakologisch, blockiert das die Virusvermehrung, außerdem wird die Immunantwort nicht mehr unterdrückt (Nature 2020; online 29. Juli).

Update vom 29. Juli

Auch milde COVID-19-Verläufe beeinträchtigen wohl dauerhaft das Herz. Das ist das Ergebnis einer Studie von Frankfurter Kardiologen. Bei 78 Prozent ihrer Patienten, die eine SARS-CoV-2-Infektion überstanden hatten, stellten sie im späteren Verlauf Auffälligkeiten im MRT fest, obwohl die Infektion meist mild verlief. Insgesamt 100 Patienten haben sie im Schnitt 71 Tage nach der Diagnose untersucht. 60 Prozent der Patienten wiesen zu diesem Zeitpunkt noch Anzeichen für eine myokardiale Inflammation auf. Klinisch ins Auge fällt, dass 36 Prozent der Patienten auch nach der überstandenen Akutinfektion über anhaltende Kurzatmigkeit und allgemeine Erschöpfung berichteten. Einige Patienten klagten über atypischen Brustschmerz (17) oder Palpitationen (20 Patienten) (JAMA Cardiol 2020; online 27. Juli).

Mehr als ein Drittel (73) aller Nationen weltweit laufen Gefahr, nicht genug antiretrovirale Medikamente gegen HIV zur Verfügung stellen zu können, 24 davon haben bereits „kritisch geringe Bestände“. Der Grund dafür sind Störungen im Produktionsablauf oder ähnliches aufgrund der COVID-19-Pandemie. Das geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor. Insgesamt 8,3 Millionen Menschen erhielten in diesen 24 gefährdeten Ländern aktuell eine antiretrovirale Therapie. „Diese Erkenntnisse sind tief besorgniserregend“, wird WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Mitteilung zur Studie zitiert (JAMA Network 2020, online 21. Juli).

SARS-CoV-2 lässt sich in vielen Fällen im Herzgewebe von COVID-19-Toten nachweisen, ohne dass myokarditisartige Entzündungsprozesse vorliegen. Das berichten Hamburger Kardiologen. Dafür wurden 39 Verstorbene mit diagnostizierter SARS-CoV-2-Infektion im April 2020 autopsiert, bei 24 fiel ein Test des Herzgewebes auf SARS-CoV-2 positiv aus. Diese Patienten hatten auch eine erhöhte Zytokin-Genexpression, das untermauere, dass Zytokin-induzierte Organschäden zum Krankheitsprozess beitragen (JAMA Cardiol 2020; online 27. Juli).

Der primäre Studienendpunkt der COVACTA-Phase-III-Studie zur Wirksamkeit von Tocilizumab bei hospitalisierten Patienten mit schwerer COVID-19-assoziierter Pneumonie wurde nicht erreicht. Verglichen mit Placebo unterschied sich der klinische Status der Verum-Patienten statistisch nicht signifikant, teilt der Hersteller Roche mit. Es gab keinen Unterschied in der Sterblichkeit oder statistisch signifikanten Unterschied bei den beatmungsfreien Tagen der beiden Gruppen. Die Zeit bis zur Krankenhausentlassung oder einem Status „bereit zur Entlassung“ war zwar kürzer in der Tocilizumab-Gruppe, der Unterschied kann jedoch nicht als statistisch signifikant betrachtet werden, da der primäre Endpunkt „verbesserter klinischer Status“ nicht erreicht wurde.

Update vom 28. Juli

Senioren in Deutschland sind trotz der Corona-Maßnahmen mehrheitlich psychisch stabil. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Studie der Universität Leipzig mit 1005 Senioren im Alter von 65 bis 94 Jahren. Die selbst angegebenen Bewertungen zu Depressivität, Ängstlichkeit, Somatisierung und Einsamkeit unterschieden sich nicht von den Resultaten, die man für die deutsche Allgemeinbevölkerung aus der Zeit vor der Pandemie kennt. Die Studienergebnisse sind beim Journal Epidemiology and Psychiatric Sciences eingereicht und bereits über den Preprint-Server PsyArXiv zugänglich (online 15. Juli 2020).

Einen rascheren Test auf SARS-CoV-2 haben Wissenschaftler aus Heidelberg entwickelt. Statt wie üblich auf Real-Time-Quantitative-PCR (RT-qPCR) stützt sich der Test auf die Reverse-Transcription-Loop-Mediated-Isothermal-Amplification (RT-LAMP). Der Vorteil: Statt mehrere Stunden die virale RNA in Zyklen mit unterschiedlichen Temperaturen vervielfältigen zu müssen, dauern die nötigen RT-LAMP-Zyklen nur 30 Minuten bei gleichbleibender Temperatur. Die Sensitivität des Tests geben die Forscher mit 97,5 Prozent an, die Spezifität 99,7 Prozent. Das Nadelöhr im Labor, etwa die Aufbereitung der Proben, RNA-Isolierung, wird damit allerdings nicht beseitigt. Die Virologen haben daher versucht, die Notwendigkeit der zeitaufwändigen Probenaufbereitung und RNA-Isolation für Labore in einer zweiten Testversion zu umgehen. Dabei sank die Sensitivität aber auf 86 Prozent bei 99,5 Prozent Spezifität. Bei der derzeitigen SARS-CoV-2-Prävalenz in Deutschland von 0,27 Prozent entspräche das einem positiv-prädiktiven Wert (PPV) von 31,4 Prozent (Sci Transl Med 2020; online 27. Juli).

Update vom 27. Juli

Wie SARS-CoV-2 olfaktorische Zellen befällt und beeinflusst, haben Harvard-Forscher untersucht. Das Virus befällt Epithelzellen, die bestimmte Moleküle für den Zelleintritt exprimieren. Dabei sind zwei Gene von Bedeutung, das bereits bekannte ACE2 und TMPRSS2. ACE2 wird vor allem in Unterstützungs-Zellen, nicht in Neuronen exprimiert. Der Befall von Nicht-Neuronen führe in der Folge zu Anosmie und verwandten Beeinflussungen der Geruchswahrnehmung, schreiben die Wissenschaftler um David Brann (Sci Adv 2020; online 24. Juli).

Nicht-infizierte Verwandte von SARS-CoV-2-Patienten können eine Immunantwort ohne Serokonversion entwickeln, also ohne einen positiven Antikörpernachweis auf eine stattgehabte Infektion zu haben. Das haben französische Forscher herausgefunden und ihre Ergebnisse auf dem Preprint-Server „Medrxiv“ veröffentlicht. Untersucht wurden sieben Familien mit neun Indexpatienten und acht Kontaktpersonen sowie zehn gesunden Kontrollpersonen. Die Patienten erholten sich von milden COVID-19-Verläufen. Sechs der acht Kontaktpersonen entwickelten COVID-19-Symptome innerhalb von sieben Tagen, waren aber SARS-CoV-2-seronegativ. Diese kleine Fallserie könnte die Diskussion um die Immunogenität beflügeln. Zuletzt hatten wiederholt Berichte über rasch sinkende Antikörpertiter Zweifel aufkommen lassen, wie wirksam Impfungen sein könnten (22. Juni 2020).

Ein Extrakt einer essbaren Alge hat in Zellstudien eine bessere antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-2 gehabt als Remdesivir. Eine Heparin-Variation, die keine antikoagulatorischen Eigenschaften mehr hatte, hatte eine gleich gute Wirkung, haben Forscher aus New York entdeckt. Den Effekt der beiden Polysaccharide erklären die Wissenschaftler damit, dass das Spike-Protein des Virus diese mit dem ACE2-Rezeptor auf der Oberfläche menschlicher Zellen verwechselt. Das Virus ist so an die Polysaccharide statt an eine Zelle gebunden und degradiert später einfach auf natürliche Weise (Cell Discov 2020; online 24. Juli).

SARS-CoV-2 verbirgt sich mit einem Tarnprotein vor dem menschlichen Immunsystem. Über das Nicht-Struktur-Protein nsp16, mit dem das Virus seine RNA-„Kappe“ modifiziert, weist das Virus seine eindringende RNA als zelleigen und nicht als fremd aus. Wird das Protein gehemmt, erkennt das Immunsystem den Eindringling und kann es attackieren, haben Wissenschaftler aus Texas herausgefunden (Nat Commun 2020; online 24. Juli).

Hospitalisierte COVID-19-Patienten haben nicht häufiger einen Schlaganfall, obwohl sie meistens Risikofaktoren wie Hypertonie und Diabetes haben. Das haben Forscher aus Pennsylvania entdeckt. Die Wissenschaftler haben Daten von 844 COVID-19-Patienten ausgewertet, 2,4 Prozent der Patienten hatten einen Schlaganfall. „Das Risiko für COVID-19-Patienten, einen Schlaganfall zu bekommen, ist gering und liegt an den Risikofaktoren, nicht am Virus“, wird Professor Brett Cucchiara von der Universität Pennsylvania in einer Mitteilung zur Studie zitiert (Stroke 2020; online 20. Juli).

Update vom 24. Juli

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies geht wohl auf ein Superspreader-Ereignis zurück mit Übertragungen über weite Distanzen in klimatisierten Arbeitsbereichen. Die im größten Fleischverarbeitungskomplex Deutschlands herrschenden Arbeitsbedingungen (niedrige Temperatur, geringe Frischluftzufuhr, konstante Luftumwälzung durch eine Klimaanlage und körperlich anstrengende Arbeit) haben dabei offenbar die Aerosol-Übertragung von SARS-CoV-2 in einem Umkreis von über acht Metern um die Indexperson herum ermöglicht, berichtet das Forscherteam vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und vom Heinrich-Pette-Institut. Die Wohnsituation der Arbeiter spielte bei dem Ausbruchsgeschehen demnach keine wesentliche Rolle. Für die Wissenschaftler stellt sich nun die Frage, unter welchen Bedingungen auch in anderen Situationen Übertragungsereignisse über größere Entfernungen möglich sind (PrePrint-Server SSRN; online 23. Juli).

Alltagsmasken sollten mindestens aus zwei Schichten Stoff bestehen, um Tröpfchen und Aerosole effektiv einzufangen. Zu diesem Ergebnis kommen australische Wissenschaftler von der University of New South Wales in Sydney. Sie hatten drei unterschiedliche Maskentypen miteinander verglichen: einschichtige Alltagsmasken, zweischichtige Alltagsmasken und dreischichtige Op-Masken. Am effektivsten waren, wenig überraschend, die dreischichtigen Op-Masken. Allerdings zeigten sich zwischen den ein- und zweischichtigen Alltagsmasken signifikante Unterschiede, so Dr. Raina MacIntyre und Kollegen. Zwar reduzierte bereits eine einschichtige Maske den Tröpfchen- und Aerosol-Ausstoß beim Sprechen, Husten oder Niesen, der Effekt war bei zweischichtigen Masken aber deutlich stärker, wie die Wissenschaftler per High-Speed-Kamera feststellten. Die Alltagsmasken in den Versuchen bestanden aus Baumwolle, andere Materialien könnten Aerosole und Tröpfchen möglicherweise besser zurückhalten, schränken die Forscher ihre Ergebnisse ein (Thorax 2020; online 23. Juli).

Wenn Mütter mit Neugeborenen Hygienestandards einhalten, ist eine perinatale Übertragung von SARS-CoV-2 auf das Kind sehr unwahrscheinlich. Das zeigt eine kleine US-Studie mit 116 SARS-CoV-2-positiven Müttern. Die Mütter brachten insgesamt 120 Kinder auf die Welt, keines der Kinder war bei der Geburt Virus-positiv. In den meisten Fällen (83 Prozent) war die Mutter mit ihrem oder ihren Kindern im selben Raum untergebracht. Den Müttern war das Stillen ihres Kindes erlaubt, wenn sie eine Maske anlegten und Hand- und Brusthygiene einhielten. 96 Prozent der Kinder konnten nach sieben Tagen erneut auf SARS-CoV-2 getestet werden, einige Mütter waren für eine Testung nicht mehr erreichbar. Bei keinem der Kinder wurde das Virus nachgewiesen. Nach 14 Tagen konnten noch 88 Prozent der Kinder getestet werden, auch nach diesem Zeitraum wurde bei keinem SARS-CoV-2 entdeckt. „Wenn die Hygienestandards eingehalten werden, ist ein perinatale Übertragung des Virus äußerst unwahrscheinlich, selbst wenn Mutter und Kind im selben Raum untergebracht sind“, lautet das Fazit der Pädiater (Lancet 2020; online 23. Juli).

Zumindest Klinikmitarbeiter könnten sich zu Hause per Selbstabstrich auf SARS-CoV-2 testen, denn die Übereinstimmung mit professionellen, in der Klinik durchgeführten Abstrichen scheint gut. Forscher der Universität Washington kommen in einer Studie mit 185 Personen zu einer Sensitivität und Spezifität der Selbstabstriche von 80,0 und 97,9 Prozent. Die statistische Maßeinheit Cohens Kappa betrug 0,81, was auf eine definitionsgemäß „beachtliche“ Übereinstimmung hinweist, so die Forscher. Allerdings waren 85 Prozent der Teilnehmer Klinikmitarbeiter, ob der Durchschnittsbürger ebenso gut einen Selbstabstrich durchführen kann, ist fraglich. Dennoch lässt sich aus einem weiteren Studienergebnis ein generelles Fazit für den Selbstabstrich zu Hause ziehen: Denn bei sieben Patienten erbrachte der Selbstabstrich ein falsch negatives Ergebnis. Die entsprechenden Proben waren im Mittel sechs Tage nach den ersten Symptomen entnommen worden, die Richtig-positiven Selbstabstriche dagegen schon nach vier Tagen. Die Selbsttestung solle daher vorzugsweise zu Beginn einer Corona-verdächtigen Symptomatik durchgeführt werden, wenn die höchste Viruslast zu erwarten sei, betonen die Studienautoren (JAMA Netw Open 2020; online 22. Juli).

Update vom 23. Juli

Altersunterschiede könnten ein erheblicher Grund für die je nach Land unterschiedlichen Mortalitätsraten sein. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Heidelberg, nachdem sie Daten zu allen gemeldeten COVID-19-Fällen aus China, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Südkorea, Spanien, der Schweiz und den USA analysiert haben – insgesamt mehr als 1,2 Millionen Fälle. Die Mortalitätsrate variierte in den verschiedenen Ländern enorm: In Italien lag sie mit 9,2 Prozent am höchsten, in Deutschland mit 0,7 Prozent am niedrigsten. „Die Altersverteilung der COVID-19-Fälle erklärt 66 Prozent der Unterschiede zwischen den Ländern“, schreiben die Forscher um Dr. Nikkil Sudharsanan. Altersbereinigt haben sie für COVID-19 eine Mortalitätsrate von 1,9 Prozent berechnet. Die Unterschiede könnten durch ein „selektives Testen“ erklärt werden, so die Forscher, mit dem vor allem ältere Personen fokussiert würden. Um internationale Vergleiche etwa in Studien anzustellen, müsse daher die altersadjustierte Fallsterblichkeit herangezogen werden (Ann Intern Med 2020; online 22. Juli).

Chloroquin verhindert nicht den Eintritt von SARS-CoV-2 in humane Lungenzellen und kann auch die Weiterverbreitung des Virus nicht hemmen, berichten Forscher aus Göttingen. Zuvor hatten unter anderem Tierversuche hoffen lassen, Chloroquin könnte ein Kandidat zur Therapie bei COVID-19 sein, denn das Malariamedikament konnte die Infektion von Affen-Nierenzellen mit SARS-CoV-2 hemmen. Das Fazit von Dr. Markus Hoffmann vom Deutschen Primatenzentrum und Kollegen lautet nun aber: „Chloroquin sollte nicht für die Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden.“ Außerdem weisen die Forscher darauf hin, dass bei künftigen Testungen von potenziellen COVID-19-Medikamenten von Anfang an darauf geachtet werden sollte, relevante Zelllinien für die Untersuchungen einzusetzen (Nature 2020; online 22. Juli).

Antikörpertiter von COVID-19-Patienten mit milden Symptomen halbierten sich in einer kleinen Studie mit 34 Patienten im Median 73 Tage nach der Genesung. Innerhalb eines Jahres könnten damit Antikörper gegen SARS-CoV-2 und ihre Schutzwirkung vollständig verschwunden sein. Die Studienautoren von der University of California, Los Angeles, warnen daher vor Immunitätspässen (NEJM 2020; online 21. Juli).

Das Pasteurisieren von Muttermilch inaktiviert SARS-CoV-2 zuverlässig, legt eine kanadische Studie nahe. Gespendete Muttermilch aus Milchbanken könne so bearbeitet gefahrlos für Frühgeborene eingesetzt werden. „Falls eine Frau mit COVID-19 Muttermilch spendet, und diese durch Übertragung über die Brustdrüse, Atemtröpfchen, Haut oder Milchpumpen mit SARS-CoV-2 infiziert ist, kann die Milch durch Pasteurisierung mithilfe des Holder-Verfahrens für den Verzehr sicher gemacht werden“, berichten Dr. Sharon Unger und ihre Kollegen von der Universität Toronto (CMAJ 2020; online 9. Juli). 

Update vom 22. Juli

Deutlich mehr Fälle von diabetischer Ketoazidose bei Kindern und Jugendlichen wurden in Deutschland in den ersten zwei Monaten der Corona-Pandemie festgestellt, berichten Ärzte von der Universität Gießen. Die akute lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung geht bekanntlich oft mit einer verspäteten Diagnose von Typ-1-Diabetes einher. Für ihre Studie analysierte das Team um Dr. Clemens Kamrath die Daten des deutschen Registers der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation, in dem die Krankheitsverläufe von etwa 90 Prozent aller pädiatrischen Patienten mit Typ-1-Diabetes hierzulande erfasst sind. Zwischen dem 13. März 2020 und dem 13. Mai litten 44,7 Prozent der jungen Diabetespatienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits unter einer diabetischen Ketoazidose. 2019 waren es im selben Zeitraum lediglich 24,5 Prozent gewesen, 2018 im selben Zeitraum 24,1 Prozent. Das höchste Risiko für die Stoffwechselentgleisung hatten dabei Kinder unter sechs Jahren. Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit schweren diabetischen Ketoazidosen nahm zu: 2020 wurde bei 19,4 Prozent der in diesem Zeitraum erfassten Patienten eine schwere diabetische Ketoazidose festgestellt, 2019 waren es nur 13,9 Prozent, und im Jahr 2018 waren es 12,3 Prozent der Patienten (JAMA 2020; online 20. Juli).

Update vom 21. Juli

Zwei weitere COVID-19-Impfstoffkandidaten haben in Phase-I/II-Studien positive Ergebnisse erzielt. Die Daten zu den beiden Studien wurden zeitgleich im Fachjournal „Lancet“ publiziert. Die von der Universität Oxford entwickelte Vakzine „ChAdOx1 nCoV-19“ wurde an 543 Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren verimpft und habe eine starke Immunreaktion hervorgerufen, berichten die Forscher um Pedro Folegatti. Allerdings waren unerwünschte milde bis moderate Wirkungen wie Kopfschmerz, Myalgie, Fieber und Rötungen recht häufig: 67 Prozent der Impflinge gaben derartige Symptome an. Schwere Nebenwirkungen traten aber nicht auf, der Kandidat zeige daher ein „akzeptables“ Sicherheitsprofil, so die Forscher. Der zweite Impfstoffkandidat, eine auf einem nicht-replizierenden adenoviralen Vektor basierende Vakzine, wird von dem chinesischen Unternehmen CanSino entwickelt. Der Kandidat wurde an 508 Probanden über 18 Jahren verimpft und habe eine signifikante Immunantwort hervorgerufen, berichtet das Team um Feng-Cai Zhu. Schwere unerwünschte Wirkungen sind den Ergebnissen zufolge auch hier nicht aufgetreten (Lancet 2020; online 20. Juli und Lancet 2020; ebenfalls online 20. Juli).

Gesichtsmasken können die körperliche Belastbarkeit beeinträchtigen. Sowohl chirurgische Masken als auch FFP2-Masken können die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit gesunder Probanden senken, wie Wissenschaftler des Universitätsklinikums Leipzig herausgefunden haben. Die Untersuchungen, an denen allerdings nur zwölf Probanden teilgenommen hatten, ergaben, dass Atemvolumen sowie Atemgeschwindigkeit durch das Tragen einer Maske beeinträchtigt wurden. Zudem war die Kraft der Probanden am Fahrrad-Ergometer deutlich reduziert, und es zeigte sich eine schnellere Verringerung des Blut-pH-Wertes bei Anstrengung. Dennoch sehen die Kardiologen ihre Studienergebnisse keineswegs als ein Infragestellen der Maskenpflicht, sondern als „Gesamtbetrachtung der Corona-Schutzmaßnahmen“ (Clin Res Cardiol 2020; online 6. Juli).

Mehr Krebstote infolge der Corona-Pandemie erwarten Epidemiologen im Vereinigten Königreich. Sie gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren die Fünf-Jahres-Mortalitätsrate bei Patienten mit Brustkrebs um bis zu 9,6 Prozent steigen könnte. Bei Darmkrebs wäre demnach sogar eine Zunahme um 16,6 Prozent möglich. Auch die Fünf-Jahres-Mortalitätsrate in Großbritannien beim Ösophagus- und Lungenkarzinom berechneten die Forscher: Hier kommen sie auf eine mögliche Zunahme von bis zu 6,0 beziehungsweise 5,3 Prozent (Lancet Oncology 2020; online 20. Juli).

Fast 25 Prozent betrug die 30-Tages-Mortalitätsrate nach stationärer Aufnahme bei COVID-19-Patienten im Iran. Für die Studie hatten sich die Forscher um Dr. Mohammad Jalili von der Universität Teheran die Daten aller Patienten angeschaut, die wegen COVID-19 zwischen dem 20. Februar und dem 20. April in den 1034 Kliniken des Landes untersucht worden waren. Von 23.367 SARS-CoV-2 positiv getesteten Patienten lagen in diesem Zeitraum Daten zu Entlassung oder zum Tod vor. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 30 Tagen nach stationärer Aufnahme in der Klinik zu sterben, lag bei 24,6 Prozent. Die Forscher betonen allerdings, dass es sich um Daten aus einem einzigen Land handle, die Mortalitätsrate in anderen Ländern könne sich deutlich unterscheiden. Dies hänge unter anderem davon ab, welche Kriterien für eine Hospitalisierung gelten (Ann Intern Med 2020; online 20. Juli).

Update vom 20. Juli

SARS-CoV-2 schaltet mittels des viralen „Nonstructural Protein 1 (Nsp1)“ die Ribosomen der Zielzelle aus. Dadurch legt das Virus die Proteinproduktion und einen wichtigen Teil der angeborenen Immunantwort lahm. Mit hochauflösender Cryo-Elektronenmikroskopie analysierten Wissenschaftler der LMU München und der Universität Ulm genau, wie sich das Viren-Protein in eine spezielle Tasche des Ribosoms setzt, sich dort verklammert und so die Synthese von Proteinen verhindert. Dadurch wird auch eine für die angeborene Immunantwort zentrale Signalkaskade ausgeschaltet – für das Team könnte daher ein Molekül, das die Bindung von Nsp1 an das Ribosom verhindert, ein Ansatzpunkt für eine Therapie bei COVID-19 sein (Science 2020; online 17. Juli).

Durch Mücken wird das neue Coronavirus nicht übertragen. Nach Angaben von Forschern um Professor Yan-Jang Huang von der Kansas State University in Manhattan wurde in ihrer Studie erstmals belegt, dass SARS-CoV-2 in drei weit verbreiteten Mückenarten (Aedes aegypti, Aedes albopictus und Culex quinquefasciatus) nicht replizieren und damit auch nicht über Mücken auf den Menschen übertragen werden kann. Dies sei selbst dann nicht möglich gewesen, wenn das Virus direkt in den Thorax der Mücken injiziert wurde – also unter besonders extremen Bedingungen, schreiben die Wissenschaftler (Sci Rep 2020; online 17. Juli).

Update vom 17. Juli

Die schnelle Nachverfolgung von Kontaktpersonen könnte ein essenzieller Faktor zur Pandemiebekämpfung sein. In einer mathematischen Modellrechnung kommen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass schon eine Zeitverzögerung von drei Tagen zwischen Symptombeginn und Testung eine Eindämmung der Pandemie unmöglich macht. Bereits bei einer Zeitverzögerung von einem Tag müssten mindestens 80 Prozent aller Kontaktpersonen erfasst werden, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Bei einer Verzögerung von drei Tagen reiche dann selbst die effektivste Teststrategie nicht mehr aus, um ausreichend viele Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Sie betonen, dass Nachverfolgungsapps wie die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts die schnelle Nachverfolgung deutlich verbessern können (Lancet Public Health; online 16. Juli).

Update vom 16. Juli

Vor einem „alarmierenden“ Corona-bedingten Rückgang der Impfraten bei Kindern warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam mit dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Viele Länder berichteten von unterbrochenen Impfkampagnen, unter anderem weil es nicht ausreichend Schutzausrüstung gebe, aber auch wegen der teilweise herrschenden Ausgangsbeschränkungen oder der Angst vor Ansteckung bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Die indirekten Auswirkungen der Pandemie könnten damit größer sein als die direkt auf COVID-19 zurückzuführenden Todesfälle. Mindestens 30 Impfkampagnen gegen Masern sind Angaben der WHO zufolge weltweit bereits gestoppt worden oder stehen kurz vor ihrer Beendigung. Dies könne mehrere größere Masern-Ausbrüche zur Folge haben und die Impferfolge der vergangenen Jahre zunichtemachen, warnt die Organisation (Mitteilung der WHO; online 15. Juli).

Eine Maskenpflicht für Personal und Patienten hat in US-Kliniken die Rate der SARS-CoV-2-Positiven unter den Klinikmitarbeitern halbiert. Zu Beginn der Pandemie war in zwölf Krankenhäusern in Massachusetts die Positivenrate innerhalb von etwa drei Wochen exponentiell von 0 auf 21 Prozent gestiegen. Mit Einführung der ersten Maßnahme – der Maskenpflicht für Klinikpersonal – begann die SARS-CoV-2-Positivenrate bereits abzunehmen, und mit Einführung der zweiten Maßnahme – der Maskenpflicht für Patienten – nahm die Rate noch einmal deutlich ab und lag dann Ende April bei 11 Prozent. Die Studie unterstreiche die Relevanz einer Maskenpflicht im Gesundheitsbereich für die Infektionseindämmung, resümiert das Team um Dr. Xiaowen Wang vom Brigham and Women’s Hospital in Boston (JAMA 2020; online 14. Juli).

Könnte Heparin zur Therapie bei COVID-19 eingesetzt werden? Das zumindest vermuten Wissenschaftler des Rensselaer Polytechnic Institute in New York. Ihren Erkenntnissen nach bindet Heparin an das Spike-Protein auf der Oberfläche von SARS-CoV-2 und könnte so eine Bindung des Virus an seine Zielzellen verhindern. Möglicherweise könne Heparin als frühe Interventionsmaßnahme SARS-CoV-2-Infizierten mit noch milden Symptomen beispielsweise als Nasenspray verabreicht werden und so das Fortschreiten der Erkrankung verhindern, berichtet Studienautor Professor Robert J. Linhardt in einer Mitteilung seiner Universität (Antiviral Res 2020; online 10. Juli).

Update vom 15. Juli

Die Wirksamkeit und Sicherheit des mRNA-Impfstoffkandidaten „mRNA-1273“ des US-Unternehmens Moderna bestätigen erste Phase-I-Daten. Die Daten wurden aktuell publiziert, zuvor hatte der Hersteller bereits berichtet. Der experimentelle Impfstoff wurde in der Phase-I-Studie an 45 Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren verimpft. Die Probanden erhielten je zwei Dosen der mRNA im Abstand von 28 Tagen, und zwar entweder in der Dosis 25 μg, 100 μg oder 250 μg (n=15 in jeder Gruppe). Nach der ersten Impfung zeigte sich bei den Probanden, die die 250 μg-Dosis erhalten hatten, die höchste Immunantwort. Nach der zweiten Impfung konnten die Wissenschaftler um Dr. Lisa Jackson in allen drei Gruppen eine Immunantwort detektieren, die derjenigen von COVID-19-Patienten mit hoher Immunantwort glich – für diesen Vergleich hatte sich das Team unter anderem die Konzentration spezifischer SARS-CoV-2-Antikörper im Plasma von Rekonvaleszenten angeschaut. Mehr als die Hälfte der Probanden berichtete von milden unerwünschten Wirkungen wie Kopfschmerzen, Fatigue, Schmerzen an der Einstichstelle und Myalgien. Systemische unerwünschte Wirkungen seien erst nach der zweiten Impfung aufgetreten, und dann vermehrt in der Gruppe, die die höchste Dosis erhalten hatten, so die Forscher. Hier berichteten drei Probanden (21 Prozent) von mehr als einer unerwünschten Wirkung. Dies weist daher darauf hin, dass eine Dosis von 250 μg für den letztendlichen Impfstoff zu hoch angesetzt ist. Ernsthafte unerwünschte Wirkungen seien aber nicht aufgetreten, so die Wissenschaftler, Sicherheit und Effektivität der Vakzine damit bestätigt. Moderna zufolge soll der Impfstoffkandidat nun bereits im Juli in Phase III an mehr als 30.000 Probanden getestet werden, dann allerdings nur in den Dosen 25 μg und 100 μg (NEJM 2020; online 14. Juli).

Eine Übertragung von SARS-CoV-2 über Aerosole halten Forscher eher für die Ausnahme als die Regel. Sie begründen dies unter anderem mit der Tatsache, dass beispielsweise das Masern-Virus, das ja tatsächlich auch über Aerosole übertragen wird, eine viel höhere Reproduktionszahl hat: SARS-CoV-2 hat nach bisherigen Erkenntnissen eine Reproduktionszahl von 2 bis 3 (das bedeutet, ein Indexpatient infiziert im Mittel 2 bis 3 weitere Personen), das Masern-Virus hat eine Reproduktionszahl von etwa 18. Es gebe erwiesenermaßen Situationen, in denen SARS-CoV-2 über Aerosole übertragen worden sei, etwa bei Chorproben oder in Restaurants. Dort hätten allerdings Personen in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum eng zusammengesessen. Der Infektionsweg über Aerosole sei daher vermutlich nicht der hauptsächliche Transmissionsweg von SARS-CoV-2 (JAMA, online 13. Juli).

Über einen Fall einer In-utero-Transmission berichten französische Gynäkologen. Eine 23-jährige Frau im dritten Trimenon sei mit Fieber und starkem Husten im März in das Klinikum der Universität Paris-Saclay eingeliefert worden. Ein Test auf SARS-CoV-2 war positiv, und im Verlauf des Klinikaufenthalts entwickelte die Frau schwere COVID-19-Symptome, sodass ein Kaiserschnitt nötig wurde. Auch das Neugeborene wurde positiv auf SARS-CoV-2 getestet und zeigte Symptome einer Enzephalitis. In der Plazenta konnte das Team um Dr. Alexandre Vivanti SARS-CoV-2 in hoher Konzentration nachweisen. Auch ein Test des Fruchtwassers war positiv. Dies sei ein klarer Beleg für eine transplazentare Übertragung. Mutter und Kind konnten mittlerweile aus der Klinik entlassen werden, dem drei Monate alten Kind gehe es gut (Nat Comm 2020; online 14. Juli).

Eine Schutzwirkung der Tuberkulose-Vakzine (BCG-Impfung) gegen COVID-19 wird immer wieder diskutiert. Im Mai hatte eine Studie aus Israel keinen Zusammenhang ergeben, nun haben Forscher epidemiologische Daten aus mehreren Ländern analysiert, unter anderem auch aus Deutschland. Sie kommen zu dem Schluss, dass es zwar eine Assoziation zwischen der Durchimpfungsrate mit BCG innerhalb einer Bevölkerung und der Zahl von schweren COVID-19-Verläufen gebe, und in einigen Ländern sogar eine starke Assoziation. Auf eine Kausalität zu schließen sei aber wegen der Variabilität der untersuchten Daten, unter anderem aufgrund unterschiedlicher sozioökonomischer und demografischer Gegebenheiten, nicht möglich. Ob die BCG-Impfung also tatsächlich vor COVID-19 schützt, ist weiterhin unklar (PNAS 2020; online 9. Juli).

Update vom 14. Juli

Tocilizumab reduziert das Mortalitätsrisiko bei beatmeten COVID-19-Patienten, so das Ergebnis einer kleinen Studie der Universität Michigan mit 154 Patienten. In der Untersuchung erhielt die eine Hälfte der Patienten Tocilizumab, und zwar in einer einmaligen Dosis von 8 mg/kg KG und zumeist innerhalb der ersten 24 Stunden nach Beginn der mechanischen Beatmung. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer erhielt den IL-6-Rezeptor-Hemmer nicht. Die Gabe von Tocilizumab war mit einer relativ um 45 Prozent geringeren Mortalitätsrate in den 28 Tagen nach Beginn der Beatmung assoziiert, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Emily Somers. Allerdings waren die mit Tocilizumab behandelten Patienten etwas jünger (55 vs. 60 Jahre), hatten seltener chronische Lungenerkrankungen (10 vs. 28 Prozent) und geringere D-Dimer-Spiegel (2,4 vs. 6,5 mg/dL). Daher ist nicht ganz auszuschließen, dass die Ärzte das Mittel – bewusst oder unbewusst – für Patienten reserviert haben, denen sie eine bessere Überlebenschance einräumten. Unter Tocilizumab-Behandlung ist den Studienergebnissen zufolge zudem das Risiko für Superinfektionen höher (54 vs. 26 Prozent). Dies habe aber keine statistisch signifikanten Auswirkungen auf das Mortalitätsrisiko gehabt, so die Wissenschaftler. Grund für die positive Wirkung von Tocilizumab könnte sein, dass der Il-6-Rezeptor-Hemmer dem Zytokin-Sturm, der ja bei vielen schwerkranken COVID-19-Patienten beobachtet wird, entgegenwirkt (Clin Inf Dis 2020; online 11. Juli).

Eine deutliche Zunahme von HIV, TB und Malaria-Todesfällen befürchten Forscher aufgrund der Corona-Pandemie in den kommenden fünf Jahren. So könnte die Zahl der HIV-Fälle in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen um 10 Prozent zunehmen, die Zahl der Tuberkulose-Fälle um 20 Prozent und die Zahl der Malaria-Fälle sogar um 36 Prozent. Grund sei die extreme Überlastung der dortigen fragilen Gesundheitssysteme aufgrund der Corona-Pandemie. Noch bestehe die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und die Folgen abzumildern, betonen Dr. Alexandra Hogan, Imperial College London und ihre Kollegen. Es sei unter anderem wichtig, weiterhin für eine ausreichende Versorgung von HIV-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten zu sorgen und Kampagnen gegen Malaria aufrechtzuerhalten (Lancet Global Health 2020; online 13. Juli).

Drei aktualisierte Reviews für den Umgang mit COVID-19 hat die Cochrane Collaboration publiziert, und zwar zu den Themen:

Plasmatherapie mit Rekonvaleszenten-Plasma bei COVID-19. Trotz zahlreicher neu in den Review aufgenommener Studien lasse die Evidenz aus den bis dato abgeschlossenen Studien noch keine Beurteilung von Wirksamkeit und Risiken der Plasmatherapie bei COVID-19 zu, so das Fazit (Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 7. Art. No.: CD013600).

Klinische Zeichen und Symptome zur Erkennung von COVID-19. Die Ergebnisse dieses Reviews deuten darauf hin, dass es kein einzelnes Symptom oder klinisches Zeichen (beispielsweise Husten, Halsschmerzen, Fieber) gibt, um eine genaue Diagnose von COVID-19 zu stellen (Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 7. Art. No.: CD013665).

Psychologische Interventionen zur Förderung der Resilienz von Fachkräften im Gesundheitswesen. Mehr als vage Hinweise auf leicht positive Effekte der Interventionen konnten aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Endpunkt-Maße und Interventionen nicht gezogen werden (Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 7. Art. No.: CD012527).

Update vom 13. Juli

Riech- und Geschmacksstörungen können über Wochen persistieren. In einer italienischen Studie mit 200 Patienten hatten auch fünf bis sechs Wochen nach Beginn eine COVID-19-Erkrankung über ein Drittel noch anhaltende Riech- und Schmeckdefizite. Jeder Zehnte mit solchen Beeinträchtigungen spürte dabei überhaupt keine Verbesserung, berichten die Ärzte der Universität Padua. Olfaktorische und gustatorische Veränderungen wurden in der Studie generell recht häufig berichtet: Sie traten bei rund zwei Drittel der symptomatischen SARS-CoV-2-Infizierten auf (Otolaryngol Head Neck Surg 2020; online 2. Juli) (mut).

Warum versagt Lopinavir häufig bei COVID-19? Grund könnte sein, dass die Konzentration des Medikaments in der Lunge von Corona-Patienten nicht ausreicht, um das Virus zu bekämpfen, vermuten Wissenschaftler der Universität Basel. Sie hatten festgestellt, dass bei COVID-19-Patienten, die in ihrer Klinik stationär behandelt werden mussten, die inflammatorische Immunantwort wohl dazu führt, dass die Konzentration von Lopinavir im Plasma abnimmt: Je höher die CRP-Konzentration im Blut war, desto geringer lag der Lopinavir-Spiegel. Das Team berechnete anschließend, wie hoch die Konzentration des Medikaments in der Lunge gewesen sein muss – also am Ort der Infektion mit SARS-CoV-2. Den Wissenschaftlern zufolge ist es unwahrscheinlich, dass Lopinavir hier eine ausreichende Konzentration erreicht, um die Virusvermehrung in der Lunge zu hemmen (AAC 2020; online 8. Juli).

Welche Schäden SARS-CoV-2 außerhalb der Lunge auslösen kann, haben US-Kardiologen aus New York zusammengefasst. Ihre Auflistung verdeutlicht, wie vielfältig die klinischen Symptome einer COVID-19-Erkrankung sein können – und wie viele Organe das neue Coronavirus befallen kann:

  • Neurologische Manifestationen: Kopfschmerzen, Schwindel, Enzephalitis, Myalgien, Geruchs- und Geschmacksverlust, Guillain-Barré-Syndrom;
  • Renale Symptome: Proteinurie, Hämaturie, akute Nierenbeeinträchtigungen;
  • Hepatologische Symptome: Erhöhte Aminotransferase- und Bilirubin-Spiegel;
  • Gastroenterologische Manifestationen: Diarrhö; Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Unterleibsschmerzen;
  • Thromboembolien: Tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien, Katheter-assoziierte Embolien;
  • Kardiale Symptome: Myokarditis; Arrhythmien, kardiogener Schock, Ischämien, akutes Cor pulmonale;
  • Endokrinologische Symptome: Hyperglykämien, diabetische Ketoazidose;
  • Dermatologische Manifestationen: Petechien, Livedo reticularis, erythematöser Ausschlag, Urtikaria, Frostbeulen-ähnliche Symptome (Nat Med 2020; online 10. Juli).

Update vom 10. Juli

Kinder tragen SARS-CoV-2 offenbar nur selten in Familien, berichten Forscher von der Uniklinik in Genf. Sie haben Infektionscluster bei Eltern, Geschwistern, Großeltern und anderen Haushaltskontakten (insgesamt 111 Personen) von 39 COVID-19-Kranken im Alter unter 16 Jahren in Genf untersucht. Die Kinder waren zwischen dem 10. März und 10. April erkrankt. In dieser Zeit gab es 4310 Corona-Patienten in Genf, darunter nur 40 aus der pädiatrischen Altersgruppe (0,9 Prozent). Bis auf ein Kind nahmen alle von ihnen an der Studie teil. Von 39 waren 32 ambulant und sieben stationär behandelt worden, kein Kind kam auf die Intensivstation. Nur drei Kinder (8 Prozent) waren vor allen anderen Haushaltskontakten (household contacts, HHC) erkrankt und galten daher als Indexpatienten. Wahrscheinliche Infektionsquelle waren in vier von fünf Haushalten erwachsene HHCs mit COVID-19 (bestätigt oder Verdacht). Die meisten Kinder hatten sich also offenbar in den Familien angesteckt, so die Forscher (Pediatrics 2020; online 10. Juli).

Update vom 9. Juli

Die Corona-Pandemie macht die Video-Sprechstunde zum Standard. Eine Umfrage unter 57 Mitarbeitern der Primärversorgung in Kalifornien hat ergeben, dass der Anteil derjenigen, die Videosprechstunden durchführten, innerhalb von nur drei Wochen im Februar und März 2020 deutlich gestiegen ist: Wurden vor der Pandemie weniger als 10 Prozent der Patienten in der Primärversorgung per Videosprechstunde versorgt, waren es während der Pandemie mehr als 75 Prozent. Sorgen bereitete dem medizinischen Personal unter anderem, falsche Diagnosen zu stellen, da der Patient nicht „in Gänze“ betrachtet werden könne. Unsicherheit gab es auch, ob die Patienten in der Videosprechstunde auch tatsächlich alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Hier könne möglicherweise ein Training, wie Fragen gestellt werden sollten, helfen, schreiben die Autoren um Dr. Malathi Srinivasan von der Stanford University School of Medicine (Ann Intern Med 2020; online 8. Juli).

Update vom 8. Juli

Binnen zehn Minuten zum PCR-Testergebnis: Bisher brauchen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 zwei Stunden bis zum Resultat, berichten Zellbiologen um Professor Christian Kaltschmidt von der Universität Bielefeld. Sie haben mit Partnern ein Verfahren entwickelt, das die Zeit auf ein Zehntel verkürzen kann. Kernelement ist der Thermocycler „NEXTGENPCR“ des niederländischen Unternehmens Molecular Biology Systems B.V., berichtet die Uni in einer Mitteilung. Das Gerät deckt mehrere Temperaturzonen ab; die Reaktionen laufen daher besonders effektiv und vollautomatisch ab. Der Thermocycler wurde auf Standards für SARS-CoV-2-Tests angepasst und in einer Studie getestet. Vorläufige Ergebnisse finden sich auf einem Preprint-Server. Mehrere Proben lassen sich parallel analysieren – bis zu 570 Auswertungen pro Stunde seien möglich. Solche Tests könnten vor allem eingesetzt werden, wo schnelle Ergebnisse gefragt sind, so Kaltschmidt in der Mitteilung: Etwa wenn Kreuzfahrtschiffe ihren Betrieb wieder aufnehmen, könnte jede Person getestet werden, bevor sie an Bord geht. (medRxiv 2020; online 26. Juni).

Fortschritt bei der Entwicklung monoklonaler Antikörper: Forscher des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben 28 Antikörper gefunden, die SARS-CoV-2 effektiv neutralisieren können. Die spezifischen B-Zellen wurden aus dem Blut von zwölf COVID-19-Genesenen isoliert und anschließend auf antivirale Wirksamkeit geprüft. Sie könnten sowohl präventiv als auch zur Therapie eingesetzt werden, berichtet das DZIF in einer Mitteilung. Auch ist eine Postexpositionsprophylaxe damit vorstellbar, wenn Menschen mit dem Virus in Kontakt gekommen, aber noch nicht erkrankt sind. „Gerade um lokalisierte Ausbrüche zu stoppen und schwere Verläufe zu verhindern, zum Beispiel bei Risikopersonen, ist diese Form des Einsatzes von besonderer Bedeutung“, wird DZIF-Projektleiter Professor Florian Klein aus Köln in der Mitteilung zitiert. Die Antikörper werden zusammen mit Boehringer Ingelheim weiter entwickelt und sollen möglichst noch dieses Jahr in klinischen Studien untersucht werden. (Cell 2020; online 7. Juli)

Update vom 7. Juli

Durchwachsene Bilanz des schwedischen Wegs bei der Eindämmung der Corona-Pandemie ziehen Forscher aus Virginia und Uppsala. Anders als in vielen Ländern war in Schweden besonders auf freiwillige Maßnahmen gesetzt worden. Es gab wenig soziale und ökonomische Restriktionen, allerdings wurden bestimmte Schulen geschlossen und Menschen mit Symptomen sowie über 70-Jährige zu Selbstisolation aufgerufen. Damit sei das Land weniger betroffen gewesen als Spanien oder UK, die spät aber hart im Verlauf des Ausbruchs reagiert hatten, berichten die Autoren. Allerdings war die COVID-19-Sterberate in Schweden deutlich höher, als in den Nachbarländern mit ihren härteren Restriktionen: So starben in Schweden 35 pro 100.000 Einwohner mit SARS-CoV-2 bis zum 15. Mai, in Dänemark waren es 9,3, in Finnland 5,2 und in Norwegen 4,7. Auch ergab die Analyse nach Altersgruppen, dass ältere COVID-19-Kranke in Schweden eher gestorben sind, als auf einer Intensivstation behandelt zu werden (Clin Infect Dis 2020; online 1. Juli).

Keine Herdenimmunität in Spanien trotz vieler Erkrankungen: Obwohl das Land in Europa mit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen war, ist Spanien weit entfernt von einer Herdenimmunität. Dafür sind nach Ansicht von Infektiologen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit Antikörpern nach durchgemachter Infektion nötig. In einer landesweiten Studie mit Tests von über 60.000 Einwohnern hatten aber im Schnitt nur 5 Prozent Antikörper entwickelt, berichten Forscher vom „National Centre for Epidemiology“ in Madrid. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab es nicht, allerdings waren im Schnitt nur 3,1 Prozent der Kinder im Alter bis zehn seropositiv. Es gab große Unterschiede zwischen den Regionen: So hatten insgesamt über 10 Prozent aus dem Großraum Madrid Antikörper entwickelt, an der Küste waren es unter 3 Prozent. Die Ergebnisse sprechen für weitere Anti-Infektionsmaßnahmen in der Bevölkerung, betonen die Epidemiologen. Viele Erkrankte seien nicht mit PCR getestet worden, mindestens jeder dritte Seropositive habe keine Symptome gehabt (Lancet 2020, online 6. Juli).

Immunmodulation mit Tregs offenbar erfolgreich. Regulatorische T-Zellen (Tregs) migrieren in der Regel in entzündetes Gewebe, dämpfen die Inflammation und beschleunigen die Gewebe-Reparatur. Lungenversagen (ARDS) bei COVID-19 geht dabei häufig mit exzessiver systemischer Inflammation (Zytokin-Sturm) und verzögerter Reparatur von Lungengewebe einher. Das Erkrankungsstadium ist zum Teil durch reduzierte oder defekte Tregs gekennzeichnet. Forscher vom „Sidney Kimmel Comprehensive Cancer Center at Johns Hopkins“ in Baltimore haben jetzt zwei COVID-19-Patienten offenbar erfolgreich mit Tregs behandelt. Beide, ein 69- und ein 47-Jähriger, waren wegen ARDS auf die Intensivstation gekommen und über Wochen mechanisch beatmet oder mit ECMO behandelt worden. Sie hatten unter anderem mehrere Infusionen mit kryokonservierten allogenen Tregs aus Nabelschnurblut erhalten. Inflammationsmarker waren danach zurückgegangen. „Bei beiden Patienten haben wahrscheinliche mehrere Interventionen zur Genesung beigetragen. Die zeitliche Assoziation zwischen den Treg-Infusionen und der Erholung kann aber nicht ignoriert werden“, so die Studienautoren (Ann Intern Med 2020; online 6. Juli).

Update vom 6. Juli

Trotz Corona-Lockerungen fühlen sich fast 40 Prozent der Menschen auch weiterhin gestresster als vor der Pandemie. Das hat die Umfrage „Swiss Corona Stress Study“ der Universität Basel ergeben, an der über 10.000 Schweizer Bürger teilgenommen hatten. Im Lockdown fühlten sich 50 Prozent der Teilnehmer gestresster als zuvor, der Anteil hat mit den Lockerungen also leicht abgenommen. Als Haupttreiber stellten sich die Belastung durch Veränderungen bei der Arbeit oder Ausbildung heraus sowie die Belastung durch das eingeschränkte Sozialleben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Anteil von Personen mit schweren depressiven Symptomen nahm auch nach den Lockerungen weiter zu: Vor der Pandemie gaben 3,4 Prozent der Befragten schwere depressive Symptome an, während des Lockdowns stieg dieser Anteil auf 9,1 Prozent, und nach den Lockerungen berichteten sogar 11,7 Prozent von schweren depressiven Symptomen. Knapp 20 Prozent der Betroffenen hatten dabei vor der Krise keine wesentlichen depressiven Symptome, berichten die Forscher um Professor Dominique de Quervain von der Uni in Basel. Also besonders widerstandsfähig diesbezüglich erwiesen sich Menschen mittleren und fortgeschrittenen Alters (ab 55 Jahren) und Männer (OSFPreprints, online 1. Juli).

Update vom 3. Juli

Das erfolgreiche Management von Corona-Risiken an Universitäten in Taiwan haben Ärzte um Professor Shao-Yi Cheng von der National Taiwan University vorgestellt. Wegen des regen Reiseverkehrs zwischen Taiwan und China hatte es bereits im Januar erste Kontrollmaßnahmen gegeben, die immer weiter verfeinert wurden. Bis zum 18. Juni waren in dem Land nach Angaben der Ärzte insgesamt nur 446 bestätigte Erkrankungen und sieben Todesfälle registriert worden, in den 67 Tagen bis zu dem Stichtag sogar überhaupt kein Fall mehr. Die Hochschulen des Landes wurden nie geschlossen. Ein besonderes Risiko war der rege akademische Austausch zwischen China und Taiwan: Fast jeder Vierte der 1,2 Millionen Auslandsstudenten an den Colleges und Universitäten des Landes kommt aus der Volksrepublik. Das Bildungsministerium von Taiwan hatte daher bereits am 26. Februar eine Präventions-Leitlinie für Hochschulen herausgegeben, die vor allem auch auf Maßnahmen in den Wohnheimen mit bis zu vier Studenten pro Zimmer abzielten. Damit ließ sich die Infektionsrate bis Mitte Juni auf nur sieben Corona-Fälle an sechs Hochschulen begrenzen (Ann Intern Med 2020; online 2. Juni).

Update vom 2. Juli

COVID-19-Patienten mit mildem oder asymptomatischen Verlauf, bei denen keine Antikörper nachzuweisen sind, könnten durch eine T-Zell-Antwort dennoch vor einer zweiten Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt sein. Forscher vermuten daher, dass mehr Menschen gegen SARS-CoV-2 immun sein könnten, als es Antikörper-Tests derzeit vermuten lassen. Die Daten wurden bisher nicht publiziert und sind auf dem Pre-Print Server bioRxiv veröffentlicht. An der Studie nahmen über 200 Probanden teil, unter ihnen Menschen mit und ohne Exposition mit einem COVID-19-Erkrankten, sowie Patienten, die akut an COVID-19 erkrankt waren oder die Infektion bereits überstanden hatten. Eine T-Zell-Antwort mit SARS-CoV-2-spezifischen CD4+- und CD8+-T-Zellen stellten die Wissenschaftler sowohl bei Antikörper-positiven als auch bei Antikörper-negativen Studienteilnehmern mit milden oder asymptomatischen Verlauf fest (bioRxiv, online 29. Juni).

Eine Behandlung mit Colchicin hat in der randomisierten Studie GRECCO-19 die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten einen schweren COVID-19-Verlauf entwickeln, signifikant verringert. Angesichts der absoluten Zahlen ist allerdings Zurückhaltung angebracht. Letztlich waren es nämlich nur sieben Patienten in der Kontrollgruppe und ein Patient im Therapiearm, deren Zustand sich im Studienverlauf derart verschlechterte, dass sie mit Sauerstoff versorgt oder künstlich beatmet werden mussten oder an der Infektion verstarben (JAMA Netw Open; 2020;3(6):e2013136). (vsc)

Update vom 1. Juli

Ermutigende klinische Daten zum Impfstoffkandidaten BNT162b1 haben Pfizer und BioNTech vorgestellt. Nach ersten vorläufigen Ergebnissen aus einer Phase-1/2-Studie mit 45 Probanden in den USA ist die mRNA-Vakzine immunogen (Preprint: Medrxiv 2020; online 1. Juli). Je 12 Probanden waren dabei binnen drei Wochen zweimal je 10 oder 30 μg Impfstoff injiziert worden. Die Titer der induzierten Antikörper hätten dabei gleichauf oder oberhalb von Werten in Rekonvaleszenz-Seren gelegen, teilten die Unternehmen mit. Unerwünschte Wirkungen seien milde bis moderate lokale und systemische Reaktionen gewesen. BNT162b1 kodiert für ein optimiertes Antigen der Rezeptor-Bindungs-Domäne von SARS-CoV-2 (einem Teil des Spike-Proteins). Er ist der am weitesten fortgeschrittene von vier klinischen Impfstoffkandidaten der Unternehmen.

Die Kombination Lopinavir/Ritonavir zeigt wohl keine Wirkung, teilt die Universität Oxford mit. Entsprechende Daten der RECOVERY-Studie, die unter dem Dach der WHO durchgeführt wird, sind derzeit aber noch nicht publiziert. In der Studie wurden 1596 COVID-19-Patienten mit der HIV-Arznei Lopinavir/Ritonavir behandelt, 3376 erhielten die Standardtherapie. 4 Prozent der Patienten mussten beatmet werden, 70 Prozent benötigten eine Sauerstoffgabe über eine Maske, 26 Prozent benötigten keine der beiden Therapien. Im Bezug auf den primären Endpunkt der Studie (Mortalität innerhalb von 28 Tagen nach Therapiebeginn) ergab sich mit Lopinavir/Ritonavir kein positiver Effekt, berichtet die Universität. Zudem konnte die Kombination das Fortschreiten von COVID-19 nicht verhindern. Auch zu Hydroxychloroquin, das ebenfalls von der WHO als Therapieoption bei COVID-19 geprüft wird, gebe es bisher keine positiven Daten zur Wirksamkeit, erinnert die Universität. „Weder Hydroxychloroquin noch Lopinavir/Ritonavir scheinen die Überlebensrate bei COVID-19 zu verbessern“, wird Studienleiter Professor Peter Horby von der Universität Oxford zitiert. Allerdings wird in Großbritannien der „COPCOV Trial“ zur Prävention mit Chloroquin und Hydroxychloroquin weitergeführt. 40.000 Probanden in medizinischen Berufen nehmen teil, wie nationale Medien berichtet (Universität Oxford, online 29. Juni, BBC-Meldung vom 30. Juni).

Update vom 30. Juni

Für Chirurgen besteht bei einer Bauch-Op wohl kein erhöhtes Infektionsrisiko. Mit diesem Thema haben sich französische Wissenschaftler in einer kleinen Fallserie mit sieben COVID-19-Patienten beschäftigt. Bei keinem der COVID-19-Patienten, bei dem die Ärzte vor und nach dem Abdominaleingriff Peritonealflüssigkeit entnommen hatten, war in der PCR SARS-CoV-2 nachzuweisen. Das Virus schien demnach weder über die Darmwand noch etwa auf systemischem Weg über die Lunge in die Bauchhöhle gelangt zu sein. Den Ärzten zufolge scheint damit die Ansteckungsgefahr für Chirurgen bei bauchchirurgischen Eingriffen geringer als befürchtet. Das gelte möglicherweise auch für die Gefahr einer Infektion über intraabdominell gebildete Aerosole. Vor allem Laparoskopien werden diesbezüglich als riskant erachtet, da das Aufblasen des Bauchraums mit Kohlendioxid theoretisch die Bildung virushaltiger Aerosole begünstigt (Surgery 2020; online 5. Juni). (eo)

Wirkt sich Vitamin-D-Mangel bei COVID-19 ungünstig auf den Verlauf aus? Das berichtet zumindest ein Ernährungsmediziner der Universität Hohenheim, der 30 Studien ausgewertet und ein Vitamin-D-Defizit als möglichen Indikator für den Schweregrad und die Mortalität bei COVID-19 identifiziert haben will. Wichtig zu erwähnen ist aber auch: Die Studie wurde von der Society of Nutrition and Food Science (SNFS) finanziell unterstützt und ist im NFS Journal, der wissenschaftlichen Zeitschrift der Fachgesellschaft, erschienen. Die SNFS hat zudem die Publikationskosten übernommen. Als Fazit zieht Studienautor Professor Hans-Konrad Biesalski auch nicht die Tatsache, dass Vitamin D als Medikament infrage kommt. Auch auf gut Glück Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, empfiehlt er nicht. „Im Zweifelsfall ist das zu wenig, um einen wirklich schlechten Vitamin-D-Status kurzfristig zu verbessern“, berichtet er in einer Mitteilung der Universität Hohenheim. Biesalski rät aber dazu, gerade bei älteren COVID-19-Patienten und solchen mit Vorerkrankungen den Vitamin-D-Spiegel im Auge zu behalten und ein mögliches Defizit zu behandeln (NFS Journal 2020; 20:10-21).

Update vom 29. Juni

Bei HIV-Patienten hängt das Risiko für eine schwere COVID-19 auch von der Art der antiretroviralen Therapie (ART) ab, berichten Forscher vom spanischen Gesundheitsministerium. Sie haben bei den 77.590 HIV-positiven Menschen mit antiviraler Therapie (ART) in Spanien die Raten von PCR-bestätigter COVID-19 und schwerem Verlauf analysiert. Von Anfang Februar bis Mitte April waren unter den HIV-Infizierten insgesamt 236 an COVID-19 erkrankt; 151 von ihnen wurden stationär behandelt und 15 davon auf der Intensivstation; 20 sind gestorben. Dies entspricht einer Rate von 17,8 Fällen von COVID-19 mit stationärer Therapie pro 10.000 HIV-Patienten (bereinigt von Störfaktoren). Bezogen jeweils auf 10.000 HIV-Patienten waren es bei ART mit:

  • Tenofovir Alafenamid (TAF) plus Emtricitabin (FTC) 20,3 Fälle,
  • bei Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF) plus FTC 10,5 Fälle,
  • bei Abacavir (ABC) plus Lamivudin (3TC) 23,4 Fälle,
  • und bei anderen Regimen 20 Fälle.

Kein Patient mit TDF/FTC kam auf die Intensivstation oder ist gestorben (Ann Int Med 2020; online 26. Juni).

Update vom 26. Juni

Die Sensitivität von Antikörpertests nach einer COVID-19 hängt vom Zeitpunkt des Tests ab, hat eine Analyse von Cochrane-Forschern ergeben (Cochrane Review 2020, online 25. Juni) Danach sind in der ersten Woche nach Beginn der Symptome die Titer noch zu niedrig für ein Ergebnis, 8 bis 14 Tage danach werden 70 Prozent der Betroffenen korrekt identifiziert und nach 15 bis 35 Tagen liegt die Trefferquote über 90 Prozent. Für längere Zeiträume gebe es noch zu wenig Studiendaten, so die Forscher.

Nur 1 bis 2 Prozent der Tests sind nach der Analyse falsch positiv. Die Cochrane-Autoren geben ein Beispiel: Wenn 200 von 1000 Personen tatsächlich COVID-19 hatten, würden:

  • 193 Personen positiv getestet, aber 10 (5 Prozent) wären falsch positiv.
  • 807 Personen negativ getestet, aber 17 (2 Prozent) wären falsch negativ.

Je häufiger COVID-19 in einer Population vorkommt, desto mehr falsch-negative und weniger falsch-positive Ergebnisse sind zu erwarten.

Bei Kindern und Jugendlichen verläuft COVID-19 in der Regel mild und Komplikationen und Todesfälle sind sehr selten. Das bestätigt die Analyse des Krankheitsverlaufs von 582 betroffenen 3- bis 18-Jährigen aus 25 europäischen Ländern (Lancet Child & Adolescent Health 2020; online 25. Juni). Alle Patienten waren im April positiv getestet und ärztlich behandelt worden, 62 Prozent davon stationär und 8 Prozent auf der Intensivstation. Es gab vier Todesfälle, zwei Betroffene hatten Grunderkrankungen und alle waren älter als 10 Jahre. Bei den Symptomen dominierte Fieber (65 Prozent), gefolgt von oberen Atemwegsinfektionen (54 Prozent) und Pneumonie (25 Prozent) sowie gastrointestinale Symptome (22 Prozent). Etwa jedes sechste Kind (16 Prozent) hatte überhaupt keine Symptome und war als Kontaktperson getestet worden.

Update vom 25. Juni

Fast jeder Zweite in Ischgl hat Antikörper. In einer großen Studie im Tiroler Skiort Ischgl haben Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck eine SARS-CoV-2-Antikörper-Prävalenz von 42,4 Prozent ermittelt. Für die Untersuchung vom 21. bis 27. April konnten die Virologen und Epidemiologen 1473 Probanden rekrutieren. Das sind den Angaben der Uni von Donnerstag zufolge 79 Prozent der Bevölkerung Ischgls. Die Seroprävalenz liege damit etwa sechs Mal höher als die Prävalenz durch PCR-Nachweise. Bei Kindern liege die Rate sogar zehn Mal höher. Ischgl galt zu Beginn der Pandemie als einer der großen Hotspots in Europa und wird mit zahlreichen frühen Clustern in Deutschland in Verbindung gebracht.

Absolut drei Prozent weniger Todesfälle unter Dexamethason. Die Autoren der britischen RECOVERY-Studie haben jetzt zentrale Ergebnisse ihrer Untersuchung von Dexamethason bei COVID-19 publiziert. In dem noch unbegutachteten Preprint bestätigen sie in weiten Teilen ihre Ergebnisse, die sie vergangene Woche per Pressemitteilung veröffentlicht hatten. Danach war die 28-Tages-Mortalität im Dexamethason-Arm für alle Patienten signifikant niedriger als unter Standardtherapie (21,6 vs. 24,6 Prozent). Die absolute Risikoreduktion beträgt damit drei Prozent, die relative Reduktion 17 Prozent (altersadjustiertes Verhältnis 0,83; 95% CI 0,74–0,92; p<0,001). Am deutlichsten war die relative Risikoreduktion bei mechanisch beatmeten Patienten (RR 0,65). Bei Patienten mit nicht-invasiver Sauerstoffgabe lag das Verhältnis des Sterberisikos bei 0,80 zugunsten von Dexamethason. Die Unterschiede waren signifikant (medRxiv 2020.06.22.20137273).

Höhere Morbidität könnte COVID-19 auf der Südhalbkugel begünstigen. Obwohl die Bevölkerungen in Ländern der Südhalbkugel jünger sind als in Ländern Europas, grassiert die Corona-Pandemie dort teils schlimmer. Demografen aus Rostock wollen dafür die höhere Rate von Vorerkrankungen vor allem bei jungen Erwachsenen als möglichen Grund ausgemacht haben. So ist etwa die Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen, von Nierenleiden sowie COPD selbst bei Jüngeren in Brasilien deutlich höher als etwa in Italien. Brasilien zählt bis dato rund 1,9 Millionen SARS-CoV-2-Infektionen (PNAS 2020; 117 (25): 13881–13883).

Forscher verlangen Rücknahme von Masken-Studie. Die Arbeit texanischer Autoren (PNAS 2020; online 11. Juni) basiere auf „leicht falsifizierbaren Behauptungen und methodischer Konstruktionsfehler“, kritisieren Wissenschaftler an die Herausgeber der „Proceedings of the National Acamady of Sciences“ (PNAS). In der Arbeit hatten die Forscher behauptet, Gesichtsschutz sei wirksamer als physische Distanzierung. Für ihre Berechnungen, so die Kritik, sollen sie aber viele andere Effekte nicht berücksichtigt haben.

Ältere Updates finden Sie im Beitrag der Ärzte-Zeitung

Quelle: Ärzte Zeitung

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