Einführung
Maligne Proliferationen lymphatischer Zellen werden als
Lymphome bezeichnet. Die primären Lymphome der Haut repräsentieren die zweitgrößte Gruppe extranodaler Lymphome. Die Inzidenz wird auf 0,5 Neuerkrankungen pro Jahr und 100.000 Einwohner geschätzt.
Kutane Lymphome bilden eine heterogene Gruppe neoplastischer Erkrankungen mit einem weiten Spektrum klinischer und histologischer Manifestationen. Die Häufigkeitsverteilung einzelner Entitäten, deren Prognose und damit auch die therapeutischen Strategien unterscheiden sich deutlich von denen morphologisch vergleichbarer primär nodaler
Lymphome.
Primäre kutane Lymphome entstehen definitionsgemäß in der Haut und bleiben in der Regel über längere Zeit auf das Hautorgan beschränkt, während sekundäre kutane Lymphome eine Hautmanifestation von disseminierten, primär nodalen oder extranodalen Lymphomen darstellen.
Morphologisch, immunphänotypisch und funktionell lassen sich verschiedene Typen lymphozytärer Zellen abgrenzen. B-Zellen, welche dem
Knochenmark entstammen, spielen eine zentrale Rolle bei der humoralen Immunität durch die Bildung von
Immunglobulinen. Lymphozytäre Zellen aus dem Thymus werden dagegen als T-Zellen bezeichnet und sind für die zelluläre Immunität verantwortlich. B- oder T-Zellen sind jedoch keine homogenen Zellpopulationen, sondern weisen zahlreiche morphologische und funktionelle Subtypen, Funktionszustände und Reifegrade auf, die im komplexen Netzwerk des
Immunsystems interagieren. Daraus ergibt sich die Einteilung der
Lymphome in T-Zell- oder B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome und ihre Untergruppen, wobei 65 % der
kutanen Lymphome den kutanen T-Zell-Lymphomen, 25 % den kutanen B-Zell-Lymphomen und 10 % weiteren, seltenen Formen zugeordnet werden können.
Folgender Untersuchungsgang ist bei Verdacht auf ein kutanes Lymphom zu empfehlen:
Klonalität ist nicht per se mit einem Lymphom gleichzusetzen, da auch klinisch benigne verlaufende lymphoproliferative Erkrankungen klonale T- oder B-Zell-Populationen aufweisen können.
Vorläufer-T- und -B-Zell-Neoplasien
Infiltrate von VorIäufer-T- und -B-Zell-Neoplasien in der Haut sind sehr selten und repräsentieren in der Mehrzahl der beschriebenen Fälle einen sekundären kutanen Befall im Rahmen einer leukämischen Aussaat der Vorläuferneoplasien (T- oder B-lymphoblastisches Lymphom). Eine sekundäre Hautbeteiligung kommt bei etwa 20 % der Patienten mit lymphoblastischem Lymphom vor, insbesondere beim B-Zell-Typ. Ein gehäuftes Vorkommen wird im Kindesalter beobachtet. Bevorzugt sind Kopf und Hals befallen. Die Hauteffloreszenzen sind nicht einheitlich. Man findet purpurische Plaques und rötlich livide Knoten. Histologisch findet sich eine ausgedehnte, weitgehend monomorphe Infiltration durch kleine bis mittelgroße T-Lymphoblasten. Die Tumorzellen exprimieren bei der häufigeren B-Zell-Variante CD10, CD79a und TdT, sind aber negativ für den B-Zell-Marker CD20.
Solitäre Tumoren ohne extrakutanen Befall können chirurgisch und/oder durch Bestrahlung behandelt werden. Bei primär extrakutanem Befall ist eine Polychemotherapie in Zusammenarbeit mit Hämatoonkologen und Pädiatern angezeigt.
Reife (periphere) B-Zell-Neoplasien
Primär kutane B-Zell-Lymphome
stellen mit etwa 25–30 % die zweithäufigste Gruppe kutaner Lymphome dar. Sie zeigen überschneidende klinische und histologische Befunde. Im Gegensatz zu den nodalen B-Zell-Lymphomen gleicher Histo- und Zytomorphologie weisen die kutanen B-Zell-Lymphome mit wenigen Ausnahmen eine gute Prognose auf.
Primär kutanes Keimzentrumslymphom
Primär kutanes Marginalzonenlymphom (extranodales MALT-Lymphom)
Kutanes Immunozytom
Die Infiltrate bestehen bei dieser Variante des MZL vorwiegend aus lymphoplasmozytoiden
Lymphozyten (Zellen, die morphologisch an
Plasmazellen erinnern) und Plasmazellen mit Bildung von monotypischen (κ oder λ) intrazytoplasmatischen
Immunglobulinen. Häufig lassen sich Immunglobuline entweder im Kern (Dutcher bodies) (Dutcher und Fahey
1959) oder im
Zytoplasma (Russell bodies) (Russell
1980) als PAS-positive Einschlüsse nachweisen.
Es finden sich keine reaktiven Keimzentren. Die Tumorzellen zeigen eine monoklonale Expression von κ- oder λ-Leichtketten, welche in der Abgrenzung zum borrelienassoziierten Lymphozytom hilfreich ist. Eine klonale B-Zell-Population ist in den meisten Fällen nachweisbar. Es besteht keine Paraproteinämie. Eine Assoziation mit einer Borrelia-Infektion ist bei europäischen Fällen beschrieben worden. Es handelt sich um relativ rasch auftretende solitäre oder multiple erythematöse kalottenförmige klein- oder großknotige Tumoren mit glatter Oberfläche oder mehr plattenförmige Hautinfiltrate von hellroter, lividroter und mehr bräunlicher Farbe. Gelegentlich wird diese Variante des MZL auf dem Boden einer Acrodermatitis chronica atrophicans beobachtet. Die Prognose ist bei primären Immunozytomen der Haut und frühzeitiger Behandlung sehr günstig.
Primär kutanes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, Bein-Typ
Primär kutanes B-Zell-Lymphom mit überwiegend zentroblastärer und immunoblastärer Differenzierung und einem aggressiven Verlauf.
Primär kutanes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, NOS
Sehr seltene und bislang unzureichend charakterisierte Lymphomform, welche weder dem primär kutanen diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom, Bein-Typ, noch dem primär kutanen Keimzentrumslymphom mit diffusem Wachstumsmuster zugeordnet werden kann. Die Tumoren können an unterschiedlichen Lokalisationen auftreten und bestehen histologisch aus zentroblastär oder immunoblastär differenzierten Zellen. Die Tumorzellen exprimieren bcl-6 und CD10, sind aber negativ für bcl-2. Kleine T-Zellen sind oft beigemengt. Die Prognose ist ungünstig mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 50 %.
EBV-assoziiertes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, nicht weiter spezifiziert
Es handelt sich um eine sehr seltene B-Zell-Lymphomform, welche in der
WHO-Klassifikation (4. Auflage, 2008) erstmals aufgeführt wurde und in verschiedenen Organen auftreten kann. Die Erkrankung tritt überwiegend bei Patienten nach dem 50. Lebensjahr in Form ulzerierender rasch wachsender Knoten auf. Histologisch finden sich kohäsive Verbände zentroblastärer, immunoblastärer oder teils plasmablastischer Tumorzellen. Der Immunphänotyp ist heterogen. Eine Expression von EBV-RNA (EBER) wird in der In-situ-Hybridisierung gefunden. Die Prognose ist infaust.
Intravaskuläres großzelliges B-Zell-Lymphom
(Pfleger und Tappeiner
1959)
Lymphomatoide Granulomatose
Die lymphomatoide Granulomatose
ist eine sehr seltene systemische B-Zell-lymphoproliferative Erkrankung mit bevorzugt extranodalem Befall vor allem der Lungen, der Haut, des zentralen Nervensystems und der Nieren. Ein Übergang in ein diffus großzelliges B-Zell-Lymphom kommt vor. Ein kutaner Befall wird bei der Hälfte der Erkrankten beobachtet, wobei multiple erythematöse Papeln und subkutane, teils ulzerierte Knoten, follikulitisartige Läsionen und ein Gesichtsödem als Manifestationsformen beschrieben wurden. Es besteht eine Assoziation mit EBV. Histologisch finden sich dichte angiozentrische und angiodestruktive Infiltrate mit Nekrosen. Nerven und Hautanhangsgebilde können ebenfalls infiltriert werden. Die Tumorzellen exprimieren den B-Zell-Marker CD20 und sind EBV-positiv (EBER). Daneben lassen sich zahlreiche reaktive T-Zellen nachweisen.
Eine Spontanremission ist beschrieben worden, meist bedarf es jedoch einer Behandlung mittels Polychemotherapie und Interferon-α. Für lokalisierte Formen kann die Exzision oder eine Radiotherapie ausreichend sein. Die Prognose ist variabel, wobei zwei Drittel der Patienten nach einigen Monaten versterben.
Mantelzell-Lymphom
Das Mantelzell-Lymphom
macht 10 % aller nodalen B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome aus. Ein Hautbefall wird bei 2–6 % der Patienten in Form von geröteten Maculae, Papeln, Plaques oder Knoten beobachtet und kann die Erstmanifestation der Erkrankung darstellen. Die primär kutane Form des Mantelzell-Lymphoms ist sehr selten. Histologisch finden sich diffuse Infiltrate kleiner oder blastärer Zellen mit Expression von CD5 und CD20 und der für das Mantelzell-Lymphom charakteristischen Expression von Cyclin D1, welche durch die Translokation t(11;14)(q13;q32) bedingt ist. CD10 und bcl-6 werden nicht exprimiert. Im Gegensatz zur B-Zell chronischen lymphatischen Leukämie sind die Tumorzellen negativ für CD23.
Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt 3–5 Jahre.
Parapsoriasis en plaques
Es handelt sich um eine chronische Dermatose mit charakteristischer klinischer Morphologie, welche durch disseminierte, gerötete und gering pityriasiform schuppende Herde besonders am Rumpf gekennzeichnet ist. Die nosologische Einordnung und die Biologie dieser Erkrankungen werden kontrovers diskutiert. Meist wird ein chronischer benigner Verlauf beobachtet, andererseits sind Einzelfälle beschrieben worden, die sich in eine eindeutige
Mycosis fungoides weiterentwickelt haben. Eine Unterteilung der Parapsoriasis
aufgrund des klinischen Bildes erscheint beim jetzigen Wissensstand sinnvoll, ist jedoch nicht bei allen Patienten möglich. Die Ätiopathogenese der Parapsoriasis ist ungeklärt.
Kleinfleckige Parapsoriasis en plaques
Großherdige Parapsoriasis en plaques