Einführung
Die Beurteilung des weiblichen Genitales
weist zum Teil die gleichen Probleme auf, die im Kapitel über die Erkrankungen des männlichen Genitales besprochen werden (Kap. Hauterkrankungen des männlichen Genitales). Häufige Erkrankungen der Haut wie Psoriasis, atopisches Ekzem oder seborrhoisches Ekzem können sich überwiegend oder sogar ausschließlich am Genitale manifestieren. Die Haut im Genitalbereich ist dünner, mechanisch weniger belastbar und empfänglicher für Infektionserreger als die Haut in anderen Regionen. Histologisch zeigt die äußere Genitalhaut eine dünne Epidermis, eine perinukleäre Vakuolisierung der Keratinozyten im Stratum granulosum, zahlreiche Melanozyten und schmale Reteleisten. Bis auf die Innenseite der Labia minora und das Vestibulum vaginae, die von nichtverhornendem Plattenepithel bedeckt sind, ist das äußere Genitale von einem verhornenden Plattenepithel bedeckt. Die Dermis weist ein lockeres und gefäßreiches Bindegewebe auf. Die dünne Epidermis und gute Gefäßversorgung der Genitalhaut führen dabei zu einer verstärkten Permeation und Resorption von extern aufgebrachten Substanzen, zum Beispiel Glukokortikoiden.
Die Vulva bezeichnet alle sichtbaren äußeren Organe des weiblichen Genitale und besteht aus den Labia majora und minora, dem Mons pubis, der Klitoris, dem Vestibulum vaginae und den Vestibulumdrüsen. Der Mons pubis und die Labia majora stellen die äußere Begrenzung der Vulva dar. An der Außenseite haben die Labia majora die Struktur normaler Haut, allerdings mit reichlich Fettgewebe und einem lockeren Bindegewebe, welches durchsetzt ist von glatten Muskelfasern. Dies erklärt die rasch auftretenden ödematösen Schwellungszustände bei entzündlichen Reaktionen. Anhangsgebilde in Form von Haartalgdrüseneinheiten und ekkrinen Schweißdrüsen finden sich an der Außenseite, während an der Innenseite lediglich freie Talgdrüsen vorkommen. Letztere werden auch an den Labia minora in großer Zahl beobachtet. Sie können die Patientinnen bei genauer Betrachtung veranlassen, einen Arzt aufzusuchen. Apokrine Schweißdrüsen finden sich in sehr dichter Verteilung, besonders am Mons pubis und den großen Schamlippen. Dies erklärt auch das Vorkommen von extramammärem
Morbus Paget in diesen Zonen. Die
Bartholin-Drüsen (Bartholin 1677) münden rechts und links im unteren Drittel der Innenseiten der kleinen Schamlippen und befeuchten das Vestibulum vaginae. Sie können bei Gonorrhö oder anderen bakteriellen Infektionen wie mit Staphylococcus aureus miterkranken und abszedieren. Die Skene-Drüsen (1880) sind sekretbildende paraurethral gelegene Drüsen, die sich ebenfalls entzünden können. Die Labien enthalten zudem modifizierte, brustdrüsenähnliche apokrine Drüsen (van der Putte-Drüsen), aus denen sich gutartige Tumoren und selten Karzinome entwickeln können (Kap. Tumoren der Hautadnexe). Die Vaginalschleimhaut ist von einem mehrschichtigen, unverhornten Plattenepithel bedeckt, ist drüsenlos und hat einen sauren pH-Wert (3,8–4,4) an ihrer Oberfläche.
Die physiologischen Besonderheiten der Vulva sind dadurch charakterisiert, dass am Introitus vaginae Schleimhäute vorhanden sind, die Sekrete absondern. Der Übergang einer physiologischen Sekretion in den pathologischen Zustand des Fluors ist fließend. In jedem Fall kann es durch Austritt von Sekreten nach außen, durch Scheuern von Kleidungsstücken und Juckreiz rasch zu entzündlichen Veränderungen kommen, die die Charakteristika einer Intertrigo aufweisen.
Vulvovaginitis
Eine Vaginitis
ist gekennzeichnet durch vaginalen Ausfluss und häufig auch vaginalen Geruch (Tab. 1). Bei der Vulvovaginitis
kommt es zusätzlich zu Juckreiz und Reizung an der Vulva. Die Vulvovaginitis ist meist die Folge einer Vaginitis mit sekundärer Irritation, die verursachenden Faktoren sind somit die gleichen (Tab. 2).Tab. 1
Diagnostische Leitlinien bei
Fluor vaginalis
Physiologisch | Gräulich-weiß | Dickflüssig | | Normaler pH, geruchlos, nicht-irritierend |
Bakterielle Vaginose | Weißlich-klar | Dünnflüssig, wässrig | Vaginalwand | pH > 5,5, fischartiger Geruch, stärker unter Zugabe von KOH |
Chlamydia-trachomatis-Infektion
| Gelblich-weiß, mukopurulent | Flüssig | Urethra, Zervix, Rektum | Direkter Nachweis von Chlamydia trachomatis, Kultur |
| Weißlich, magermilch-farben | Dünnflüssig bis flockig | Vaginalwand | Nativpräparat oder Gramfärbung und Kultur, Stuhlkultur |
| Gelblich, purulent | Flüssig | Urethra, Bartholin-Drüsen, Zervix, Rektum, Blut | Methylenblau oder Gramfärbung, Kultur |
Trichomoniase | Weißlich | Dünnflüssig, schaumig | Hinteres Scheidengewölbe, Ektozervix | Nativpräparat im abgeblendeten Hellfeld, Dunkelfeld oder bei Phasenkontrast |
Tab. 2
Ursachen für Vulvovaginitis
Infektionen | Häufig | Bakterielle Vaginose (Gardnerella vaginalis) (in 40–50 %)
Candida albicans (20–25 %)
Trichomonas vaginalis (15–20 %) |
Weniger häufig |
Escherichia coli (bei Kindern)
Neisseria gonorrhoeae (mit Zervizitis) Gram-negative Erreger Fusospirillen
Treponema pallidum (Primäraffekt der Syphilis) Andere Viren Oxyuren
Mycobacterium tuberculosis
Dermatophyten |
Andere Ursachen | Physiologische Ursachen Vulvaatrophie Diabetes mellitus (prädisponiert zur Candida-Infektion) Exzessive oder mangelhafte Hygiene Kontaktallergien Fremdkörper Artefakte Zervikale oder vaginale Tumoren Zervikale oder vaginale Adenome nach Diethylstilbestrol Psychosomatisch |
Cave: Eine Vaginitis bei jungen Mädchen sollte immer den Verdacht auf
Kindesmissbrauch lenken. Weitere Verdachtsmomente sind genitale
Warzen,
Gonorrhoe, genitaler Herpes simplex und anale Verletzungen.
Cave: Beachte bei Vulvovaginitis:
Andere Vulvaerkrankungen
Blasenbildende Erkrankungen
Blasenbildende
Autoimmunkrankheiten (Kap. Bullöse Autoimmundermatosen) können auch an der Vulva vorkommen. In seltenen Fällen treten Erosionen oder Blasen auf, häufiger stellen sich die Patientinnen mit Juckreiz, Schmerzen, Krusten oder sekundären Infektionen vor. Das bullöse Pemphigoid betrifft bei etwa der Hälfte der Patienten auch die Genitalregion, mit prallen Blasen, die auf urtikariellen Plaques oder auf normaler Haut entstehen. Der Pemphigus vegetans befällt nicht selten die Vulva, auch beim Pemphigus vulgaris kann dies der Fall sein. Da die Blasen in dieser Region sehr rasch platzen, finden sich meist scharf begrenzte Erosionen. Die lineare IgA-Dermatose in etwa 50 % kommt im Genitale, bei Kindern sogar in 80 % der Fälle vor. Hierbei zeigen sich anuläre erythematöse Plaques mit peripheren Blasen. Die Epidermolysis bullosa betrifft in 50 % der Fälle die Schleimhäute und zeigt im Genitalbereich schmerzhafte Erosionen, die oft unter Narbenbildung abheilen. Der Herpes gestationis kann ebenfalls an der Vulva auftreten, selten auch die Dermatitis herpetiformis. Das Lymphangioma circumscriptum entsteht durch Dilatation oberflächlicher dermaler Lymphgefäße und geht mit kleinen, aggregierten, froschleichartigen, oft stark nässenden Bläschen und Papeln einher. Es kann bei Kindern aufgrund einer Malformation dermaler Lymphgefäße auftreten oder häufiger als Folge einer Strahlentherapie gynäkologischer Tumoren oder einer Verletzung.
Morbus Darier sowie Morbus Hailey-Hailey führen typischerweise zu Erscheinungen an der Vulva. Die papulöse akantholytische Dyskeratose der Vulva kann eine Variante einer dieser Erkrankungen sein. Die Patientinnen stellen sich dabei mit asymptomatischen oder juckenden Papeln an Vulva und Oberschenkeln vor. Histologisch zeigen sich Hyper- und Parakeratose, Akantholyse und Dyskeratosen. Eine leere Familienanamnese und das Fehlen von Symptomen an anderen Körperstellen helfen bei der Abgrenzung der papulösen akantholytischen Dyskeratose vom Morbus Darier oder dem Morbus Hailey-Hailey.
Eine fixe toxische Arzneimittelreaktion kann sich als akute, rezidivierende oder chronische erosive Vulvitis manifestieren, die sich schnell zurückbildet, wenn das auslösende Medikament abgesetzt wird. Schließlich können auch das Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom sowie die toxische epidermale Nekrolyse zu ausgedehnten Blasen und Erosionen an der Vulva führen.
Ödeme der Vulva
Sie können differenzialdiagnostische Schwierigkeiten bereiten. Eine akute Schwellung kann durch ein
Angioödem hervorgerufen werden, manchmal auch durch ein Trauma oder durch eine Hypersensitivität gegenüber Sperma oder Latex getriggert sein.
Morbus Crohn kann zu einem Ödem
der Vulva führen, ebenso die Hidradenitis suppurativa/Acne inversa, selten auch eine Sarkoidose und ein Melkersson-Rosenthal-Syndrom. Akute Infektionen wie Herpes simplex können initial Schwellungen hervorrufen, noch bevor Bläschen auftreten. Ein Lymphödem kann mit rezidivierendem Erysipel, primärer Syphilis (Oedema indurativum), Lymphogranuloma venereum, Granuloma inguinale, Filariose oder anderen Infektionen assoziiert sein.
Senile Vulvaatrophie
Die senile Vulvaatrophie ist eine physiologische Rückbildung des äußeren Genitales im Alter. Nur ein Bruchteil der Frauen sucht ärztlichen Rat.
Lichen sclerosus et atrophicus vulvae
Er ist eine chronische, lichenoide, zur Sklerosierung der Haut führende Erkrankung unbekannter Ursache. Die Altersgipfel liegen in der Kindheit und nach der Menopause. Da der
Lichen sclerosus et atrophicus in Kap. Sklerodermie ausführlich besprochen wird, soll hier nur auf die gynäkologischen Aspekte nochmals eingegangen werden.
Cave: Bei Entwicklung von indurierten Plaques oder Knoten sowie von nicht heilenden Ulzerationen muss zum Ausschluss eines Plattenepithelkarzinoms eine Hautbiopsie entnommen werden.
Therapie
Lichen ruber
Der
Lichen ruber (Kap. Papulöse und lichenoide Erkrankungen) ist eine T-Zell mediierte vermittelte Autoimmunerkrankung, welche die Haut und die Schleimhäute betreffen kann. Eine vulvovaginale Beteiligung findet sich bei etwa 25–65 % der Patientinnen mit Lichen ruber an der Mundschleimhaut und kann auch vergesellschaftet sein mit Lichen ruber an der freien Haut, Lichen planopilaris oder frontal fibrosierender Alopezie. Vor allem Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren sind von einem vulvovaginalen Lichen ruber betroffen.
Therapie
Vulvaekzem
Dieses mit starkem Juckreiz einhergehende chronische Krankheitsbild hat viele mögliche Ursachen. Es kann durch vaginalen
Fluor, kumulativ-toxische Irritation infolge zu intensiver hygienischer Maßnahmen (
kumulativ-irritatives Vulvaekzem) oder Kontaktallergie (
allergisches Vulvaekzem) zustande kommen. Gegebenenfalls ist eine Epikutantestung nach sorgfältiger Anamneseerhebung (Intimkosmetika, Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Kontrazeptiva, Kondomkomponenten) notwendig.
In den meisten Fällen stellt es aber eine Sonderform des atopischen Ekzems (
atopisches Vulvaekzem) dar (Kap. Atopisches Ekzem). In diesem Fall sind Anamnese und allgemeiner Hautbefund häufig typisch für Atopie oder die Minimalvarianten eines atopischen Ekzems, obwohl auch nur das Genitale betroffen sein kann ohne jegliche Ekzeme an anderer Lokalisation. Gewöhnlich beginnt das atopische Vulvaekzem
, als lokalisierte Form auch als Lichen simplex chronicus bezeichnet, spontan nach Schwitzen mit Juckreiz oder bei geringem Fluor. Es entwickelt sich meist symmetrisch zunehmend Juckreiz mit Rötung und entzündlicher Infiltration der Vulva, auch der angrenzenden Oberschenkelinnenseiten, meist zur gesunden Haut scharf abgegrenzt. Differenzialdiagnostisch ist an eine Tinea zu denken. Nicht selten sind die Anal- und Perianalregion mitbetroffen. Das Ausmaß des Juckreizes korreliert nicht unbedingt mit dem Ausmaß der sichtbaren Hautveränderungen.
Sekundär kann es zu einer stärkeren Lichenifikation und durch den anhaltenden Juckreiz-Kratz- oder Juckreiz-Reibe-Zyklus zu weiterer Lichenifikation mit typischer entzündlicher Vergröberung der Hautoberfläche und Hautfalten kommen, selten zur elefantiasischen Vergrößerung der großen Labien durch zusätzliches
Lymphödem (
lichenification géante)
. In solchen Fällen ist auch auf rezidivierende Erysipele oder Herpes-simplex-Virus-Infektionen zu achten. Man muss zwischen einer störenden, aber harmlosen Lichenifikation und einen fokal hyperkeratotischen Plaque, der ein Carcinoma in situ darstellen kann, unterscheiden.
Bei Patienten mit
Psoriasis der Vulva finden sich meist auch andere Hautmanifestationen der Psoriasis, selten ist allein die Vulva betroffen. Plaques an der Vulva schuppen in der Regel nicht und sind lachsrot und scharf begrenzt. Juckreiz und Brennen sind häufige Symptome. Da die Psoriasis nur verhornendes Epithel betrifft, sind das Vestibulum und die Vagina nicht betroffen. Eine Psoriasis der Vulva kann mit einer Vulva-Kandidose einhergehen.
Das seborrhoische Ekzem manifestiert sich an der Vulva als juckende, orange-rosa gefärbte, fein schuppende Läsionen vor allem am Mons pubis und genitokrural, wo sich vermehrt Talgdrüsen finden. Selten ist nur die Vulva betroffen. Die Veränderungen treten vor allem im Winter auf.
Therapie
Infektionen mit humanen Papillomviren
Sie sind häufig und stellen ein ernst zu nehmendes Problem dar (Kap. Humane Papillomviren). Sichtbare anogenitale
Warzen werden in 90 % der Fälle durch die HPV-Typen 6 und 11 mit niedrigem Entartungsrisiko verursacht. Hoch-Risiko-HPV-Typen (16 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59 und wahrscheinlich weitere) sind verantwortlich für über 95 % der
Zervixkarzinome. Sie können gelegentlich auch sichtbare Warzen verursachen.
Grundsätzlich sollte jeder Versuch unternommen werden, junge Frauen vor genitalen
Warzen zu bewahren. Dies ist der beste Weg, um das Risiko eines
Zervixkarzinoms zu reduzieren. Eine prophylaktische quadrivalente Impfung gegen HPV
(HPV-6, -11, -16 und -18) hat sich als wirksam in der Prävention HPV-assoziierter anogenitaler Erkrankungen bei jungen Frauen erwiesen. Seit 2016 ist auch eine nonavalente HPV-Impfung gegen HPV 1, 11, 16, 18, 31, 33, 45 52 und 58 zugelassen. Therapeutisch zeigt die HPV-Impfung jedoch keine Wirkung. In der Regel sollte bei allen Patientinnen mit genitalen Warzen ein Zervixkarzinom ausgeschlossen werden. Studien haben gezeigt, dass eine HPV-Typisierung kosteneffektiv ist, da Nachsorgeuntersuchungen bei Patientinnen mit HPV-Typen mit niedrigem Entartungsrisiko deutlich weniger intensiv sein müssen.
Vulväre intraepitheliale Neoplasie
Die
vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN) stellt die häufigste präinvasive Erkrankung der Vulva dar. Sie ist definiert durch zelluläre Atypien des Plattenepithels mit Störung des geweblichen Aufbaus. In Abhängigkeit vom Ausmaß der epidermalen Durchsetzung durch neoplastische Zellen wird zwischen VIN 1 (milde Dysplasie), VIN 2 (mäßige Dysplasie) und VIN 3 (schwere Dysplasie und Carcinoma in situ) unterschieden (Tab. 4). Durch die Bezeichnung VIN werden die bislang in der Dermatologie üblicherweise verwendeten Termini Morbus Bowen, Erythroplasie Queyrat und bowenoide Papulose ersetzt, die unter den schweren intraepithelialen Neoplasien VIN-Grad 3 subsummiert sind.Tab. 4
Einteilung der vulvären intraepithelialen Neoplasien (VIN)
WHO 2003 | VIN 1 Geringgradige Dysplasie | VIN 2 Mäßiggradige Dysplasie | VIN 3 |
ISSVDa 2005 | HPV-assoziierte Läsionen | Klassische VIN | Differenzierte VIN |
WHO 2014 | Niedriggradige intraepitheliale Läsionen (low-grade squamous intraepithelial lesion: LSIL) | Hochgradige intraepitheliale Läsionen (high-grade squamous intraepithelial lesion: HSIL) | Differenzierte VIN (dVIN) |
ISSVDa 2015 | Niedriggradige intraepitheliale Läsionen (flache Kondylome, HPV Effekt) | Hochgradige intraepitheliale Läsionen (klassische VIN) | Intraepitheliale Neoplasie, differenzierter Typ |
Extramammärer Morbus Paget
Eine weitere Ursache für persistierende erosive Flecken oder Plaques im Genitalbereich, die oft als Dermatitis missgedeutet werden, ist der extramammäre oder vulväre
Morbus Paget
. Seine Häufigkeit liegt bei weniger als 1 % aller vulvären Präkanzerosen, die Patientinnen sind meist älter als 50 Jahre. Gemäß der WHO-Klassifikation stellt er eine obligate Präkanzerose dar, die von pluripotenten Stammzellen der interfollikulären Epidermis beziehungsweise der follikulo-apokrinen Einheiten der Schweißdrüsen der Vulva ausgeht. Meistens handelt es sich um eine primäre Erkrankung der Vulva, in bis zu 20 % der Fälle handelt es sich aber um eine intraepidermale Ausbreitung eines lokoregionären Karzinoms, das von der Harnblase, dem Rektum, der Cervix uteri oder von Karzinomen der Adnexe ausgeht. Daher sollte die Diagnose eines extramammären Morbus Paget von einer umfassenden Untersuchung auf zugrunde liegende Malignome begleitet sein. In 3–20 % der Fälle liegt bereits eine dermale Invasion im Sinne eines Pagetkarzinoms vor. Die histologische Angabe der Tumordicke ist wichtig, da die Rate an Lymphknotenmetastasen und damit die Prognose der Erkrankung von der Invasionstiefe abhängt. Der extramammäre Morbus Paget der Frau tritt am häufigsten an der Vulva auf, seltener perianal, am Perineum oder am Mons pubis. Aufgrund einer hohen Rezidivrate von bis zu 30 % nach Operation, die entweder mit weitem Sicherheitsabstand oder mikrografisch kontrolliert durchgeführt werden sollte, ist eine Langzeitnachsorge indiziert. Als Alternative zur Operation bei ausgedehnten oder multifokalen Tumoren wurde auch die topische Anwendung von Imiquimod beschrieben.
Vulvitis circumscripta chronica benigna plasmacellularis
Es handelt sich um eine seltene, gutartige, der
Balanoposthitis circumscripta chronica benigna plasmacellularis
(Zoon) entsprechende Erkrankung (Kap. Hauterkrankungen des männlichen Genitales). Sie ist bei Frauen deutlich seltener als bei Männern. Die Ursache ist unbekannt. Es wird angenommen, dass es sich möglicherweise nicht um eine spezifische Entität, sondern um eine unspezifische entzündliche Reaktion zum Beispiel auf chronische Irritation oder um einen unerkannten Lichen ruber handelt.
Endometriose (Rokitansky 1860)