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Die Anästhesiologie
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Publiziert am: 14.08.2024 Bitte beachten Sie v.a. beim therapeutischen Vorgehen das Erscheinungsdatum des Beitrags.

Systemic Inflammatory Response Syndrome (SIRS), Sepsis und Multiorganversagen

Verfasst von: Sandra Frank, Martin Bernhard Müller und Josef Briegel
Die generalisierte Entzündungsreaktion des Organismus bezeichnet man als systemisch-inflammatorisches Antwortsyndrom („Systemic Inflammatory Response Syndrome“ (SIRS)). Es ist charakterisiert durch Fieber oder Hypothermie, Tachykardie, Tachypnoe und Veränderungen im weißen Blutbild. Mit einer Sepsis wird eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung beschrieben, die durch eine fehlregulierte Immunantwort auf eine Infektion hervorgerufen wird, während das Multiorganversagen die Funktionsstörung mehrerer Organe subsumiert. Grundlagen, Diagnostik und Therapie der drei Krankheitsbilder werden in diesem Kapitel erörtert.

Grundlagen

Begriffe und Definitionen

Als Sepsis wird die schwerste Verlaufsform einer Infektionserkrankung bezeichnet, die sowohl durch unterschiedliche Erreger (Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten) hervorgerufen werden kann als auch Patient*innen jeder Altersstufe betrifft. Bereits 1914 beschrieb Schottmüller die Sepsis als eine Allgemeininfektion des Organismus (Schottmüller 1914). 1992 definierten Mitglieder beider US-amerikanischen Gesellschaften für Intensivmedizin die Sepsis als eine systemische Entzündungsantwort auf eine Infektion (American College of Chest Physicians/Society of Critical Care Medicine 1992). Ein Versuch, die Definition der Sepsis mithilfe des PIRO-Konzepts (Predisposition, Insult infection, Response, Organ dysfunction) präziser zu fassen, hat sich nicht durchgesetzt (Levy et al. 2003). Die aktuelle Sepsis-Definition (Sepsis-3) ist die erste empirische, datenbasierte und somit evidenzgetriebene Beschreibung der Sepsis, validiert anhand der Daten von über 700.000 Patienten (Seymour et al. 2016). Eine Sepsis wird gemäß dieser internationalen Konsensuskonferenz als lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer inadäquaten Wirtsantwort auf Infektionen definiert (Singer et al. 2016).
Sepsis wird definiert als ein Syndrom mit Organfunktionsstörung(en) infolge einer fehlregulierten Immunantwort auf eine Infektion.
Organfunktionsstörungen, die durch eine fehlregulierte Immunantwort verursacht werden, können auch durch andere Erkrankungen, wie schwere Verbrennungen, eine akute Pankreatitis, Tumorzerfall oder schwere Verletzungen, ausgelöst werden. Charakteristisch ist eine systemische Entzündungsreaktion, die man als „Systemic Inflammatory Response Syndrome“ (SIRS) bezeichnet. Über einen Gewebezerfall kommt es zur Aktivierung eines komplexen Netzwerks zellulärer und humoraler Abwehrmechanismen und zu gravierenden metabolischen Veränderungen.
Die generalisierte Entzündungsreaktion des Organismus bezeichnet man als systemisch-inflammatorisches Antwortsyndrom (s. o., „Systemic Inflammatory Response Syndrome“ (SIRS)). Es ist charakterisiert durch Fieber oder Hypothermie, Tachykardie, Tachypnoe und Veränderungen im weißen Blutbild.
Um ein SIRS ohne Verzögerung zu diagnostizieren, wurden klinische Kriterien zur Definition festgelegt. Hierbei wurden die Schwellenwerte so gewählt, dass das Syndrom bereits zu einem frühen Zeitpunkt erkennbar ist. Auf operativen Intensivstationen erfüllen viele Patienten, zumindest einmal während ihres Behandlungsverlaufs, die Kriterien eines SIRS, daher ist die Relevanz der Kriterien umstritten.
Durch eine viel diskutierte Untersuchung aus Australien wurde 2015 festgestellt, dass unter Verwendung der SIRS-Kriterien zur Diagnose der Sepsis etwa jeder achte Fall einer Sepsis übersehen bzw. nicht diagnostiziert wurde (Kaukonen et al. 2015). Daher wurde der Begriff „Sepsis“ neu definiert und die Organfunktionsstörungen in das Zentrum der Definition gestellt (Singer et al. 2016). Die Organfunktionsstörungen werden mithilfe des SOFA-Score (Tab. 4) erfasst (Abschn. 4.7). Die genauen Begriffsdifferenzierungen sind in Tab. 1 aufgeführt.
Tab. 1
Begriffe und Definitionen
Begriff
Definition
Infektion
Eindringen mikroskopisch kleiner Krankheitserreger in das Gewebe und das Auslösen einer lokal begrenzten Reaktion (Entzündung) mit allenfalls leichten allgemeinen Krankheitssymptomen.
Kolonisation
Nachweis von potenziell krank machenden Erregern an Orten des Organismus, die entweder steril oder mit einer typischen Mikroflora besiedelt sind (z. B. Darm). Eine Gewebereaktion findet nicht statt, eine Behandlung ist nicht nötig.
Auftreten von lebensfähigen Krankheitserregern im Blut ohne klinische Zeichen einer Erkrankung.
Endotoxinämie
Auftreten und Nachweis eines Bestandteils der Zellwand gramnegativer Bakterien im Blut. Eine systemische Endotoxinämie kann das Vollbild einer Sepsis hervorrufen.
SIRS („systemic inflammatory response syndrome“)
Systemische Entzündungsantwort des Organismus auf infektiöse (Viren, Bakterien und Pilze) und nichtinfektiöse (z. B. Gewebezerstörung, Komplementaktivierung und zirkulierende Immunkomplexe) Stimuli. Von einem SIRS spricht man dann, wenn zwei oder mehr der folgenden Bedingungen zutreffen:
1) Körpertemperatur > 38 °C oder < 36 °C,
2) Herzfrequenz > 90/min,
3) Atemfrequenz > 20/min oder paCO2 < 32 mmHg,
4) Leukozytenzahl > 12.000/μl oder < 4000/μl oder > 10 % unreife Granulozyten.
Organdysfunktionen
Organdysfunktionen entstehen aufgrund einer fehlregulierten Immunantwort bei einer Vielzahl von Syndromen, die durch eine systemische Inflammation charakterisiert sind. Organdysfunktionen werden durch den SOFA-Score erfasst (Tab. 4).
Sepsis
Eine Sepsis wird definiert als ein Syndrom mit Organfunktionsstörung(en) infolge einer fehlregulierten Immunantwort auf eine Infektion.
Septischer Schock
Der septische Schock beschreibt eine Sepsis mit arterieller Hypotension und erhöhtem Lactat (> 2 mmol/l). Die Hypotension macht trotz adäquater Volumentherapie den Einsatz von α-adrenergen oder positiv inotropen Katecholaminen erforderlich. Unter Sepsis-induzierter Hypotension versteht man einen systolischen Blutdruck < 90 mmHg oder einen Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 40 mmHg unter den Ausgangswert unter Ausschluss anderer Gründe für eine Hypotension. Unmittelbare Folge ist eine Mangeldurchblutung der Gewebe, wodurch die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und mit Nährstoffen nicht mehr gewährleistet ist, was zu einem Lactatanstieg führt. Charakteristisch ist ein kapilläres Leck, das zu einem Verlust von intravasaler Flüssigkeit und Plasmaeiweißen führt.

Epidemiologie, Risikofaktoren, Outcome und Sterblichkeit

Die „World Health Organization“ (WHO) bezeichnete die Sepsis als weltweite Gesundheitsbedrohung und forderte 2017 in einer Resolution aller Mitgliedsstaaten dazu auf, nationale Maßnahmen zu initiieren, die die Prävention, Früherkennung und Diagnostik sowie Behandlung verbessern können (Reinhart et al. 2017). Jedes Jahr erkranken weltweit schätzungsweise 49 Mio. Menschen an einer Sepsis und bis zu 11 Mio. versterben an den Folgen einer Sepsiserkrankung (Rudd et al. 2020). Auf deutschen Intensivstationen werden 11,64 Sepsisfälle auf 1000 Behandlungstage beobachtet. Die Krankenhaussterblichkeit der Sepsis liegt heute in Europa zwischen 40 und 46 %, wobei eine Abnahme der Sterblichkeit in den vergangenen 10 Jahren beobachtet wurde (Levy et al. 2012; Fleischmann et al. 2016; SepNet Critical Care Trials 2016).
Wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Sepsis ist eine gestörte Immunität, wie sie bei Patienten mit Mangelernährung, Kachexie, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Malignomen oder nach Organtransplantationen zu finden ist. Daneben sind Früh- und Neugeborene sowie ältere Menschen häufiger von einer Sepsis betroffen als Patienten anderer Altersgruppen. Männer erkranken häufiger an einer Sepsis als Frauen (Verhältnis etwa 60:40). Zudem sind durch genetische Polymorphismen Risiko und Schwere einer Sepsis individuell sehr variabel.
Die häufig prolongierte Intensivtherapie bei Sepsispatienten kann zu bleibenden Einschränkungen der körperlichen, kognitiven und psychischen Gesundheit sowie zu Beeinträchtigungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und gesellschaftlichen Teilhabe führen (Ramnarain et al. 2021). Dies wird als Post Intensive Care Syndrom (PICS) bezeichnet. Das Syndrom ist zum einen durch körperliche Symptome wie Atemnot und neuromuskulärer Schwäche geprägt, zum anderen spielen auch kognitive und mentale Einschränkungen (wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Angststörungen und Depressionen) eine wichtige Rolle. Die psychische Gesundheit der Angehörigen kann durch das Miterleben der kritischen Erkrankung des Patienten ebenfalls langfristig beeinträchtigt sein, was man als „PICS-family“ (PICS-F) bezeichnet (Needham et al. 2012). Aufgrund der Heterogenität des Krankheitsbildes existieren keine einheitlichen Präventions- und Therapieschemata und es sind multimodale, patientenzentrierte Ansätze notwendig.

Mikrobiologie und Immunologie

Mikrobiologie und auslösende Infektionen bei Sepsis

Die eine Sepsis auslösenden Erreger unterscheiden sich stark nach der untersuchten geografischen Region, dem Alter der Patienten und dem Ort der Infektion (Diekema et al. 2019). Während in den USA grampositive Bakterien überwiegen, finden sich in Europa häufiger gramnegative Erreger als auslösende Pathogene (Gouel-Cheron et al. 2022; Tabah et al. 2023). Die häufigsten Erreger, die in Blutkulturen nachgewiesen werden, sind im grampositiven Bereich Staphylococcus aureus, gefolgt von koagulasenegativen Staphylokokken und Enterokokken. Bei gramnegativen Bakterien stellen Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa den größten Anteil der positiven Blutkulturen dar. 20–40 % aller Patienten mit Bakteriämie entwickeln die Symptome eines septischen Schocks.
Auch nichtbakterielle Erreger (wie Pilze, Viren oder Parasiten) können eine Sepsis verursachen. Sie spielen in ihrer Gesamtzahl im Vergleich zur bakteriellen Sepsis eine untergeordnete Rolle, allerdings steigt ihre Inzidenz weltweit. So wurde das Auftreten einer virusbedingten Sepsis bis zur COVID-19-Pandemie als gering eingeschätzt, wobei neue retrospektive Daten eine größere Rolle von SARS-CoV-2 als Sepsis auslösenden Faktor nahelegen (Karakike et al. 2021; Shappell et al. 2023). Insbesondere bei immunsupprimierten Patienten, bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen oder Immundefekten (wie AIDS), können Pilze, Viren und Parasiten als Sepsiserreger infrage kommen.
Prinzipiell bestehen erhebliche Schwierigkeiten, eine den gesamten Körper erfassende Pilzinfektion (invasive Mykose) zu diagnostizieren. Beweisend für eine invasive Mykose ist der mehrfache Nachweis von Pilzen im Blut oder in Gewebeproben. Ein Pilznachweis in Sputum, endotracheal gewonnenem Sekret, Stuhl oder Urin (bei liegendem Blasendauerkatheter) ist meist Ausdruck einer Kolonisation. Begünstigt werden Pilzinfektionen durch eine lange Behandlungsphase mit Antibiotika oder durch immunsuppressive Therapien, die die Funktion von T-Lymphozyten und Granulozyten stören.
Die häufigste Infektion, die auf Intensivstationen zu einer Sepsis führt, ist die Pneumonie, die in Deutschland für 63 % aller Sepsisfälle verantwortlich ist (Tab. 2; SepNet Critical Care Trials 2016).
Tab. 2
Orte der auslösenden Infektionen
Orte der auslösenden Infektion(en)
Häufigkeit (%)
Lunge
63
Abdomen
25
Knochen/Weichteil
9
Gastrointestinaltrakt
8
Urogenitaltrakt
7
Infektionen im Bereich der Nasennebenhöhlen, des Herzens (Endokarditis) und des zentralen Nervensystems sind selten die Auslöser einer Sepsis. Auch zwei oder mehr Infektionen können gleichzeitig eine Sepsis auslösen, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten.
Etwa die Hälfte der Fälle einer Sepsis wird durch nosokomiale Infektionen ausgelöst.
In Deutschland werden 57 % der Infektionen, die eine Sepsis auslösen, in Krankenhäusern erworben, wobei auf der Intensivstation etwa 2/3 dieser Infektionen auftreten. 43 % der Infektionen, die zu einer Sepsis führen, sind ambulant erworben (SepNet Critical Care Trials 2016).
Bereits bei Verdacht auf eine Sepsis sollten vor Beginn der antibiotischen Therapie an verschiedenen Stellen Blutkulturen entnommen werden, vorausgesetzt, dies verzögert die Gabe eines Antibiotikums nicht substanziell (< 45 min) (Evans et al. 2021a, b).
Zwar steht deren Ergebnis für die akute Diagnose- und Therapieentscheidung nicht zur Verfügung, doch kann im weiteren Krankheitsverlauf die Antibiotikatherapie entsprechend dem mikrobiellen Befund optimiert werden. Wiederholte Blutkulturen, auch bei fehlendem Fieber, sind bei protrahierter Sepsis, bei unbekanntem Erreger oder bei mangelndem Therapieerfolg angezeigt. Nur etwa 1/3 aller entnommenen Blutkulturen zeigen ein bakterielles Wachstum und werden positiv.
Zugleich sollen Proben von allen Orten einer möglichen Infektion zur mikrobiologischen Kultivierung gewonnen werden (Urin, Trachealsekret, bronchoalveoläre Lavage, Wunddrainagensekret, Abszesspunktat, Liquor, Effloreszenzen der Haut, Stuhl). Die einfach durchzuführende Gramfärbung der Proben und deren mikroskopische Untersuchung erlauben eine erste Orientierung über die Art der Erreger.
Mittlerweile gibt es die Möglichkeit einer PCR-basierten Erregerdiagnostik, die die Diagnose der Sepsis beschleunigen und eine frühere Orientierung über die auslösenden Erreger geben kann. Allerdings ist im Gegensatz zur Erregerkultur keine antibiotische Resistenztestung bei bakteriellen Erregern möglich.

Immunsystem und Infektabwehr

Natürliche Barrieren
Der menschliche Organismus setzt sich permanent mit mikrobiellen Erregern auseinander. Die Epithelien der Haut und der Schleimhäute bilden wichtige mechanische Schutzbarrieren. Ortsständige Enzyme und Schleim besitzen eine antimikrobielle Aktivität und verhindern ein Anhaften von Erregern. So wird das innere Milieu des Organismus frei von mikrobiellen Erregern gehalten. Eine Infektion kann erst dann stattfinden, wenn mikrobielle Erreger diese Barrieren durchdringen, was bei einem mechanischen Schaden von Epithelien (z. B. bei Verletzung oder Verbrennung) der Fall sein kann.
In der modernen Medizin, insbesondere in der Intensivmedizin, begünstigen iatrogene Maßnahmen den Übertritt von mikrobiellen Erregern. Häufige Eintrittspforten pathogener Keime stellen beim Intensivpatienten die ableitenden Harnwege, Gefäßpunktionsstellen, die Atemwege und der Gastrointestinaltrakt dar.
Insbesondere die Darmmukosa bildet eine wichtige Barriere gegen den Übertritt von Bakterien. Wird die Darmmukosa geschädigt, kommt es zum Durchtritt von Bakterien durch die Darmwand in das portale Stromgebiet (Translokation). Dies führt zur Einschwemmung von Endotoxinen in Lymphe und Blut. Endotoxine aus der Zellwand gramnegativer aerober Bakterien selbst wirken nicht toxisch, lösen jedoch eine Reihe von entzündlichen Reaktionen aus.
Invasion mikrobieller Erreger, PAMPs und angeborene Immunität
Bei Invasion mikrobieller Erreger in primär steriles Gewebe wird zunächst eine angeborene Immunantwort („Innate Immunity“) ausgelöst, die sowohl pro- und antiinflammatorische Signalwege als auch Reparaturmechanismen in Gang setzt. Das Ziel ist es, die Erreger im infizierten Gewebe abzutöten, um dadurch die Infektion lokal zu begrenzen und weiteren Gewebeschaden zu verhindern.
Dabei spielen nicht nur Immunzellen, wie Makrophagen, polymorphkernige Granulozyten, dendritische Zellen oder natürliche Killerzellen, eine wichtige Rolle, sondern auch Endothelzellen und Thrombozyten sowie antimikrobielle Peptide und Proteine (Abb. 1; Kap. „Anästhesiologische Beurteilung des Patienten: Endokrines System“ und Kap. „Anästhesie und Immunreaktivität“). Diese Zellen besitzen Rezeptoren an der Zelloberfläche und im Endosom („Pattern-Recognition Receptors“), die bestimmte, erregerassoziierte molekulare Liganden („Pathogen-Associated Molecular Patterns“ (PAMPs)) erkennen. Zu den wichtigen PAMPs zählen Peptidoglykane, polymere Zellwandbestandteile grampositiver Bakterien, Endotoxin und Zellwandbestandteil gramnegativer Bakterien. Sie aktivieren z. B. „Toll-Like Receptors“ (TLRs), die mittlerweile auf einer Vielzahl von Zelltypen nachgewiesen sind. Dabei kommt es zur Aktivierung des Inflammasoms, einem intrazellulären Proteinkomplex, der eine proinflammatorische Antwort mit Sekretion von Zytokinen wie Interleukin 1β (IL-1β), Interleukin 18 sowie in der Folge, Tumornekrosefaktor (TNF) und Interleukin 6 (IL-6) nach sich zieht.
Abb. 1
Zellnekrosen sowie die Invasion mikrobieller Erreger induzieren über (DAMPs) „Damage-Associated Molecular Patterns“ bzw. (PAMPs) „Pathogen-Associated Molecular Patterns“) eine angeborene Immunantwort, die durch eine Synthese von proinflammatorischen Zytokinen charakterisiert ist. Diese induzieren ein SIRS, das auch proteolytische Systeme (wie das Komplements- und Gerinnungssystem, das endokrine System und das vegetative Nervensystem) aktiviert und dysreguliert. Sog. Superantigene können unter Umgehung der Antigenprozessierung direkt T-Zellen aktivieren und einen Zytokinsturm auslösen, der zum fulminanten Krankheitsbild des „Toxic Shock Syndrome“ führt
Über Zytokine werden das Komplementsystem, das Gerinnungssystem, endokrine Systeme und das autonome Nervensystem an der unspezifischen Immunantwort beteiligt.
Gewebeschaden, DAMPs und angeborene Immunität
Eine Zellnekrose, ausgelöst durch einen schweren Gewebeschaden, ein Trauma, eine Verbrennung oder akute Pankreatitis, löst ebenfalls eine angeborene Immunantwort (aktiviert von „Damage-Associated Molecular Patterns“ (DAMPs) aus. Dabei sind es u. a. mitochondriale DAMPs, die eine angeborene Entzündungsantwort hervorrufen (van der Poll et al. 2021). Mitochondrien sind evolutionäre Endosymbionten, die molekularbiologisch eine hohe Ähnlichkeit zu Bakterien bewahrt haben. Mitochondriale DAMPs umfassen Formylpeptide und mitochondriale DNA. Gelangen mitochondriale DAMPs in die Zirkulation, aktivieren sie immunkompetente Zellen (wie polymorphkernige Granulozyten (PMN) und Makrophagen) über „Formyl Peptide Receptor-1“ und Toll-Like Receptor (TLR)-9. Dies führt über granulozytäre Migration und Degranulation zu den typischen Organfunktionsstörungen, wie sie auch bei einer Sepsis induziert werden. Die Freisetzung von mitochondrialen DAMPs ist die wesentliche pathophysiologische Verknüpfung eines Traumas und des SIRS (Abb. 1).
Zelluläre und humorale Abwehr
In der Infektabwehr spielen Zellen, die zur Phagozytose fähig sind, eine bedeutende Rolle. Hierzu zählen Gewebemakrophagen und polymorphkernige Granulozyten, die in das entzündete Gebiet einwandern. Makrophagen identifizieren „fremde“ Kohlenhydratmoleküle mikrobieller Erreger, phagozytieren die Erreger und zerstören sie anschließend mittels reaktiver Sauerstoffmetabolite und Enzyme (Mikrobizidität). Die Phagozytose wird durch die Opsonierung erleichtert, an der initial das Komplementsystem und später auch Immunglobuline beteiligt sind.
Eine Reihe weiterer Proteine und Peptide, die im Rahmen der Entzündung synthetisiert werden, besitzen eine antimikrobielle Aktivität (Martin et al. 2015). Dazu zählen Defensine, „Bactericidal Permeability-Increasing Protein“ und Cathelicidine. Zudem wird eine adaptive Immunantwort ausgelöst, bei der nach Prozessierung und Antigenpräsentation durch dendritische Zellen und Makrophagen T- und B-Zellen aktiviert werden. Dies mündet in der Produktion von spezifischen Antikörpern und der Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses.
Netzwerk der Zytokine
Die systemische Entzündungsantwort bei der Sepsis wird in erster Linie über ein Netzwerk von Zytokinen vermittelt. Zytokine sind Peptide oder Proteine, die von immunologisch kompetenten Zellen (wie T-Zellen, Endothelzellen und Makrophagen) produziert und sezerniert werden. Zu ihren Funktionen gehören die intrazelluläre Kommunikation bei entzündlichen Prozessen sowie die Differenzierung von Entzündungszellen („Cross Talk“). Die meisten Zytokine sind pleiotrope Hormone und haben vielfältige biologische Funktionen. Im Rahmen einer Sepsis oder eines schweren Traumas können sie eine massive Aktivierung der Immunantwort bewirken.
Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Tumornekrosefaktor (TNF). Im Tierexperiment ruft die Injektion von TNF alle klinischen Zeichen einer Sepsis hervor. Die Freisetzung von TNF aktiviert ein komplexes Netzwerk von pro- und antiinflammatorischen Zytokinen (wie IL-1β, IL-6, IL-8 und IL-10) mit sehr unterschiedlichen, teils gegenläufigen biologischen Effekten. So induziert IL-6 in der Leber die Akute-Phase-Reaktion mit der Neusynthese von Akute-Phase-Proteinen (z. B. dem C-reaktiven Protein (CRP), dessen Konzentration als Verlaufsparameter der Sepsis eingesetzt wird). Die Zytokinfreisetzung als Folge einer Infektion ist ein normaler und prinzipiell sinnvoller Vorgang, der zur erfolgreichen Abwehr mikrobieller Erreger erforderlich ist.
Fehlregulierte Immunantwort
Kann der Infektfokus durch die in Gang gebrachte angeborene Immunantwort nicht kontrolliert werden, entwickelt sich eine dysregulierte Immunantwort. Dabei kann es einerseits zur überschießenden Inflammation mit exzessiver Produktion von Zytokinen kommen, durch die weitere Organschäden entstehen. Andererseits kann sich das fehlregulierte Immunsystem aber auch in einer ausgeprägten Immunparalyse manifestieren, die über sekundäre, nosokomiale Infektionen ebenfalls zur erhöhten Mortalität im Spätstadium beiträgt (Hotchkiss et al. 2013; van der Poll et al. 2021).
Im Falle der Hyperinflammation kommt es zu einer einander verstärkenden Aktivierung der Immunzellen, die in einer überschießenden Sekretion von Zytokinen und stark gesteigerter Leukozyteninfiltration in das entzündete Gewebe mündet. Zusätzlich kommt es zur inflammationsbedingten endothelialen Dysfunktion mit vermehrter Gefäßpermeabilität (kapilläres Leck) und Überaktivierung des Gerinnungssystems. Die proinflammatorischen Zytokine induzieren so die Expression von „Tissue Plasminogen Factor“ auf Endothelzellen, was die Gerinnungskaskade in Gang setzt und zur Koagulopathie der disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) führen kann. Hierbei kann durch Deposition von Fibrin im Bereich kleinster Gefäße die Gewebeperfusion kritisch gestört werden. Eng verknüpft hiermit ist die Aktivierung des Komplementsystems über die Anaphylatoxine C5a, C3a und C4a. Das stark aktivierte Komplementsystem verstärkt nicht nur im Rahmen dieser Komplementopathie die endotheliale Hyperpermeabilität, sondern ist auch an der schweren septischen Kardiomyopathie und der auftretenden Immunparalyse beteiligt.
Toxic-Shock- und Toxic-Shock-like-Syndrom
Bestimmte Exotoxine von Staphylokokken (Staphylokokkenenterotoxine A–E) oder β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A können einen fulminant verlaufenden septischen Schock induzieren, das sog. „Toxic-Shock-“ bzw. „Toxic-Shock-like-Syndrom“. Diese Toxine, die v. a. mit T-Lymphozyten interagieren, werden auch als Superantigene bezeichnet (Abb. 1).
Superantigene unterscheiden sich in ihrem immunologischen Verhalten von anderen Antigenen. Sie verbinden ohne vorherige Prozessierung direkt Schlüsselregionen von „Major-Histocompatibility-Complex“-(MHC-)-II-Molekülen und TCR (T-Cell Receptor), was zu einer Aktivierung beider Zelltypen führt (Brouwer et al. 2023).
Im Vergleich mit einem konventionellen Antigen, das in der Lage ist, nur etwa 0,01 % der T-Zellen zu aktivieren, vermögen Superantigene bis zu 25 % aller T-Zellen zur Zytokinproduktion anzuregen. Diese massive T-Zellaktivierung hat einen Zytokinsturm zur Folge, der eine fulminante systemische Inflammation in Gang setzt und unterhalten kann.
Zudem induziert die Toxinwirkung eine Schädigung des Endothels mit konsekutiver Aktivierung der intravasalen Gerinnung und des Kininsystems. Verstärkt wird die Wirkung der Toxine durch verschiedene Virulenzfaktoren, wie dem M-Protein, Hyaluronsäurekapseln, der Streptokinase und weiteren bakteriellen Enzymen. Die daraus resultierende Vasodilatation, drastische Permeabilitätssteigerung und intravasale Verbrauchskoagulopathie führen zu einer ausgeprägten schockspezifischen Mikrozirkulationsstörung und Minderperfusion und sehr rasch zum Multiorganversagen (Abb. 2).
Abb. 2
Charakteristische Mikrozirkulationsstörungen an der unteren Extremität bei Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A
Im Verlauf eines „Toxic-Shock-like-Syndrom“ entwickelt sich neben der Überproduktion von Zytokinen eine Immunparalyse. In diesem Zustand können die nun anergen T-Zellen weder durch Superantigene noch durch konventionelle Antigene reaktiviert werden, was dem superantigenproduzierenden Erreger durch eine allgemeine Immunsuppression des Wirts vermutlich bessere Überlebenschancen im menschlichen Organismus bietet (Shaler et al. 2017).

Diagnostik

Klinisches Bild

Neben anamnestischen Hinweisen auf eine Infektion bzw. auf das Vorliegen prädisponierender Faktoren stützt sich die Diagnose der Sepsis und des septischen Schocks v. a. auf klinische Symptome, charakteristische hämodynamische Befunde, das Auftreten von Organfunktionsstörungen und auf Laborbefunde. Die klinische Symptomatik hängt von der Art der Grunderkrankung und dem Immunstatus des Patienten ab. Frühsymptome der Sepsis sind Tachypnoe, Unruhe, Verwirrtheit, Tachykardie und Oligurie. Schüttelfrost und Fieber treten häufig auf, Fieber kann jedoch als Symptom bei älteren Menschen, bei Urämie oder Behandlung mit Kortikosteroiden auch fehlen.
Klinische Symptome der Sepsis
  • Fieber oder Hypothermie, Schüttelfrost
  • Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz
  • Tachykardie, Rhythmusstörungen, steigender Katecholaminbedarf
  • Tachypnoe, Dyspnoe, fallender Horowitz-Quotient
  • Rötliche, trockene, warme Haut (hyperdynamer Schock)
  • Blutungsneigung, Mikrozirkulationsstörungen an den Akren
Diskrete Zeichen einer arteriellen Hypotonie und einer Hypovolämie bzw. ein intravasaler Volumenbedarf, der zu einer positiven Flüssigkeitsbilanz führt, sind beim Intensivpatienten erste Zeichen eines beginnenden septischen Schocks. Der erniedrigte systemische Blutdruck zieht rasch einen steigenden Katecholaminbedarf nach sich. Bei Patienten im hyperdynamen, septischen Schock ist die warme, trockene, rosig aussehende Haut auffällig, doch beobachtet man auch massive Schweißausbrüche bei heißer und geröteter Haut. Bei längerem Verlauf der Sepsis fällt gelegentlich ein Ikterus als Hinweis auf eine Leberbeteiligung oder als Zeichen einer Hämolyse auf. Petechiale oder flächenhafte Haut- und Schleimhautblutungen sind ebenso Ausdruck von Gerinnungsstörungen wie spontane Blutungen aus Punktionsstellen.
Das klinische Bild des hypodynamen Schocks ähnelt weitgehend dem anderer Schockformen, die mit einem niedrigen Herzzeitvolumen einhergehen: Die Haut ist feucht, kalt und zyanotisch-marmoriert, die Patienten sind zu diesem Zeitpunkt meist somnolent oder komatös. Ursache der hypodynamen Schockform ist ein myokardiales Pumpversagen aufgrund einer meist vorbestehenden Herzerkrankung (z. B. schwere koronare Herzerkrankung oder Kardiomyopathie) oder die Folge einer schweren septischen Kardiomyopathie, wie sie bei Patienten mit Toxic-Shock-like-Syndrom beobachtet wird.
Diese Sonderform des septischen Schocks wird durch eine Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A ausgelöst. Klinisch zeigen sich häufig charakteristische Mikrozirkulationsstörungen an den Akren (Abb. 2).

Laborbefunde

Routineparameter und Inflammatorische Marker

Akute-Phase-Proteine, Zytokine, Procalcitonin
Der klinische Verdacht auf eine Sepsis kann durch Laboranalysen erhärtet werden. Das Blutbild zeigt häufig eine Leukozytose mit jugendlichen Formen von Granulozyten (Linksverschiebung), gelegentlich jedoch – v. a. in der Frühphase der Sepsis – eine Leukopenie.
Die Hypokapnie in der Frühphase ist Folge einer zentral induzierten Hyperventilation. Arterielle Hypoxämie und respiratorische Alkalose sind Zeichen einer beginnenden respiratorischen Insuffizienz. Die arteriovenöse O2-Gehaltsdifferenz (avḊO2) ist in der hyperdynamen Phase erniedrigt.
Ein Abfall der Thrombozytenzahl sowie abnorme Gerinnungsparameter sind bei schweren Verlaufsformen charakteristisch. Ebenso findet man eine starke Abnahme des Cholesterins und des Phosphats im Serum.
Typische Laborbefunde bei Sepsis
Zur Sicherung der Diagnose und v. a. zur Verlaufsbeurteilung sind spezifische Laboranalysen neben mikrobiologischen Untersuchungen hilfreich. Rasche Änderungen des Stoffwechselzustands und der Funktionen von Leber und Niere erfordern oft mehrmals täglich die Bestimmung von Blutglukose, Gerinnungsparametern und Elektrolytwerten. Die Überwachung der Nierenfunktion ist durch wiederholte Messung einfach zu bestimmender Parameter in Plasma und Sammelurin möglich. Die wichtigsten Größen zur frühzeitigen Erkennung einer Verschlechterung der Nierenfunktion sind dabei das Kreatinin, die Kreatinin-Clearance, die Urinosmolarität und die fraktionelle Natriumexkretion.
Inflammatorische Marker
Obwohl Akute-Phase-Proteine (wie das CRP) wenig spezifisch sind, helfen sie, zwischen inflammatorischen und nichtinflammatorischen Prozessen zu unterscheiden. Sie spiegeln v. a. die Intensität der Entzündung wider und werden daher in der Klinik als Verlaufsparameter bei akut entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Auch der Erfolg einer Antibiotikatherapie kann am Verlauf von Akute-Phase-Proteinen beurteilt werden.
Zytokine
Obwohl Zytokine eine bedeutende Rolle bezüglich der Immunantwort bei der Sepsis übernehmen, sind sie aufgrund kurzer Halbwertszeiten und einer hohen Variabilität in der Zirkulation zur Diagnose wenig geeignet. Dies trifft insbesondere auf TNF und IL-1β zu. TNF ist allenfalls in der Frühphase (< 24 h) eines septischen Schocks in der Zirkulation über die Norm erhöht.
Besser geeignet zur frühen Diagnose ist IL-6. Es wird von verschiedenen Zellen (z. B. T-Zellen, Makrophagen und Fibroblasten) synthetisiert, induziert in den Hepatozyten die Freisetzung von Akute-Phase-Proteinen und aktiviert T- und B-Zellen. Außerdem agiert es als endogenes Pyrogen. IL-6 wird als distales Zytokin in der Zytokinkaskade eingestuft, da durch Hemmung der Aktivität von IL-6 keine Beeinträchtigung der Produktion anderer proinflammatorischer Zytokine erfolgt.
Procalcitonin
Procalcitonin (PCT) taucht im Rahmen infektiöser Prozesse in der Zirkulation auf und korreliert sehr gut mit der Schwere der Sepsis, wenn eine Pneumonie für die Sepsis verantwortlich ist. In dem Fall ist es in der Diagnose der Sepsis dem IL-6 und dem CRP überlegen (Mouncey et al. 2015). Ebenso kann Procalcitonin bei der Diskrimination zwischen bakterieller und Sepsis anderer Ursache hilfreich sein, da ein Anstieg insbesondere bei bakteriellen Infektionen auftritt. Auch für die Verlaufsbeurteilung der Sepsis und zur Steuerung der antimikrobiellen Therapie kann das PCT verwendet werden, wobei als Grundlage zur Beendigung einer antibiotischen Therapie nicht ausschließlich der PCT-Wert benutzt werden sollte (Evans et al. 2021a, b).

Organdysfunktionen und SOFA-Score

Kardiovaskuläre Dysfunktion, septischer Schock

Charakteristika der Hämodynamik
Der septische Schock ist durch hämodynamische Veränderungen charakterisiert, die – zumindest in der Frühphase des Schocks – auf eine Kompensation der Gewebehypoxie abzielen. Anhand hämodynamischer Größen lassen sich, als Teile eines kontinuierlichen Prozesses, zwei Formen des septischen Schocks unterscheiden: die hyperdyname und die hypodyname Form. Etwa 90 % aller Patienten mit Sepsis entwickeln einen hyperdynamen septischen Schock.
Die hyperdyname Schockform zeichnet sich durch einen verminderten peripheren Gefäßwiderstand und ein gesteigertes Herzzeitvolumen (HZV) bei noch normalen oder niedrigen systemischen Blutdruckwerten aus. Der reduzierte periphere Gefäßwiderstand wird durch die ausgeprägte arterioläre Vasodilatation in Teilen der Mikrozirkulation verursacht und durch die Wirkung von Mediatoren auf die glatte Gefäßmuskulatur des Systemkreislaufs vermittelt. Dagegen ist der pulmonale Gefäßwiderstand durch die Ansammlung von Leuko- und Thrombozyten in den Lungenkapillaren und die konstriktorische Wirkung von Mediatoren auf die pulmonalen Widerstandsgefäße erhöht.
Die hypodyname Schockform mit fixiertem, niedrigem Herzzeitvolumen tritt bei myokardialem Pumpversagen oder in der Spätphase des septischen Schocks auf (Abb. 3).
Abb. 3
Makrohämodynamische Veränderungen bei septischen Schocks
Kapilläres Leck
Eine Reihe inflammatorischer Mediatoren (z. B. Komplementfragmente und Kallikrein) bewirken eine Zunahme der Gefäßpermeabilität (Abb. 4). Die Verlagerung von Plasma aus der Blutbahn in das Gewebe hat eine Abnahme des intravasalen Blutvolumens zur Folge. Darüber hinaus wird durch die Ansammlung von Blut in den Kapazitätsgefäßen des Niederdrucksystems der venöse Rückfluss zum Herzen reduziert, was den rechtsventrikulären Füllungsdruck vermindert. Vorübergehende hypotone Phasen werden initial durch eine gesteigerte Aktivität des sympathikoadrenergen Systems beantwortet. Die Folge der dann ausgeprägten regionalen arteriolären und venolären Konstriktion ist die Absonderung und der Verhalt von Flüssigkeit in der Endstrombahn mit der Entwicklung eines Gewebeödems.
Abb. 4
Charakteristika des septischen Schocks und deren Konsequenzen auf O2-Transport, Gewebeoxygenierung und MODS
Septische Kardiomyopathie
Obwohl das HZV in der hyperdynamen Phase normal oder über die Norm erhöht ist, kann die Pumpfunktion des Herzens bereits eingeschränkt sein. Trotz verminderter Auswurffraktion des Herzens (Auswurffraktion = Schlagvolumen/enddiastolisches Volumen) kann infolge einer Dilatation des linken Ventrikels in der akuten Phase des Schocks das Schlagvolumen normal sein. Eine normale Auswurffraktion bedeutet aber nicht notwendigerweise eine intakte Fähigkeit des Herzmuskels zur Kontraktion, wenn sie nur Folge der erheblich reduzierten Nachlast bei Hypotonie ist.
Anders als für die linke Kammer ist für den rechten Ventrikel wegen des erhöhten pulmonalarteriellen Drucks die Nachlast erhöht.
Deshalb zeigt sich die Auswurfleistung des rechten Herzens im septischen Schock oft vermindert. Die möglichen Ursachen der eingeschränkten Pumpfunktion der Herzkammern im septischen Schock (wie Ischämie, metabolische Störungen, Störungen der Mikrozirkulation des Herzmuskels oder zirkulierende myokarddepressive Stoffe) sind in ihrer Bedeutung nicht völlig geklärt.
Eine wichtige Rolle spielt die kardiodepressorische Wirkung proinflammatorischer Zytokine (z. B. Tumornekrosefaktor und Interleukin 1β (IL-1β).
Eine akute septische Kardiomyopathie ist ein ausschlaggebender Faktor für den klinischen Verlauf eines septischen Schocks. Bei ausgeprägter sepsisinduzierter Herzinsuffizienz verschlechtert sich die Prognose quo ad vitam des Patienten.
Peripheres Vasomotorenversagen
Die Ätiologie des peripheren Vasomotorenversagens im septischen Schock ist nicht im Detail geklärt. Endotoxin und eine Reihe inflammatorischer Mediatoren (wie TNF, IL-1β oder Interferon-γ) können im Tiermodell ein periphervaskuläres Versagen auslösen. Eine Down-Regulation α-adrenerger Rezeptoren und gestörte Kopplungsmechanismen auf Postrezeptorenebene sind an Aortenringen der Ratte nachgewiesen worden, die in vivo oder in vitro gegenüber Endotoxin exponiert waren.
In jüngerer Zeit wird vermutet, dass die vaskuläre Hyporeaktivität auf Katecholamine bei Sepsis vorwiegend durch Stickoxid (NO), Kohlenmonoxid (CO) und Endothelin 1 vermittelt wird. Im Rahmen der systemischen Inflammation werden NO-Synthasen in Tunica media und Endothel von Gefäßen sowie in Entzündungszellen aktiviert, was zu einer überschießenden Produktion von NO führt. Die induzierbare NO-Synthase trägt in hohem Maße zur peripheren Vasodilatation bei Sepsis bei. Die Inhibition der NO-Synthase durch Gabe von NG-Monomethyl-L-Arginin (L-NMMA) oder Methylenblau führt zu einer dosisabhängigen Steigerung des arteriellen Blutdrucks sowie des periphervaskulären und pulmonalvaskulären Widerstands (Kap. „Septische Kreislaufinsuffizienz“).
Mikrozirkulationsstörungen
Auf der Ebene der Mikrozirkulation nimmt durch Umverteilung der Perfusion der nichtnutritive Blutfluss zu.
Als Folge der Endothelzellschädigung kommt es zum Verlust einer adäquaten Gefäßregulation, wobei manche Gefäßabschnitte dilatieren, andere konstringieren. Der Verlust der Endothelintegrität begünstigt ferner kapillare Mikroembolisationen und die Entwicklung eines interstitiellen Ödems. Schließlich entwickelt sich auf zellulärer Ebene eine O2-Verwertungsstörung. Der Begriff des „funktionellen arteriovenösen Shunts“ beschreibt die mangelhafte O2-Extraktion aus dem arteriellen Blut und ist damit das Ergebnis von Störungen auf allen drei Ebenen. All diese Vorgänge führen im septischen Schock zu einer unzureichenden Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff.
Klinisch können Mikrozirkulationsstörungen der Haut beurteilt werden, wobei typischerweise eine verlängerte Rekapillarisierungszeit, Marmorierungen der Haut v. a. im Bereich der Kniescheiben und Kaltschweißigkeit beobachtet werden kann.
Die Bestimmung der Rekapillarisierungszeit („Nagelbettprobe“ oder „Capillary Refill Time“) lässt sich schnell, repetitiv und ohne apparativen Aufwand durchführen. Dabei wird der Fingernagel für eine kurze Zeit bis zur Weißfärbung ins Nagelbett gedrückt. Beim Loslassen des Drucks sollte sich das Nagelbett als Folge der zurückkehrenden Durchblutung rasch (unter 2 s) wieder rot färben. Die Rekapillarisierungszeit dient dabei auch als früher Zielparameter für die adäquate Volumentherapie bei Sepsispatienten (Hernandez et al. 2019).

Pulmonale Dysfunktion, akutes Lungenversagen

Die Lunge kann Ausgangspunkt (z. B. durch eine Pneumonie) oder Zielorgan der Sepsis sein (Abb. 5). Da sie vom gesamten Blutvolumen durchströmt wird, reagiert die Lunge besonders empfindlich auf alle inflammatorischen Vorgänge im Organismus.
Abb. 5
Die Lunge als Zielorgan der Sepsis bei einem Patienten mit Peritonitis. Das Bild zeigt frühe Veränderungen im Sinne eines Sepsis-induzierten Lungenschadens
Aufgrund ihres hohen Gehalts an immunkompetenten Zellen gilt die Lunge als ein Hauptproduktionsort entzündlicher Mediatoren. Die inflammatorischen Vorgänge in der Lunge schädigen die Funktion dieses Organs nachhaltig.
Akuter Lungenschaden
Die Tachypnoe ist ein frühes Leitsymptom der Sepsis und Ausdruck einer akuten respiratorischen Insuffizienz. Sie ist ferner Zeichen einer gesteigerten Ventilation zur Kompensation der Hypoxämie. Ursache ist ein inflammatorisch induzierter Lungenschaden, der zu Ventilations-Perfusions-Inhomogenitäten führt. In der Frühphase der Sepsis können röntgenologische Hinweise auf eine Lungenbeteiligung fehlen. Erste Zeichen des Permeabilitätslungenödems sind streifig-fleckförmige Verschattungen ohne bevorzugte Lokalisation (Abb. 5), die später in eine schleierartige Trübung der gesamten Lunge („weiße Lunge“) oder in wolkig-konfluierende beidseitige Infiltrate übergehen.
Bei der Beurteilung von Thoraxröntgenaufnahmen in Behelfstechnik beim liegenden Patienten kann der Sepsis-induzierte von einem kardiogenen Lungenödem schwierig zu differenzieren sein. Häufig finden sich hilusnahe Infiltrate in Kombination mit Pleuraergüssen. Computertomografisch imponieren beim liegenden Patienten konsolidierte alveoläre Bezirke in Kombination mit dorsobasalen Atelektasen.
In allen Lungenalveolarbezirken lassen sich inflammatorische Vorgänge nachweisen. Lungenmechanische Folgen sind eine erniedrigte Compliance der Lunge, eine erhöhte Resistance der Atemwege sowie eine erhöhte alveoläre Totraumventilation.
Akutes Lungenversagen
Nimmt der inflammatorische Schaden zu, tritt infolge ausgeprägter Ventilations-Perfusions-Störungen und einer pulmonalen Shuntdurchblutung eine schwere Oxygenierungsstörung (Quotient aus arteriellem O2-Partialdruck (PaO2) und inspiratorische Sauerstofffraktion (FiO2), Oxygenierungsindex nach Horowitz ≤ 300 mmHg) auf. Typisch ist hierbei ein Alveolarzellschaden, der Nachweis von polymorphkernigen Granulozyten sowie die Bildung hyaliner Membranen neben einer proteinreichen ödematösen Flüssigkeit. Dies ist Ausdruck der schweren Inflammation mit Verlust der Barrierefunktion der alveolo-kapillären Membran. Bereits nach 3–4 Tagen lässt sich eine Proliferation von Fibroblasten nachweisen, die zu einem bindegewebigen Umbau der Lungen führt. Dieser Prozess ist zumindest partiell reversibel, jedoch verantwortlich für eine lang anhaltende Einschränkung der Lungenfunktion nach ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) (Kap. „Respiratorische Insuffizienz: 1.3 Akutes Lungenversagen“).
Die inflammatorische Zerstörung der alveolo-kapillären Einheiten mit alveolärer Ödembildung führen zur Konsolidierung von Lungenarealen mit schwerkraftabhängigem Verlust von Lungenvolumen und Beeinträchtigung der pulmonalen Perfusion.

Renale Dysfunktion, akutes Nierenversagen

In Deutschland entwickeln 42 % der Patienten mit Sepsis oder septischem Schock ein akutes Nierenversagen (Kap. „Akutes Nierenversagen und Nierenersatzverfahren“). Die Krankenhaussterblichkeitsrate liegt mit 67 % drastisch höher als bei septischen Patienten ohne akutem Nierenversagen (43 %; (SepNet Critical Care Trials 2016)). Änderungen der renalen Hämodynamik und inflammatorische Vorgänge sind die Hauptursachen für die renale Dysfunktion, die von einer moderaten Störung der Nierenfunktion bis zur Anurie reichen kann. Häufig sind Nierenersatzverfahren notwendig, wobei das akute Nierenversagen trotz optimaler Therapie der zugrunde liegenden Sepsis nicht selten in eine chronische Niereninsuffizienz übergeht (Zarbock et al. 2023). Das akute Nierenversagen per se verstärkt das systemische Inflammationssyndrom in komplexer Weise und verschlechtert die Immunlage des Patienten. Aktivierte Leukozyten setzen Proteasen und Sauerstoffradikale frei, die direkt die glomeruläre Basalmembran angreifen, was die Funktion des glomerulären Apparats nachhaltig stört. Zudem beeinflussen Mediatoren mit vasoaktiven Eigenschaften die regionale Hämodynamik am Glomerulum. Lokale hämodynamische Veränderungen führen zudem zum Tubuluszellschaden, der i. d. R. mit einer Hypoperfusion mit konsekutiver Abnahme energiereicher Phosphate verbunden ist (zu den Kriterien zur Beurteilung des akuten Nierenversagens siehe Kap. „Akutes Nierenversagen und Nierenersatzverfahren“).

Leberfunktionsstörungen

Die Leber stellt ein wichtiges immunologisches Organ dar, das entscheidend zur Elimination von Toxinen und Bakterien aus dem portalen Stromgebiet beiträgt. Diese Prozesse sind besonders energieverbrauchend, weshalb die Leber vor allem während einer Sepsis ein besonders stoffwechselaktives Organ darstellt. Deshalb ist eine adäquate O2-Versorgung der Leber in der Sepsis und im septischen Schock von besonderer Bedeutung. Eine arterielle Hypoperfusion – z. B. unter hoch dosierter Adrenalingabe – kann schnell zum Leberschaden führen.
Bei der generalisierten Immunantwort der Sepsis ist die Leber in besonderer Weise beteiligt, sie ist Produktionsort zahlreicher Zytokine sowie einiger Akute-Phase-Proteine. Es kann zu einer persistierenden systemischen Inflammation kommen, die ein Multiorganversagen unterhält oder verstärkt. Dies kann durch intermittierende Episoden einer Endotoxämie oder eines Schocks aggraviert werden. Außerdem kann in der akuten Inflammationsreaktion die Aufrechterhaltung des metabolischen Gleichgewichts durch die Leber erheblich gestört sein. Dabei kann trotz kataboler Stoffwechsellage die Glukose- und Fettsäure-Oxidation beeinträchtigt sein, was zum Anstieg von Metaboliten im Blut und zur mitochondrialen Dysfunktion innerhalb der Zellen führt (Preau et al. 2021). Das kombinierte Auftreten einer Sepsis bzw. eines septischen Schocks und einer schweren hepatischen Dysfunktion ist mit einer schlechten Gesamtprognose assoziiert.

Störung der Darmbarriere

Der Gastrointestinaltrakt ist aufgrund seiner hohen Stoffwechselaktivität sehr anfällig für Perfusions- und Mikrozirkulationsstörungen. Das Risiko einer inadäquaten O2- und Substratversorgung der gastrointestinalen Mukosa steigt besonders infolge einer Sepsis.
Der Darm verliert so seine wichtige immunologische Barrierefunktion, es kommt zum Übertritt von Bakterien und Toxinen in das portale Stromgebiet (Translokation), ein Geschehen, das bei gleichzeitiger Darmatonie verstärkt wird. Zusätzlich kommt es durch die gehemmte Entgiftungsfunktion der Leber und der Sepsis-induzierten metabolischen Entgleisung zu einer Beeinträchtigung der Darmbarriere und zu gravierenden Veränderungen des Darmmikrobioms (Zhang et al. 2022). Dies kann im Rahmen einer Sepsis die systemische Inflammation unterhalten oder verstärken. Deswegen wird der Darm auch als Motor des Multiorganversagens bezeichnet.

Andere Organfunktionsstörungen

Gerinnungsstörungen
In der Sepsis kommt es zu einer Aktivierung des Gerinnungssystems mit Verminderung der plasmatischen Hemmfaktoren der Blutgerinnung. Die Konstellation der Gerinnungsparameter ist uneinheitlich, je nachdem, ob eine vermehrte Gerinnungsneigung besteht (meist in der Frühphase) oder ob der Verbrauch an Gerinnungsfaktoren und die gleichzeitige Fibrinolyse dominieren (Koagulopathie).
Einen sicheren Hinweis auf eine gesteigerte Gerinnungsaktivität geben erhöhte D-Dimere. Der Fibrinogenspiegel kann als Zeichen der Aktivierung der Akute-Phase-Proteine erhöht, bei Verbrauch an Gerinnungsfaktoren, wie auch Antithrombin, erniedrigt sein. Zwar finden sich bei der Sepsis fast regelhaft laborchemische Hinweise auf eine Umsatzsteigerung des Gerinnungspotenzials, doch ist das Vollbild der disseminierten intravasalen Gerinnung („overt“ DIC) mit generalisierter Blutungsneigung, erniedrigten Fibrinogenspiegeln, verlängerter Thromboplastinzeit (Quick-Wert), verlängerter partieller Thromboplastinzeit (PTT) und Thrombopenie beim septischen Schock oder beim Toxic-Shock-Syndrom häufiger.
Sehr hilfreich in der Diagnostik der „overt“ DIC ist ein Scoringsystem der International Society of Thrombosis and Haemostasis (Tab. 3; Taylor et al. 2001).
Tab. 3
Scoringsystem zur Diagnose der disseminierten intravasalen Gerinnung der International Society of Thrombosis and Haemostasis
Parameter
0 Punkte
1 Punkt
2 Punkte
3 Punkte
Thrombozyten [103/mm3]
> 100
≥ 50
< 50
D-Dimer [μg/dl]
≤ 1,0
1,0–5,0
> 5,0
> 1,0
≤ 1,0
Quick-Wert [%]
> 70
40–70
< 40
1. Bei ≥5 Punkten liegt eine DIC vor
Neurologische Störungen
Verwirrtheit, Somnolenz, aber auch Agitation bis zu einem paranoid-halluzinatorischen Syndrom können frühe klinische Zeichen einer Sepsis sein. Sie sind Ausdruck einer septischen Enzephalopathie, die klinisch ein sehr vielschichtiges Bild bietet. Lediglich fokale neurologische Befunde sind selten. In der Pathogenese spielen eine Abnahme des zerebralen Blutflusses um 20–40 % sowie eine Umverteilung der Durchblutung eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus können proinflammatorische Zytokine die Funktion des Zentralnervensystems erheblich beeinträchtigen.
Die „Critical Illness Polyneuropathy“ (CIP) bezeichnet eine reversible, axonale Schädigung motorischer und sensibler peripherer Nerven. Sie kann kombiniert mit einer Myopathie auftreten („Critical Illness Myopathy“ (CIM)). Klinisch imponiert die schwere CIP/CIM durch schlaffe Paresen mit fehlenden Reflexen sowie einem Muskelabbau. Wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, kann die Entwöhnung vom Respirator schwierig und langwierig sein. Die Nervenleitgeschwindigkeiten sind normal oder nur gering verzögert, die Amplituden motorischer und sensibler Nervenpotenziale vermindert (Oppert et al. 2008). Eine spezifische Therapie der CIP/CIM existiert nicht, in Rahmen von Studien konnten durch eine frühe Gabe polyvalenter Immunglobuline inflammatorische Prozesse und durch elektrische Stimulation inaktiver Muskeln der gestörte Glukosemetabolismus günstig beeinflusst werden (Weber-Carstens et al. 2013). Eine an die Belastbarkeit und den Allgemeinzustand des Patienten angepasste Frühmobilisierung (innerhalb von 72 h nach Aufnahme auf die Intensivstation) zeigt ebenfalls positive Effekte auf den Krankheitsverlauf (Schaller et al. 2016).
Endokrine Dysfunktion
Die Sepsis löst komplexe neurohumorale Reaktionen aus, die durch das sympathische Nervensystem, das endokrine System und Immunsystem vermittelt werden. Ziel der endokrinen Reaktionen ist es, eine optimale Infektabwehr in immunologischer und metabolischer Hinsicht zu ermöglichen. In die Stressantwort ist v. a. die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) involviert, die durch Zytokine wie TNF, IL-1β und IL-6 aktiviert wird (Abb. 6).
Abb. 6
Störungen der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse und Kortisolresistenz der Zielgewebe bei septischem Schock, auch als Critical Illness-Related Corticosteroid Insufficiency (CIRCI) bezeichnet
Die physiologische Aufgabe des Kortisols ist es, sowohl inflammatorisch überschießende als auch anerge Reaktionen des Immunsystems zu verhindern. Die Kombination aus Kortisoldefizit und Steroidresistenz der Gewebe bei systeminflammatorischen Syndromen wird heute auch als Kortikosteroidinsuffizienz beim kritisch Kranken („Critical Illness-Related Corticosteroid Insufficiency“ (CIRCI) bezeichnet (Marik et al. 2008).

Scoring des multiplen Organdysfunktionssyndroms

Organfunktionsstörungen in der Sepsis sind in ihrer Schwere und im Zeitpunkt ihrer Manifestation sehr variabel. Es ist daher sinnvoll, zum einen die Schwere der Organdysfunktion zu charakterisieren und zum anderen den Zeitfaktor in der Dynamik der Erkrankung zu berücksichtigen. Nur so können in der klinischen Praxis die Prognose des Patienten und der Erfolg therapeutischer Maßnahmen adäquat beurteilt werden.
Scoringsysteme sind ein gutes Instrument, um die Schwere und die Entwicklung einer Erkrankung einschätzen und vergleichen zu können. Für die Beurteilung der Organdysfunktionen bei Sepsis wurde der sog. SOFA-Score (Sepsis-Related Organ Failure Assessment) von der Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin entwickelt (Tab. 4; Vincent et al. 1996). Dieser einfach zu berechnende Score beschreibt quantitativ in vier Kategorien das Ausmaß von sechs Organfunktionsstörungen, die bei einer Sepsis von zentraler Bedeutung sind.
  • Der Horowitz-Index (paO2/FIO2) wird zur Beurteilung der Lungenfunktion angewendet.
  • Für die Beurteilung der Herz-Kreislauf-Funktion werden Einsatz und Höhe der Katecholamindosis bewertet.
  • Da schwere disseminierte intravasale Gerinnungsstörungen mit einem Abfall der Thrombozyten einhergehen, wird die Thrombozytenzahl zur Beurteilung der Gerinnungsstörungen herangezogen.
  • Die biliäre Exkretion der Leber ist in hohem Maße vom zugeführten Sauerstoff abhängig, weshalb das Serumbilirubin auch einen Hinweis auf die Perfusion der Leber bietet.
  • Die Nierenfunktion wird mittels des Serumkreatinins eingeschätzt.
  • Zur neurologischen Beurteilung wird die Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale (GCS)) herangezogen. Hierbei muss bei sedierten Patienten ggf. auf den zuletzt vor Beginn der Sedierung erhobenen GCS zurückgegriffen werden.
Tab. 4
SOFA-Score (Sepsis Organ Failure Assessment)
SOFA-Score
1
2
3
4
Lungenfunktion
paO2/FIO2 (mmHg)
< 400
< 300
< 200
Beatmung
< 100
Gerinnung
Thrombozyten (103/mm3)
< 150
< 100
< 50
< 20
Leberfunktion
Bilirubin (mg/dl)
1,2–1,9
2,0–5,9
6,0–11,9
> 12,0
Herz-Kreislauf-System
Blutdruck (mmHg) oder Katecholamin (μg/kgKG/min) (> 1 h)
MAP < 70
Dopamin ≤ 5
Dopamin > 5
Epinephrin ≤ 0,01
Norepinephrin ≤ 0,01
Dopamin > 15
Epinephrin > 0,01
Norepinephrin > 0,01
ZNS
Glasgow-Koma-Skala (Punkte)
13–14
10–12
6–9
< 6
Nierenfunktion
Kreatinin (mg/dl)
1,2–1,9
2,0–3,4
3,5–4,9
> 5,0
Da der SOFA-Score auch bei anderen kritischen Erkrankungen den Grad einzelner Organdysfunktionen gut beschreibt, wird er heute als „Sequential Organ Failure Assessment“ ganz allgemein zur Beschreibung des multiplen Organdysfunktionssyndroms (MODS) in der Intensivmedizin herangezogen. Für den Einsatz außerhalb der Intensivstation (Präklinik, Notaufnahmen, Normalstationen) wurde der quick SOFA (qSOFA) entwickelt, der bei Erwachsenen mit dem Verdacht auf eine Infektion durch Beurteilung von Atmung und Bewusstseinszustand sowie durch Messung des Blutdrucks.
Hinweise auf frühe Sepsis-induzierte Organfunktionsstörungen gibt. Hinweise auf eine Sepsis ergeben sich, wenn zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sind:
  • eine veränderte Bewusstseinslage,
  • eine Atemfrequenz von 22 pro Minute oder höher oder
  • ein systolischer Blutdruck kleiner 100 mmHg (Singer et al. 2016).
Da der qSOFA jedoch eine schwache Sensitivität besitzt, sollte er nicht als alleiniges Screening-Tool genutzt werden, genauso wenig wie andere in der klinischen Praxis verwendete Sepsis-Screeninginstrumente (wie der National Early Warning Score (NEWS) oder Modified Early Waning Score (MEWS). Um das Risiko, eine Sepsis zu übersehen, zu minimieren, sollten alle verfügbaren Patientenparameter herangezogen und kombiniert werden, u. a. auch die o. g. SIRS-Kriterien. Das ist wichtig, um eine vielleicht lebensrettende, frühzeitige Therapie nicht zu verzögern.

Intensivtherapie bei Sepsis

Die Therapie der Sepsis bzw. des septischen Schocks kann nur erfolgreich sein, wenn die auslösende Infektion beseitigt werden kann (Abb. 7). Daher sind die wichtigsten Maßnahmen eine adäquate Antibiotikatherapie und ggf. eine operative oder interventionelle Sanierung des infektiösen Fokus (spezifische Therapie). Überbrückend können mit supportiven Therapiemaßnahmen sepsisinduzierte Störungen der Organfunktionen kompensiert werden, um Zeit für die spezifische Therapie der Sepsis zu gewinnen. Adjunktive Therapiemaßnahmen zielen darauf ab, die überschießend ablaufende Immunantwort wieder zu kontrollieren.
Abb. 7
Akuttherapie der Sepsis. (Modifiziert nach SSC-Leitlinie 2021) (Evans et al. 2021a, b)
Im Detail sind diese therapeutischen Möglichkeiten in den internationalen Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign (SSC), einem Konsortium von mehr als 30 wissenschaftlichen Fachgesellschaften, dargestellt (Levy et al. 2018; Evans et al. 2021a, b). Sie beschreiben ein Behandlungsbündel („Hour-1 Bundle“; siehe Übersicht) zu Sofortmaßnahmen bei Sepsis und septischem Schock innerhalb der ersten Stunde. Wesentliche Bestandteile der Frühintervention unmittelbar nach Diagnosestellung sind die Bestimmung des Lactats, die Entnahme von Blutkulturen, die Gabe von Antibiotika, die volumenwirksame Infusion einer kristalloiden Lösung (30 ml/kgKG) und die Vasopressortherapie bei Hypotension.
Behandlungsbündel der Surviving Sepsis Campaign (SSC 2021)
Erstmaßnahmen innerhalb von einer Stunde
1.
Bestimmung des Lactats. Wiederholte Messungen, wenn Lactat initial erhöht (> 2 mmol/l).
 
2.
Entnahme von Blutkulturen vor der Gabe von Antibiotika.
 
3.
Beginn der antimikrobiellen Therapie mit Breitspektrumantibiotika.
 
4.
Intravenöse Gabe von 30 ml/kgKG kristalloider Lösung bei Hypotension oder bei einem Lactat ≥ 4 mmol/l.
 
5.
Gabe von Vasopressoren, wenn der Patient während oder nach der Volumentherapie hypotensiv ist, um den mittleren arteriellen Druck ≥ 65 mmHg aufrechtzuerhalten.
 

Antibiotische Therapie

Da i. d. R. zu Beginn einer Sepsis der oder die mikrobiellen Erreger nicht bekannt ist/sind, muss möglichst rasch eine kalkulierte antibiotische Therapie eingeleitet werden. Jede Stunde Verzögerung beim Beginn der Antibiotikagabe erhöht das Sterberisiko. Die Auswahl der Antibiotika orientiert sich an der auslösenden bzw. vermuteten Infektion, an den vermuteten mikrobiellen Erregern, an der Situation, in der der Patient die Infektion erworben hat, und schließlich auch am immunologischen Status des Patienten (Flaherty et al. 2014). In bestimmten Fällen kann eine Gramfärbung von Materialien, die von verdächtigen Bereichen mit vermuteter Infektion entnommen wurden (Endotrachealsekret, Wundsekret, Urin), erste Hinweise auf die Art der Infektionserreger geben.
Die initiale antibiotische Therapie sollte das Spektrum potenzieller Erreger erfassen und sich am lokalen Resistenzmuster orientieren. Nach Erhalt erster mikrobiologischer Befunde sollte sie ggf. modifiziert werden. Zu bedenken ist, dass bis zu einem Drittel aller Infektionen bei Sepsis polymikrobieller Natur sein können.
Eine Modifikation bzw. Deeskalation der antibiotischen Therapie sollte erst erfolgen, wenn die Kulturen aus Materialien aller infektionsverdächtigen Bereiche abschließend beurteilt worden sind. Dies nimmt i. d. R. 3–4 Tage in Anspruch.
Unklarer Fokus
Die Wahl der Antibiotika zur kalkulierten Therapie orientiert sich in erster Linie am Ort der Infektion. Bei unklarem Fokus wird heute ein Carbapenem mit Vancomycin empfohlen. Alternativ kann auch Piperacillin-Tazobactam oder Cefepim statt dem Carbapenem eingesetzt werden, wenn ESBL-Bildner nicht zu befürchten sind.
Pneumonien
Bei Pneumonien ist von Bedeutung, ob die Infektion im Krankenhaus oder ambulant erworben wurde. Bei ambulant erworbenen Pneumonien kommen v. a. Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Legionella spp., Mycoplasma pneumoniae und Chlamydia pneumoniae als Erreger in Betracht. Entsprechend wird zur kalkulierten Antibiotikatherapie ein Cephalosporin der 3. oder 4. Generation in Kombination mit einem Makrolid empfohlen.
Ist die Pneumonie hingegen nosokomial erworben, dominieren gramnegative Erreger, insbesondere selektierte Problemkeime, entsprechend dem Fall, wenn der Patient in den vergangenen 90 Tagen im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung war bzw. Antibiotika eingenommen hat. Deshalb sollte in dieser Situation einem Pseudomonas-wirksamen Cephalosporin der 3. Generation, einem Pseudomonas-wirksamen Acylureidopenicillin oder einem Carbapenem der Vorzug gegeben werden. Entsprechend der lokalen Resistenzsituation sollten pseudomonaswirksame Antibiotika gewählt werden. Bei dringendem Verdacht auf eine MRSA-Infektion sind MRSA-wirksame Antibiotika zu ergänzen bzw. zu kombinieren (Evans et al. 2021a, b).
Bei septischem Schock empfehlen einige Autoren grundsätzlich, die Initialtherapie kombiniert durchzuführen (Kombination mit einem Aminoglykosid, Makrolid oder Chinolon; Kumar et al. 2010). Potenzielle Erreger werden i. d. R. bei dem beschriebenen Vorgehen erfasst (Flaherty et al. 2014).
Urosepsis
Auch im Fall einer Urosepsis sind im Erregerspektrum geringfügige Unterschiede zu erwarten, je nach Erwerb außerhalb oder innerhalb des Krankenhauses. Außerhalb des Krankenhauses dominieren Erreger wie Escheria coli und Enterokokken. Bei Harnwegsinfektionen, die innerhalb des Krankenhauses erworben wurden, sind v. a. auch Enterococci spp., Klebsiella spp., Enterobacter spp., Proteus spp. und anaerobe gramnegative Erreger von Bedeutung. Zur Initialtherapie empfiehlt sich ein Fluorchinolon der Gruppe 2. Sind Enterokokken nachweisbar, sollte auf ein Acylureidopenicillin gewechselt werden. Zu beachten ist, dass bei hospitalisierten Patienten häufig resistente Erreger die Urosepsis verursachen und die empirische Antibiotikatherapie unwirksam ist (Flaherty et al. 2014).
Katheterinfektionen
Bei Katheterinfektionen dominieren grampositive Erreger (wie koagulasenegative Staphylokokken, Staphylococcus aureus sowie Acinetobacter). Die Therapie dieser Infektion besteht im Entfernen der betreffenden Katheter und der Gabe eines Breitspektrumantibiotikums.
Deshalb sollten bei Beginn einer Sepsis grundsätzlich alle intravenösen und arteriellen Katheter unter sterilen Kautelen neu angelegt werden.
Bei Patienten, die über längere Zeit hospitalisiert sind, empfiehlt es sich, ein Glykopeptid (wie Vancomycin) bei rezidivierenden Katheterinfektionen einzusetzen.
Intraabdominelle Infektionen
Intraabdominelle Infektionen werden vorwiegend durch gramnegative Erreger und Enterokokken hervorgerufen, in langwierig verlaufenden Fällen können Candida spp. eine zusätzliche Rolle spielen. Liegt ein septischer Schock bei Peritonitis vor, empfiehlt es sich, initial mit einem Carbapenem zu therapieren. Alternativ kann ein Ureidopenicillin, das mit einem β-Laktamasehemmer komplettiert ist, eingesetzt werden (z. B. Piperacillin-Tazobactam). Cephalosporine sind auch geeignet. Wichtig ist, Antibiotika mit unzureichender Wirkung auf anaerobe Erreger (z. B. Cephalosporine der Gruppe 3) mit Metronidazol zu ergänzen. Fluorchinolone müssen bei intraabdominellen Infektionen immer mit Metronidazol kombiniert werden, wenn keine Kombination mit anaerob wirksamen Antibiotika erfolgt (Wenzel und Edmond 2015).
Intraabdominelle Infektionen sind i. d. R. polymikrobiell. Deshalb sollte die Therapie schwerer Peritonitiden neben gramnegativen Erregern auch grampositive Erreger sowie Anaerobier miterfassen.
Bakterielle Meningitis
Auch die bakterielle Meningitis, die mit einer Sepsis bzw. einem septischen Schock einhergeht, bedarf einer sofortigen kalkulierten Antibiotikatherapie. Häufig wird hierbei ein Cephalosporin der 3. Generation (wie Ceftriaxon) mit einem Acylureidopenicillin kombiniert. Meropenem ist ebenfalls geeignet.
Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis (insbesondere durch Pneumokokken) ist die Applikation von Dexamethason vor der ersten Gabe der Antibiotika indiziert, da hierdurch schwere neurologische Defekte reduziert werden können.
Bei der Meningitis muss, wie bei anderen schweren Infektionen auch, die antibiotische Therapie entsprechend der mikrobiologischen Befunde modifiziert werden.
Alle Antibiotika werden grundsätzlich hoch dosiert als Kurzinfusion i. v. gegeben.
Neue Untersuchungen zeigen, dass Antibiotika zu Beginn der Sepsis aufgrund des hohen Verteilungsvolumens häufig unterdosiert werden (Udy et al. 2013). Deshalb ist es empfehlenswert, β-Laktamantibiotika hoch zu dosieren und als prolongierten Bolus über drei bis vier Stunden zu applizieren, um möglichst lange konstante Spiegel über der minimalen Hemmkonzentration zu erreichen. Zudem bergen überhöhte Plasmaspiegel das Risiko unerwünschter toxischer Nebenwirkungen, sodass die Messung von Antibiotikaspiegeln im Blut gerade bei Patienten mit Organfunktionsstörungen dringend empfohlen wird. Das Ziel des „therapeutischen Drug-Monitorings“ (TDM) ist es, unter Berücksichtigung pharmakokinetischer und -dynamischer Prinzipien sowie Messungen der Arzneimittelkonzentration im Patientenblut die individuell optimale Dosierung für den Patienten zu finden (Evans et al. 2021a, b).
Erweist sich die Antibiotikatherapie trotz ausreichend hoher Dosierung über einen angemessenen Zeitraum (meist > 72 h) klinisch als wirkungslos oder findet sich kein relevanter Abfall des Procalcitonins, muss das Antibiotikaregime überdacht und modifiziert werden.
Antimykotika sollten bei nicht neutropenischen, nicht immunsupprimierten Patienten aufgrund der geringen Häufigkeit von invasiven Candida-Infektionen und der Resistenzgefahr nicht routinemäßig eingesetzt werden. Eine empirische Antimykotikagabe sollte nur bei Hochrisikopatienten (z. B. bei einem Z. n. Organtransplantationen) erwogen werden.
Beweisend für eine invasive Candidose ist die Candidämie bzw. der Candidanachweis in einer entsprechenden Gewebeprobe. Hier sollte eine Therapie mit Azolen (z. B. Fluconazol) oder Echinocandine (Caspofungin) erfolgen. Der alleinige Nachweis von Candidastämmen im Bronchialsekret oder im Urin ist meist Ausdruck einer Kolonisation und bedarf keiner Therapie (Delaloye und Calandra 2014).
Die Diagnose invasiver Aspergillosen basiert auf klinischer Symptomatik, Bildgebung und mikrobiologischem Befund. Gefährdet sind v. a. neutropenische bzw. immunsupprimierte Patienten. Voriconazol oder Caspofungin sind heute bei einer Sepsis das Mittel der Wahl.

Supportive Therapie

Volumentherapie
Durch periphere Vasodilatation und erhöhte Permeabilität im kapillaren Stromgebiet stellt sich rasch ein Mangel an intravasalem Volumen ein. Frühzeitige Volumenzufuhr balancierter, kristalloider Lösungen in ausreichender Menge (30 ml/kgKG innerhalb der ersten 3 h eines septischen Schocks) ist daher unbestritten die wichtigste therapeutische Maßnahme, um möglichst rasch adäquate ventrikuläre Füllungsdrücke wiederherzustellen.
Die Bedeutung der frühzeitigen und zielgerichteten Volumentherapie („Early Goal-Directed Therapy“ (EGDT) für die Prognose wurde erstmals im Jahre 2001 in einer „Single-center“-Studie durch Rivers belegt (Rivers et al. 2001).
Wichtige Zielkriterien bei der Steuerung der Volumentherapie waren Parameter wie
  • arterieller Mitteldruck ≥ 65 mmHg,
  • zentraler Venendruck ≥ 8–12 mmHg,
  • Stundendiurese ≥ 0,5 ml/kgKG/h,
  • zentralvenöse Sättigung (ScvO2) > 70 % und
  • Abfall des Lactats > 20 % innerhalb von 2 h.
Konnte mit der Volumentherapie allein die geforderte ScvO2 nicht erreicht werden, wurden bei einem Hämatokrit < 30 Erythrozytenkonzentrate transfundiert und/oder Dobutamin zur Steigerung der myokardialen Pumpleistung eingesetzt.
Das Konzept der EGDT wurde in drei großen klinischen Studien überprüft (Investigators et al. 2014; Pro et al. 2014; Mouncey et al. 2015). Im Gegensatz zur Rivers-Studie konnte in keiner dieser Studien ein Vorteil dieses Behandlungsregimes gegenüber einer Standardbehandlung nachgewiesen werden. Vielmehr war eine EGDT mit höheren Volumengaben, mit einer höher dosierten Vasopressortherapie, mit häufigerem Einsatz von Dobutamin und mit mehr Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten verbunden. Deshalb wird in aktuellen Studien untersucht, ob eine restriktive Volumengabe mit einem Überlebensvorteil einhergeht. Allerdings konnte noch keines der eingesetzten Flüssigkeitsregime mit restriktiver Volumengabe einen Überlebensvorteil gegenüber einer liberalen Volumengabe zeigen (Zampieri et al. 2023). Vielmehr scheint eine individuell auf den Patienten abgestimmte Volumengabe von Vorteil zu sein.
Zur Steuerung einer solchen individuellen Volumentherapie beim septischen Schock werden heute dynamische Vorlastparameter (Pulsdruckvariation, Schlagvolumenvariation, Echokardiografie) empfohlen (Evans et al. 2021a, b). In Kombination mit einer definierten Gabe kristalloiden Volumens („Fluid Challenge“, 250–500 ml) bzw. mit dem Manöver des „Passive Leg Raising“ lässt sich die Volumenbedürftigkeit des Patienten besser abschätzen. Zusätzlich zu diesen Parametern wird mittlerweile der Verwendung der Rekapillarisierungszeit ein höherer Stellenwert eingeräumt, da sie als Maß für die Gewebeperfusion ebenfalls bei der Steuerung einer individualisierten Volumengabe hilfreich sein kann und einfach bettseitig zu bestimmen ist. Dieses vielversprechende Konzept gab in einer französischen Studie Hinweise auf eine reduzierte Sterblichkeit und zeigte, dass der Volumenbedarf der Patienten hoch variabel war (Richard et al. 2015).
Nach heutiger Datenlage ist auch bei einer Sepsis ein niedrigerer Transfusionstrigger mit einem Hb von 7 g/dl anzustreben (Holst et al. 2014). Bei Kristalloiden sind balancierte Lösungen vorzuziehen, da sie durch eine geringere kumulative Chloridzufuhr mit weniger akutem Nierenversagen verbunden sind (Yunos et al. 2015). Der Einsatz von Hydroxyethylstärke (HES) zur Volumentherapie des septischen Schocks ist obsolet. Kontrollierte Studie belegten, dass der Einsatz von HES bei Sepsis die Inzidenz von akutem Nierenversagen erhöht und in hohen kumulativen Dosen auch mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert war (Perner et al. 2012). Für Gelatinelösungen liegen bei Anwendung bei einer Sepsis keine belastbaren Daten vor, weshalb in der aktuellen Leitlinie der SSC vom Einsatz gelatinehaltiger Lösungen abgeraten wird (Evans et al. 2021a, b).
Im Gegensatz zu HES war beim Einsatz von Humanalbumin 4 % keine erhöhte Rate von Nierenversagen zu verzeichnen. Humanalbuminlösungen wirken ebenfalls rasch expandierend, stabilisieren die geschädigte Glykokalyx und bieten zudem Vorteile als unspezifisches Transportprotein sowie O2-Radikalenfänger. In kontrollierten Studien erwies sich Albumin als sicher und ergab einen Trend zu einer geringeren Sterblichkeit beim Einsatz zum Volumenersatz in der Subgruppe von Patienten mit septischem Schock (Caironi et al. 2014). Aus diesem Grund wurde die Gabe von Humanalbumin in Patienten mit Sepsis und septischen Schock, die bereits große Mengen kristalloider Lösungen erhalten hatten, von der SSC-Leitlinie empfohlen (Evans et al. 2021a, b).
Vasoaktive und positiv inotrope Substanzen
Zur Therapie eignen sich prinzipiell Substanzen mit vasokonstriktiver und positiv inotroper Wirkung, wie Noradrenalin, Dopamin, Adrenalin und Dobutamin.
Noradrenalin verbessert die Diurese und Kreatinin-Clearance, was die Bedeutung eines adäquaten renalen Perfusionsdrucks bei der Prophylaxe des akuten Nierenversagens im septischen Schock unterstreicht. Darüber hinaus hat es günstigere Effekte auf die Hepatikus-Splanchnikus-Perfusion als Dopamin.
In einer Metaanalyse von 11 randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) zeigte sich beim Einsatz von Noradrenalin gegenüber Dopamin ein signifikanter Überlebensvorteil mit weniger Komplikationen (z. B. Vorhofflimmern), weshalb Noradrenalin in den aktuellen Leitlinien als „First-Line“-Vasopressor empfohlen wird (Evans et al. 2021a, b).
Adrenalin sollte nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, wenn mit hohen Dosen von Noradrenalin eine hämodynamisch zufriedenstellende Situation nicht erreicht werden kann (Evans et al. 2021a, b).
CAVE
Zwar können die Kenngrößen der Makrohämodynamik in einzelnen Fällen unter Adrenalin optimiert werden, jedoch um den Preis einer Abnahme des Blutflusses im Hepatikus-Splanchnikus-Gebiet. Daher sollte auf Adrenalin nach Möglichkeit verzichtet werden.
Zur Therapie der eingeschränkten kardialen Pumpfunktion bei ausreichendem Füllungsdruck erscheint die Kombination von Noradrenalin mit Dobutamin sinnvoller. Dies geschieht in der Vorstellung, der akuten septischen Kardiomyopathie durch Zusatz einer vorwiegend positiv inotropen Substanz zu begegnen.
Grundsätzlich sind die erforderlichen Dosierungen von Katecholaminen während einer Sepsis um ein Vielfaches höher als beispielsweise bei kardialen Erkrankungen. Dies beruht auf einer Downregulation von α-adrenergen Rezeptoren und einer Abnahme der β-Rezeptorendichte in der Sepsis.
Zusätzlich zu Noradrenalin kann Vasopressin in einer Dosis bis zu 0,03 U/min appliziert werden, wenn durch die alleinige Gabe von Noradrenalin bis zum mittleren Dosisbereich (laut SSC-Leitlinie 0,25–0,5 μg/kg/min) kein ausreichender Perfusionsdruck von MAP > 65 mmHg erreicht werden kann. Vasopressin ist ein direkter Vasokonstriktor (Vasopressin-1-Rezeptor an Kaliumkanälen) ohne inotropen oder chronotropen Effekt. Es soll keinesfalls die Therapie mit Noradrenalin ersetzen, sondern diese ergänzen. Bei Dosen von > 0,04 E/min sind myokardiale Ischämie, Abnahme des Herzzeitvolumens, Herzstillstand und ischämische Hautläsionen beschrieben worden. Ergebnisse des Vasopressins and Septic Shock Trial (VASST) belegen keinen Vorteil des additiven Einsatzes von Vasopressin bei septischem Schock (Russell et al. 2008).
Atemhilfe und Beatmung
Eine arterielle Hypoxämie und ein unnötiger O2-Verbrauch durch hohe Atemarbeit können durch O2-Insufflation oder durch maschinelle Beatmung sicher vermieden werden.
Die Indikation zur Intubation und Beatmung sollten im Fall eines septischen Schocks frühzeitig gestellt werden, da sich die Patienten aufgrund immunologischer Aktivierung in kürzester Zeit klinisch verschlechtern können. Die Intubation sichert die Atemwege bei drohender Eintrübung, die Beatmung eine ausreichende alveoläre Ventilation. Zudem entlastet eine maschinelle Beatmung die Atemmuskulatur und führt zu einer Umverteilung des Blutflusses zugunsten vitaler Organe.
Nierenersatzverfahren
Der Einsatz der Hämofiltration bzw. der Hämodialyse ermöglicht es, ein akutes Nierenversagen zu kompensieren und harnpflichtige Substanzen zu entfernen. Zudem lässt sich der Wasser- und Elektrolythaushalt regulieren. Da im septischen Schock nicht selten extreme Flüssigkeitsverschiebungen (bis zu 10 l in 24 h) stattfinden können, stellt die Hämofiltration ein praktikables Instrument zur Regelung der Flüssigkeitsbilanz dar, insbesondere in der nachgeordneten Phase des Flüssigkeitsentzugs. Bei richtiger Handhabung sind unerwünschte hämodynamische Nebenwirkungen selten und schnell korrigierbar. Grundsätzlich sind aber beide Verfahren gleichwertig (Schefold et al. 2014). Über den Zeitpunkt, wann ein Nierenersatzverfahren begonnen werden sollte, gibt es bislang nur wenig Evidenz, sodass in den aktuellen SSC-Leitlinien empfohlen wird, ein Nierenersatzverfahren nur zu beginnen, wenn eine definitive Indikation (Urämie, refraktäre Acidose, Elektrolytentgleisungen oder refraktäre Volumenüberladung) besteht (Evans et al. 2021a, b).

Adjunktive Therapie

Antiinflammatorische Therapie
Glukokortikoide, Hydrokortison
Glukokortikoide werden zur adjunktiven Therapie der Sepsis seit mehr als 60 Jahren diskutiert. In hohen Dosierungen sind sie für die Therapie der Sepsis obsolet. Seit etwa 25 Jahren wird Hydrokortison in Stressdosierungen (ca. 200 mg/Tag) eingesetzt. Hierdurch kann die Therapiedauer mit Vasopressoren reduziert werden, was mit einer schnelleren Rückbildung der sepsisinduzierten Organfunktionen (Briegel et al. 1999) und geringerer Sterblichkeit assoziiert ist (Annane et al. 2002). Eine weitere Multicenterstudie (CORTICUS) an einem breiteren Kollektiv von Patienten mit septischem Schock konnte eine Outcomeverbesserung nicht bestätigen (Sprung et al. 2008). Über die letzten Jahre sind drei weitere große RCTs publiziert worden. Eine im Jahr 2023 erschienene Metaanalyse auf Patientenebene ergab, dass die Gabe von Kortikosteroiden nicht zu einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit führt, jedoch zu einer schnelleren Resolution des septischen Schocks (Pirracchio et al. 2023).
Demnach wird bei Erwachsenen im septischen Schock mit anhaltend hohem Vasopressorbedarf (≥ 0,25 μg/kg/min) die Gabe von intravenösem Hydrokortison (200 mg/Tag) empfohlen.
Ernährung und Supplementation
Die Sepsis ist häufig mit einer komplexen Störung des Immunsystems assoziiert, wobei die beteiligten Immunzellen in ihrer Funktion und Differenzierung maßgeblich durch metabolische Prozesse reguliert werden. Ein therapeutischer Ansatz ist es daher, mittels Ernährungsinterventionen und Supplementation von Nahrungsbestandteilen die Immunzell- und Organfunktionen kritisch kranker Patienten zu verbessern (Hirschberger et al. 2023).
Eines der bereits untersuchten Supplemente ist das Selen, das über die selenabhängigen Glutathioperoxidasen und Thioredoxinreduktasen an der Reduktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) beteiligt ist. Durch ROS ausgelöster oxidativer Stress stellt einen Hauptfaktor bei der Entstehung eines Organversagens dar. Kleinere Studien und Metaanalysen zeigten einen Trend zu höheren Überlebensraten. Dies konnte zwar die SIC-Studie in der „Intention-to-treat-Analyse“ nicht bestätigen, jedoch wiesen die protokollgemäß behandelten Patienten nach einer 14-tägigen Therapie mit Selen eine höhere Überlebensrate auf (Angstwurm et al. 2007). Dies konnte jedoch in der größeren SISPCT-Studie nicht bestätigt werden, was den Einsatz von Selen in der Sepsis infrage stellt (Bloos et al. 2016). Ebenfalls mit dem Ziel, den oxidativen Stress in den geschädigten Organen zu reduzieren, wurde eine hoch dosierte Vitamin-C-Gabe propagiert. In der kürzlich veröffentlichten LOVEIT-Studie wurde allerdings eine geringere Überlebensrate in der mit Vitamin C behandelten Interventionsgruppe detektiert (Lamontagne et al. 2022).
Aus diesem Grund spricht sich die Surviving Sepsis Campaign zum jetzigen Zeitpunkt sowohl gegen den Einsatz von Selen als auch gegen den von Vitamin C als adjunktive Therapie in der Sepsis aus (Evans et al. 2021a, b).
Neuartige Konzepte der Immunonutrition könnten sich in der Zukunft als wertvolles klinisches Werkzeug zur Modulation eines in der Sepsis fehlregulierten Immunsystems erweisen (Rahmel et al. 2024).
Toxinelimination, Immunglobuline
Sowohl Endotoxine als auch Exotoxine können in Entzündungszellen die Synthese immunologisch hochaktiver Mediatoren auslösen.
In den vergangenen Jahren wurden intensiv toxinneutralisierende Interventionen untersucht. Hierfür kommen endotoxinbindende Antikörper und Proteine, extrakorporale Eliminationsverfahren sowie polyvalente Immunglobuline infrage. Letztere sind zudem klassische Opsonine; sie haben direkte antiinflammatorische Effekte und wirken synergistisch mit β-Laktamantibiotika. Obwohl Phase-II- und einige monozentrisch durchgeführte Studien erfolgsversprechend waren, hat keine dieser Interventionen in großangelegten Studien eine Steigerung der Überlebensrate von Patienten mit Sepsis erreichen können. Interessanterweise kommen einige Metaanalysen zu dem Schluss, dass polyvalente, intravenöse Immunglobuline signifikant die Letalität reduzieren (Busani et al. 2016; Cui et al. 2019).
Die aktuelle Surviving Sepsis Campaign spricht sich weiterhin gegen eine Gabe von Immunglobulinen in der Sepsis oder dem septischen Schock aus.
Die Elimination von Entzündungsmediatoren durch Hämadsorbtionsverfahren, unabhängig von der jeweiligen Nierenfunktion, wurde bereits seit Langem propagiert. In jüngster Zeit wird dieses Konzept durch neuartige Filtersysteme, die Entzündungsmediatoren, bakterielle Toxine und Gewebeabbauproteinen eliminieren, neu belebt und stellt möglicherweise in der Frühphase der Sepsis eine vielversprechende Behandlungsmethode dar, deren Vorteil in klinischen Studien noch nicht eindeutig belegt werden konnte (Ankawi et al. 2018).
Personalisierte Medizin
Interessanterweise zeigen große RCTs zur Therapie der Sepsis häufig keinen Effekt, der zuvor in kleineren Studien gezeigt werden konnte. Dies wird teilweise darauf zurückgeführt, dass die Sepsis und der septische Schock sehr heterogene, komplexe Krankheitsbilder zusammenfassen, die sich je nach Erregerspektrum, Krankheitsschwere und zeitlichem Verlauf erheblich im Outcome unterscheiden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Patienten mit ihren Risikofaktoren und Krankheitsverläufen besser zu kategorisieren und patientenübergreifende Charakteristika zu finden, die ein Ansprechen auf eine Therapie wahrscheinlicher machen, mit dem Ziel einer personalisierten Medizin. Dazu kann das neue Feld der Omics (genomics, epigenomics, transcriptomics, proteomics, lipidomics, und microbiomics), zusammen mit den Möglichkeiten der KI-basierten Datenanalyse möglicherweise in der Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten, um Therapien individuell auf einen Patienten oder eine Patientengruppe abzustimmen (Shah et al. 2021).
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