Varizellen
Cave: Bei Kindern unter systemischer Steroidbehandlung, bei Erwachsenen und bei Schwangeren kommt es oft zu einem schweren und komplikationsreichen Verlauf.
Bei Erwachsenen, besonders Immunsupprimierten, und Schwangeren zeigen Varizellen oft einen schweren und komplikationsreichen Verlauf. Besonders gefürchtet ist die oben genannte VZV-Pneumonie, die etwa 1–9 Tage nach Exanthembeginn auftritt. Sie ist klinisch und auskultatorisch schwierig nachzuweisen, sodass die Indikation für eine Röntgenthoraxuntersuchung großzügig gestellt werden sollte. Die Letalität liegt bei etwa 10 %. Ein schweres Krankheitsbild stellt auch die Meningoenzephalitis, meist als
Zerebellitis mit Ataxie dar, die aber meist mit nur geringen Defekten ausheilt. Weitere Komplikationen können Augen, Ohren, Nieren und Muskeln betreffen. Selten ist eine Polyradikuloneuritis vom Typ Guillain-Barré.
Varizellen während der Schwangerschaft bergen auch für den Fetus ein erhöhtes Risiko. Während der ersten Schwangerschaftshälfte (meist zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche) kann sich beim Kind das fetale Varizellen-
Syndrom entwickeln, das durch Extremitätenhypoplasien, Hauterosionen und Hautulzerationen oder Narben, Augenmissbildungen und Hirnschädigungen gekennzeichnet ist. Das Risiko beträgt weniger als 1 % bei Infektion zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche. Zur Objektivierung von klinischen Zeichen ist der Ultraschall Mittel der Wahl. Werden fetale Abnormitäten entdeckt, müssen die Eltern auf die Möglichkeit eines assoziierten Hirnschadens hingewiesen und die Beendigung der Schwangerschaft diskutiert werden.
Varizellen im letzten Trimester gehen bei der Schwangeren häufig mit Komplikationen, besonders Varizellenpneumonie, einher, die zu
Frühgeburt oder
Abort führen können. Die Letalität für die Mutter liegt dabei bei etwa 20–45 %. Kommt es bei der Schwangeren 5–7 Tage vor der Geburt bis 2 Tage postnatal zur Varizellenerkrankung, ist das Neugeborene am stärksten gefährdet (neonatale Varizellen
), da zu diesem Zeitpunkt noch keine protektiven spezifischen Antikörper ausgebildet sind. Die Mortalitätsrate beträgt ohne Therapie bis zu 30 %. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft unter Varizellen litten, entwickeln in etwa 1 % während der ersten 2 Lebensjahre einen Zoster.
Therapie
Zoster
Normalerweise rezidiviert die VZV-Infektion nur einmal im Leben, nicht selten werden zosteriforme Herpes-simplex-Infektionen als Zosterrezidive fehlinterpretiert.