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Über dieses Buch

Das Buch bietet für die 30 häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern einen Diagnose- und Behandlungsfahrplan: Für jede Erkrankung gibt es präzise Texte, zahlreiche typische klinische Farbfotos sowie Tabellen zu Differentialdiagnosen und zum therapeutischen Prozedere unter Nennung der geeigneten Präparate. Für die aktuelle 4. Auflage haben Dermatologen und Kinderärzte mit langjähriger Praxis- und Klinikerfahrung alle Kapitel auf den neuesten Stand gebracht.

Einige Erkrankungen, auch häufig vorkommende, manifestieren sich fast ausschließlich bei Kindern. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang z.B.: Tinea capitis, perianale streptogene Dermatitis, Lichen striatus.

Im Kindesalter gibt es überdies bei zahlreichen Hauterkrankungen therapeutische Besonderheiten, u.a. topische Calcineurininhibitoren und die topische Behandlung der Psoriasis oder der perioralen Dermatitis. Kenntnisse vom spezifischen Verlauf der Erkrankungen im Kindesalter sind wichtig für das eigene therapeutische Vorgehen und die Beratung der Eltern.

Für alle Ärzte, die Kinder mit Hauterkrankungen behandeln: Dermatologen, Pädiater und Allgemeinmediziner in Krankenhaus oder Praxis.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Akne

Akne, die häufigste Hauterkrankung der Adoleszenz, kann sich bereits unmittelbar nach Geburt (Acne neonatorum), im 1. Lebensjahr (Acne vulgaris infantum) oder typischerweise in der Pubertät (Acne vulgaris) manifestieren. Die Behandlung der verschiedenen klinischen Formen der Akne erfolgt topisch (komedogene oder milde papulopustulöse Verläufe) oder systemisch (schwere papulopustulöse oder konglobata Verläufe). Topische Retinoide sind die Therapeutika der Wahl für die komedogene Akne. Für die Behandlung der Acne papulopustulosa sind insbesondere topische Antiseptika-/Antibiotika-Retinoid-Kombinationspräparate die Therapeutika der Wahl, und orales Isotretinoin wirkt vorzüglich bei schweren Verläufen der Acne papulopustulosa sowie der Acne conglobata.

K. Strom, D. Abeck

2. Alopecia areata

Typischerweise finden sich rundliche haarlose Bezirke in Ein- oder Mehrzahl auf dem behaarten Kopf, welche konfluieren können. Das Krankheitsbild kann auch die gesamte Behaarung des Kopfes oder aber die gesamte Behaarung des Körpers umfassen. Die Haarfollikelöffnungen bleiben dabei stets erhalten. Therapeutisch kommen unter anderem Glukokortikoide, Cignolin-haltige Zubereitungen und kontaktsensibilisierende Topika zur Anwendung.

M. Möhrenschlager, D. Abeck

Zur Zeit gratis

3. Atopisches Ekzem und klinische Sonderformen

Das atopische Ekzem ist die häufigste chronische Hauterkrankung des Kindesalter.Etwa 85 % aller Erkrankungen manifestieren sich bereits bis zum 5. Lebensjahr. Die Diagnose wird klinisch gestellt, ein erkrankungsspezifischer Laborparameter fehlt. Die Hautbarriere ist in läsionaler, aber auch in klinisch unauffälliger Haut gestört. Die im Rahmen der Behandlung wichtige Basistherapie versucht eine Stabilisierung dieser Barrierefunktionsstörung. Für die antiekzematöse Therapie sind topische Steroide der 4. Generation und Calcineurininhibitoren die Therapeutika der Wahl. Orale sedierende Antihistaminika, Antibiotika oder auch Immunsuppressiva sind insbesondere bei schwer verlaufenden Fällen zeitlich begrenzt notwendig. Das Therapiemanagement beinhaltet auch die Abklärung der individuellen Provokationsfaktoren, wobei irritative Auslöser zahlenmäßig die allergischen deutlich übertreffen. Die Teilnahme an Schulungsprogrammen ist für ein verbessertes Krankheitsverständnis und eine verbesserte Krankheitsakzeptanz empfehlenswert.

D. Abeck, C. Schnopp, H. Fesq

4. Dermatitis papulosa juvenilis

Die den Sommerdermatosen zugehörige Dermatitis papulosa juvenilis tritt bevorzugt bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren auf unter Bevorzugung des männlichen Geschlechts. Pathophysiologisch handelt es sich um eine Irritationsdermatose. Klinisch imponieren Knötchen auf trockener, auch schuppender oder ekzematöser Haut vorzugsweise im Bereich der Handrücken, der Handgelenke streckseitig sowie der Ellenbögen und Kniestreckseiten. In Abhängigkeit der Schwere der Ekzemausbildung können die Hautveränderungen auch jucken. Die Behandlung besteht in der regelmäßigen Applikation von reichhaltigen Basistherapeutika und dem bedarfsweisen Einsatz topischer Kortikosteroide. Die Erkrankung neigt zu Rezidiven.

D. Abeck

5. Exantheme

Die Mehrzahl aller Exantheme im Kindesalter ist unspezifisch und als infektallergisch bzw. parainfektiös einzuordnen. Einige Exantheme erlauben jedoch in der Zusammenschau von Anamnese, klinischem Erscheinungsbild, subjektiven Beschwerden und klinischem Verlauf die Zuordnung einer Entität. Hierzu gehören das Gianotti-Crosti-Syndrom, das unilaterale latherothorakale Exanthem, das Erythem infectiosum und die rekurrierende palmoplantare Hidradenitis, wobei lediglich das Erythema infectiosum einem spezifischen Erreger (Parvovirus B 19) zugeordnet werden kann.

H. Cremer

6. Granuloma anulare

Das Granuloma anulare, dessen Ätiologie bis heute unklar ist, tritt bevorzugt in den ersten 3 Lebensdekaden auf. Die häufigste Form ist das isolierte oder sich in wenigen Läsionen manifestierende Granuloma anulare. Die initial hautfarbenen bis rötlichen Papeln breiten sich im Verlauf horizontal aus und bilden so die typische anuläre Läsion mit unauffälligem Zentrum. Klinische Sonderformen sind das subkutane, das perforierende und das disseminierte Granuloma anulare. Vor dem Hintergrund des Fehlens wirksamer Therapien und der hohen spontanen Abheilungsrate, die bei ca. 75% innerhalb von 2 Jahren liegt, ist ein abwartendes Vorgehen gerechtfertigt.

D. Abeck

7. Herpes-simplex-Virusinfektionen

Herpes-simplex-Virus-(HSV)-1 ist im Säuglings- und Kindesalter für eine Reihe von Haut- und Schleimhautinfektionen verantwortlich, wobei klinische Symptome nur bei etwa 1 % der Infektionen auftreten. Infektionen durch HSV-2 besitzen mit Ausnahme der Neugeborenensepsis bei HSV-2-positiven Müttern in der Kindheit keine klinische Bedeutung.Die Gingivostomatitis herpetica ist die z. T. sehr schwer verlaufende, oft mit Fieber und Lymphknotenschwellungen einhergehende Primärinfektion mit HSV-1. Die häufigste klinische Manifestationsform der HSV-1-Infektion ist der Herpes labialis. Bei häufigen Rezidiven besteht die Möglichkeit der intermittierenden oder kontinuierlichen Aciclovir-Suppressionsbehandlung. Seltene Komplikationen sind die Herpes simplex encephalitis und die Keratoconjunctivitis herpetica. Das Eczema herpeticatum ist eine weitere, in vielen Fällen schwer verlaufende Komplikation des atopischen Ekzems und bedarf in der Regel einer stationären oralen Aciclovir-Behandlung. Im Sinn einer Hypersensitivitätsreaktion ist das postherpetische Erythema multiforme zu sehen.

D. Abeck

8. Impetigo contagiosa

Die oberflächliche kutane Infektionskrankheit Impetigo contagiosa wird durch Staphylococcus aureus (ca. 80–90 %) und Streptokokken der Gruppe A (ca. 10–20 %) verursacht, wobei Mischinfektionen möglich sind. Topische Antibiotika (Fusidinsäure und Mupirocin) sind die Therapeutika der 1.Wahl bei lokalisiert vorliegenden Hautveränderungen. Disseminierte Verläufe oder bei Vorliegen von Allgemeinsymptomen ist eine orale Antibiotikabehandlung indiziert, die vorzugsweise mit Cephalosporinen der 1. Generation geführt wird.

M. Mempel

9. Infantile seborrhoische Dermatitis

Die seborrhoische infantile Dermatitis (SID) ist eine auch heute noch ätiologisch unklare Hauterkrankung, die sich üblicherweise in den ersten 3 Lebensmonaten manifestiert. Am häufigsten ist der Kopfhautbefall, der als Gneis bezeichnet wird. Jedoch können die Hautveränderungen auch disseminiert oder sogar generalisiert auftreten. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist das atopische Ekzem, wobei die Hautveränderungen bei SID im Gegensatz zum atopischen Ekzem einen typischen Befall der Windelregion zeigen und nicht jucken. Die Behandlung erfolgt mit topischen Antimykotika, bei stärker entzündlichen Verläufen auch mit kurzzeitigem Einsatz topischer Kortikosteroide oder off-label mit topischen Calcineurininhibitoren. Auch die Applikation von Borretschsamenöl im Windelbereich ist eine etablierte Therapieoption.

D. Abeck

10. Kutane Mastozytose

Die kutane Mastozytose wird durch Ansammlung von Mastzellen in der Haut hervorgerufen. Die häufigste Manifestation ist die makulopapulöse kutane Mastozytose, auch als Urticaria pigmentosa bezeichnet. Sie ist durch rotbraune Flecken oder Papeln gekennzeichnet. Solitäre Mastozytome treten ebenfalls sehr oft auf. Auch multiple papulöse und nodulöse Läsionen kommen vor; eine diffuse Variante ist sehr selten. Das klinische Bild ist zumeist typisch und ein urtikarielles Aufschwellen der Läsionen an Stellen mechanischer Reizung (Darier-Zeichen) ist pathognomonisch. Eine Hautbiopsie mit Mastzellfärbung sichert die Diagnose. Die Therapie ist rein symptomatisch und verändert den Krankheitsverlauf nicht. Sie ist auf die Beschwerden des Patienten zugeschnitten. Antihistaminika sind dabei die Basismedikamente. Die Prognose ist gut: Bei der Mehrzahl der Kinder kommt es bis ins Erwachsenenalter zu einer vollständigen Abheilung der Erkrankung.

K. Brockow

11. Läuse

Infestationen mit Kopfläusen kommen bei Klein- und Schulkindern häufig vor. Eine Übertragung erfolgt meist durch engen körperlichen Kontakt, wobei indirekte Transmissionen durch z. B. infestierte Kopfbedeckungen und Kämme, aber auch durch Kontakt mit befallenen Polstermöbeln oder Kopfstützen möglich sind. Von geringer Bedeutung hingegen sind in Westeuropa Infestationen mit Kleider- und Filzläusen bei Kindern.Für die Behandlung von Lausinfestationen stehen eine Reihe von Lokaltherapeutika zur Verfügung, von denen das synthetische Pyrthroid Permethrin als Mittel der 1. Wahl gilt. Um Reinfestationen vorzubeugen, sollten bei entsprechendem Verdacht Kontaktpersonen wie auch potenziell befallene Gegenstände unbedingt mitbehandelt werden.

O. Brandt

12. Lichen sclerosus

Der Lichen sclerosus, der etwa 10-mal häufiger bei Mädchen als bei Jungen auftritt, ist vermutlich eine genetisch determinierte Autoimmundermatose. Extrakutane Manifestationen im Kindesalter sind eine Rarität. Die typische Manifestationsform ist die vernarbende Phimose bei Jungen und der anogenitale Lichen sclerosus bei Mädchen. Während bei Jungen die vollständige Zirkumzision mit einer Ausheilung der Erkrankung einhergeht, ist bei Mädchen die Prognose nicht so günstig. Neben einer kontinuierlichen Basispflege bedarf es einer antientzündlichen topischen Therapie mit Glukokortikoiden (Clobetasolpropionat bzw. Mometasonfuroat), evtl. in Kombination (off-label) mit Calcineurininhibitioren (Tacrolimus oder Pimecrolimus).

D. Abeck

13. Lichen striatus

Der Lichen striatus ist die häufigste erworbene streifenförmige Dermatose, wobei die Ätiologie unbekannt ist. Die Erkrankung, die den Blaschkolinien folgt, tritt bevorzugt bei Kindern im Alter von 3–15 Jahren auf. Jungen erkranken öfter als Mädchen. Klinisch imponieren linear angeordnete rötliche Papeln mit schuppiger Oberfläche und unterschiedlicher Längsausdehnung. Am häufigsten finden sich die Veränderungen im Bereich der Beine. Die Mehrzahl der Erkrankungen verläuft subjektiv symptomlos und bedarf aufgrund der Selbstlimitierung (Abheilung durchschnittlich nach 12 Monaten) keiner spezifischen Therapie.

D. Abeck

14. Lyme-Borreliose

Das Erythema migrans sowie die Lymphadenosis cutis benigna stellen häufige, im Kindes- und Jugendalter beobachtete kutane Zeichen einer Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi dar. Übertragen werden diese Keime durch den Stich einer infizierten Schildzecke. Therapeutisch kommen systemisch gegebene Antibiotika zum Einsatz. Erfolgt die Behandlung unzureichend oder unterbleibt die Therapie gänzlich, kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen am Herzen, den Gelenken, den Muskeln, der Leber sowie dem Nervensystem kommen.

M. Möhrenschlager

15. Molluscum contagiosum

Die durch DNA-Viren verursachten Mollusca contagiosa treten bevorzugt bei Kindern im Alter von 2–5 Jahren auf, insbesondere bei Kindern mit sebostatischer Haut oder manifestem atopischen Ekzem. Die Ansteckung erfolgt fast immer über Geschwister bzw. Spielkameraden. Dellwarzen imponieren klinisch als exophytische, hautfarbene bis gelblich-glasige Papeln, wenngleich sich bei den größeren klinisch eine zentrale Eindellung zeigt. Diese ist auch dermatoskopisch sehr gut sichtbar. Obwohl die Erkrankung im Prinzip immer spontan abheilt, ist es sinnvoll, insbesondere bei wenigen Läsionen, diese aktiv zu entfernen, um eine Ausbreitung der Infektion zu vermeiden. Therapie der Wahl ist die Kürettage bzw. die Exprimierung mittels Eihautpinzette, wobei immer eine topische Anästhesierung vorausgeht. Alternativen sind Kaliumhydroxid, Imiquimod, Kryotherapie oder die gepulste Farbstofflaserbehandlung.

K. Brockow, D. Abeck

16. Perianale streptogene Dermatitis

β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A sind der klassische Erreger der perianalen streptogenen Dermatitis, die in den ersten 12 Lebensjahren, insbesondere bei den 4- bis 7-jährigen Kindern, auftritt mit einer Bevorzugung des männlichen Geschlechts. Klinisch zeigen sich in der Analfalte recht scharf begrenzte feuchte Erytheme. Subjektiv bestehen teilweise auch heftige Schmerzen, insbesondere beim Stuhlgang. Eine topische Behandlung reicht nicht aus. Obwohl Streptokokken prinzipiell penicillinempfindlich sind, kann die hohe Rezidivrate durch die Verordnung penicillinasefester Penicilline, die über 10–14 Tage eingenommen werden, deutlich gesenkt werden.

D. Abeck

17. Periorale Dermatitis

Die periorale Dermatitis ist eine häufige Hauterkrankung, die auch im Kindesalter regelmäßig beobachtet wird. Wichtigste auslösende Faktoren sind die meist längerfristige topische Anwendung von Kortikosteroiden, aber auch die inhalative Therapie mit Kortikosteroiden beim Asthma bronchiale oder die systemische Gabe. Im Kindesalter spielt außerdem neben der Verwendung von zu reichhaltigen Hautpflegeprodukten die Anwendung von Lichtschutzpräparaten mit physikalischen UV-Filtern eine pathogenetische Rolle. Die Therapie besteht in erster Linie im, so weit möglich, konsequenten Meiden der auslösenden Faktoren. In der Regel ist eine topische Behandlung mit Erythromycin oder Metronidazol (off label) ausreichend. Die Zeit bis zur vollständigen Abheilung kann jedoch 1–2 Monate betragen. Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind sowohl andere Erkrankungen mit Papeln bzw. Papulopusteln wie z. B. Rosazea oder Acne infantum sowie Ekzeme wie z. B. das atopische oder seborrhoische Ekzem.

K. Strom, D. Abeck

18. Pityriasis amiantacea

Eine ausgeprägte, flächenhafte Schuppenbildung mit Umscheidung der Haare an der Basis sind die klinischen Zeichen der Pityriasis amiantacea, der ätiologisch unterschiedliche Erkrankungen zugrunde liegen können. Die Pityriasis amiantacea tritt v. a. bei Kindern im Alter von 4–10 Jahren auf. Ist nach Schuppenablösung die Kopfhaut unverändert, liegt die Maximalvariante der Pityriasis simplex capillitii vor. Atopisches Ekzem, Psoriasis und seborrhoisches Ekzem sind bei entzündlich veränderter Kopfhaut die wichtigsten Differenzialdiagnosen. Diese Erkrankungen bedürfen neben einer Keratolyse auch einer antiinflammatorischen Behandlung.

D. Abeck

19. Pityriasis lichenoides

Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta und Pityriasis lichenoides chronica stellen die klinischen Varianten einer bis heute ätiologisch unklaren, in der Regel selbstlimitierenden Hauterkrankung dar, an der bevorzugt Kinder im Alter von 5–10 Jahren erkranken. Papeln, die charakteristischerweise eine zentrale Nekrose aufweisen, papulovesikulöse Läsionen sowie flache Knötchen mit oblatenförmiger Schuppung erlauben gewöhnlich eine klinische Diagnose. Aufgrund des selbstlimitierenden Verlaufs und überwiegend fehlender subjektiver Beschwerden ist eine abwartende Haltung absolut gerechtfertigt. Die orale Erythromycingabe ist bei Beschwerden und Leidensdruck eine erfolgversprechende Therapieoption.

C. Schnopp

20. Pityriasis rosea

Pityriasis rosea ist eine häufige, selbstlimitierte exanthematische, nichtkontagiöse Hauterkrankung. Erstsymptom ist typischerweise ein einzelner, rundlich-ovaler rötlicher Herd mit nach innen gekehrter Schuppenkrause („Collerette“), welcher als Primärplaque bezeichnet wird. Innerhalb einiger Tage oder Wochen kommt es nachfolgend zum exanthematischen Auftreten gleichartiger Herde in den Hautspaltlinien des Rumpfes. Therapeutisch kommt neben dem Zuwarten den Antipruriginosa bei bestehendem Juckreiz sowie den Glukokortikoiden eine Bedeutung zu.

M. Möhrenschlager

21. Psoriasis vulgaris

Bei der kindlichen Psoriasis wird von einer Prävalenz zwischen 2 und 3 % ausgegangen. Die immun-mediierte entzündliche Erkrankung manifestiert sich klinisch unter dem Bild der exanthematischen, gelegentlich auch erythrodermatischen, der chronisch-stationären oder der inversen Psoriasis. Die Behandlung wird mehrheitlich topisch geführt. Neben einer Basispflege werden keratolytisch wirksame Externa (Urea, Milchsäure, Salicylsäure), Dithranol, Vitamin-D3-Analoga, Calcineurininhibitoren und Glukokortikosteroide eingesetzt. Insbesondere bei der exanthematischen Psoriasis kann zusätzlich eine kurzzeitige UVB-Therapie erwogen werden. Für schwer verlaufende kindliche Psoriasiserkrankungen bieten die Biologika heute eine wirksame Therapieoption.

K. Brockow, D. Abeck

22. Skabies

Die Skabies ist eine weltweit auftretende Infestationskrankheit mit Milben, von der Menschen jeden Alters und Geschlechts und unabhängig von deren ethnischer oder sozioökonomischer Zugehörigkeit befallen werden können. Die Übertragung erfolgt überwiegend durch engen körperlichen Kontakt, Leitsymptom der Erkrankung ist der nahezu immer vorhandene quälende Juckreiz. Meist führen Anamnese und klinisches Bild zur Diagnose, gesichert wird diese mittels des Nachweises der Skabiesmilbe in der Haut bzw. im Direktpräparat.Eine antiskabiöse Therapie sollte bereits bei Verdacht durchgeführt und Kontaktpersonen zeitgleich mitbehandelt werden, um Reinfestationen vorzubeugen. Mittel der 1. Wahl ist Permethrin, das aufgrund seiner guten Verträglichkeit auch für die Behandlung von Säuglingen geeignet ist.

O. Brandt

23. Stichreaktionen

In den gemäßigten Breiten sind eine Vielzahl von Erregern mögliche Auslöser von Stichreaktionen wie Insekten in Form von Läusen, Wanzen, Flöhen, Haut- und Zweiflüglern oder Milben wie Skabiesmilben, Thrombidien, Räude- und Hühner- oder Vogelmilben und Zecken. Die gezielte Anamnese in Zusammenschau mit dem klinischen Bild erlaubt in vielen Fällen einen Rückschluss auf den ursächlichen Erreger. Neben örtlich begrenzten, im Einzelfall unterschiedlich stark ausgeprägten Stichreaktionen sind auch Allgemeinreaktionen bis zur Anaphylaxie möglich. Für die Behandlung von Bienen- und Wespengift- wie auch Stechmückenallergikern besteht die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie. Mehrheitlich kommen prophylaktischen Maßnahmen wie der Schutz durch Kleidung oder Repellents die größte Bedeutung zu.

D. Abeck

24. Tinea capitis

Dermatophyten der Gattung Trichophyton (T. mentagrophytes, T. verrucosum) und Microsporum (M. canis) sind in Deutschland die häufigsten Erreger der Tinea capitis, wobei immigrationsbedingt auch immer wieder ausgefallene Dermatophyten wie T. violaceum das Erregerspektrum bereichern. Nativpräparat und Kultur sowie die Wood-Licht-Lampe sichern die klinische Diagnose. Die Behandlung erfolgt immer oral und topisch. Fluconazol, Itraconazol und Terbinafin (Wirksamkeitslücke gegenüber M. canis) sind Griseofulvin hinsichtlich der Wirksamkeit deutlich überlegen. Ciclopiroxalomin-haltige Externa verhindern die Ansteckung weiterer Kinder. Die konsequente Ermittlung und Behandlung der Infektionsquelle ist wichtig.

D. Abeck

25. Urtikaria

Die akute Urtikaria ist auch im Kindesalter häufig, ein chronischer Verlauf mit Krankheitsdauer ≥ 6 Wochen ist seltener. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch Quaddeln und/oder Angioödeme, flüchtige ödematöse Schwellungen mit Juckreiz in oberer Dermis bzw. mit Druckgefühl/Schmerzen in tieferen Hautschichten. Autoinflammationssyndrome, hereditäres Quincke-Ödem und Urtikariavaskulitis sind wichtige Differenzialdiagnosen. Ursachen der zugrunde liegenden Mastzellaktivierung sind vielfältig. Physikalische Trigger sind bei chronischer und Infektionen bei akuter Urtikaria häufige Auslöser. Oft werden jedoch keine Auslöser identifiziert; bei einigen Patienten ist von einer Autoreaktivität gegen eigene Mastzellen auszugehen. Die Ursachensuche wird durch anamnestische Hinweise geleitet. Nichtsedierende H1-Antihistaminika stellen die Basistherapie. Daneben sind Kombinationen mit sedierenden H1- und H2-Antihistaminika möglich. Selten sind kurzfristig Glukokortikoide oder Omalizumab erforderlich.

K. Brockow

26. Varizella-Zoster-Viruserkrankungen

Das zu den DNA-Viren gehörende Varizella-Zoster-Virus verursacht im Rahmen der Erstinfektion Varizellen und nach einer unterschiedlich langen Latenzphase die Zostererkrankung. Bei diagnostischen Problemen ist der virale DNA-Nachweis aus Bläscheninhalt mittels PCR die Methode der Wahl. Seit der Einführung der Varizellenimpfung hat die Zahl der Neuerkrankungen signifikant abgenommen. Die Behandlung der Infektion bei immunkompetenten Kindern jenseits der Neugeborenenperiode erfolgt lediglich symptomatisch. Zostererkrankungen bei immunkompetenten Kindern verlaufen häufig ohne subjektive Beschwerden und bedürfen mit Ausnahme der Zosterinfektion im Gesichtsbereich keiner antiviralen Behandlung.

D. Abeck, H. Cremer

27. Vaskuläre Tumoren („Hämangiome“) und Naevi flammei

Gefäßanomalien lassen sich in vaskuläre Tumoren und vaskuläre Malformationen unterteilen. Der bei Weitem häufigste vaskuläre Tumor ist das Hämangiom. Insbesondere im Bereich der Hämangiome sowie deren Differenzialdiagnosen hat sich in den letzten Jahren bezüglich Diagnostik und Therapie Elementares geändert. Es werden diagnostische Schritte sowie therapeutische Optionen ausführlich geschildert. Neben den klassischen Behandlungsoptionen wie Kryotherapie, Laser und Chirurgie wird speziell auf die Möglichkeit einer systemischen oder auch lokalen Propranololtherapie eingegangen. Bildlich werden unterschiedliche Behandlungsverläufe dargestellt. Die Differenzialdiagnostik von Hämangiomen sowie seltene Sonderformen werden ebenfalls ausführlich erläutert. Die im Kindesalter häufigsten vaskulären Malformationen sind die Naevi flammei. Hier ist neben therapeutischen Möglichkeiten v. a. die Kenntnis assoziierter Begleiterkrankungen wichtig. Es wird hierauf entsprechendes Augenmerk gelegt.

M. Schneider, H. Cremer, H. Bause

28. Verbrennungen 1. Grades

Verbrennungen 1. Grades treten im Kindesalter vielfach auf, wobei akzidenteller Kontakt mit heißem Wasser in den ersten 3 Lebensjahren und offenes Feuer bei Schulkindern die häufigsten Auslöser sind. Altersunabhängig ist auch eine Dermatitis solaris oft für eine Verbrennung 1. Grades verantwortlich. Das Akutmanagement beinhaltet sofortige Kühlung mit Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung bzw. feuchten Umschlägen mit im weiteren Verlauf von feuchtigkeitsspendenden Zubereitungen. Verbrennungen 1. Grades heilen narbenfrei ab. Bei Vorliegen einer Dermatitis solaris ist der Hinweis auf eine optimales Sonnenmanagement wichtig, um Spätfolgen, insbesondere der Entwicklung eines malignen Melanoms, zu verhindern.

D. Abeck

29. Warzen (Verrucae)

Mit einer Inzidenz von etwa 10 % gehören die durch humane Papillomaviren hervorgerufenen Warzen zu den häufigsten infektiösen Hauterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Eine Übertragung ist sowohl über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch als auch über kontaminierte Fußböden/Untergründe oder Gegenstände möglich.Das Behandlungsspektrum der kosmetisch meist störenden, gelegentlich aber auch schmerzhaften und funktionell beeinträchtigenden Hautveränderungen erstreckt sich über Suggestiv-, Lokal- und Lasertherapien bis hin zu systemischen Behandlungen mit verschiedenen oral zu verabreichenden Arzneimitteln.

O. Brandt

30. Windeldermatitis

Windeldermatitiden im 1. Lebensjahr treten bei 1/3 der Kinder eines Geburtsjahrgangs auf. Klinische Zeichen sind zunehmend flächige Erytheme im Windelbereich mit im weiteren Verlauf Ausbildung papulöser und papulopustulöser Hautveränderungen. Subjektiv besteht ein unterschiedlich starker Juckreiz. Pathogenetisch sind in erster Linie irritative Faktoren relevant. Dabei spielt die Okklusion durch die Windel mit Hydratisierung des Stratum corneums eine entscheidende Rolle. Daher sollten die ersten Behandlungsmaßnahmen einen häufigen Windelwechsel und eine schonende Reinigung des Windelbereichs beinhalten. Die Therapie umfasst die topische Applikation von Azolantimykotika, vorzugsweise in Form der Cremepaste. Unterstützend ist die 1-mal tägliche Applikation von Farbstofflösungen sinnvoll. Bei schweren Verläufen kann zusätzlich auch der kurzzeitige Einsatz topischer Kortikoide notwendig sein. Bei sehr therapieresistenten Formen muss differenzialdiagnostisch an andere Erkrankungen, wie z. B. Psoriasis vulgaris, gedacht werden.

K. Strom, D. Abeck

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Prof. Dr. med. habil. Sabine G. Plötz, Prof. Dr. med. Rüdiger Hein, Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring

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