Im Vordergrund steht eine detaillierte Eigen- und Familienanamnese. Die exakte pädiatrische Untersuchung umfasst insbesondere die Inspektion der Haut und Schleimhaut inklusive der Anogenitalregion sowie die Palpation von Leber, Milz und abdominalen Resistenzen. Die Bestimmung von Gewicht und Länge, Hautfaltendicke und Oberarmumfang (Perzentilen) sowie des Tanner-Stadiums ermöglicht eine Einschätzung des Ernährungs- und Entwicklungszustands. Zur Bestimmung der entzündlichen Aktivität genügen für die klinische Routine neben dem klinischen Eindruck Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG),
C-reaktives Protein (CRP), großes Blutbild mit
Thrombozyten, Eiweiß,
Albumin und
Calprotectin im Stuhl. Die bislang vor allem im Rahmen klinischer Studien eingesetzten Aktivitätsindizes für den MC PCDAI (Tab.
2) und für die CU PUCAI (Tab.
3) sind sehr hilfreich zur Einschätzung der Entzündungs- und Krankheitsaktivität und für die individuell adäquate Auswahl der Behandlung. Zu den Malabsorptionsparametern gehören Albumin,
Eisen,
Transferrin,
Ferritin,
Elektrolyte einschließlich Kalzium,
Magnesium und
Phosphat,
Zink,
Selen, Vitamin B
12,
Folsäure und die
Vitamine A, D, E und K. Ein ausgeprägter
Kleinwuchs ohne deutliche entzündliche Aktivität erfordert den Ausschluss von
Zöliakie,
Hypothyreose oder Wachstumshormonmangel. Transaminasen, Pankreasenzyme und harnpflichtige Substanzen werden zur Erfassung von weiteren Organbeteiligungen und Therapienebenwirkungen bestimmt. Gerade im Kindesalter müssen virale, bakterielle und parasitäre Infektionen des Gastrointestinaltrakts und eine
Tuberkulose ausgeschlossen werden, die Bestimmung der CMV- und EBV-Serologie ist ratsam. Fäkale Inflammationsmarker (
Laktoferrin, Calprotectin) sind sehr hilfreich, aber nicht spezifisch für CED. Ein Tuberkulosetest (Quantiferon-Test) ist obligat. Antineutrophilenzytoplasma-Antikörper (ANCA) und Anti-Saccharomyces-cerevisiae-Antikörper (ASCA) sind hilfreich bei der Untersuchung von Kindern mit Verdacht auf CED. Erstere sind spezifisch für CU, ASCA für MC. Vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sind vor allem bei unklarem Impfstatus die Bestimmungen von protektiven
Impfantikörpern gegen
Masern,
Mumps,
Röteln und Varizellen (MMRV) anzuraten, um gegebenenfalls die fehlenden Lebendimpfungen noch nachholen zu können. 2 dokumentierte MMRV-Impfungen sind jedoch ausreichend. Ferner werden das HBsAg und die HCV-Antikörper, ggfs auch HIV-Antikörper bestimmt. Im Rahmen der technischen Untersuchungen hat die hochauflösende Computersonografie des Abdomens einen sehr hohen Stellenwert beim
Screening von Darmwandverdickungen, intraabdominalen
Abszessen und Konkrementen. Diagnostisch wegweisend ist die Pankoloskopie mit Ileoskopie und multiplen Biopsien aus allen Abschnitten. Diese Untersuchung ist in jedem Alter in Sedierung bzw. Narkose nach Darmreinigung mit Makrogolen (2- bis 3-mal 20–40 ml/kg KG, max. 1 l) sicher möglich. Gleichzeitig sollte auch der obere Gastrointestinaltrakt endoskopisch untersucht werden. Es empfiehlt sich, auch aus normal erscheinender Mukosa multiple Biopsien zur Histologie zu entnehmen. Heutzutage erfolgt die Dünndarmdarstellung neben der Sonografie durch die Hydro-MRT des Abdomens (sog. MR-Enteroklysma). Ein Handradiogramm ermöglicht die
Bestimmung des Knochenalters zur Wachstumsprognose. Zur Früherfassung von Knochendemineralisationen werden Knochendichtemessungen für den Langzeitverlauf empfohlen. Regelmäßige ophthalmologische Untersuchungen (Iridozyklitis? Katarakt? Augendruck?) sind notwendig.
ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie), MR-Cholangiopankreatikografie und Leberbiopsie sowie eine Kapsel- oder Push-and-pull Endoskopie erfordern spezielle Indikationen (
primär sklerosierende Cholangitis,
Autoimmunhepatitis, unklarer Dünndarmbefund). Entbehrlich sind im Allgemeinen Kolonkontrasteinlauf (wichtig bei engen Stenosen, Fisteln), Abdominal-CT, Leukozytenszintigrafie und Routinekontrollendoskopien. Letztere haben ihre Berechtigung bei schweren Komplikationen, grundsätzlicher Therapieänderung, vor geplanten Resektionen und vor
Transition in die Erwachsenenmedizin. Bei CU sind endoskopische Kontrollen nach etwa 2 Jahren bei gutem Verlauf und alle 2 Jahre nach 8–10-jährigem Verlauf sinnvoll.
Tab. 2
Aktivitätsindex PCDAI (Pediatric Crohns Disease activity index) des
Morbus Crohn, mod. nach Hyams et al.
1991
Klinische Symptome | | |
| Keine | 0 |
| | Gering, kurz, keine Störung der Alltagsaktivität | 5 |
| | Moderat – schwer, täglich, nachts, lange dauernd, Beeinträchtigung der Alltagsaktivität | 10 |
Stuhlgang | 0–1 flüssige Stühle am Tag, nicht blutig | 0 |
| | Bis 2 halbgeformte/blutige oder 2–5 flüssige Stühle am Tag | 5 |
| | Blutige oder ≥ 6 flüssige Stühle am Tag oder nächtlicher Durchfall | 10 |
Allgemeinzustand | Gut, keine Einschränkung der Alltagsaktivität | 0 |
| | Leicht reduziert, gelegentlich Einschränkung der Alltagsaktivität | 5 |
| | Sehr schlecht, häufige Einschränkung der Alltagsaktivität | 10 |
Laborbefunde | | |
| ≤ 10 Jahre: | |
| | ____≥ 33 | ____0 |
| | ____28–33 | ____2,5 |
| | ____< 28 | ____5 |
| | Mädchen, 11–19 Jahre: | |
| | ____> 34 | ____0 |
| | ____29–33 | ____2,5 |
| | ____< 29 | ____5 |
| | Jungen, 11–14 Jahre: | |
| | ____≥ 35 | ____0 |
| | ____30–34 | ____2,5 |
| | ____< 30 | ____5 |
| | Jungen, 15–19 Jahre: | |
| | ____≥ 37 | ____0 |
| | ____32–36 | ____2,5 |
| | ____< 32 | ____5 |
BSG (mmm/Stunde) | < 20 | 0 |
| | 20–50 | 2,5 |
| | >50 | 5 |
Albumin (g/dl) | ≥ 3,5 | 0 |
| | 3,1–3,4 | 5 |
| | ≤ 3,0 | 10 |
Körperlicher Untersuchungsbefund | | |
Gewichtsentwicklung während 4–6 Monate | Gewichtszunahme oder gleichbleibendes Gewicht oder gewollt Gewichtsverlust | 0 |
| | Ungewollt gleichbleibendes Gewicht bzw. Gewichtsverlust (von1–9 %) | 5 |
| | Gewichtsverlust von ≥ 10 % | 10 |
Längenentwicklung während 6–12 Monate | Absinken um < 1 Perzentile | 0 |
| | Absinken um ≥ 1, jedoch < 2 Perzentilen | 5 |
| | Absinken um ≥ 2 Perzentilen | 10 |
ODER Entwicklung der Wachstumsgeschwindigkeit Während 6–12 Monate | | 0 |
| | Verminderung um > 1, jedoch < 2 Standardabweichungen | 5 |
| | Verminderung um ≥ 2 Standardabweichungen | 10 |
Abdomen | Unauffällig, keine Resistenz, keine Abwehr | 0 |
| | Schmerzhafte Abwehr oder schmerzlose Resistenz | 5 |
| | Schmerzhafte Resistenz | 10 |
Perianalbereich | Unauffällig, asymptomatische Anhängsel ( Marisken) | 0 |
| | 1–2 indolente Fisteln, wenig sezernierend; keine Druckdolenz | 5 |
| | Aktive Fisteln, deutlich sezernierend; Druckdolenz oder Abszess | 10 |
Extraintestinale Manifestationen: ____Fieber > 38,5 °C für 3 Tage in der vorange-gangenen Woche ____Arthritis ____Uveitis ____Erythema nodosum ____Pyoderma gangraenosum | keine | 0 |
| | 1 | 5 |
| | ≥ 2 | 10 |
BSG = Blutkörperchen-senkungsgeschwindigkeit | | |
Tab. 3
Pädiatrischer Colitis-ulcerosa-Index (PUCAI), mod. nach Turner et al.
2007
1. | Bauchschmerzen | |
| | Keine | 0 |
| | Ignorierbar | 5 |
| | Nicht mehr ignorierbar | 10 |
2. | Rektaler Blutabgang | |
| | Keiner | 0 |
| | Kleine Mengen in < 50 % der Stühle | 10 |
| | Kleine Mengen in den meisten Stühlen | 20 |
| | Große Mengen (> 50 % der Stuhlbestandteile) | 30 |
3. | Stuhlkonsistenz der Mehrzahl der Stühle | |
| | Geformte Stühle | 0 |
| | Teilweise geformte Stühle | 5 |
| | Komplett ungeformte Stühle | 10 |
4. | Anzahl der Stühle pro 24 h | |
| | 0–2 | 0 |
| | 3–5 | 5 |
| | 6–8 | 10 |
| | > 8 | 15 |
5. | Nächtliche Stühle (jede Episode, die aufweckt) | |
| | Nein | 0 |
| | Ja | 10 |
6. | Aktivitätsgrad | |
| | Keine Beeinträchtigung | 0 |
| | Gelegentliche Beeinträchtigung | 5 |
| | Schwere Beeinträchtigung | 10 |
Summe PUCAI (0–85) | | |